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	<title>Solokarpfen &#187; Merkel</title>
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		<title>Gestatten, Kanzlerkandidat!</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Sep 2009 21:57:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon Frost</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>

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		<description><![CDATA[Frank-Walter Steinmeier hei&#223;t der Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten. Was? Sie wussten das schon? Na, dann hat die neue Wahlplakate-Strategie der SPD wohl schon gewirkt. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Haben Sie es bemerkt? Die Parteien haben endlich die hei&#223;e Phase des Wahlkampfs er&#246;ffnet. Kanzlerin Merkel verordnet Regierungspartner SPD &#246;ffentlich eine Pause vom Regieren &#8211; vier Jahre soll sie mindestens dauern, damit sich die nicht nur in Th&#252;ringen und im Saarland nach links schielenden Genossen besinnen k&#246;nnen.</p>
<p>Herausforderer und Vizekanzler Steinmeier will da nicht nachstehen und wirft ausgerechnet der etwas galascheuen Chefin Galaqualit&#228;ten vor. “Nur auf roten Teppichen flanieren &#8211; das ist auf Dauer zu wenig”, sagt er wortgleich mehreren Zeitungen.</p>
<p>Na, sind Sie schon eingeschlafen? Tja, der Wahlkampf ist jetzt Chefsache, aber deshalb nicht wirklich spannend oder wenigstens unterhaltsam geworden. Am besten w&#252;rden die Protagonisten wohl gar nichts sagen, auch wenn das eine ziemlich utopische Vorstellung ist.</p>
<p>Aber zweifellos sind sie in diesem m&#252;den Saisonfinale am unterhaltsamsten, wenn sie nichts sagen. Komische Momente setzen die Parteien und ihre Strategieabteilungen h&#246;chstens unfreiwillig &#8211; zum Beispiel bei der Gestaltung ihrer Wahlplakate.</p>
<p>In der Parteizentrale der CDU etwa nimmt man es nicht so genau mit der Parteizugeh&#246;rigkeit, wenn denn die Botschaft stimmt. Zwischen dem wie immer l&#228;chelnden Bild des Wirtschaftsminister Guttenberg und dem CDU-Logo liest man: &#8222;Wir haben die Kraft f&#252;r Wirtschaft mit Vernunft&#8220;. Schade nur, dass dieser Minister weder bei der CDU noch seine Partei CSU au&#223;erhalb von Bayern zu w&#228;hlen ist. Aber, so haben sich die Strategen wohl gedacht, wenn einer gute Arbeit macht, ist er auf jeden Fall einer von uns &#8211; und die Leute werden schon nicht merken, dass das gar nicht stimmt.</p>
<p>Eigentlich ist das auch egal, denn der Dauerl&#228;chler ist inzwischen ohnehin hinter der Kanzlerin verschwunden, deren Konterfei auch die &#252;brigen Kompetenzler der CDU &#252;berdeckt. Den Innenminister, von dem niemand wei&#223;, ob er in seinem Alter noch einmal dieses Amt &#252;bernehmen w&#252;rde. Die Familienministerin, deren Elterngeld-Coup sich, bezogen auf die Geburtenrate, als Flop herausgestellt hat. Den Verteidigungsminister, dessen Bekanntheitsgrad noch unter dem des SPD-Kanzlerkandidaten liegt.</p>
<p><div id="attachment_1836" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><img src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/09/fws-250x250.jpg" alt="Frank-Walter Steinmeier baut auf deutsche Ingenieurskunst" title="Bild: (c) Simon Frost" width="250" height="250" class="size-medium wp-image-1836" /><p class="wp-caption-text">Frank-Walter Steinmeier baut auf deutsche Ingenieurskunst</p></div>Apropos SPD-Kanzlerkandidat. Auch die SPD hat umplakatiert. Bislang verk&#252;ndeten der &#214;ffentlichkeit unbekannte Menschen die angeblichen Vorz&#252;ge sozialdemokratischer Regierungspolitik: Arbeit, Bildung, Umweltschutz. Nanu, werden sie sagen, daran hat sich doch nichts ge&#228;ndert. Richtig. Und doch falsch. Denn der unbekannte Mann, der nun die vermeintlichen SPD-Segnungen f&#252;r Arbeit, Forschung und Generationengerechtigkeit anpreist, ist kein geringerer als Kanzlerkandidat Steinmeier selbst, der mal inmitten von Senioren, mal neben einem Arbeiter und mal neben einem kleinen M&#228;dchen steht.</p>
<p>Als ich die Plakate sah, f&#252;hlte ich mich spontan an ein Motiv aus der sp&#228;ten DDR erinnert, das zwei Arbeiter auf einer Baustelle zeigt. Beide tragen vorschriftsm&#228;&#223;ig einen Helm, beide l&#228;cheln freundlich, der eine hebt den Daumen. <a title="DDR-Plaktate.de" href="http://www.ddr-plakate.de/Biographie_time_d.php" target="_blank">&#8222;Klarer Kurs &#8211; Gut arbeiten, gesichert leben!&#8220;</a> steht auf dem Plakat von 1987. Auch in der SPD-Wahlkampfzentrale scheint es Menschen zu geben, denen dieses Motiv im Ged&#228;chtnis geblieben ist. &#8222;Anst&#228;ndige L&#246;hne f&#252;r die Menschen&#8220; steht da unter einem behelmten Steinmeier, der einen Arbeiter kumpelhaft am Arm h&#228;lt.</p>
<p>Auf einem anderen steht SPD-Kandidat neben einem kleinen M&#228;dchen. &#8222;Das schaffen unsere Ingenieure: Saubere Energie ohne Atomkraft&#8220;. Das h&#246;rt sich schon sehr nach sozialistischer Plan- und Hoffnungswirtschaft an, und Steinmeier wirkt seltsam deplatziert, wie als w&#252;rde er ahnen, dass sich Honecker neben einem solchen Spruch viel besser machte.</p>
<p>Aber immer noch besser, als das, was die FDP-Strategen ihrem Parteichef Guido Westerwelle angetan haben. Der l&#228;chelt freundlich von einem h&#252;bsch gelb grundierten Plakat mit blauem Parteilogo und muss im Slogan tats&#228;chlich zugeben: &#8222;Deutschland kann es besser&#8220;. Wenn eine Partei in ihrer Selbstanalyse schon so weit ist, k&#246;nnte sie gleich dar&#252;ber nachdenken sich aufzul&#246;sen.</p>
<p>Manchmal sollte man vielleicht auch auf Plakaten einfach nur schweigen.</p>




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<br/><br/>]]></content:encoded>
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		<title>Danke, Frank-Walter!</title>
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		<pubDate>Mon, 10 Aug 2009 15:41:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Eber</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>

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		<description><![CDATA[Viele klagen &#252;ber sinkende Wahlbeteiligungen. Die Menschen interessierten sich immer weniger f&#252;r Politik, hei&#223;t es. Fr&#252;her war das anders. Zum Gl&#252;ck sind diese Zeiten vorbei.  ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn mich meine Erinnerung nicht t&#228;uscht, hatte ich diesen Traum in meiner Kindheit mindestens hundert Mal. Andere fallen regelm&#228;&#223;ig in unendlich tiefe L&#246;cher oder verlieren ihre Z&#228;hne &#8211; ich hatte st&#228;ndig diesen Kriegstraum. Ich laufe durch meinen kleinen Heimatort (der mir damals gar nicht klein vorkam), als ich die Fu&#223;g&#228;ngerzone erreiche, heulen pl&#246;tzlich die Sirenen auf &#8211; Fliegeralarm. Schutz suchend fl&#252;chte ich in den nahegelegenen Zeitschriften- und Tabakladen &#8222;Baumann&#8220;, ich finde eine Treppe, die nach unten f&#252;hrt und verkrieche mich in einen Keller, w&#228;hrend drau&#223;en die ersten Bomben fallen. Krachend laut versetzen sie mich in  Todesangst.</p>
<p>Nein, ich bin kein Kriegskind. Ich wurde 1971 geboren. Und dennoch ist mir der Krieg in gewisser Weise vertraut. Nicht der reale Krieg, zum Gl&#252;ck. Der potenzielle Krieg. Krieg, der jederzeit ausbrechen kann. F&#252;r den die Pl&#228;ne bereits fertig in den Schubladen liegen. Auf beiden Seiten: die Abwehrstrategien bei den Guten, die Angriffs&#252;berlegungen bei den B&#246;sen. Auf beiden Pl&#228;nen liegt die kleine nordbadische Kreisstadt Tauberbischofsheim mitten im Kampfgebiet, im Artilleriekampfgebiet. Panzer gegen Panzer h&#228;tten hier gek&#228;mpft &#8211; vorausgesetzt, beide Seiten h&#228;tten im Kriegsfall auf den Einsatz von Raketen mit Atomsprengk&#246;pfen verzichtet. Dann w&#228;re ein Bodenkampf sinnlos gewesen.</p>
<p>Der Verzicht auf Atomsprengk&#246;pfe schien mir damals unwahrscheinlich. Die Russen waren meiner festen &#220;berzeugung nach zu allem f&#228;hig. Und sp&#228;testens jeden ersten Samstag im Monat wurde meine Vorstellung untermauert. Dann war Probealarm. Der stetige auf- und abschwellende Heulton von einer Minute Dauer k&#252;ndigte den Luftangriff an, der nach jedem Auf- und Abschwellen unterbrochene Ton signalisierte eine Gefahr durch radioaktiven Niederschlag oder chemische Kampfstoffe.</p>
<p>Die schrille Sirene durchdrang alles und jeden, regelm&#228;&#223;ig, alle vier Wochen. Aber keiner schreckte deshalb von seinen Samstagsaktivit&#228;ten auf. M&#228;nner polierten weiter ihre Autos, Kinder spielten Fu&#223;ball, Frauen bereiteten das Mittagessen vor. Die drohende Katastrophe war Teil des Alltags geworden. Die Zivilschutzanlagen (wie die Sirenen offiziell hie&#223;en) gab es schlie&#223;lich schon seit Ende der 50er Jahre. Man lebte mit ihnen und mit der Angst. Und man tr&#228;umte davon.</p>
<p>Gew&#228;hlt wurde freilich schwarz. Die Roten wohnten im Ruhrgebiet, vereinzelt auch in der Nachbarschaft. Es waren Verwirrte. Sie redeten von Abr&#252;stung. Vom &#8222;Frieden schaffen ohne Waffen&#8220;. Sie wussten nicht, dass sie manipuliert wurden, von den echten Roten, den Kommunisten. Die wollten den Westen weich klopfen. Deren milit&#228;rische Kraft verringern. Um dann zuzuschlagen. Ohne Vorwarnung. &#8222;Erstschlag&#8220; nannte man das. Die Weltherrschaft war das Ziel der Kommunisten in Moskau. Unter den  Erwachsenen, die meine Kindheit begleiteten, bestand daran kein Zweifel.</p>
<p>Deshalb str&#246;mten die Menschen bei der Bundestagswahl auch zu den Urnen. Der kalte Krieg trieb sie dort hin. Die <a href="http://www.bpb.de/wissen/P4WO2I,0,0,Wahlbeteiligung_nach_Geschlecht.html">Wahlbeteiligung</a> lag bei 90 Prozent, teilweise sogar dar&#252;ber. Es ging um gut und b&#246;se, richtig und falsch, Leben und Tod. Die Ideologie hatte ihre gro&#223;e Zeit. Auf beiden Seiten. Auch bei mir. Die Schwarzen mussten gewinnen. Nur so blieben die Amis unsere Freunde, nur so war unsere Verteidigung stark genug, dass sie selbst den m&#228;chtigen Russen Angst machte. Dass sie lieber blieben, wo sie waren. Als Helmut Kohl 1982 durch ein konstruktives Misstrauensvotum an die Macht kam, war ich gerade elf und sehr erleichtert.</p>
<p>Ein Jahr sp&#228;ter war Wahl: Die Union kam auf 48,8, die SPD auf 38,2 Prozent, die Welt war noch schwarz-wei&#223;, schwarz-rot um genau zu sein. Das ist lange vorbei. Die beiden ehemaligen Volksparteien  verlieren kontinuierlich. In <a href="http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,623633,00.html">Umfragen</a> n&#228;hert sich die SPD den ehemals kleinen Parteien.  Schuld soll das Personal sein. Steinmeier bei der SPD zum Beispiel. Zumindest mit Schuld. Ihm fehle das Charisma eines Gerhard Schr&#246;ders. Auch dessen K&#228;mpfernatur. Der Steinmeier sei nett und freundlich. Und das sei sein Problem. Zu nett. Zu freundlich.</p>
<p>Andere verweisen auf die aktuelle Situation der SPD. Sie sei an der Regierung, stelle aber nicht den Kanzler. Deshalb w&#252;rde die SPD in der Bev&#246;lkerung nicht als tatkr&#228;ftige Partei wahrgenommen. Merkel sei die  handelnde &#8211; oder besser gesagt, die als handelnd wahrgenommene &#8211; Person. Und mit ihr die CDU. Weil die SPD aber eben de facto in der Regierung sei, k&#246;nne sie auf der anderen Seite nicht mit einem typischen Oppositionswahlkampf punkten, also Forderungen stellen (&#8222;Wenn wir an der Macht sind, dann werden wir …&#8220;). So wie das Oppositionsparteien eben tun. Die fordern gerne das Blaue vom Himmel runter. &#8222;Fordert nicht, macht doch!&#8220; w&#252;rde man der SPD bei einem solchen Wahlkampf zurecht entgegenrufen.</p>
<p>Hinzu kommt: Die SPD hat Konkurrenz von allen Seiten. Die Linken haben sich breit gemacht, f&#252;r sozial engagierte Jung-Gebliebene gibt es die Gr&#252;nen und f&#252;r die wirklich Jungen etabliert sich gerade die &#8222;Piratenpartei&#8220;. Gut m&#246;glich also, dass das Problem der SPD gar nicht Frank-Walter Steinmeier ist, sondern die Konkurrenz.</p>
<p>Gut m&#246;glich auch, dass diese Konkurrenz entstehen konnte, weil den gro&#223;en Parteien die gro&#223;en Themen abhanden gekommen sind. Klar, es gibt Gesundheitsreformen, die Wirtschaftskrise, Bildungsfragen. Was aber fehlt, ist die Polarisierung. Ob Studieren kostenlos sein soll oder Geb&#252;hren daf&#252;r erhoben werden, ist bedeutsam. Auch die Diskussion &#252;ber Wege aus dem Konjunkturtal. Aber mal ehrlich: Daf&#252;r auf die Stra&#223;e gehen? Das machen h&#246;chstens jene, die ganz unmittelbar betroffen sind. Die Konfliktlinien verlaufen heute nicht durch die <em>eine</em> Gesellschaft, sondern durch unterschiedliche soziale Gruppen.</p>
<p>Dadurch wird der Bundestagswahlkampf weniger aufregend. Die Medien bedauern dies. Das verstehe ich. Schlie&#223;lich leben sie von der Kontroverse. Die SPD findet das schrecklich. Auch das verstehe ich.</p>
<p><a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Frank-Walter_Steinmeier_25a.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-1281" title="Bild: (cc) Armin K&#252;belbeck @ wikimedia.org" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/Frank-Walter_Steinmeier_25a-250x250.jpg" alt="Bild: (cc) Armin K&#252;belbeck @ wikimedia.org" width="250" height="250" /></a>Aber mir gef&#228;llt diese Entwicklung. Nicht die der SPD im Speziellen, aber ich mag die Unaufgeregtheit dieses Wahlkampfes, in dem von &#8222;Kampf&#8220; kaum mehr die Rede sein kann. Und ja, vermutlich wird sich dies auch negativ auf die Wahlbeteiligung auswirken. Auch das werden viele bedauern. Auch das kann ich verstehen. Die Mitbestimmung aller ist in der Geschichte der Menschheit noch eine recht junge und, wie ich finde, sehr unterst&#252;tzenswerte Entwicklung. Auf der anderen Seite belegt die Empirie: Die Wahlbeteiligung sinkt immer dann, wenn es den Menschen gut geht. Wenn keine Katastrophen am Horizont sichtbar sind. Es gibt dann einfach weniger Dramatisches, wor&#252;ber abzustimmen w&#228;re. Mancher sagt sich dann: Dann entscheide ich halt mal nicht mit. Gut finde ich das nicht, aber es beruhigt mich irgendwie. Ein aktuelles Wahlkampfthema jedenfalls hat sich bisher nicht in meine Tr&#228;ume geschlichen. Und das darf auch ruhig so bleiben.</p>




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		<title>Eier wie Steine</title>
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		<pubDate>Mon, 15 Jun 2009 12:05:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Malte Welding</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Noch rund 100 Tage, dann hat die Republik gew&#228;hlt. Wer ab dem 27. September regieren wird, ist gerade so unvorhersehbar wie ein sinnvoller Satz der beiden Kanzlerkandidaten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich hatte einmal einen Vermieter, der war wie Frank-Walter Steinmeier. Unser Verh&#228;ltnis endete damit, dass ich seiner Sekret&#228;rin sagte, sein Bild stehe unter Korinthenkacker im Lexikon, aber zu Beginn war ich von seiner M&#228;nnlichkeit beeindruckt. Er war dieser Typ Mann, der Dinge geregelt bekommt ganz ohne Prokrastinationsratgeber. Geradeaus, deutlich, dabei sehr kr&#228;ftig gebaut und mit der achtenswerten Eigenschaft gesegnet, sehr enge Hemden tragen zu k&#246;nnen, die Arme ausdauernd hinter dem Kopf zu verschr&#228;nken und auch im Hochsommer nicht das geringste Schwei&#223;tr&#246;pfchen zu zeigen.</p>
<p>Dieser Mann war belastbar und liebte sowohl Schriftliches als auch kleine Geldbetr&#228;ge. Wenn man an mich als W&#228;hler nun also die Frage herantr&#228;gt, ob mir Frank-Walter Steinmeier sympathisch ist, so kann ich nur sagen: &#8222;Um Gottes Willen, nein. Dieser Typ Mann ist mir k&#246;rperlich unangenehm. Diese tiefe Stimme, dieses keinen Moment Zweifelnde und doch dieses  Alles noch einmal &#220;berpr&#252;fende, dieses in sich Ruhende. Aber Wilhelm II soll ja &#252;beraus effiminiert gewirkt haben, zieht also nicht als Idiotenkriterium.&#8220;</p>
<p><a href="http://wirres.net/article/articleview/5223/1/6/">Felix war beim Bundesparteitag und sagt</a>:</p>
<blockquote><p>steinmeier wirkt wie ein mitl&#228;ufer der laut schreit: &#8222;wenn ich allein laufe, wird alles besser!&#8220;. (&#8230;) steinmeier ist 4 jahre lang mit angela merkel h&#228;ndchenhaltend im wald herumgeirrt und meint irgendwer w&#252;rde ihm glauben, wenn er pl&#246;tzlich behauptet: &#8222;jetzt weiss ich wo es langgeht.&#8220; das schlimmste ist, steinmeier glaubt er k&#246;nne orientierungslos wie alle anderen im wald stehend den wahlkampf auf die frage zuspitzen in welche richtung man von nun an marschiere.</p></blockquote>
<p><div id="attachment_568" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><a href="http://www.flickr.com/photos/wernerfaymann/3110461646/"><img src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/06/steini-250x125.jpg" alt="Frank-Walter Steinmeier" title="Bild: (cc) Werner_Faymann @ flickr.com" width="250" height="125" class="size-medium wp-image-568" /></a><p class="wp-caption-text">Frank-Walter Steinmeier</p></div> Bleiben wir aber noch einen Moment beim Pers&#246;nlichen. Sympathisch ist er mir also nicht, dieser Frank-Walter Steinmeier. Aber man sollte nicht vergessen: Er tritt gegen Angela Merkel an. Der Kanzlerin wiederum gleicht niemand, den ich kenne. Wo immer sie ist, wirkt sie, als w&#228;re sie lieber woanders. M&#246;chte sie &#252;berhaupt Kanzlerin sein? Nat&#252;rlich. Aber nur, weil sie sich nicht fragt, warum eigentlich. Wenn der L&#228;ufer, der losgeschickt worden war, um von dem Sieg der Griechen bei Marathon Kunde zu tun, in Athen angekommen gesagt h&#228;tte: &#8222;Wie sch&#246;n, dass ich gelaufen bin, dar&#252;berhinaus gibt es nichts zu erz&#228;hlen&#8220;, dann w&#228;re dieser Mann der Prototyp der Merkelschen Natur. Merkel ist an Unlockerheit, innerer Zerrissenheit, der ungeheuren Diskrepanz zwischen eigentlichem Wesen und &#246;ffentlichem Auftritt nur noch vom w&#228;chsernen Westerwelle zu &#252;berbieten. Beide privat wahrscheinlich recht unterhaltsame Eigenbr&#246;dler, verk&#246;rpern sie Volksn&#228;he so authentisch wie ein Karpfen einen Head&amp;Shoulders-Werbespot.</p>
<p>Auch Steinmeier fremdelt zwischen den Mensch gewordenen Mettbr&#246;tchen der SPD, kann aber schon ganz gut eine Currywurst darstellen. Bei Johannes B. Kerner, einem der wenigen Menschen, die eine wahnsinnigere Vornamenskombination ihr Eigen nennen als Frank-Walter Steinmeier, sagte der Kanzlerkandidat in einem Einspieler den Kirchentagssatz: &#8222;Kinder sind unsere Zukunft.&#8220; Das ist so ein Satz, den muss man k&#246;nnen als Politiker. Es gibt nur einen Mann in der deutschen Politik, der politisch &#252;berleben k&#246;nnte, wenn er sagen w&#252;rde: &#8222;Kinder halte ich f&#252;r &#252;berbewertet.&#8220; Gregor Gysi, in seinen Ansichten von mir denkbar weit entfernt, hat es geschafft, w&#228;hlbar zu bleiben, obwohl noch nie eine Frau neben ihm sa&#223; und sagte: &#8222;Der kann alles.&#8220; Gregor Gysi kann sogar problemlos 10 Dinge aufz&#228;hlen, die er nicht kann (Finanzsenator zum Beispiel) und man glaubt immer noch, dass es eine Menge Dinge gibt, die er kann.</p>
<p>Wie aber umgehen mit der hochnotpeinlichen Situation, als Ehepaar im deutschen Gef&#252;hlsfernsehen zu sitzen? Soll man da sagen: &#8222;Frank-Walter kann nicht b&#252;geln. Frank-Walter schnarcht.&#8220;? Muss man nicht tats&#228;chlich Zeugnis ablegen von der papstartigen Unfehlbarkeit des Gatten, weil sonst in der Irrenzeitung st&#252;nde &#8222;Dieser Mann beherrscht nicht einmal seine Frau!&#8220;? Wie erscheint man menschlich, wenn man gerade menschlich nicht sein darf? Amtierender Weltmeister in dieser Disziplin ist selbstverst&#228;ndlich Obamas Barrack. Der hat gekifft, na klar, und rumgehangen und seine Frau ist ihm hoch &#252;berlegen, aber wenn er nicht gerade im Haushalt versagt, dann regelt er mal gerade den Schei&#223; in Nahost oder ruft Gott an, um ihm zu erkl&#228;ren, wie man Planeten zukunftsf&#228;higer baut.</p>
<p>Merkel oder Steinmeier, kein Manifest, aber Trallala, Kinderknutschen und von Blinden bef&#252;hlt werden, noch 100 Tage, und das von zwei Leuten, von denen die eine wahrscheinlich am besten ist, wenn sie mit zwei, drei Mitarbeitern Szenarien durchspielt und der andere sehr gut und sehr m&#228;nnlich die Arme hinter dem Kopf verschr&#228;nken kann. Ohne auch nur ein Tr&#246;pfchen Schwei&#223; durchschimmern zu lassen. Im Hochsommer. Mann.</p>




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		<title>Die L&#252;cke in den K&#246;pfen</title>
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		<pubDate>Thu, 07 May 2009 11:26:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon Frost</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Einheit]]></category>
		<category><![CDATA[Hohenschönhausen]]></category>
		<category><![CDATA[Merkel]]></category>
		<category><![CDATA[Stasi]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein deutscher Regierungschef besucht die Gedenkst&#228;tte Hohensch&#246;nhausen. 20 Jahre nach dem Mauerfall. Ein Medienereignis? Ja, denn in den 19 Jahren zuvor hat es kein Kanzler an diesen historisch hochbrisanten Ort geschafft. Und da wundern wir uns &#252;ber die Verkl&#228;rung der DDR.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Angela Merkel besucht die <a href="http://www.stiftung-hsh.de/">Gedenkst&#228;tte Hohensch&#246;nhausen</a>. Sie spricht mit ehemaligen H&#228;ftlingen des Stasi-Gef&#228;ngnisses, schaut sich Verh&#246;rr&#228;ume und Zellen an, steht Sch&#252;lern aus den Altbundesl&#228;ndern Rede und Antwort zu ihrem Leben in der DDR und mit der Stasi.</p>
<p>Angela Merkel ist nicht allein in dem riesigen Geb&#228;udekomplex an der Genslerstra&#223;e, tief im Berliner Osten, an diesem 5. Mai 2009, im 20. Jahr nach dem Fall der Mauer. Die Bundeskanzlerin wird umringt von Kamerateams, Reportern und Fotografen. An diesem recht nachrichtenarmen Tag ist ihr Besuch in der Gedenkst&#228;tte ein Mediengro&#223;ereignis. Und das durchaus zu Recht. Denn es ist das erste Mal, dass ein deutscher Regierungschef diesen Ort offiziell besucht.</p>
<p>1992 wurde das Gel&#228;nde unter Denkmalschutz gestellt, 1994 die Gedenkst&#228;tte eingerichtet. Doch Gerhard Schr&#246;der, dessen SPD einst die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ostvertr%C3%A4ge#Ostvertr.C3.A4ge:_Ein_.C3.9Cberblick">Ost-Vertr&#228;ge</a> schloss, war ebensowenig hier wie sein Vorg&#228;nger Helmut Kohl, der sich gerne als <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kanzler_der_Einheit#Der_.E2.80.9EKanzler_der_Einheit.E2.80.9C">Kanzler der Einheit</a> sieht. Den Medien, die &#252;ber Merkels Besuch berichten, sind diese Umst&#228;nde allenfalls eine Fu&#223;note wert. Sie erw&#228;hnen diese Fakten lediglich, um zu betonen, wie besonders dieses Ereignis ist und warum sie ausgerechnet an diesem Tag hier sind.</p>
<p>Und das ist der eigentliche Skandal. Seit Jahren lamentieren Politiker und Politologen, dass die Ostdeutschen das Bild von der DDR verkl&#228;ren. Sie picken sich lediglich die guten Seiten an dem 1990 verschwundenen Staat heraus, hei&#223;t es – Vollbesch&#228;ftigung, soziale Sicherheit, Rundum-Kinderbetreuung. Gleichzeitig wollten sie nicht wahrhaben, dass die DDR eine Diktatur oder zumindest ein Staat mir diktatorischen Z&#252;gen gewesen sei, der seinen B&#252;rgern das Reisen nicht erlaubte – und sie bei Zuwiderhandlung in den Knast steckte, zum Beispiel nach Hohensch&#246;nhausen. Historiker und P&#228;dagogen bem&#228;ngeln, dass Kinder und Jugendliche in ganz Deutschland nichts &#252;ber die deutsche Teilung und das unterschiedliche Leben in den beiden Staaten wissen, Erich Honecker etwa f&#252;r einen ehemaligen Bundeskanzler halten.</p>
<p>In der Tat: All diese L&#252;cken – in der Erinnerung wie im Geschichtswissen der Menschen – sind belegbar, teilweise erschreckend und zu kritisieren. Nur erstaunen d&#252;rfen sie eigentlich keinen der lauten Kritiker. Denn eine Aufarbeitung der deutsch-deutschen Vergangenheit findet – auch 20 Jahre nach dem Mauerfall – nicht oder nicht im ausreichenden Ma&#223;e statt. W&#228;hrend an den Schulen der Zeit des Dritten Reiches noch immer und zu Recht ein gro&#223;er Teil der Geschichtsstunden gewidmet wird, f&#228;llt die Zeit der deutschen Trennung und der Wende in der DDR deutlich dagegen ab. Direkte Kontakte mit der j&#252;ngsten Geschichte, wie ein Besuch der Gedenkst&#228;tte Hohensch&#246;nhausen, sind noch immer die Ausnahme.</p>
<p>In den Stadtpl&#228;nen Ost-Berlins existierte das Gel&#228;nde des Stasi-Gef&#228;ngnisses nicht. Dort fand sich ein leerer Fleck, eine L&#252;cke. Der Staat war sich also durchaus bewusst, dass das, was in Hohensch&#246;nhausen den haupts&#228;chlich politischen Gefangenen angetan wurde – von der chinesischen Wasserfolter bis zum systematischen Schlafentzug – nicht dem bunten, sorgenfreien und demokratischen Bild entsprach, den er so gern von der DDR nach au&#223;en vermittelte. Der Staat lie&#223; den Otto-Normal-B&#252;rger wohlwissend nicht an seinem Tun dort teilhaben.</p>
<p>Ein leerer Fleck, eine L&#252;cke findet sich auch in vielen K&#246;pfen der heutigen Bundesb&#252;rger. Zum Teil wollen sie die grausamen Wahrheiten aus DDR-Zeiten nicht wahrhaben, weil sie 40 Jahre ihres Lebens nicht einfach auf ein paar Schlagworte wie Diktatur, Spitzelei und Unfreiheit reduziert sehen wollen. Eine L&#252;cke aus Verdr&#228;ngung. Zum Teil haben sie gar keine Ahnung, weil sie weder vor noch nach der Wende den jeweils anderen Teil Deutschlands besucht oder sich mit ihm besch&#228;ftigt haben. Eine L&#252;cke aus Desinteresse. Und zum Teil haben sie keine Ahnung, weil ihnen die j&#252;ngste Vergangenheit nicht oder nicht in angemessener Weise von denen, die sie erlebt haben, vermittelt wird. Eine L&#252;cke aus Unwissenheit.</p>
<p>Noch einmal: Diejenigen, die diese L&#252;cken kritisieren, haben Recht. Doch sie kritisieren an der falschen Stelle. Solange es 20 Jahre dauert, bis ein deutscher Regierungschef an einen hochbrisanten historischen Ort kommt, um eine L&#252;cke zu schlie&#223;en, die seine Vorg&#228;nger – bewusst oder unbewusst und von den Medien v&#246;llig unkommentiert – offen gelassen haben, darf sich niemand &#252;ber die L&#252;cken in den K&#246;pfen der Deutschen wundern.</p>




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