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	<title>Solokarpfen &#187; Wahlen</title>
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	<description>Bestimmte Artikel</description>
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		<title>Warum gehen wir w&#228;hlen?</title>
		<link>http://www.solokarpfen.de/gesellschaft/537-warum-gehen-waehlen/</link>
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		<pubDate>Tue, 09 Jun 2009 12:06:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Eber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Europawahl]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlbeteiligung]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlen]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Wahlbeteiligung bei der Europawahl war erschreckend niedrig, sagt die Politik, sagen die Medien. &#214;konomen sehen das anders. Sie wundern sich eher, warum so viele W&#228;hler Stimmzettel ausf&#252;llen. Das n&#228;mlich ist eigentlich eine irrationale Handlung.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#220;ber die Interpretation der Zahl herrscht Konsens: 43,4 Prozent  &#8211; die Beteiligung der Deutschen bei der Europawahl sei viel zu niedrig, klagen Politik und Medien. &#8222;Das ist kein Zustand, mit dem man sich in politischer Verantwortung abfinden kann&#8220;, <a href="http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&amp;atype=ksArtikel&amp;aid=1244438069598&amp;openMenu=987490165154&amp;calledPageId=987490165154&amp;listid=994342720546 ">sagt</a> etwa der Ministerpr&#228;sident von Sachsen-Anhalt, Wolfgang B&#246;hmert (CDU).  Und die Aachener Zeitung macht aus der Mehrheit der Deutschen gleich potenzielle Systemfeinde: &#8222;Sind die Verweigerer &#252;berhaupt noch Demokraten?&#8220;, <a href="http://www.ftd.de/meinung/kommentare/:Pressestimmen-Die-Kanzlerin-sollte-alarmiert-sein/524014.html ">fragt</a> ein Kommentar. Und: &#8222;Die Demokratie ist ihnen doch egal. Sie sind Biederm&#228;nner. Sie dr&#252;cken sich selbst vor dem einfachsten und fundamentalsten Engagement f&#252;r dieses Gemeinwesen. Sie sind Brandstifter!&#8220;.</p>
<p>Wenn &#214;konomen menschliches Handeln verstehen wollen, machen sie eine einfache Rechnung auf: Sie vergleichen Kosten und Nutzen. Leiste ich mir ein neues Auto oder verzichte ich darauf und fliege in den Sommerurlaub? Trage ich den M&#252;ll runter oder spare ich mir das Treppensteigen und nehme daf&#252;r in Kauf, dass es in der Wohnung muffelt? &#8211; Was bringt&#8217;s, was kostet&#8217;s? Unz&#228;hlige Male t&#228;glich w&#228;gen wir Aufwand und Ertrag ab. Man  muss daf&#252;r nicht einmal die Grundrechenarten beherrschen.</p>
<p>Diese intuitive Mathematik macht das Ausf&#252;llen von Wahlzetteln zum Minusgesch&#228;ft. &#8222;Der Gang zum Wahllokal, m&#246;glicherweise das Anstehen, die Begegnung mit den Wahlhelfern, wird der Einzelne &#8211; wenn auch in unterschiedlichem Ausma&#223; &#8211; als belastend, als wohlfahrtsmindernd, kurz: als Kosten empfinden&#8220;, schreibt der luxemburgische Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler Guy Kirsch in seinem Lehrbuch &#8222;Neue Politische &#214;konomie&#8220;. Den Kosten aber st&#252;nde kein Nutzen gegen&#252;ber. Das Gewicht des Einzelnen sei im politischen Entscheidungsprozess so klein, dass seine Stimmabgabe am Endergebnis nichts &#228;ndere. &#8222;Es ist demnach leicht erkl&#228;rbar, warum in vielen L&#228;ndern die Wahlbeteiligung niedrig ist.&#8220;</p>
<p><div id="attachment_541" class="wp-caption alignleft" style="width: 144px"><a href="http://www.flickr.com/photos/95032598@N00/3593051675/"><img class="size-thumbnail wp-image-541" title="Bild: (cc) konrad_gaehler @ flickr.com" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/06/wahl-lego1-134x134.jpg" alt="Balkendiagramm" width="134" height="134" /></a><p class="wp-caption-text">Balkendiagramm</p></div> Wenn aber der Gang ins Wahllokal nichts bringt, sondern nur etwas &#8222;kostet&#8220;: Warum werden dann &#252;berhaupt Stimmzettel angekreuzt? Warum ist die Wahlbeteiligung bisweilen sogar hoch, etwa bei der Bundestagswahl, wo vier von f&#252;nf Wahlberechtigten einen Zettel in die Wahlurne werfen?</p>
<p>Weil Gesellschaften trickreich sind. Trickreich im Verhindern von individuell rationalem, aber kollektiv sch&#228;dlichem Verhalten. Wahlen sind ein solches Beispiel: Handelt jeder rational, geht am Ende keiner w&#228;hlen &#8211; ohne Wahlbeteiligung aber funktioniert Demokratie nicht.</p>
<p>Deswegen definieren Gesellschaften Handlungen, die individuell nachteilig, aber  kollektiv erw&#252;nscht sind, als moralisch. Je h&#246;her die individuellen Kosten, desto gr&#246;&#223;er die Ehre. Im Kriegseinsatz etwa werden Hymnen geschmettert und Orden verliehen &#8211; und gestorben wird &#8222;f&#252;r Volk und Vaterland&#8220;. Dort, wo maximale Kosten (der eigene Tod) entstehen k&#246;nnen, wird die Rationalit&#228;t durch &#220;berh&#246;hung des eigenen Lebens vernebelt.  F&#252;r den Einzelnen endet diese Irrationalit&#228;t bisweilen in der gr&#246;&#223;tm&#246;glichen Tragik, f&#252;r die Gesellschaft ist ein solches Verhalten w&#252;nschenswert. Sie h&#228;lt sich so gegen &#228;u&#223;ere Feinde verteidigungsf&#228;hig.</p>
<p>Bei demokratischen Abstimmungen sind die Kosten freilich weit niedriger. Die Logik aber ist die Gleiche: Die Moral erschafft einen eigentlich nicht vorhandenen Nutzen. Der Politikwissenschaftler und Mathematiker William Riker hat das &#8222;Paradox des W&#228;hlens&#8220;  schon vor vielen Jahren beschrieben: W&#228;hlen erzeuge einen Konsumnutzen, weil der W&#228;hler ein Gef&#252;hl der Befriedigung erhalte, wenn er seinen staatsb&#252;rgerlichen Pflichten nachkomme, so Riker 1968 in der Fachzeitschrift American Political Science Review.</p>
<p>Ganz ausgeschlossen ist es &#252;brigens nicht, dass eine einzelne Stimme wahlentscheidend werden kann. Ein anderer Wissenschaftler, der &#214;konom <a href="http://homepage.univie.ac.at/dennis.mueller/">Dennis Mueller</a>, hat dies einmal ganz allgemein und theoretisch <a href="http://books.google.de/books?id=CdIOKZWc3oMC&amp;dq=Mueller+(2003),+Public+Choice+III,&amp;printsec=frontcover&amp;source=bn&amp;hl=de&amp;ei=33wtSrD7OcS1sga6z8SeDA&amp;sa=X&amp;oi=book_result&amp;ct=result&amp;resnum=4#PPP1,M1">ausgerechnet</a>: Bei 100 Millionen W&#228;hlern liegt die Wahrscheinlichkeit bei 0,006 Prozent.</p>
<p>Literatur:</p>
<ul>
<li>William Riker und Peter Ordeshook: A Theory of the Calculus of Voting, 1968, American Political Science Review 62(1): 25-42</li>
<li>Dennis Mueller: Public Choice III, 2003, Cambridge University Press, Cambridge</li>
<li>Guy Kirsch: Neue Politische &#214;konomie, 2004, Lucius &amp;Lucius</li>
</ul>




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