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	<title>Solokarpfen &#187; Deutsche Einheit</title>
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	<description>Bestimmte Artikel</description>
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		<title>Die L&#252;cke in den K&#246;pfen</title>
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		<pubDate>Thu, 07 May 2009 11:26:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon Frost</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[DDR]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsche Einheit]]></category>
		<category><![CDATA[Hohenschönhausen]]></category>
		<category><![CDATA[Merkel]]></category>
		<category><![CDATA[Stasi]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein deutscher Regierungschef besucht die Gedenkst&#228;tte Hohensch&#246;nhausen. 20 Jahre nach dem Mauerfall. Ein Medienereignis? Ja, denn in den 19 Jahren zuvor hat es kein Kanzler an diesen historisch hochbrisanten Ort geschafft. Und da wundern wir uns &#252;ber die Verkl&#228;rung der DDR.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Angela Merkel besucht die <a href="http://www.stiftung-hsh.de/">Gedenkst&#228;tte Hohensch&#246;nhausen</a>. Sie spricht mit ehemaligen H&#228;ftlingen des Stasi-Gef&#228;ngnisses, schaut sich Verh&#246;rr&#228;ume und Zellen an, steht Sch&#252;lern aus den Altbundesl&#228;ndern Rede und Antwort zu ihrem Leben in der DDR und mit der Stasi.</p>
<p>Angela Merkel ist nicht allein in dem riesigen Geb&#228;udekomplex an der Genslerstra&#223;e, tief im Berliner Osten, an diesem 5. Mai 2009, im 20. Jahr nach dem Fall der Mauer. Die Bundeskanzlerin wird umringt von Kamerateams, Reportern und Fotografen. An diesem recht nachrichtenarmen Tag ist ihr Besuch in der Gedenkst&#228;tte ein Mediengro&#223;ereignis. Und das durchaus zu Recht. Denn es ist das erste Mal, dass ein deutscher Regierungschef diesen Ort offiziell besucht.</p>
<p>1992 wurde das Gel&#228;nde unter Denkmalschutz gestellt, 1994 die Gedenkst&#228;tte eingerichtet. Doch Gerhard Schr&#246;der, dessen SPD einst die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ostvertr%C3%A4ge#Ostvertr.C3.A4ge:_Ein_.C3.9Cberblick">Ost-Vertr&#228;ge</a> schloss, war ebensowenig hier wie sein Vorg&#228;nger Helmut Kohl, der sich gerne als <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kanzler_der_Einheit#Der_.E2.80.9EKanzler_der_Einheit.E2.80.9C">Kanzler der Einheit</a> sieht. Den Medien, die &#252;ber Merkels Besuch berichten, sind diese Umst&#228;nde allenfalls eine Fu&#223;note wert. Sie erw&#228;hnen diese Fakten lediglich, um zu betonen, wie besonders dieses Ereignis ist und warum sie ausgerechnet an diesem Tag hier sind.</p>
<p>Und das ist der eigentliche Skandal. Seit Jahren lamentieren Politiker und Politologen, dass die Ostdeutschen das Bild von der DDR verkl&#228;ren. Sie picken sich lediglich die guten Seiten an dem 1990 verschwundenen Staat heraus, hei&#223;t es – Vollbesch&#228;ftigung, soziale Sicherheit, Rundum-Kinderbetreuung. Gleichzeitig wollten sie nicht wahrhaben, dass die DDR eine Diktatur oder zumindest ein Staat mir diktatorischen Z&#252;gen gewesen sei, der seinen B&#252;rgern das Reisen nicht erlaubte – und sie bei Zuwiderhandlung in den Knast steckte, zum Beispiel nach Hohensch&#246;nhausen. Historiker und P&#228;dagogen bem&#228;ngeln, dass Kinder und Jugendliche in ganz Deutschland nichts &#252;ber die deutsche Teilung und das unterschiedliche Leben in den beiden Staaten wissen, Erich Honecker etwa f&#252;r einen ehemaligen Bundeskanzler halten.</p>
<p>In der Tat: All diese L&#252;cken – in der Erinnerung wie im Geschichtswissen der Menschen – sind belegbar, teilweise erschreckend und zu kritisieren. Nur erstaunen d&#252;rfen sie eigentlich keinen der lauten Kritiker. Denn eine Aufarbeitung der deutsch-deutschen Vergangenheit findet – auch 20 Jahre nach dem Mauerfall – nicht oder nicht im ausreichenden Ma&#223;e statt. W&#228;hrend an den Schulen der Zeit des Dritten Reiches noch immer und zu Recht ein gro&#223;er Teil der Geschichtsstunden gewidmet wird, f&#228;llt die Zeit der deutschen Trennung und der Wende in der DDR deutlich dagegen ab. Direkte Kontakte mit der j&#252;ngsten Geschichte, wie ein Besuch der Gedenkst&#228;tte Hohensch&#246;nhausen, sind noch immer die Ausnahme.</p>
<p>In den Stadtpl&#228;nen Ost-Berlins existierte das Gel&#228;nde des Stasi-Gef&#228;ngnisses nicht. Dort fand sich ein leerer Fleck, eine L&#252;cke. Der Staat war sich also durchaus bewusst, dass das, was in Hohensch&#246;nhausen den haupts&#228;chlich politischen Gefangenen angetan wurde – von der chinesischen Wasserfolter bis zum systematischen Schlafentzug – nicht dem bunten, sorgenfreien und demokratischen Bild entsprach, den er so gern von der DDR nach au&#223;en vermittelte. Der Staat lie&#223; den Otto-Normal-B&#252;rger wohlwissend nicht an seinem Tun dort teilhaben.</p>
<p>Ein leerer Fleck, eine L&#252;cke findet sich auch in vielen K&#246;pfen der heutigen Bundesb&#252;rger. Zum Teil wollen sie die grausamen Wahrheiten aus DDR-Zeiten nicht wahrhaben, weil sie 40 Jahre ihres Lebens nicht einfach auf ein paar Schlagworte wie Diktatur, Spitzelei und Unfreiheit reduziert sehen wollen. Eine L&#252;cke aus Verdr&#228;ngung. Zum Teil haben sie gar keine Ahnung, weil sie weder vor noch nach der Wende den jeweils anderen Teil Deutschlands besucht oder sich mit ihm besch&#228;ftigt haben. Eine L&#252;cke aus Desinteresse. Und zum Teil haben sie keine Ahnung, weil ihnen die j&#252;ngste Vergangenheit nicht oder nicht in angemessener Weise von denen, die sie erlebt haben, vermittelt wird. Eine L&#252;cke aus Unwissenheit.</p>
<p>Noch einmal: Diejenigen, die diese L&#252;cken kritisieren, haben Recht. Doch sie kritisieren an der falschen Stelle. Solange es 20 Jahre dauert, bis ein deutscher Regierungschef an einen hochbrisanten historischen Ort kommt, um eine L&#252;cke zu schlie&#223;en, die seine Vorg&#228;nger – bewusst oder unbewusst und von den Medien v&#246;llig unkommentiert – offen gelassen haben, darf sich niemand &#252;ber die L&#252;cken in den K&#246;pfen der Deutschen wundern.</p>




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