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	<title>Solokarpfen &#187; Wissen</title>
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	<description>Bestimmte Artikel</description>
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		<title>Der Preis des starken Mannes</title>
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		<pubDate>Wed, 12 Aug 2009 20:16:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Eber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wissen]]></category>
		<category><![CDATA[Evolution]]></category>
		<category><![CDATA[Sex]]></category>
		<category><![CDATA[Testosteron]]></category>

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		<description><![CDATA[Muskelbepackte M&#228;nner haben mehr Sex. Die Evolution macht es ihnen dennoch nicht leicht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich m&#252;ssten deutlich mehr M&#228;nner ann&#228;hernd so aussehen, wie jene am Venice Beach, dem Strand in Kalifornien, der als Wiege der Bodybuilder-Bewegung gilt. Muskelbepackt wie einst Arnold Schwarzenegger posieren sie den ganzen Sommer &#252;ber am Strand. Als g&#228;be es nichts wichtigeres im Leben als wohlgeformte Muskeln. Gibt es aber. N&#228;mlich Sex. </p>
<p>M&#228;nner mit viel Muskeln haben mehr Sexualpartner als schlanke und schm&#228;chtige M&#228;nner, sagt eine <a href="http://www.ehbonline.org/article/S1090-5138(09)00039-7/abstract">Studie</a> des Evolutionspsychologen William Lassek von der Universit&#228;t Pittsburgh, USA. Genauer gesagt wurde in der Studie eine Verbindung von h&#246;herem Testosteron-Spiegel (was die Bildung von Muskeln erleichtert) und h&#228;ufigeren Sexpartnern nachgewiesen. Nicht Muskel-Training, sondern die Genetik sorgte also in den untersuchten F&#228;llen f&#252;r die &#228;u&#223;ere, h&#228;ufig als attraktiv wahrgenommene Erscheinung. </p>
<p>Wenn aber muskul&#246;se M&#228;nner mehr Sex haben, dann h&#228;tte sich im Laufe der Evolution eigentlich der vor Testosteron strotzende Muskelmann durchsetzen m&#252;ssen. Hat er aber nicht. Die Erkl&#228;rung von Lassek: Eine solche genetische  Veranlagung hat ihren Preis. Zum einen m&#252;ssen Muskelm&#228;nner, weil sie schwerer sind, mehr Essen. Und zweitens ist medizinisch nachgewiesen, dass der hohe Testosteron-Spiegel das Immunsystem schw&#228;cht. Dem evolutionsbiologischen Vorteil von “mehr Sex” stehen also die Nachteile “h&#246;herer Kalorienverbrauch” und “mehr Krankheiten” gegen&#252;ber. Der Saldo ist unklar. Deswegen so Lasseks Schlussfolgerung gibt es heute M&#228;nner in unterschiedlichsten Gr&#246;&#223;en und mit unterschiedlicher Muskelmasse. </p>
<p>Und in der Zukunft? Wohin entwickelt sich das &#8211; also h&#228;ufig gar nicht so &#8211; starke Geschlecht? Die beiden Nachteile (hoher Kalorienverbrauch und mehr Krankheiten) der genetischen Veranlagung “hoher Testosteron-Spiegel” verlieren n&#228;mlich zunehmend an Bedeutung: Die meisten Krankheiten sind mittlerweile medizinisch in den Griff zu bekommen und zumindest im reichen Teil der Welt ist eine mehr als ausreichende Lebensmittelversorgung gew&#228;hrleistet. Wenn also die evolutionsbiologischen Nachteile geringer werden, der Vorteil (mehr Sex) aber bleibt: Wird sich der Muskelmann in der zuk&#252;nftigen Evolution st&#228;rker durchsetzen?  Vermutlich nicht. Der medizinische Fortschritt greift n&#228;mlich auch hier in den Entwicklungsprozess ein. Dank der Erfindung von Verh&#252;tungsmitteln bedeutet “mehr Sex” heute nicht mehr automatisch “mehr Kinder”.  </p>




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		<title>Kind und Kohle</title>
		<link>http://www.solokarpfen.de/wissen/1096-kind-kohle/</link>
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		<pubDate>Fri, 31 Jul 2009 21:25:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Eber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wissen]]></category>
		<category><![CDATA[Eltern]]></category>
		<category><![CDATA[Geburtenrate]]></category>
		<category><![CDATA[Kinder]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor allem gut ausgebildete Eltern k&#252;mmern sich zunehmend um ihren Nachwuchs, sagt eine Studie. Und das, obwohl in den vergangenen Jahren auch die Einkommensm&#246;glichkeiten dieser Bev&#246;lkerungsschicht gestiegen sind. Familiengl&#252;ck statt Wohlstand? 
]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Japan liegt an letzter Stelle. In keinem Land der Erde werden im Verh&#228;ltnis zur Bev&#246;lkerungszahl so wenige Kinder geboren. Die Geburtenrate betr&#228;gt dort <a href="http://www.census.gov/prod/2009pubs/p95-09-1.pdf">1,2</a>. Das hei&#223;t: Je 10.000 Einwohner kommen pro Jahr 12 Kinder zur Welt. In Deutschland liegt die Rate bei 1,4 &#8211; unwesentlich h&#246;her also. Auch bei uns gilt: Die Bev&#246;lkerung schrumpft. 2008 wurden <a href="http://www.welt.de/politik/article3517977/Deutschland-schrumpft-trotz-Elterngeld-weiter.html">168.000 weniger Menschen</a> geboren als starben &#8211; die gr&#246;&#223;te Differenz seit Bestehen der Bundesrepublik. &#196;hnliche Entwicklungen zeigen sich seit Jahren in den meisten anderen europ&#228;ischen L&#228;ndern.</p>
<p>Die Erkenntnis ist nicht neu: In der Tendenz sinkt die Geburtenrate je reicher ein Land wird. Zwei in der &#214;konomie g&#228;ngige Erkl&#228;rungen: Erstens k&#246;nnen sich in der Regel nur wohlhabende Staaten ein funktionierendes Rentensystem leisten. Es bedarf dann nicht mehr der Unterst&#252;tzung m&#246;glichst vieler Kinder, damit Eltern im Alter ein zufrieden stellendes Auskommen haben. Zweitens: Je h&#246;her die Arbeitseinkommen, auf um so mehr muss bei der Erf&#252;llung eines Kinderwunsches m&#246;glicherweise verzichtet werden &#8211; Kind oder Kariere eben.  </p>
<p>Es gilt in der Wissenschaft als unstrittig, dass die &#246;konomischen Bedingungen den Kinderwunsch der Eltern beeinflussen. Weniger erforscht dagegen ist (zumindest von &#214;konomen) der Umgang der Eltern mit ihren Kindern. Jetzt haben Garey Ramey und Valerie Ramey von der Universit&#228;t von Kalifornien eine <a href="http://econ.ucsd.edu/~vramey/research/Rugrat.pdf">Untersuchung</a> ver&#246;ffentlicht, wonach Eltern in den USA seit Anfang der 90er Jahre zunehmend mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen. Besonders interessant: Der Anstieg ist bei den besser Gebildeten &#252;berproportional. </p>
<p>Das ist deshalb verwunderlich, weil im gleichen Zeitraum auch die Einkommen dieser Bev&#246;lkerungsgruppe &#252;berproportional zugenommen hatten. Diese Entwicklung m&#252;sste nach der wirtschaftswissenschaftlichen Theorie eigentlich dazu f&#252;hren, dass sich die Eltern weniger den Kindern und mehr ihrer Arbeit zuwenden, weil &#8211; wie &#214;konomen es formulieren &#8211; die Opportunit&#228;tskosten steigen, jene imagin&#228;ren Kosten, die dadurch entstehen, dass man auf etwas verzichtet. In diesem Fall ein  komfortables Einkommen. </p>
<p>Was also bringt gut ausgebildete Amerikaner dazu, trotz besserer Einkommensm&#246;glichkeiten mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen? Eine simple Erkl&#228;rung k&#246;nnte sein: Sie arbeiten zunehmend von zu Hause aus. Vor allem besser Gebildete verbringen viel Arbeitszeit am Computer, der aber muss nicht zwingend im B&#252;ro stehen. Ein zweiter Erkl&#228;rungsversuch argumentiert mit der &#246;konomischen Theorie des abnehmenden Grenznutzen, n&#228;mlich dass je mehr man verdient, desto weniger Nutzen man aus jeder weiteren Einkommenssteigerung zieht. Ein Gehaltsanstieg k&#246;nnte also dazu f&#252;hren, dass Eltern lieber etwas weniger arbeiten und die gewonnene Zeit ihren Kindern widmen. </p>
<p><a href="http://www.flickr.com/photos/21560098@N06/3634396816/"><img src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/07/3634396816_417d380c80_o1-229x250.jpg" alt="Bild: (cc) 1happysnapper @ flickr.com" title="Bild: (cc) 1happysnapper @ flickr.com" width="229" height="250" class="alignleft size-medium wp-image-1105" /></a> Allerdings zeigt die Studie der zwei Forscher auch, dass Eltern zwar mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, dass aber die gestiegenen Einkommensm&#246;glichkeiten dazu gef&#252;hrt haben, dass die Eltern ebenfalls mehr arbeiten. Das ist deshalb kein Paradox, weil ja auch jene Freizeit, die man ohne Kinder verbringt, deutlich geschrumpft sein kann. Ein <a href="http://freakonomics.blogs.nytimes.com/2009/06/30/why-are-you-spending-more-time-with-your-kids/?apage=1#comment-472191">Kommentar</a> auf dem Blog <a href="http://freakonomics.blogs.nytimes.com/">Freakonomics</a>, wo die Untersuchung <a href="http://freakonomics.blogs.nytimes.com/2009/06/30/why-are-you-spending-more-time-with-your-kids/">vorgestellt und diskutiert</a> wird, vermutet, dass diese Entwicklung Folge des schlechten Gewissens der  Eltern sei: Je mehr Zeit man im B&#252;ro verbringe, desto schuldiger f&#252;hle man sich, und desto mehr besch&#228;ftige man sich zu Hause mit den Kindern. </p>
<p>Die Erkl&#228;rung der Forscher Ramey und Ramey dagegen ist n&#252;chterner. Sie  behaupten, Eltern w&#252;rden deshalb heute mehr Zeit mit ihren Kinder verbringen, weil sie versuchten, deren Karrierebedingungen zu verbessern. In  den USA h&#228;tten in den zur&#252;ckliegenden Jahren die Zahl der Studienpl&#228;tze an erstklassigen Colleges stark zugenommen. Dies w&#252;rde vor allem in der gut ausgebildeten Bev&#246;lkerungsschicht den Anreiz erh&#246;hen, die Kinder ausgiebig vorzubereiten, so dass sie diese besseren Studienpl&#228;tze ergatterten.      </p>
<p>Ob das wirklich der Grund ist? Vielleicht ist die Erkl&#228;rung gar nicht monokausal, vielleicht kommen mehrere Ursachen zusammen. M&#246;glicherweise spielt ja sogar jene unterhaltsamste Erkl&#228;rung eine Rolle, die “Doug B” auf dem Freakonomic-Blog abgegeben hat:  Das Ph&#228;nomen der steigenden Eltern-Kind-Zeit lie&#223;e sich mit dem “Huxtable Effekt” erkl&#228;ren, <a href="http://freakonomics.blogs.nytimes.com/2009/06/30/why-are-you-spending-more-time-with-your-kids/#comment-472175">schreibt</a> er. Huxtable ist der Name jener Familie, die in der  Familien-Serie “Die Cosby-Show” von 1984 bis 1992 in mehreren Staffeln zu sehen war: Die Mutter Rechtsanw&#228;ltin, der Vater Arzt verbringen die Eltern dennoch die meiste Zeit bei ihren f&#252;nf Kindern. Diese &#252;beraus erfolgreiche Soap, aber auch andere Familienserien h&#228;tten eine ganze Generation gepr&#228;gt, so “Doug B”, eine Generation, die es gewohnt gewesen sei, entweder als Scheidungskind aufzuwachsen oder in einer Familie, in der die Kinder ihre berufst&#228;tigen V&#228;ter nur selten zu Gesicht bekommen h&#228;tten. Der Traum vom Huxtable-Leben w&#252;rde, so das Fazit des Kommentators, die heute erwachsenen Cosby-Fans dahin treiben, sich ganz besonders ausgiebig um ihre Kinder zu k&#252;mmern.</p>




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		<title>Ida &#8211; der fossilierte Popstar</title>
		<link>http://www.solokarpfen.de/wissen/466-ida-fossilierte-popstar/</link>
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		<pubDate>Sat, 23 May 2009 12:13:55 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Markus Frania</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wissen]]></category>
		<category><![CDATA[Fossil]]></category>
		<category><![CDATA[Grube Messel]]></category>
		<category><![CDATA[Ida]]></category>
		<category><![CDATA[Jörn Hurum]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Fossil eines Urzeit&#228;ffchens wurde in New York pr&#228;sentiert. Ist "Ida" unser Vorfahr? Bewiesen ist noch nichts. Der Medienrummel rund um das Tier bricht aber schon jetzt alle Rekorde.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Das 19. und beginnende 20. Jahrhundert &#8211; Europa im Entdeckungsfieber. Forscher dringen in Gegenden vor, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat &#8211; oder zumindest seit langer Zeit nicht mehr. Sie wagen sich im mittelamerikanischen Urwald in geheimnisvolle Maya-Tempel, sie k&#228;mpfen in &#196;gypten gegen den Fluch des Tut-Ench-Amun oder sie liefern sich ein t&#246;dliches Wettrennen beim Versuch, den S&#252;dpol zu erreichen. Die Gl&#252;cklichen, die es wieder zur&#252;ck in die so genannte Zivilisation schaffen, sind Stars. Hofiert in den Salons der feinen Gesellschaft, von den Damen angeschmachtet. Autoren wie Jules Verne h&#228;ngen an den Lippen der Forscher und verarbeiten die Erz&#228;hlungen zu noch fantastischeren Helden-Epen.</p>
<p>Ein Jahrhundert sp&#228;ter &#8211; die Welt ist vollst&#228;ndig vermessen. Wohin es einen Entdecker auch verschlagen mag &#8211; Google war schon da. Selbst das Weltall taugt nicht mehr viel als Sehnsuchtsort. Die Internationale Raumstation ISS muss Weltraumschrott statt Aliens ausweichen, und zu allem &#220;berfluss darf seine Besatzung zwischendurch auch noch gelangweilte Milliard&#228;re bei Laune halten.</p>
<p>Ein Leben als Wissenschaftler &#8211; glamour&#246;s ist das heute eher selten. In der Regel hei&#223;t das: Antr&#228;ge f&#252;r Drittmittel ausf&#252;llen, in den Vorlesungen Studenten wecken und von Zeit zu Zeit in Reagenzgl&#228;sern r&#252;hren.</p>
<p><strong>Selbstvermarktung in Perfektion</strong></p>
<p>So kann das nicht weitergehen, muss sich J&#246;rn Hurum irgendwann gedacht haben. Hurum ist Pal&#228;ontologe, also Experte f&#252;r Lebewesen vergangener Erdzeitalter. Mit seinen mittellangen, blonden Haaren und seinen Sakkos, die er gerne mit Jeans kombiniert, sieht der Norweger aber eher wie ein Internet-Entrepreneur aus. Und &#228;hnlich wie die Vertreter jener Spezies, die um die Jahrtausendwende zu Ruhm und Reichtum kam, hat es Hurum vor allem in einer Profession zur Perfektion gebracht: Selbstvermarktung.</p>
<p>&#8222;Weltber&#252;hmte Wissenschaftler enth&#252;llen einen revolution&#228;ren wissenschaftlichen Fund, der alles ver&#228;ndern wird&#8220;, so lief es in der vergangene Woche weltweit &#252;ber die Nachrichtenticker. Sp&#228;ter war dann von einem Ereignis, vergleichbar mit der Mondlandung oder der Ermordung des US-Pr&#228;sidenten John F. Kennedy, die Rede. Und was hatte das Forscherteam um Hurum nun im American Museum of Natural History in New York vorzustellen? Das Heilmittel gegen Aids? Den Beweis au&#223;erirdischen Lebens? Es war das 47 Millionen Jahre alte Fossil eines Urzeit&#228;ffchens.</p>
<p><strong>Fehlendes Puzzleteil?</strong></p>
<p>Das Besondere an &#8222;Darwinius masillae&#8220;, oder kurz &#8222;Ida&#8220;, wie Hurum das Fossil zu Ehren seiner Tochter getauft hat: &#8222;Ida&#8220; k&#246;nnte ein sehr bedeutendes fehlendes Puzzleteil in der Evolutionsgeschichte sein. Der Punkt, an dem sich die Familie der Affen und damit auch die des Menschen von den anderen S&#228;ugetieren abspaltete. Und damit auch die endg&#252;ltige Best&#228;tigung der Theorie Charles Darwins, nach der der Mensch von den Tieren abstammt.</p>
<p>Hurum &#252;berl&#228;sst nichts dem Zufall, um sich seinen Platz in den Geschichtsb&#252;chern zu sichern. Er hat eine eigene Webseite unter dem Namen &#8222;<a href="http://revealingthelink.com/">Revealing the Link</a>&#8220; eingerichtet. Ein Buch ist in Vorbereitung und auch die Fernsehrechte f&#252;r eine Dokumentation &#252;ber den Sensationsfund sind schon an den History Channel, die BBC und das ZDF verkauft.</p>
<p><strong>Drinks in Hamburg</strong></p>
<p>In dieser Dokumentation ist dann vielleicht auch ein wenig mehr dar&#252;ber zu erfahren, wie Hurum &#252;berhaupt in den Besitz von &#8222;Ida&#8220; kam. Was bisher bekannt ist: Der Wissenschaftler von der Universit&#228;t Oslo musste daf&#252;r keine Reise zum Mittelpunkt der Erde unternehmen.  Ihn verschlug es nach Hamburg auf eine Fossilienmesse. Dort lernte der Forscher einen freundlichen Hobbysammler kennen. Die beiden kamen ins Gespr&#228;ch, nahmen ein Paar Drinks und irgendwann zeigte der Sammler dann ein Foto von &#8222;Ida&#8220;. &#8222;Es war unglaublich&#8220;, erinnert sich Hurum in der &#8222;New York Times&#8220; an diesen Augenblick. &#8222;Ich konnte zwei N&#228;chte lang nicht schlafen, weil ich st&#228;ndig an diese Spezies denken musste.&#8220;</p>
<p>Hurum wusste, was er zu tun hatte. Er setzte alle Hebel in Bewegung, um das Fossil f&#252;r das norwegische Reichsmuseum zu kaufen. Wie viel Geld f&#252;r &#8222;Ida&#8220; floss &#8211; ger&#252;chteweise waren es &#252;ber einer Million Dollar &#8211; ist ebenso wenig bekannt wie die Identit&#228;t des Sammlers. Nur eines ist sicher &#8211; wo &#8222;Ida&#8220; ihre letzte Ruhe fand und wo sie 47 Millionen Jahre sp&#228;ter von dem Sammler entdeckt wurde: in der Grube Messel.</p>
<p>Diese Region bei Darmstadt hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Einst als M&#252;llkippe f&#252;r die s&#252;dhessische Region vorgesehen, wandelte sie sich sp&#228;ter zum einzigen deutschen Weltnaturerbe der Unesco. Heute werden die &#214;lschieferplatten der Grube Messel millimetergenau von der Senckenberg-Gesellschaft  aus Frankfurt am Main nach versteinerten Zeugnissen aus der Urzeit abgesucht. In den Siebziger und Achtziger Jahren konnte hier jeder Anf&#228;nger sensationelle Fossilienfunde machen. Ber&#252;hmt wurden vor allem die Urpferdchen, die heute das Logo der Grube Messel zieren. Aber auch &#8222;Ida&#8220; war keine Unbekannte. &#8222;15 Jahre lang geisterte unter Pal&#228;ontologen das Ger&#252;cht herum, dass es irgendwo ‘noch einen Affen‘ g&#228;be&#8220;, best&#228;tigte der Pal&#228;obiologe J&#246;rg Habersetzer der &#8222;S&#252;ddeutschen Zeitung&#8220;.</p>
<p><strong>Ein verh&#228;ngnisvoller Fehler als Gl&#252;cksfall</strong></p>
<p>Was hat sich nun vor 47 Millionen Jahre an der Grube Messel abgespielt? Zu jener Zeit ist die Region von Urwald bedeckt. Das Affenjunge &#8222;Ida&#8220; hat sich gerade den Bauch mit Bl&#228;ttern und Fr&#252;chten vollgeschlagen, da begeht es einen verh&#228;ngnisvollen Fehler. Das Tier wagt sich zu nah an einen See heran, atmet giftige D&#228;mpfe ein, die vom Faulschlamm vom Grund des Gew&#228;ssers aufsteigen und verendet. &#8222;Idas&#8220; Ungl&#252;ck ist ein Gl&#252;cksfall f&#252;r die Forschung. Der Kadaver sinkt auf den Grund des sauerstoffarmen Sees und bleibt so &#252;ber Jahrmillionen konserviert. Noch heute sind bei dem Fossil, das zu 95 Prozent erhalten ist, das Fell und sogar &#8222;Idas&#8220; Henkersmahlzeit im Magen zu erkennen.</p>
<p>Das Problem: Die Vollst&#228;ndigkeit des Fossils sagt noch nichts dar&#252;ber aus, ob es sich bei &#8222;Ida&#8220; wirklich um ein entscheidendes Puzzelst&#252;ck in der Evolutionsgeschichte handelt, ob &#8222;Ida&#8220; also der Ehrenplatz in unserer Ahnengalerie geb&#252;hrt, den ihr Hurum reserviert hat. &#8222;Ida ist ein au&#223;ergew&#246;hnlich vollst&#228;ndiges Exemplar&#8220;, sagte etwa der Pal&#228;ontologe Elwyn Simons dem Wissenschaftsmagazin &#8222;Science&#8220;. &#8222;Aber es sagt uns nicht viel, was wir nicht schon w&#252;ssten.&#8220;  Kollegen wie K. Christopher Beard, vom Canergie Museum of Natural History in Pittsburgh bezweifeln, dass &#8222;Ida&#8220; ein direkter Vorfahre des Menschen ist. Bei &#8222;Ida&#8220; handele es sich eher um eine Cousine dritten Grades. Und noch einen Punkt stellt er im Gespr&#228;ch mit dem Sydney Morning Herald heraus: &#8222;Es gibt nicht das eine fehlende Bindeglied zwischen dem Menschen und unseren Primaten-Vorfahren &#8211; es gibt viele Teile eines Puzzles.&#8220;</p>
<p>Trotz aller Kritik, die jetzt auf ihn einprasselt, verteidigt Hurum seine PR-Kampagne rund um &#8222;Ida&#8220;. &#8222;Jede Popgruppe macht das, jeder Sportler macht das&#8220;, sagte er der &#8222;New York Times&#8220;. &#8222;Und wir m&#252;ssen lernen, so auch in der Wissenschaft zu denken.&#8220; Und zumindest seinen Arbeitgeber hat er bei diesem Plan auf seiner Seite. So freut sich die Direktorin des Reichsmuseums Oslo, Elen Roaldset, auf den Ansturm des Publikums. &#8222;Wir sind bislang kein Museum, das weltbekannt w&#228;re wie etwa der Louvre. Aber das hier, k&#246;nnte unsere &#8218;Mona Lisa&#8216; sein.&#8220;</p>




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		<title>Gemeinsam klug</title>
		<link>http://www.solokarpfen.de/wissen/465-gemeinsam-klug/</link>
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		<pubDate>Sun, 17 May 2009 00:31:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Eber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wissen]]></category>
		<category><![CDATA[Google]]></category>
		<category><![CDATA[Schwarmwissen]]></category>
		<category><![CDATA[Schweinegrippe]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Masse gilt gemeinhin als dumm und tr&#228;ge. Dabei zeigt das Internet, wie schlau Kollektive sein k&#246;nnen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Massenkonsum, Massenhysterie, Massentourismus &#8211; das Wort &#8222;Masse&#8220; steht selten in einem positiven Kontext. Keiner will Teil von ihr sein. In der Masse geht man unter, verliert sein Gesicht, wird zum Herdentier.  Dabei kann die Masse intelligent sein. Hochintelligent. Nicht selten sogar kl&#252;ger als der kl&#252;gste Kopf.</p>
<p>Manchmal ist daf&#252;r nicht einmal individuelle Intelligenz n&#246;tig. Bei Google zum Beispiel. Aus der Vielzahl der Suchanfragen lassen sich interessante R&#252;ckschl&#252;sse ziehen. Etwa bei  der Ausbreitung eines Grippe-Virus. Die H&#228;ufigkeit von Suchanfragen bildet die reale Verbreitungswelle einer Grippe ziemlich exakt nach. Die Erkl&#228;rung ist simpel: Dort wo die Epidemie tats&#228;chlich auftritt, wird verst&#228;rkt nach dem Thema gesucht.</p>
<p>Google selbst hat H&#228;ufigkeit und Orte von Suchanfragen mit offiziellen Beh&#246;rden-Statistiken <a href="http://www.google.org/about/flutrends/how.html">verglichen</a> und kommt zu dem Schluss, dass die Suchanfragen die Ausbreitung der Epidemie nicht nur exakt abbilden, sondern dass deren Datenmaterial viel fr&#252;her als Beh&#246;rden-Angaben auf die Ausbreitung aufmerksam machen k&#246;nnen. Auch die aktuelle Schweinegrippe-Epidemie <a href="http://www.google.org/flutrends/intl/en_mx/">dokumentiert</a> Google bereits. Wie exakt die Daten der tats&#228;chlichen Ausbreitung der Schweinegrippe entsprechen, wird sich in einigen Wochen zeigen. Erst dann liegen die Vergleichsinformationen der Gesundheitsbeh&#246;rden vor.</p>
<p>James Surewiecki hatte der These &#252;ber die Gruppenweisheit neuen Schwung verliehen. &#8222;The wisdom of Crowds&#8220; &#8211; Die Weisheit der Vielen &#8211; hei&#223;t sein 2004 erschienener Bestseller, in dem er anhand vieler Beispiele seine Theorie erl&#228;utert. Etwa mit der Geschichte vom Gewinnspiel auf einem Viehmarkt. Das Gewicht eines Rindes war zu sch&#228;tzen. Viele beteiligten sich. Ergebnis: Keiner riet das exakte Ergebnis. Dem tats&#228;chlichen Gewicht des Tieres kam der Mittelwert aller Sch&#228;tzungen am n&#228;hsten. Das Kollektiv war schlauer als jeder Einzelne gewesen.</p>
<p>Derartige Beispiele gibt es viele. Wer etwa eine leere Flasche mit Cent-St&#252;cken f&#252;llt, wird in der Regel um so n&#228;her dem tats&#228;chlichen Wert des Inhaltes kommen, je mehr Menschen er sch&#228;tzen l&#228;sst und daraus den Mittelwert bildet. Oder Wikipedia: Das kollektive Wissen der unz&#228;hligen Schreiber reduziert die Fehlerquoten auf das Niveau jener Lexika, die ausschlie&#223;lich von Experten geschrieben werden.</p>
<p>Wenn die Masse aber so schlau ist, warum gibt es dann B&#246;rsencrashs? Warum kaufen viele wie verr&#252;ckt Aktien, um &#252;ber Nacht alles wieder zu verlieren. Wo ist die Weisheit der Massen, wenn es ums Geld geht?</p>
<p>Brauchbares Kollektiv-Wissen entsteht, wo die Menschen unabh&#228;ngig entscheiden. An der B&#246;rse ist dies h&#228;ufig nicht der Fall. Dort werden K&#228;ufe und Verk&#228;ufe in Abh&#228;ngigkeit von Erwartungen anderer getroffen. Wer etwa vermutet, dass morgen viele B&#246;rsenh&#228;ndler Aktien von Daimler kaufen (wodurch der Kurs steigen w&#252;rde), wird sich schon heute dieses Wertpapier zulegen. Umgekehrt werden  Aktien verkauft, sobald die Erwartung entsteht, dass dies bald alle tun werden. Dieser Herdentrieb f&#252;hrt nicht zu kollektiv sinnvollem Wissen. Treffen dagegen die einzelnen Mitglieder einer Gruppe individuelle Entscheidungen, kann sich Wissen summieren &#8211; die Masse wird schlauer als das Individuum.</p>
<p>Es ist die Koordinierungsmaschine Internet, welche die Vorteile kollektiven Wissens deutlich zum Vorschein bringt. Und es ist die Internet-Ikone Google, welche ihren Gesch&#228;ftserfolg auf dieser Logik aufgebaut hat. Deren Suchtechnik hat im Kern eine simple Logik: Auf den Suchergebnis-Seiten tauchen jene Webseiten oben auf, auf die besonders viele andere Seiten verlinkt haben. Mit anderen Worten: F&#252;r Google ist wichtig, was f&#252;r viele andere im Netz auch wichtig ist. So einfach hat es Google zum wertvollsten Internet-Unternehmen gebracht.</p>
<p>Und vielleicht wird Google auch bald die Zukunft der Weltwirtschaft vorhersagen k&#246;nnen. Die beiden Google-Forscher Hyunyoung Choi und Hal Varian haben Suchbegriff-Hitlisten ausgewertet und wollen damit wirtschaftliche Entwicklungen erkennen, bevor sie statistisch nachweisbar sind. Suchen zum Beispiel viele Menschen &#252;ber Google nach dem Wort &#8222;Auto&#8220; oder einer bestimmten Auto-Marke, ist dies ein Indikator f&#252;r einen bevorstehenden Kauf.</p>
<p>Der Vorteil: In der Regel stehen Daten immer nur zeitverz&#246;gert zur Verf&#252;gung. Weil Informationen &#252;ber die Inflationsrate, das Zinsniveau oder die Arbeitslosenrate erst gesammelt und aufbereitet werden m&#252;ssen. Mit der Auswertung von Google- Anfragen lassen sich Wirtschaftsindikatoren in Echtzeit gewinnen. Prognosen k&#246;nnten dadurch zuverl&#228;ssiger werden. Einen ersten Erfolg wollen die beiden Google-Forscher bereits erzielt haben: Die Fehlerquote bei Prognosen f&#252;r den Automobilmarkt haben die &#214;konomen nach eigenen Angaben um 15 Prozent reduziert.</p>




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		<title>Finden ohne Suchen</title>
		<link>http://www.solokarpfen.de/wissen/341-finden-suchen/</link>
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		<pubDate>Wed, 06 May 2009 13:43:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Eber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wissen]]></category>
		<category><![CDATA[Stephen Wolfram]]></category>
		<category><![CDATA[Suchmaschine]]></category>
		<category><![CDATA[Wolfram-Alpha]]></category>

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		<description><![CDATA[In wenigen Tagen startet Wolfram-Alpha - Der Google-Konkurrent verspricht konkrete Antworten statt langer Link-Listen.

]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Stephen Wolfram war ohne Zweifel ein Wunderkind: 1975, mit 15 Jahren, ver&#246;ffentlicht er einen Artikel &#252;ber Teilchenphysik; ein Jahr sp&#228;ter beginnt er ein Physikstudium an der Oxford-Universit&#228;t; und mit 20 macht er seinen Doktor in theoretischer Physik. Wolfram aber ist nicht nur hochbegabt, sondern auch gesch&#228;ftst&#252;chtig: 1987 gr&#252;ndet er das Unternehmen Wolfram Research, ein Jahr sp&#228;ter bringt er die von ihm entwickelte Software &#8222;Mathematica&#8220; auf den Markt. Noch heute ist es das Standardwerkzeug f&#252;r viele Wissenschaftler &#8211; eine  Art universeller Computer-Werkzeugkasten f&#252;r mathematische Modelle.</p>
<p>Jetzt, mit 49 Jahren, will es Wolfram mit Google aufnehmen. Am 5. M&#228;rz k&#252;ndigte er auf seinem <a href="http://blog.wolfram.com/2009/03/05/wolframalpha-is-coming/">Blog </a>eine neuartige Suchmaschine mit dem Namen Wolfram-Alpha an. In wenigen Tagen soll sie an den  Start gehen. Die Idee dahinter: Im Unterschied zu Google sollen bei einer Anfrage nicht seitenweise Link-Listen ausgespuckt werden, vielmehr will die Suchmaschine konkrete Antworten auf Fragen geben. Wie viel ist das Molekulargewicht von Koffein geteilt durch das von Wasser? Wie hoch ist die Lebenserwartung eines 40-j&#228;hrigen Mannes in Italien heute im Vergleich zu 1933? Wie war das Wetter in Princeton an dem Tag, als Kurt G&#246;del starb? Das sind Fragen, auf die Wolfram-Alpha eine Antwort haben will. Denn die Suchmaschine funktioniert nach einer speziellen Logik: Sie speichert einzelne Informationen und bringt sie je nach Fragestellung in einem neuen Kontext wieder zusammen. W&#228;hrend man bei Google Antworten nur indirekt &#252;ber Links findet und auch nur dann, wenn diese Antworten im Netz bereits vorhanden sind, verspricht Wolfram-Alpha die Neuberechnung und Zusammenf&#252;gung von Einzelinformationen.</p>
<p>Die Grundlage hierf&#252;r liefert die Semantik. Dabei versucht man dem Computer die Bedeutung von W&#246;rtern und den Sinnzusammenhang von S&#228;tzen beizubringen.  Information wird so f&#252;r den Computer verstehbar, Inhalte k&#246;nnen dadurch miteinander verkn&#252;pft werden. Das Problem: Damit eine solche Suche erfolgreich ist, muss das Web nicht erst bei der Suchanfrage, sondern bereits im Voraus nach sinnvollen Inhalten durchsucht werden. Das ist bei der quasi unendlichen Gr&#246;&#223;e des Internets ein schwieriges Unterfangen. Die semantische Suche hat deshalb bisher nur in geschlossenen Datenr&#228;umen Einzug gehalten. Zum Beispiel in Unternehmen. Die Daten werden dort strukturiert, in Kategorien geordnet, und dadurch bei einer Anfrage bereits aufbereitet dem User zur Verf&#252;gung gestellt. &#8222;Die Semantik macht dann die Suche &#252;berfl&#252;ssig&#8220;, so J&#246;rg Wurzer vom Schweizer Suchmaschinen-Anbieter Iqser gegen&#252;ber der FAZ.</p>
<p>Letztendlich will die neue Suchmaschine des Zahlengenies Wolfram mit Hilfe der Mathematik Expertenwissen generieren. &#8222;Wolfram Alpha ist, als ob man sich in ein gewaltiges elektronisches Gehirn einst&#246;pselt&#8220;, schreibt der Technikexperte Nova Spivack, einer der ersten Tester der Suchmaschine auf seinem <a href="http://www.twine.com/item/122mz8lz9-4c/wolfram-alpha-is-coming-and-it-could-be-as-important-as-google">Blog</a>. In wenigen Tagen kann sich unter der Adresse <a href="http://www.wolframalpha.com">wolframalpha.com</a> jeder selbst ein Bild davon machen.</p>




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		<title>Digitale Demenz</title>
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		<pubDate>Sun, 26 Apr 2009 13:42:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Eber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Wissen]]></category>
		<category><![CDATA[Cloud Computing]]></category>
		<category><![CDATA[Datenspeicher]]></category>
		<category><![CDATA[Digitales Wissen]]></category>

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		<description><![CDATA[Nie wuchs Wissen schneller als heute - Aber weil wir noch wenig Erfahrung mit den neuen Datenspeichern haben, k&#246;nnte es genauso schnell wieder verloren gehen]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Fr&#252;her ging man zum Erinnern in den Keller. Oder auf den Speicher.  Kisten mussten entstaubt, Pappschachteln ge&#246;ffnet werden. Darin: Dokumente, Fotos, Briefe, nicht selten Liebesbriefe. Das St&#246;bern in der eigenen  Vergangenheit oder in der von Eltern und Gro&#223;eltern in staubig-stickiger Luft wird es nicht mehr lange geben. Selbst Liebesbriefe werden heute &#252;berwiegend digital verfasst und verschickt, Bilder in Bytes gespeichert und in Pixeln betrachtet. Das Medium &#8222;Computer&#8220; l&#246;st das Medium &#8222;Papier&#8220; ab.</p>
<p><div id="attachment_297" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><a href="http://www.flickr.com/photos/rsdio/407508708/"><img class="size-medium wp-image-297" title="Bild: (cc) casey.marshall @ flickr.com" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/04/407508708_a37eb43cca_o1-250x166.jpg" alt="Bild: (cc) casey.marshall @ flickr.com" width="250" height="199" /></a><p class="wp-caption-text">Ungef&#228;hr siebzehn Trillionen &quot;Schreibmaschinenseiten&quot;</p></div> Drei Nachrichten der vergangenen Wochen: Der Bookmark-Service <a href="http://ma.gnolia.com/">Ma.gnolia</a> geht vom Netz, nachdem ein Gro&#223;teil seiner Bookmarks verloren ging. <a href="http://www.pageflakes.com/">Pageflakes</a>, der personalisierte Startseiten-Anbieter, muss ebenso offline gehen wie das Videoportal <a href="http://revver.com/">Revver</a> (die beiden letzteren sind mittlerweile wieder in Betrieb). Die Beispiele zeigen: Wer seine Daten ins Netz stellt, hat keine Sicherheit, dass sie dort auch stets abrufbar sind. Im schlimmsten Fall gehen sie unwiderbringlich verloren.</p>
<p>Dennoch, der Trend ist ungebrochen: Eigene Dateien landen immer h&#228;ufiger im Netz. Fotoalben werden auf <a href="http://Flickr.com">Flickr</a> angelegt, Texte als <a href="http://docs.google.com">GoogleDocs</a> gespeichert, Kontakte auf Facebook verwaltet. Die Festplatte des eigenen Computers verliert an Bedeutung. &#8222;Cloud Computing&#8220; hei&#223;t das Schlagwort. Anwendungen und Daten befinden sich nicht mehr auf dem eigenen Rechner, sondern auf so genannten Servern. Der ans Internet  angeschlossene Computer holt sie von dort, verwendet sie und am Ende landen die Daten wieder auf dem Server.</p>
<p>Das ist eigentlich eine feine Sache. Denn nichts ist unsicherer als der eigene Rechner. Der kann gestohlen, Daten aus Versehen gel&#246;scht werden, Hardware kaputt gehen. Server sind sicherer. Sie befinden sich in der Regel immer am gleichen Ort (im Gegensatz zum Beispiel zu Laptops) und werden meist von Profis verwaltet und gewartet. Dennoch: Garantien gibt es nie. Und die Unternehmen denen die Server geh&#246;ren sichern in der Regel gegen Anspr&#252;che bei Datenverlust ab. Wo Informationen gespeichert werden, k&#246;nnen Informationen verloren gehen. Das ist eigentlich eine Binsenweisheit. Das Problem ist, dass unser heutiges Wissen gleich von drei Seiten bedroht wird.</p>
<p>1) <em>Wissensverlust durch menschliches Versagen.</em> Die Dimension der Sch&#228;den die beispielsweise in Unternehmen entstehen, ist un&#252;berschaubar. Weil keine Firma gerne &#246;ffentlich macht, wenn ihr eine Datenpanne passiert. In einer <a href="http://www.silicon.de/sicherheit/management/0,39039020,39187602,00/studie+ermittelt+kosten+von+datenverlusten.htm">Studie</a> bei 21 britischen Unternehmen aus der Finanzbranche wurden die Sch&#228;den gr&#246;&#223;erer Datenverluste untersucht. Die finanzielle Belastung pro Datenpanne lag bei 1,8 Millionen Euro.</p>
<p>2) <em>Wissensverlust durch Materialerm&#252;dung.</em> Die Dimension dieses Problems ist heute noch nicht abzusehen. Denn die meisten Techniken der Datenspeicherung sind noch keine 100 Jahre alt. Woher sollen wir beispielsweise wissen, wie lange die Daten im USB-Stick erhalten bleiben? Oder: Wie lange h&#228;lt eine CD? Weniger lange  jedenfalls als viele denken, sagen Wissenschaftler. &#8222;Selbstgebrannte Datentr&#228;ger sind kein Archiv, sondern nur ein Verbrauchsmedium, dass sich h&#246;chstens zum Transport von Daten eignet&#8220;, warnt Matthias Hemmje, Professor f&#252;r Multimedia- und Internetanwendungen der Fernuniversit&#228;t Hagen in der <a href="http://www.wiwo.de/technik/rasanter-digitaler-datenverlust-380169/">Wirtschaftswoche</a>. Und ein Test des IT-Fachmagazins c&#8217;t zeigte j&#252;ngst, dass viele der silbernen Speichermedien unter simulierten versch&#228;rften Klimabedingungen nur wenige hundert Stunden halten. Unter Normalbedingungen sch&#228;tzt c&#8217;t die zuverl&#228;ssige Haltbarkeit nur auf drei bis f&#252;nf Jahre. Soll man jetzt etwa alle paar Jahre seine komplette CD-Sammlung kopieren? Eine L&#246;sung l&#228;sst auf sich warten.</p>
<p>3) <em>Wissensverlust durch technischen Fortschritt.</em> Die stetige Weiterentwicklung von Datenspeicher- und Datenabspiel-Medien l&#246;st das Probleme aus. Womit VHS-Kassetten anschauen, wenn der DVD-Spieler den Videorekorder ersetzt hat? Womit die alten Magnetb&#228;nder h&#246;ren, die auf dem Speicher liegen? Was tun mit den Schellackplatten, welche die Gro&#223;mutter ihren Enkeln vererbt?</p>
<p>Keine Frage: Alte Techniken der Informationsspeicherung haben Vorteile. Wir wissen heute, was Menschen vor 6000 Jahren in Tontafeln geritzt haben. Wir entziffern Texte, die vor 2000 Jahren auf Papyrus geschrieben wurden. Weil es zum Entziffern nur die Augen und das Verst&#228;ndnis der Schrift braucht. Elektronische Speichermedien aber ben&#246;tigen komplexe Technik, um dem Menschen die Informationen zug&#228;nglich zu machen. Geht das Wissen um diese Technik verloren, wird das Wissen auf den Speichermedien unbrauchbar.</p>
<p>W&#252;rde man die Datenmenge alles digital gespeicherten Wissens auf CDs pressen, w&#228;re der Stapel 200 000 Kilometer hoch. In drei Jahren wird sich die Menge verdoppelt haben. Wir erfinden stetig Neues, immer mehr und immer &#246;fter. Was aber noch fehlt, ist eine &#252;berzeugende Strategie, um dieses Wissen zu konservieren, um es f&#252;r nachfolgende Generationen zu bewahren. Nie war der Wissenzuwachs gr&#246;&#223;er, nie aber auch die Gefahr, dieses Wissen wieder zu verlieren. Vielleicht sollten wir wenigstens Liebesbriefe in Zukunft wieder auf Papier schreiben.</p>




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