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	<title>Solokarpfen &#187; Wahlkampf</title>
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	<description>Bestimmte Artikel</description>
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		<title>Gestatten, Kanzlerkandidat!</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Sep 2009 21:57:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon Frost</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Merkel]]></category>
		<category><![CDATA[Parteien]]></category>
		<category><![CDATA[Steinmeier]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>

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		<description><![CDATA[Frank-Walter Steinmeier hei&#223;t der Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten. Was? Sie wussten das schon? Na, dann hat die neue Wahlplakate-Strategie der SPD wohl schon gewirkt. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Haben Sie es bemerkt? Die Parteien haben endlich die hei&#223;e Phase des Wahlkampfs er&#246;ffnet. Kanzlerin Merkel verordnet Regierungspartner SPD &#246;ffentlich eine Pause vom Regieren &#8211; vier Jahre soll sie mindestens dauern, damit sich die nicht nur in Th&#252;ringen und im Saarland nach links schielenden Genossen besinnen k&#246;nnen.</p>
<p>Herausforderer und Vizekanzler Steinmeier will da nicht nachstehen und wirft ausgerechnet der etwas galascheuen Chefin Galaqualit&#228;ten vor. “Nur auf roten Teppichen flanieren &#8211; das ist auf Dauer zu wenig”, sagt er wortgleich mehreren Zeitungen.</p>
<p>Na, sind Sie schon eingeschlafen? Tja, der Wahlkampf ist jetzt Chefsache, aber deshalb nicht wirklich spannend oder wenigstens unterhaltsam geworden. Am besten w&#252;rden die Protagonisten wohl gar nichts sagen, auch wenn das eine ziemlich utopische Vorstellung ist.</p>
<p>Aber zweifellos sind sie in diesem m&#252;den Saisonfinale am unterhaltsamsten, wenn sie nichts sagen. Komische Momente setzen die Parteien und ihre Strategieabteilungen h&#246;chstens unfreiwillig &#8211; zum Beispiel bei der Gestaltung ihrer Wahlplakate.</p>
<p>In der Parteizentrale der CDU etwa nimmt man es nicht so genau mit der Parteizugeh&#246;rigkeit, wenn denn die Botschaft stimmt. Zwischen dem wie immer l&#228;chelnden Bild des Wirtschaftsminister Guttenberg und dem CDU-Logo liest man: &#8222;Wir haben die Kraft f&#252;r Wirtschaft mit Vernunft&#8220;. Schade nur, dass dieser Minister weder bei der CDU noch seine Partei CSU au&#223;erhalb von Bayern zu w&#228;hlen ist. Aber, so haben sich die Strategen wohl gedacht, wenn einer gute Arbeit macht, ist er auf jeden Fall einer von uns &#8211; und die Leute werden schon nicht merken, dass das gar nicht stimmt.</p>
<p>Eigentlich ist das auch egal, denn der Dauerl&#228;chler ist inzwischen ohnehin hinter der Kanzlerin verschwunden, deren Konterfei auch die &#252;brigen Kompetenzler der CDU &#252;berdeckt. Den Innenminister, von dem niemand wei&#223;, ob er in seinem Alter noch einmal dieses Amt &#252;bernehmen w&#252;rde. Die Familienministerin, deren Elterngeld-Coup sich, bezogen auf die Geburtenrate, als Flop herausgestellt hat. Den Verteidigungsminister, dessen Bekanntheitsgrad noch unter dem des SPD-Kanzlerkandidaten liegt.</p>
<p><div id="attachment_1836" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><img src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/09/fws-250x250.jpg" alt="Frank-Walter Steinmeier baut auf deutsche Ingenieurskunst" title="Bild: (c) Simon Frost" width="250" height="250" class="size-medium wp-image-1836" /><p class="wp-caption-text">Frank-Walter Steinmeier baut auf deutsche Ingenieurskunst</p></div>Apropos SPD-Kanzlerkandidat. Auch die SPD hat umplakatiert. Bislang verk&#252;ndeten der &#214;ffentlichkeit unbekannte Menschen die angeblichen Vorz&#252;ge sozialdemokratischer Regierungspolitik: Arbeit, Bildung, Umweltschutz. Nanu, werden sie sagen, daran hat sich doch nichts ge&#228;ndert. Richtig. Und doch falsch. Denn der unbekannte Mann, der nun die vermeintlichen SPD-Segnungen f&#252;r Arbeit, Forschung und Generationengerechtigkeit anpreist, ist kein geringerer als Kanzlerkandidat Steinmeier selbst, der mal inmitten von Senioren, mal neben einem Arbeiter und mal neben einem kleinen M&#228;dchen steht.</p>
<p>Als ich die Plakate sah, f&#252;hlte ich mich spontan an ein Motiv aus der sp&#228;ten DDR erinnert, das zwei Arbeiter auf einer Baustelle zeigt. Beide tragen vorschriftsm&#228;&#223;ig einen Helm, beide l&#228;cheln freundlich, der eine hebt den Daumen. <a title="DDR-Plaktate.de" href="http://www.ddr-plakate.de/Biographie_time_d.php" target="_blank">&#8222;Klarer Kurs &#8211; Gut arbeiten, gesichert leben!&#8220;</a> steht auf dem Plakat von 1987. Auch in der SPD-Wahlkampfzentrale scheint es Menschen zu geben, denen dieses Motiv im Ged&#228;chtnis geblieben ist. &#8222;Anst&#228;ndige L&#246;hne f&#252;r die Menschen&#8220; steht da unter einem behelmten Steinmeier, der einen Arbeiter kumpelhaft am Arm h&#228;lt.</p>
<p>Auf einem anderen steht SPD-Kandidat neben einem kleinen M&#228;dchen. &#8222;Das schaffen unsere Ingenieure: Saubere Energie ohne Atomkraft&#8220;. Das h&#246;rt sich schon sehr nach sozialistischer Plan- und Hoffnungswirtschaft an, und Steinmeier wirkt seltsam deplatziert, wie als w&#252;rde er ahnen, dass sich Honecker neben einem solchen Spruch viel besser machte.</p>
<p>Aber immer noch besser, als das, was die FDP-Strategen ihrem Parteichef Guido Westerwelle angetan haben. Der l&#228;chelt freundlich von einem h&#252;bsch gelb grundierten Plakat mit blauem Parteilogo und muss im Slogan tats&#228;chlich zugeben: &#8222;Deutschland kann es besser&#8220;. Wenn eine Partei in ihrer Selbstanalyse schon so weit ist, k&#246;nnte sie gleich dar&#252;ber nachdenken sich aufzul&#246;sen.</p>
<p>Manchmal sollte man vielleicht auch auf Plakaten einfach nur schweigen.</p>




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		<title>Hallo W&#228;hler, wir h&#228;ngen hier oben!</title>
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		<pubDate>Fri, 21 Aug 2009 15:10:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Eber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Lindner]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlplakate]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Wahlkampf findet zunehmend im Internet statt, hei&#223;t es. Dabei kenne ich in meinem Wahlkreis keinen Kandidaten besser als  diesen Martin Lindner von der FDP. Ich treffe ihn jeden Morgen.

]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vielleicht macht Martin Lindner, dieser Langweiler, ja alles richtig. Ich treffe ihn jetzt regelm&#228;&#223;ig bei mir um die Ecke, genauer gesagt jeden Morgen. Was hei&#223;t treffen: Martin Lindner h&#228;ngt am Laternenpfahl, mit Kabelbindern fixiert, ein Wahlplakat von ihm ist es, um genau zu sein, in DIN A1. Aus drei Metern H&#246;he schaut der Mann, der offensichtlich in meinem Wahlkreis f&#252;r die FDP kandidiert, t&#228;glich auf mich herab. “Leistung muss sich lohnen”, lese ich dann, w&#228;hrend ich mit dem Rad zur Arbeit fahre, und ich denke mir, dass der Mann irgendwie recht hat.</p>
<p>Die Optik des Plakats steht dem Slogan in nichts nach. Euphemistisch gesagt: Es ist zeitlos. Das Gelb der FDP, das Foto des Kandidaten, der Slogan aus der Mottenkiste &#8211; es k&#246;nnte aus den 70ern stammen, aus den 80ern oder aus den 90ern. Wahrscheinlich <em>ist es</em> aus den 70ern <em>und</em> aus den 80ern <em>und</em> aus den 90ern. Nur Bild und Namen wird man irgendwann ausgetauscht haben: Martin Lindner, so erfahre ich auf seiner Internetseite, ist 45 Jahre alt, und erst seit 1998 in der FDP. Was dort auch steht: Er wohnt in Gr&#252;nwald, ist Jurist, verheiratet und hat sechs Kinder.</p>
<p>Sonst erfahre ich auf <a href="http://www.martin-lindner.info/">seiner Webseite</a> wenig: Er bittet mich um &#8222;Unterst&#252;tzung im bevorstehenden Wahlkampf&#8220; (Wann f&#228;ngt der Wahlkampf denn eigentlich an?), er findet, dass &#8222;Deutschland vor einer Richtungswahl stehe&#8220; (mal wieder) und er will deswegen in den Bundestag einziehen, damit Berlin &#8222;nicht nur von Staatsapologeten, Gleichmachern und Jammerlappen vertreten&#8220; werde (d’accord, Herr Lindner!). &#220;berzeugt hat mich Martin Lindner damit nicht, aber immerhin: Sein Name ist mir mittlerweile ein Begriff. Weil flei&#223;ige Parteisoldaten dieses Plakat drucken lie&#223;en, es auf Sperrholz klebten, danach vermutlich in einen Kleintransporter verluden, mit diesem Kleintransporter in meine Stra&#223;e fuhren, eine Leiter an die Laterne stellten und dann den Lindner dort aufgeh&#228;ngt haben.</p>
<p>Dabei hei&#223;t es doch allerorten, dass der Wahlkampf sich zunehmend im Internet abspiele. &#8222;Das Internet wird zum zentralen Medium f&#252;r die Kommunikation zwischen Politik und B&#252;rgern&#8220;, sagt etwa August-Wilhelm Scheer. Er ist der Pr&#228;sident des Bitkom, dem Verband der deutschen Informations- und Telekommunikationsbranche. Scheer hat diese Woche eine Umfrage pr&#228;sentiert, wonach vor allem f&#252;r J&#252;ngere das Internet bei Fragen rund um Politik zum Hauptmedium geworden sei. Drei Viertel der 18- bis 29-J&#228;hrigen informierten sich im Web &#252;ber Politik, so ein Ergebnis der Umfrage. Und 44 Prozent der wahlberechtigten Bundesb&#252;rger glaubten, dass eine Partei ohne den Einsatz des Internets heute keine Wahl mehr gewinnen k&#246;nne.</p>
<p><div id="attachment_1431" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><a href="http://www.flickr.com/photos/34104164@N02/3181143479"><img src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/wahlplakat-250x225.jpg" alt="H&#228;ngt sie h&#246;her." title="Bild: (cc) Piraten Hessen @ flickr.com" width="250" height="250" class="size-medium wp-image-1431" /></a><p class="wp-caption-text">H&#228;ngt sie h&#246;her.</p></div> Im Vergleich zu den Internet-Auftritten von Parteien und Politikern wirken die Wahlplakate am Stra&#223;enrand anachronistisch. Man wundert sich, dass es &#252;berhaupt noch gen&#252;gend Parteimitglieder gibt, die sich zum B&#252;ttel f&#252;r die Karriere anderer machen und in ihrer Freizeit von Stra&#223;enlaterne zu Stra&#223;enlaterne ziehen. Und man fragt sich, wie um alles in der Welt ein Ursache-Wirkungszusammenhang in der Art entstehen soll, dass ein aus drei Metern H&#246;he herab l&#228;chelnder Politiker beim W&#228;hler den Effekt ausl&#246;st, dass dieser am Wahltag in der Wahlkabine mit seinem Stift das Kreuz hinter diesem Kandidaten macht.</p>
<p>Ich habe jedenfalls noch nie jemanden sagen h&#246;ren, dass er dieses Mal Partei X oder Kandidat Y gew&#228;hlt habe, weil das Wahlplakat so sch&#246;n/ansprechend/interessant war. Auf der anderen Seite: Wer gibt so etwas schon zu? Und: Vielleicht sind sich viele des Effekts gar nicht bewusst. Vielleicht wirken die Plakate ja unterschwellig. Schlie&#223;lich kenne auch ich Martin Lindner nur wegen des Plakats. Und h&#228;tte er nicht nur Phrasen auf seiner Webseite stehen, vielleicht w&#252;rde ich ihn am 27. September sogar w&#228;hlen.</p>
<p>M&#246;glicherweise liegt darin das schlichte &#8222;Geheimnis&#8220; eines erfolgreichen Wahlkampfes, n&#228;mlich in der Kombination aus alten und neuen Medien. Fr&#252;her oder sp&#228;ter geht jeder W&#228;hler aus seiner Wohnung und dann wirft er am Stra&#223;enrand einen Blick auf die Martin Lindners der Politik-Szene. Damit ist der erste Schritt vollzogen: die Wahrnehmung der Person, der erste Kontakt. Ein zartes Band ist gekn&#252;pft. Was folgt, ist &#220;berzeugungsarbeit: Man sieht den Kandidaten in einer Talkshow, liest einen Zeitungsartikel &#252;ber ihn oder stolpert in einem Sozialen Netzwerk &#252;ber sein Profil. Die M&#246;glichkeiten, aus einem ersten Kennenlernen eine dauerhafte Beziehung zwischen Politiker und W&#228;hler zu machen, sind vielf&#228;ltiger als die Zahl der Medien selbst.</p>
<p>Oskar Lafontaine zum Beispiel ist gerade im Saarland auf Stimmenfang (Landtagswahl 30. August). Er l&#228;sst kein Fest, kein Jubil&#228;um, keine Er&#246;ffnung aus. Lafontaine will jeden potentiellen W&#228;hler mit Handschlag begr&#252;&#223;en (was im Saarland fast machbar sein d&#252;rfte). Und immer ist ein Fotograf mit einer Polaroid-Kamera an seiner Seite. Wer Lafontaine die Hand sch&#252;ttelt, wird abgelichtet. Und der Fotograf h&#228;ndigt die Bilder sofort aus. 50 Bilder die Stunde, 50 m&#246;gliche W&#228;hler die Stunde. &#8222;Das Geheimnis des Polaroid ist&#8220;, <a href="http://www.dradio.de/aktuell/1019179/">so</a> Lafontaine, &#8222;dass die Menschen eine Erinnerung haben an diese Begegnung und das ist nat&#252;rlich so, dass viele dieses Foto auch ihren Bekannten und Verwandten zeigen, insofern ist das eine Methode, die ich seit Jahren anwende und die sich immer bew&#228;hrt hat.&#8220;</p>
<p>Selbst die im und wegen des Internets entstandene Piratenpartei pflastert mittlerweile die Stra&#223;enr&#228;nder mit ihren orangefarbenen Plakaten zu. Das eine tun, ohne das andere zu lassen, so lautet das Motto aller Parteien im aktuellen Wahlkampf. Alle k&#228;mpfen an allen Fronten um  h&#246;chstm&#246;gliche Aufmerksamkeit.</p>
<p>Martin Lindner hat da noch ein wenig Nachholbedarf: Sein Internetauftritt ist nicht aktuell und au&#223;er eines Gru&#223;wortes und einer kurzen Vita erf&#228;hrt man nichts &#252;ber ihn. Also, Martin Lindner werde ich wohl nicht w&#228;hlen. Aber es gibt ja auch noch andere. Seit gestern wei&#223; ich zum Beispiel, wer f&#252;r die SPD in meinem Wahlkreis kandidiert. Er h&#228;ngt seit neuestem am gleichen Laternenpfosten wie Martin Lindner, &#252;ber ihm um genau zu sein. Es ist der alte Bekannte Wolfgang Thierse. Und wie der b&#228;rtige Thierse  vom Laternenpfosten so auf mich runter schaut, da denke ich mir, dass es vielleicht doch f&#252;r jeden Politiker eine ganz individuelle Wahlkampfstrategie braucht. Der altv&#228;terliche Thierse und das Werbemittel &#8222;Wahlplakate an Laternenpfosten&#8220;, beide scheinen aus einer anderen Zeit zu stammen, und passen damit irgendwie ziemlich hervorragend zusammen.</p>




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		<pubDate>Mon, 10 Aug 2009 15:41:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Eber</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Viele klagen &#252;ber sinkende Wahlbeteiligungen. Die Menschen interessierten sich immer weniger f&#252;r Politik, hei&#223;t es. Fr&#252;her war das anders. Zum Gl&#252;ck sind diese Zeiten vorbei.  ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn mich meine Erinnerung nicht t&#228;uscht, hatte ich diesen Traum in meiner Kindheit mindestens hundert Mal. Andere fallen regelm&#228;&#223;ig in unendlich tiefe L&#246;cher oder verlieren ihre Z&#228;hne &#8211; ich hatte st&#228;ndig diesen Kriegstraum. Ich laufe durch meinen kleinen Heimatort (der mir damals gar nicht klein vorkam), als ich die Fu&#223;g&#228;ngerzone erreiche, heulen pl&#246;tzlich die Sirenen auf &#8211; Fliegeralarm. Schutz suchend fl&#252;chte ich in den nahegelegenen Zeitschriften- und Tabakladen &#8222;Baumann&#8220;, ich finde eine Treppe, die nach unten f&#252;hrt und verkrieche mich in einen Keller, w&#228;hrend drau&#223;en die ersten Bomben fallen. Krachend laut versetzen sie mich in  Todesangst.</p>
<p>Nein, ich bin kein Kriegskind. Ich wurde 1971 geboren. Und dennoch ist mir der Krieg in gewisser Weise vertraut. Nicht der reale Krieg, zum Gl&#252;ck. Der potenzielle Krieg. Krieg, der jederzeit ausbrechen kann. F&#252;r den die Pl&#228;ne bereits fertig in den Schubladen liegen. Auf beiden Seiten: die Abwehrstrategien bei den Guten, die Angriffs&#252;berlegungen bei den B&#246;sen. Auf beiden Pl&#228;nen liegt die kleine nordbadische Kreisstadt Tauberbischofsheim mitten im Kampfgebiet, im Artilleriekampfgebiet. Panzer gegen Panzer h&#228;tten hier gek&#228;mpft &#8211; vorausgesetzt, beide Seiten h&#228;tten im Kriegsfall auf den Einsatz von Raketen mit Atomsprengk&#246;pfen verzichtet. Dann w&#228;re ein Bodenkampf sinnlos gewesen.</p>
<p>Der Verzicht auf Atomsprengk&#246;pfe schien mir damals unwahrscheinlich. Die Russen waren meiner festen &#220;berzeugung nach zu allem f&#228;hig. Und sp&#228;testens jeden ersten Samstag im Monat wurde meine Vorstellung untermauert. Dann war Probealarm. Der stetige auf- und abschwellende Heulton von einer Minute Dauer k&#252;ndigte den Luftangriff an, der nach jedem Auf- und Abschwellen unterbrochene Ton signalisierte eine Gefahr durch radioaktiven Niederschlag oder chemische Kampfstoffe.</p>
<p>Die schrille Sirene durchdrang alles und jeden, regelm&#228;&#223;ig, alle vier Wochen. Aber keiner schreckte deshalb von seinen Samstagsaktivit&#228;ten auf. M&#228;nner polierten weiter ihre Autos, Kinder spielten Fu&#223;ball, Frauen bereiteten das Mittagessen vor. Die drohende Katastrophe war Teil des Alltags geworden. Die Zivilschutzanlagen (wie die Sirenen offiziell hie&#223;en) gab es schlie&#223;lich schon seit Ende der 50er Jahre. Man lebte mit ihnen und mit der Angst. Und man tr&#228;umte davon.</p>
<p>Gew&#228;hlt wurde freilich schwarz. Die Roten wohnten im Ruhrgebiet, vereinzelt auch in der Nachbarschaft. Es waren Verwirrte. Sie redeten von Abr&#252;stung. Vom &#8222;Frieden schaffen ohne Waffen&#8220;. Sie wussten nicht, dass sie manipuliert wurden, von den echten Roten, den Kommunisten. Die wollten den Westen weich klopfen. Deren milit&#228;rische Kraft verringern. Um dann zuzuschlagen. Ohne Vorwarnung. &#8222;Erstschlag&#8220; nannte man das. Die Weltherrschaft war das Ziel der Kommunisten in Moskau. Unter den  Erwachsenen, die meine Kindheit begleiteten, bestand daran kein Zweifel.</p>
<p>Deshalb str&#246;mten die Menschen bei der Bundestagswahl auch zu den Urnen. Der kalte Krieg trieb sie dort hin. Die <a href="http://www.bpb.de/wissen/P4WO2I,0,0,Wahlbeteiligung_nach_Geschlecht.html">Wahlbeteiligung</a> lag bei 90 Prozent, teilweise sogar dar&#252;ber. Es ging um gut und b&#246;se, richtig und falsch, Leben und Tod. Die Ideologie hatte ihre gro&#223;e Zeit. Auf beiden Seiten. Auch bei mir. Die Schwarzen mussten gewinnen. Nur so blieben die Amis unsere Freunde, nur so war unsere Verteidigung stark genug, dass sie selbst den m&#228;chtigen Russen Angst machte. Dass sie lieber blieben, wo sie waren. Als Helmut Kohl 1982 durch ein konstruktives Misstrauensvotum an die Macht kam, war ich gerade elf und sehr erleichtert.</p>
<p>Ein Jahr sp&#228;ter war Wahl: Die Union kam auf 48,8, die SPD auf 38,2 Prozent, die Welt war noch schwarz-wei&#223;, schwarz-rot um genau zu sein. Das ist lange vorbei. Die beiden ehemaligen Volksparteien  verlieren kontinuierlich. In <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,623633,00.html">Umfragen</a> n&#228;hert sich die SPD den ehemals kleinen Parteien.  Schuld soll das Personal sein. Steinmeier bei der SPD zum Beispiel. Zumindest mit Schuld. Ihm fehle das Charisma eines Gerhard Schr&#246;ders. Auch dessen K&#228;mpfernatur. Der Steinmeier sei nett und freundlich. Und das sei sein Problem. Zu nett. Zu freundlich.</p>
<p>Andere verweisen auf die aktuelle Situation der SPD. Sie sei an der Regierung, stelle aber nicht den Kanzler. Deshalb w&#252;rde die SPD in der Bev&#246;lkerung nicht als tatkr&#228;ftige Partei wahrgenommen. Merkel sei die  handelnde &#8211; oder besser gesagt, die als handelnd wahrgenommene &#8211; Person. Und mit ihr die CDU. Weil die SPD aber eben de facto in der Regierung sei, k&#246;nne sie auf der anderen Seite nicht mit einem typischen Oppositionswahlkampf punkten, also Forderungen stellen (&#8222;Wenn wir an der Macht sind, dann werden wir …&#8220;). So wie das Oppositionsparteien eben tun. Die fordern gerne das Blaue vom Himmel runter. &#8222;Fordert nicht, macht doch!&#8220; w&#252;rde man der SPD bei einem solchen Wahlkampf zurecht entgegenrufen.</p>
<p>Hinzu kommt: Die SPD hat Konkurrenz von allen Seiten. Die Linken haben sich breit gemacht, f&#252;r sozial engagierte Jung-Gebliebene gibt es die Gr&#252;nen und f&#252;r die wirklich Jungen etabliert sich gerade die &#8222;Piratenpartei&#8220;. Gut m&#246;glich also, dass das Problem der SPD gar nicht Frank-Walter Steinmeier ist, sondern die Konkurrenz.</p>
<p>Gut m&#246;glich auch, dass diese Konkurrenz entstehen konnte, weil den gro&#223;en Parteien die gro&#223;en Themen abhanden gekommen sind. Klar, es gibt Gesundheitsreformen, die Wirtschaftskrise, Bildungsfragen. Was aber fehlt, ist die Polarisierung. Ob Studieren kostenlos sein soll oder Geb&#252;hren daf&#252;r erhoben werden, ist bedeutsam. Auch die Diskussion &#252;ber Wege aus dem Konjunkturtal. Aber mal ehrlich: Daf&#252;r auf die Stra&#223;e gehen? Das machen h&#246;chstens jene, die ganz unmittelbar betroffen sind. Die Konfliktlinien verlaufen heute nicht durch die <em>eine</em> Gesellschaft, sondern durch unterschiedliche soziale Gruppen.</p>
<p>Dadurch wird der Bundestagswahlkampf weniger aufregend. Die Medien bedauern dies. Das verstehe ich. Schlie&#223;lich leben sie von der Kontroverse. Die SPD findet das schrecklich. Auch das verstehe ich.</p>
<p><a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Frank-Walter_Steinmeier_25a.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1281" title="Bild: (cc) Armin K&#252;belbeck @ wikimedia.org" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/Frank-Walter_Steinmeier_25a-250x250.jpg" alt="Bild: (cc) Armin K&#252;belbeck @ wikimedia.org" width="250" height="250" /></a>Aber mir gef&#228;llt diese Entwicklung. Nicht die der SPD im Speziellen, aber ich mag die Unaufgeregtheit dieses Wahlkampfes, in dem von &#8222;Kampf&#8220; kaum mehr die Rede sein kann. Und ja, vermutlich wird sich dies auch negativ auf die Wahlbeteiligung auswirken. Auch das werden viele bedauern. Auch das kann ich verstehen. Die Mitbestimmung aller ist in der Geschichte der Menschheit noch eine recht junge und, wie ich finde, sehr unterst&#252;tzenswerte Entwicklung. Auf der anderen Seite belegt die Empirie: Die Wahlbeteiligung sinkt immer dann, wenn es den Menschen gut geht. Wenn keine Katastrophen am Horizont sichtbar sind. Es gibt dann einfach weniger Dramatisches, wor&#252;ber abzustimmen w&#228;re. Mancher sagt sich dann: Dann entscheide ich halt mal nicht mit. Gut finde ich das nicht, aber es beruhigt mich irgendwie. Ein aktuelles Wahlkampfthema jedenfalls hat sich bisher nicht in meine Tr&#228;ume geschlichen. Und das darf auch ruhig so bleiben.</p>




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		<title>Liebe Piraten.</title>
		<link>http://www.solokarpfen.de/gesellschaft/1113-liebe-piraten/</link>
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		<pubDate>Sun, 02 Aug 2009 23:54:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frank Lachmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Piraten]]></category>
		<category><![CDATA[Wahl]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Piratenpartei tritt zur Bundestagswahl an. Ein kleiner Ratschlag zum Wahlkampf von einem, der glaubt, immer vieles besser zu wissen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich verstehe mich ja als meist eher unpolitischen Klugschei&#223;er &#8211; also als jemand, der von vielen Dingen ein bisschen Ahnung hat, von einigen wenigen Dingen auch ein bisschen mehr, der aber viele seiner Entscheidungen im Leben nach Bauchgef&#252;hl trifft. So auch die Stelle, wo das Kreuzchen landet, bei den immer mal wieder anstehenden Wahlen. Die richtige Ausgangslage also, um euch ein paar Ratschl&#228;ge zu geben.</p>
<p>Das Lob vorneweg: ihr seid der erste Haufen, bei denen ich in meiner ca. 15j&#228;hrigen Karriere als Wahlberechtigter nicht das Gef&#252;hl habe, mein Kreuzchen w&#228;re hei&#223;e Luft. Wie schon an unz&#228;hlbaren anderen Stellen angemerkt: offenbar sind die Piraten diejenigen (und offensichtlich die einzigen), die &#8211; meinem Bauchgef&#252;hl nach, und dem Bauchgef&#252;hl vieler <a href="http://aggregat7.ath.cx/2009/07/31/die-internetfeinde">Internetfreunde</a> ebenso &#8211; f&#252;r eine Sache stehen, die alle anderen noch nicht einmal als wichtig erkannt haben. Zum ersten Mal vermute, glaube, hoffe ich, dass da gerade eine Partei entsteht, die mit mir so eine Art Seelenverwandtschaft hat &#8211; mit Menschen, denen man nicht erst erkl&#228;ren muss, wieso Datenschutz gut und &#220;berwachungskameras schlecht sind. Mit Menschen, die wissen, was ein Browser ist, und die instinktiv &#8222;WTF!?&#8220; denken, wenn eine Frau von der Leyen kognitiv durchdreht. (Und wegen denen ich mir das exzessive Verlinken dieses Artikel auch spare &#8211; wer mit halbwegs offenen Augen durch das Netz geht, kennt das piratische Repertoire an &#214;ffentlichkeitsarbeit ja bereits.)</p>
<p>Eure Aufgabe wird sein, und auch mit dieser Feststellung bin ich nicht der erste, den Menschen, denen man erkl&#228;ren muss, wieso Datenschutz gut und &#220;berwachungskameras schlecht sind, nahezubringen, wieso das so ist. Auf einer ihnen &#8211; denen, die den Begriff &#8222;Browser&#8220; nicht kennen und f&#252;r die Frau von der Leyen nur &#8222;irgendsoeine Ministerin&#8220; ist &#8211; auf Augenh&#246;he erscheinenden Art. Ihr solltet (und gerade f&#252;hle ich mich ein bisschen wie der wei&#223;b&#228;rtige Opa, der kurz vor dem Tod Ratschl&#228;ge und Lebensgeheimnisse weitergibt) nicht nur ein wenig von eurer/unserer Meinung klarmachen &#8211; sondern ein bisschen von dem, was ich schon fast als Lebensgef&#252;hl bezeichnen wollen w&#252;rde, was ich gern &#8222;gesunden Menschenverstand&#8220; nenne, der leider so vielen verloren gegangen ist &#8211; nicht nur Schlipstr&#228;gern.</p>
<p>Ich halte es f&#252;r ungesund, nicht skeptisch zu sein. Ich halte es f&#252;r fragw&#252;rdig, keine Fragen zu stellen. Und ich halte es f&#252;r eigenartig, Dinge nicht verstehen oder nachvollziehen zu wollen. Anders formuliert: ich glaube, es geht nicht darum, minuti&#246;s f&#252;r den durchschnittlichen SPD-W&#228;hler aufzuschl&#252;sseln, was in der heutigen Bundespolitik falsch l&#228;uft, was der Begriff &#8222;Zugangserschwerungsgesetz&#8220; genau bedeutet, welche Grundgesetze dabei umgangen werden. Oder vielmehr: nat&#252;rlich geht es darum, um all das, aber eben erst sp&#228;ter. Vorher muss die Begeisterung f&#252;r eine Lebenseinstellung kommen. F&#252;r die dann im Verwandten- und Bekanntenkreis &#8222;geworben&#8220; werden muss. Menschen, die nicht ganz so, sagenwirmal, progressiv leben wie ihr/wir, m&#252;ssen &#8211; w&#228;hrend ihr ihnen sagt, warum die Piraten so einen seltsamen Namen haben &#8211; sp&#252;ren, dass es euch ein Anliegen ist, eine Herzenssache, das Leuchten in euren Augen sehen, wenn es um Grundrechte geht. Nicht das Gef&#252;hl haben, dass ein Parteiprogramm vorgestellt werden soll, wie es all die anderen Spinner im Bundestag jahrelang gemacht haben, wenn sie auf Interviewfragen antworten sollten.</p>
<p>Daher, &#252;brigens, ist &#8222;Klar zum &#196;ndern!&#8220; &#8211; was offenbar der Claim eures Wahlwerbespot werden soll &#8211; in meinen Ohren aber auch nur so eher mittelgut: es erinnert in seiner Wortspielhaftigkeit und der zugrundeliegenden Einstellung (&#8222;es soll anders werden!&#8220;) an den Anfangs-80er-Claim &#8222;Sonne statt Reagan!&#8220; der Gr&#252;nen, auch irgendwo zwischen Unbeholfenheit und Weltverbesserungsgedanken getragen und mit relativer Nullaussage au&#223;er dem Klammern an ein irgendwo vorhandenes Oppositionspotential. Das wird nicht ausreichen, auch nicht, wenn Onkel Frieda kurz vor der Tagesschau in knapp 2 Minuten den Begriff &#8222;geistiges Eigentum&#8220; erkl&#228;rt bekommt, denn f&#252;r Onkel Frieda ist das eben auch nur wieder &#8222;irgendsoeine Partei&#8220;, die da rumwirbt.</p>
<p>R&#252;bergebracht werden sollte (und jetzt spricht wieder der wei&#223;b&#228;rtige Opa:) das Gef&#252;hl, dass es wichtig ist, wof&#252;r die Piratenpartei steht &#8211; und zwar nicht wichtig, um in den Bundestag zu kommen, sondern wichtig f&#252;r &#8211; Achtung, Pathos: &#8211; die Menschheit und deren Grundrechte. Erkl&#228;rt das doch mal <em>so</em>, denen, die sich daf&#252;r interessieren: dass es keine Sache der Argumente ist, sondern eigentlich nur naheliegende, logische, konsequente Folge ist von <em>allem</em>, was so passiert und uns umgibt, in den letzten Jahren.</p>
<p>Also, so w&#252;rde ich das jedenfalls machen, an eurer Stelle.</p>




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		<title>Verbraucher-Besch&#252;tzer gesucht</title>
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		<pubDate>Sun, 12 Jul 2009 22:50:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Strobel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Eitkettenschwindel]]></category>
		<category><![CDATA[Ilse Aigner]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Mogelpackungen]]></category>
		<category><![CDATA[Verbraucherschutz]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>

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		<description><![CDATA[Pfusch und T&#228;uschung bei Lebensmitteln und in der Finanzberatung. Gesetzgeber und Verbrauchersch&#252;tzer allein sind nicht in der Lage, Industrie und Banken zu stoppen. Das Volk braucht einen neuen Anwalt. Wer k&#246;nnte das sein?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Manchmal frage ich mich schon, ob Ruhe bewahren ein Pluspunkt der Evolution oder einfach nur d&#228;mlich ist. Wahrscheinlich beides. Auf der einen Seite sch&#252;tzt uns die Eigenschaft davor, in Superm&#228;rkten und Banken auszurasten, auf der anderen Seite l&#228;hmt sie uns B&#252;rger leider auch viel zu h&#228;ufig, wenn es darum geht, gegen Lebensmittelindustrie und Bankberater den Aufstand zu proben.</p>
<p>Anlass f&#252;r die Auseinandersetzung mit diesem Dilemma war am Freitag jedenfalls das Tagesthema von &#8222;Spiegel Online&#8220;. Bis zum Abend lieferten drei Artikel Stoff f&#252;r das Leser-Forum &#8222;<a href="http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=7845">Wie gesund sind unsere Lebensmittel?</a>&#8220;. Den Anfang machte Autorin Susanne Amann, die &#8222;<a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,635367,00.html">Analogk&#228;se, Gel-Schinken und Co.</a>&#8220; ins Visier nahm und berichtete, wie Verbrauchersch&#252;tzer Lebensmittel-Tricksereien aufdecken. Es folgte ein Artikel von Yasmin El-Sharif &#252;ber Starkoch Alfons Schubeck, <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,635320,00.html">dem die Organisation Foodwatch vorwirft</a>, billige T&#252;tensuppe des Herstellers Escoffier als Feinschmeckerware anzupreisen. Anschlie&#223;end res&#252;miert Vorzeigekoch <a href="http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,635505,00.html">Vincent Klink im Interview</a> mit &#8222;Spon&#8220;, dass nat&#252;rliche Nahrung nur noch die Ausnahme in deutschen Superm&#228;rkten sei. &#8222;Was dort vielerorts vor sich geht, ist kriminell&#8220;, sagt Klink.</p>
<p>Den Berichten war eine neue Liste mit Lebensmittelimitaten und Mogelpackungen der <a href="http://www.vzhh.de/">Verbraucherzentrale Hamburg</a> vorausgegangen. Die zweifelhaften Highlights sind Schokoladenkekse ohne Schokolade und Wasabi-N&#252;sse ohne Wasabi.</p>
<p>Alles in allem ist das Thema nicht neu. Vor genau einem Monat (<a href="http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/774142">Sendung vom 11. Juni</a>) berichtete Johannes B. Kerner in seiner ZDF-Show ebenfalls &#252;ber die T&#228;uschungsman&#246;ver der Lebensmittelindustrie, ebenfalls kr&#228;ftig unterst&#252;tzt von der Verbraucherzentrale Hamburg. Schwerpunkt der Sendung war die zunehmende Verbreitung von so genanntem Analogk&#228;se. In diesem K&#228;se-Imitat wird statt aus Milch hergestelltem K&#228;se eine Mischung verwendet, die zumeist aus Pflanzenfett, Wasser, Eiwei&#223;pulver und Aromen besteht. Sie wird teilweise bei &#252;berbackenen Waren (wie K&#228;sebr&#246;tchen) oder auf Pizzen verwendet.</p>
<p>Zum Kotzen, denkt der ern&#228;hrungsbewusste B&#252;rger und folgert: Was nicht sein kann, das nicht sein darf. Falsch gedacht. Rechtliche Grundlage f&#252;r diesen K&#228;seschwindel ist Artikel 114 der EU-Verordnung (EG) Nr. 1234/2007, die in Verbindung mit Anhang XII Vorschriften f&#252;r die Bezeichnung von Milch und Milcherzeugnissen enth&#228;lt. Demnach geh&#246;rt zwar der Begriff &#8222;K&#228;se&#8220; zu den Bezeichnungen, die ausschlie&#223;lich Milcherzeugnissen vorbehalten sind; die Verordnung sch&#252;tzt den K&#228;se aber nicht vor Imitaten, solange weder durch Etikettierung noch durch Aufmachung oder Werbung der Eindruck erweckt wird, dass es sich um ein Milcherzeugnis, also um K&#228;se handelt (vgl. Nr. III 2 des Anhangs XII).</p>
<p>Dem zust&#228;ndigen Ministerium f&#252;r Ern&#228;hrung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz ist dieser Etikettenschwindel durchaus <a href="http://www.bmelv.de/cln_111/SharedDocs/Standardartikel/Ernaehrung/SichereLebensmittel/Kennzeichnung/Analog-Kaese.html">bewusst</a>. In einer Verbraucherinformation hei&#223;t es: &#8222;Vieles, das Sie heute essen, sieht aus wie K&#228;se, riecht wie K&#228;se, schmeckt wie K&#228;se – und ist doch kein K&#228;se.&#8220; Ministerin Ilse Aigner (CSU) handelt nach dem Motto: Aufkl&#228;rung statt Verbot. Die Verantwortung zu handeln wird an den B&#252;rger weitergegeben.</p>
<p>Mit dieser Haltung macht es sich die Ministerin zu leicht. Im Mai 2008 lie&#223; dasselbe Ministerium eine <a href="http://www.bmelv.de/cae/servlet/contentblob/379342/publicationFile/22057/UmfrageNaehrwertkennzeichnungBericht.pdf">Meinungsumfrage</a> zur N&#228;hrwertkennzeichnung von Lebensmitteln aus Sicht der Bev&#246;lkerung durch Infratest Dimap erstellen. Die Studienergebnisse machen deutlich, dass sich nicht einmal vier von zehn Deutschen nach eigener Aussage gut mit dem N&#228;hrwertgehalt in Lebensmitteln auskennen. Dies gilt sowohl f&#252;r den Fett- (38 Prozent), als auch den Zucker und Kaloriengehalt (jeweils 34 Prozent). Beim Salzgehalt wei&#223; sogar nur ein Viertel der B&#252;rger gut Bescheid (25 Prozent).</p>
<p>Wie kann ein Ministerium in Kenntnis solcher Ergebnisse erwarten, dass die breite Masse der Bev&#246;lkerung auch nur ann&#228;hernd in der Lage ist, den organisierten Schwindel von Industrie und Marketing zu erkennen und zu boykottieren?</p>
<p>Verbrauchersch&#252;tzer bleiben bei diesem Thema schon lange nicht mehr ruhig: &#8222;Auf dem Lebensmittelmarkt sind rechtstaatliche Prinzipien au&#223;er Kraft gesetzt&#8220;, schimpft Thilo Bode, Chef der Verbraucherorganistaion Foodwatch, auf &#8222;Spon&#8220;. &#8222;Es ist, als w&#252;rde die Polizei bekannt geben, dass massenweise Falschgeld im Umlauf ist &#8211; es aber nicht aus dem Verkehr zieht, sondern den B&#252;rgern erkl&#228;rt, wie sie die Bl&#252;ten erkennen k&#246;nnen.&#8220; In der Tat ist Zur&#252;ckhaltung bei diesem Thema der falsche Weg. Aber was tun, wenn  Gesetzgeber und Verbraucherorganisationen allein nicht in der Lage sind, die Bev&#246;lkerung vor Etikettenschwindel und Mogelpackungen zu bewahren? Eigeninitiative und Courage sind leichter gefordert als umgesetzt. Nicht jeder hat die finanzielle M&#246;glichkeit, den Supermarkt zu boykottieren und sein Gewissen im teureren Biomarkt zu beruhigen.</p>
<p>Besonders schwierig wird es, wenn B&#252;rger sich nach Alternativen zur Hausbank umschauen wollen, weil sie das Gef&#252;hl haben, dass bei der g&#228;ngigen Provisionsberatung der Berater f&#252;r die Bank und gegen das Interesse des Kunden handelt. Fl&#228;chendeckende Honorarberatungen, bei der der Berater nur profitiert, wenn er Rendite f&#252;r den Kundenerwirtschaftet, sind zur Zeit noch rar und in der Regel verm&#246;genden Kunden vorbehalten.</p>
<p>V&#246;llig zu recht attackiert Oskar Lafontaine, Vorsitzender der Partei &#8222;Die Linke&#8220;, Banken, die Extrageb&#252;hren bei Dispozinsen verlangen. Wer als Kunde den Dispositionskredit &#252;berzieht, wird mit einem erh&#246;hten Zinssatz von bis zu 18,74 Prozent belegt. Seine Partei hat einen Gesetzentwurf eingebracht mit dem Ziel, den Dispozinssatz auf f&#252;nf Prozent &#252;ber den Zentralbanksatz &#8211; das w&#228;ren zurzeit sechs Prozent &#8211; zu begrenzen.</p>
<p>Ein weiterer Gesetzentwurf zum Anlegerschutz ist am 2. Juli im Bundestag verabschiedet worden. In ihm wurden viele Forderungen von Verbraucher- und Anlegersch&#252;tzern aufgegriffen, zum Beispiel sollen Bankberater verpflichtet werden, Kundengespr&#228;che umfassend zu protokollieren. Anleger sollen falsche oder schlechte Beratung besser nachweisen k&#246;nnen und mehr Chancen erhalten, gegen ihre Banken vor Gericht zu siegen. Monatelange Diskussionen in der gro&#223;en Koalition, Wahlkampf und unterschiedliche Auffassungen der L&#228;nder, insbesondere in Bayern, machen deutlich, wie schwierig es derzeit ist, Verbraucherrechte zu st&#228;rken. Das Dilemma: Tag f&#252;r Tag vergr&#246;&#223;ert sich in wirtschaftlich turbulenten Zeiten die Kluft zwischen Verursacher und Verbraucher.</p>
<p>Die richtige Antwort hat &#8222;Spiegel Online&#8220; am Freitag aufblitzen lassen. Verbraucher- und Anlegerschutz geh&#246;rt auf die Agenda der Medien. Was passiert mit uns? Wie k&#246;nnen sich B&#252;rger vor Betrug und T&#228;uschung sch&#252;tzen? Wer unterst&#252;tzt mich dabei? Die Antworten auf diese Fragen sind f&#252;r die politische Willensbildung vor der Bundestagswahl im September mindestens so bedeutsam wie die Erl&#228;uterung von Parteiprogrammen. Mehr noch: Nur wer seine dringendsten Probleme und m&#246;gliche Antworten auf sie kennt, kann am 27. September gezielt abstimmen.</p>
<p>Zeitungen, Zeitschriften, Online-Publikationen, H&#246;rfunk und Fernsehen haben die Mittel, Verursacher in der Industrie zum Umdenken und den Gesetzgeber zu L&#246;sungen zu bewegen. Das ist die Aufgabe der Stunde und nicht &#8211; sorry, &#8222;Spon&#8220; &#8211; ein Mondlandungsquiz, das sich im Laufe des Tages zu den Topstorys gesellte.</p>




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		<title>Der vergessene Wahlkampf</title>
		<link>http://www.solokarpfen.de/gesellschaft/529-streitet/</link>
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		<pubDate>Sun, 07 Jun 2009 08:24:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Eber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Europäische Union]]></category>
		<category><![CDATA[Europawahl]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>

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		<description><![CDATA[Ach so, ja, es ist Europawahl. Warum das so wenige interessiert? Weil die Politiker lieber kuscheln als k&#228;mpfen. Der Wahlkampf nach dem Motto "Hauptsache w&#228;hlen gehen" war langweilig bis erb&#228;rmlich. Dabei k&#246;nnten die Schw&#228;chen der Europ&#228;ischen Union ihre St&#228;rken sein.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Brief in der <a href="http://www.bild.de/BILD/politik/2009/06/04/europawahl-aufruf/brief-verweis,property=Download.jpg">&#8222;Bild&#8220;</a>-Zeitung ist eine Offenbarung. Eigentlich sollte in Parlamenten gestritten werden. Den Argumenten folgen Gegenargumente, der Rede die Gegenrede. Und in Wahlkampfzeiten rumpelt es noch kr&#228;ftiger. Die Kehlen werden heiser, die K&#246;pfe rot, der politische Gegner zum pers&#246;nlichen Feind. Es ist Europawahl in Deutschland und die Europa-Spitzenpolitiker Elmar Brok (CDU), Martin Schulz (SPD) und Silvana Koch-Mehrin (FDP) haben vor allem eins &#8211; sich sehr, sehr lieb. &#8222;Liebe ‚Bild’-Leser&#8220; beginnt ein gemeinsamer Brief der drei, der diese Woche in der Boulevardzeitung ver&#246;ffentlicht wurde. Es folgen Ausf&#252;hrungen, wie wichtig das Parlament sei (Gesetz zur Senkung der Auslands-Geb&#252;hren f&#252;r Handys) und wie schwer es Europa-Abgeordnete h&#228;tten (doppelt so viele Sitzungswochen wie Bundestagsabgeordnete). Am Ende des Briefes der Aufruf: &#8222;Bitte gehen Sie w&#228;hlen!&#8220;</p>
<p><div id="attachment_532" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><a href="http://www.flickr.com/photos/uherrmann/3581199062/"><img src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/06/merkel1-250x163.jpg" alt="Wie hei&#223;t eigentlich gleich nochmal der Spitzenkandidat der CDU f&#252;r die Europawahl?" title="Bild: (cc) Uli H. @ flickr.com" width="250" height="163" class="size-medium wp-image-532" /></a><p class="wp-caption-text">Wie hei&#223;t eigentlich gleich nochmal der Spitzenkandidat der CDU f&#252;r die Europawahl?</p></div> Fast k&#246;nnte man meinen, die Politiker f&#252;rchteten um ihren Arbeitsplatz. Als w&#252;rde das Parlament bei niedriger Wahlbeteiligung einfach aufgel&#246;st. Oder zumindest die  Einkommen der Abgeordneten gek&#252;rzt. Da r&#252;ckt man schon mal zusammen, aus Konkurrenten werden Mitstreiter, f&#252;r die gemeinsame Sache.</p>
<p>Die gemeinsame Sache ist der etwas erb&#228;rmliche Versuch, die eigene Wichtigkeit zu erh&#246;hen. In der &#246;ffentlichen Wahrnehmung ist das EU-Parlament n&#228;mlich nur &#252;berschaubar bedeutsam. Vielleicht eine angemessene Einsch&#228;tzung. Der Pr&#228;sident der Europ&#228;ischen Union (er hei&#223;t aktuell José Manuel Durão Barroso) wird nicht vom Parlament, sondern von den Regierungen der Mitgliedsstaaten nominiert und es sind ebenfalls die Regierungen, welche die Kandidaten f&#252;r die 26 Kommissionssitze vorschlagen.</p>
<p>Auch beim Geld wird die &#252;berschaubare Bedeutung des Parlaments offensichtlich: Der EU-Haushalt macht gerade ein Prozent des Bruttoinland-Produkts (BIP) der EU aus. Zum Vergleich: Die Ausgaben des deutschen Staates werden in diesem Jahr 49 Prozent des hiesigen BIP betragen.</p>
<p>Den geringen finanziellen M&#246;glichkeiten der Europ&#228;ischen Union stehen hohe Erwartungen gegen&#252;ber. Die Menschen in den &#228;rmeren Mitgliedsstaaten wie Bulgarien oder Rum&#228;nien etwa hoffen auf eine schnelle Besserung ihrer Lebenssituation. Der Blick in die Vergangenheit zeigt aber: Selten hatten neue EU-Mitglieder schnell wirtschaftlichen Erfolg. Eigentlich ist Irlands Aufholprozess der einzig wirklich erfolgreiche gewesen. Und auch der begann erst 20 Jahre nach Beitritt zur EU im Jahre 1972. Griechenland fiel nach seinem Beitritt 1981 erstmal zur&#252;ck; Spanien und Portugal (sie kamen 1986 zur EU) holten in den ersten Jahren nur sehr langsam auf. Auf der anderen Seite: Bei den 2004 und 2007 hinzugekommenen L&#228;ndern gab es nach dem Beitritt meist sehr hohe Wachstumsraten.</p>
<p>Fazit: Das Europ&#228;ische Parlament hat erstens deutlich eingeschr&#228;nkte Macht, zweitens  wenig Geld zu verteilen und ein Beitritt zur Staatengemeinschaft ist drittens keine Garantie f&#252;r wirtschaftlichen Aufschwung. Doch was sich wie eine Kritik liest, ist vielmehr die St&#228;rke der Europ&#228;ischen Union. Sie will kein Zentralstaat sein, der Einheitsgesetze &#252;ber einen ganzen Kontinent st&#252;lpt. Die europ&#228;ische Idee basiert auf dem Subsidiarit&#228;tsprinzip, dass n&#228;mlich Politik in erster Linie vor Ort stattfinden muss, in der Gemeinde, im Land. Weil N&#228;he Verst&#228;ndnis und Verantwortlichkeit schafft &#8211; und die Vielfalt f&#246;rdert. Denn je mehr umgekehrt die Politik zentralisiert wird, desto weniger Auswahl- und Ausweichm&#246;glichkeiten hat der B&#252;rger.</p>
<p>Den &#252;berschaubaren Einfluss des Europa-Parlaments muss man also nicht bedauern, eine Entschuldigung f&#252;r den schrecklich langweiligen Wahlkampf ist es nicht. Wahlen sind in einer Demokratie nicht Selbstzweck. Sie sind Mittel, um der eigenen &#220;berzeugung Ausdruck und Gewicht zu geben. Daf&#252;r braucht es alternative Wahlm&#246;glichkeiten, erkennbare Alternativen &#8211; und keinen Brief nach dem Motto &#8222;Geht w&#228;hlen, egal wen!&#8220;.</p>
<p>Foto: <a href="http://www.flickr.com/photos/uherrmann/3581199062/">Flickr</a>/<a href="http://www.flickr.com/photos/uherrmann/">Uli H.</a> (<a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/deed.de">CC-Lizenz</a>)</p>




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