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	<title>Solokarpfen &#187; Ökonomie</title>
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		<title>Ohne Reichtum kein Wohlstand</title>
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		<pubDate>Wed, 09 Sep 2009 12:38:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Eber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Die Linken]]></category>
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		<category><![CDATA[Wohlstand]]></category>

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		<description><![CDATA[Wachstum ist nur m&#246;glich, wenn die Menschen darauf vertrauen, dass gegenw&#228;rtige Entbehrung in der Zukunft belohnt wird. Erst wenn dieses Vertrauen zur&#252;ckkehrt, kann die aktuelle  Wirtschaftskrise &#252;berwunden werden.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Opposition m&#252;sste man sein. Dann k&#246;nnte man fordern, w&#252;nschen, kritisieren. Alles w&#252;sste man besser. Auf jedes Problem h&#228;tte man einfache Antworten. Es w&#228;ren nicht immer L&#246;sungen, daf&#252;r Antworten, die viele h&#246;ren wollten. </p>
<p>Wie der aktuelle Wahlkampf zeigt, hat keine Partei einfachere Antworten als die Linken: Vom Wahlplakat l&#228;chelt milde Gregor Gysi aufs Volk, dazu der Slogan &#8222;<a href="http://www.spreeblick.com/2009/08/30/bundestagswahl-2009-alles-neu/">Reichtum f&#252;r alle</a>&#8220;; zwei Stra&#223;enlaternen weiter die gleiche Partei, ein anderer Spruch: &#8222;<a href="http://www.spreeblick.com/2009/08/30/bundestagswahl-2009-alles-neu/">Reichtum besteuern</a>&#8220;. Ganz offensichtlich glaubt bei den Linken keiner, dass ihre Forderung (&#8222;Reichtum f&#252;r alle&#8220;) jemals Realit&#228;t wird, sonst w&#252;rde man kaum gleichzeitig &#8222;versprechen&#8220;, dem Wahlvolk diesen Reichtum gleich wieder zu nehmen (&#8222;Reichtum besteuern&#8220;). Man wei&#223; halt, es sind nur Parolen &#8211; Parolen von haltlosen Versprechen, Parolen von Neid.     </p>
<p>Es spricht f&#252;r die Intelligenz der Mehrheit unserer Gesellschaft, dass es &#252;berhaupt noch Reiche gibt. Denn die Reichen sind in der Minderheit. In einer Demokratie k&#246;nnte sich die Mehrheit eine Regierung w&#228;hlen, die daf&#252;r sorgt, dass den Reichen ihr Reichtum genommen wird. Der k&#246;nnte dann auf die vielen weniger Reichen verteilt werden. F&#252;r manche ist das nur fair. F&#252;r sie herrscht erst dann Gerechtigkeit, wenn alle das Gleiche haben. Was aber w&#252;rde passieren, wenn den Reichen ihr Verm&#246;gen genommen w&#252;rde? Wenn es derart besteuert w&#252;rde, dass am Ende vom Reichtum nichts bliebe? Wie w&#252;rde dies &#8211; abgesehen davon, dass die Reichen nicht mehr reich w&#228;ren &#8211; die Gesellschaft ver&#228;ndern? </p>
<p>Die Folgen w&#228;ren gravierend. Weil dann die Menschen nicht mehr danach streben w&#252;rden, Verm&#246;gen anzuh&#228;ufen. Es w&#252;rde sich ja nicht mehr lohnen. Dies w&#228;re das Ende unseres Wohlstands. Denn der Mensch hat grunds&#228;tzlich zwei M&#246;glichkeiten, sein Einkommen zu verwenden: Er kann es unmittelbar ausgeben (konsumieren) oder aufheben (sparen). Nur letzteres aber schafft den Wohlstand der Zukunft. Denn Sparen ist die Kehrseite der Investition: Das Geld, das der Bank gegeben wird, verleiht diese an andere, die damit investieren. Einer baut sich ein Eigenheim, ein anderer erweitert seine Firma, der dritte steckt es in seine Ausbildung. Alle drei verzichten auf gegenw&#228;rtigen Konsum, um in der Zukunft ein besseres Leben f&#252;hren zu k&#246;nnen (Wohnen in den eigenen vier W&#228;nden, h&#246;here Firmengewinne, lukrativerer Job).</p>
<p>Aus der Summe vieler individueller Entscheidungen ergibt sich so die Sparquote eines Landes. Sie zeigt an, wie wichtig einer Gesellschaft der augenblickliche Konsum ist, im Vergleich zu einem guten Leben in der Zukunft. Ein Land mit niedriger Sparquote ist ein Land ohne Vertrauen — ohne Vertrauen, dass dem heutigen Verzicht die sp&#228;tere Belohnung folgt. </p>
<p><a href="http://www.flickr.com/photos/purpleslog/2866880122/"><img src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/09/wohlstand-450x249.jpg" alt="Bild: (cc) purpleslog @ flickr.com" title="Bild: (cc) purpleslog @ flickr.com" width="450" height="224" class="alignleft size-large wp-image-1795" /></a></p>
<p>Fehlendes Vertrauen hat auch die aktuelle Wirtschaftskrise ausgel&#246;st. Genauer gesagt waren es zun&#228;chst vor allem die Banken, die sich nicht mehr &#252;ber den Weg trauten. Sie liehen sich untereinander kein Geld mehr. Nicht mal f&#252;r ein paar Stunden. Weil sie bef&#252;rchteten, es am n&#228;chsten Tag nicht mehr wiederzusehen. Obwohl der Zinssatz am so genannten Interbankenmarkt Anfang des Jahres stark angestiegen war, parkten viele europ&#228;ische Geldinstitute ihr Verm&#246;gen lieber im sicheren Hafen der Europ&#228;ischen Zentralbank. 200 bis 300 Milliarden Euro lagerten sie dort zu niedrigen Zinss&#228;tzen Nacht f&#252;r Nacht ein. Es dauerte mehrere Monate bis das Vertrauen zur&#252;ckkehrte. Im Fr&#252;hjahr dann war der Betrag auf 20 Milliarden Euro gesunken. </p>
<p>Wie den Banken, so geht es allen Beteiligten eines Wirtschaftssystems: Erst wenn das Vertrauen zur&#252;ck kommt, kann der Aufschwung einsetzen. Wer sich seines Jobs sicher ist, nimmt einen Kleinkredit auf, um das marode Ziegeldach seines Eigenheimes erneuern zu lassen. Wer eine Perspektive sieht, beginnt ein Ingenieursstudium. Wer einen wachsenden Markt erwartet, wird in seinem Unternehmen die Weichen auf Expansion stellen. Dieses Vertrauen ist eine selbsterf&#252;llende Prophezeiung. Weil der Dachdecker einen Auftrag erh&#228;lt, das Unternehmen sein Personal aufstockt und die Ausbildungsst&#228;tte neue Lehrer einstellt, f&#252;hrt die Erwartung des Aufschwungs dazu, dass er auch wirklich eintritt.</p>
<p>Ohne Vertrauen also kein Ende der Krise, Vertrauen auch darin, dass jeder einzelne, so er zu Verm&#246;gen kommt, relevante Teile davon behalten darf. Man muss das nicht als gerecht empfinden, aber man sollte es akzeptieren: Wer Wohlstand will, muss Reichtum zulassen.</p>




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		<title>Der Fast-Anarchist</title>
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		<pubDate>Mon, 31 Aug 2009 07:19:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Eber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[David Friedman]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Liberalisierung]]></category>

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		<description><![CDATA[Warum ein Buch rezensieren, das vor 36 Jahren geschrieben wurde und vor mittlerweile vier Jahren in einer rabenschlechten deutschen &#220;bersetzung erschien? Weil es mein Lieblingsbuch ist.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Stellen Sie sich vor, Sie w&#252;rden einkaufen gehen. Etwa weil Sie ein Buch kaufen wollten. Sie gingen also zu einem Buchladen, &#246;ffneten die Eingangst&#252;re &#8211; und das erste was Sie sehen w&#252;rden, w&#228;re nicht eine B&#252;cherwand, sondern Menschen in einer langen Schlange, die brav  anstehen w&#252;rden, um ihre Bestellung aufzugeben oder ein Buch zu kaufen. W&#252;rden Sie diesen Buchladen jemals wieder betreten?</p>
<p>Andere Frage: Wann haben Sie das letzte Mal an einem Bahnschalter ein Ticket gekauft? Man muss kein &#214;konom sein, um zu erkennen, warum es bei der Deutschen Bahn teilweise noch heute zugeht wie fr&#252;her im Sozialismus. Das Unternehmen bietet etwas an, was man nur dort erhalten kann: Es bringt einen in kurzer Zeit &#252;ber weite Strecken. Und weil es auf den Gleisen an Konkurrenz fehlt, kann sich die Deutsche Bahn erlauben, was sich im Buchladen keiner bieten lassen w&#252;rde.</p>
<blockquote><p>&#8222;In jeder Gesellschaft gibt es im Wesentlichen nur drei M&#246;glichkeiten, eine andere Person dazu zu bringen, mir zu helfen, meine Ziele zu erreichen: Zuneigung, Handel und Zwang.&#8220;<br />
(&#8211; David Friedman)</p></blockquote>
<p>In einigen Wirtschaftszweigen sind in den vergangenen Jahren Monopole gefallen: Wir telefonieren &#252;ber Privatfirmen und bekommen unseren Strom schon lange nicht mehr vom Staat. Die Akzeptanz der Marktwirtschaft ist durch diese Liberalisierungswelle zu Beginn der 90er Jahre gestiegen, weil die meisten Menschen die Zulassung von Konkurrenz in Form fallender Preise positiv zu sp&#252;ren bekamen.</p>
<p><div id="attachment_1697" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><a href="http://en.wikipedia.org/wiki/File:Davidfriedmanatcato.jpg"><img class="size-medium wp-image-1697" title="Bild: (cc) Kate Walsh @ Wikimedia Commons" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/friedman1-250x250.jpg" alt="David Friedman beim Cato Institute, Washington DC" width="250" height="250" /></a><p class="wp-caption-text">David Friedman, Sohn des Nobelpreistr&#228;gers Milton Friedman</p></div> Um so verwunderlicher ist es, dass in der &#214;ffentlichkeit die Diskussion weitgehend dar&#252;ber verstummt ist, was &#252;berhaupt die Aufgabe des Staates sein sollte. Heute glaubt keiner mehr, dass das Paradies ausbrechen w&#252;rde, wenn man Teile der Industrie verstaatlichen w&#252;rde. Viele scheinen aber fest davon &#252;berzeugt zu sein, dass alle wesentlichen Bereiche bereits privatisiert seien. Wie falsch das ist, zeigt das Buch des amerikanischen Rechtsprofessors David Friedman, dem Sohn des Nobelpreistr&#228;gers f&#252;r &#214;konomie, Milton Friedman. David Friedman hat 1973 &#8222;Das R&#228;derwerk der Freiheit &#8211; F&#252;r einen radikalen Kapitalismus&#8220; geschrieben. Es wurde in den USA zu einem Kultbuch f&#252;r Liberale. Aber es dauerte 30 Jahre, ehe Friedmans Manifest ins Deutsche (leider in ein sehr schlechtes Deutsch) &#252;bersetzt wurde. Mittlerweile ist es (zumindest &#252;ber Amazon) nicht mal mehr erh&#228;ltlich (<a href="http://www.amazon.com/dp/0812690699/">auf Englisch allerdings schon</a>).</p>
<p>Die Zahlen, die Friedman trotz mehrfacher Aktualisierung zur Belegung seiner Beispiele verwendet, sind heillos veraltet &#8211; die Thematik dagegen so aktuell wie nie. Friedman macht den Staat f&#252;r die unterschiedlichsten &#246;konomischen Probleme verantwortlich – Stichwort: Rente, Stichwort: Gesundheit, Stichwort: Arbeitsmarkt. Friedmans Buch ist eine einzige Er&#246;rterung der Frage, was der Staat besser kann als private Akteure. Seine Antwort: wenig bis gar nichts. Seiner Berechnung zu Folge, kostet jede Leistung von staatlichen Organisationen wegen des fehlenden Wettbewerbs ungef&#228;hr das Doppelte, als wenn sie privat geleistet w&#252;rde. Man mag die Exaktheit solcher Berechnungen anzweifeln. Als Richtschnur taugen sie allemal.</p>
<p>Doch Friedman geht es um etwas Grunds&#228;tzlicheres: die Freiheit des Menschen. &#8222;In jeder Gesellschaft gibt es im Wesentlichen nur drei M&#246;glichkeiten, eine andere Person dazu zu bringen, mir zu helfen, meine Ziele zu erreichen: Zuneigung, Handel und Zwang.&#8220; Erstere g&#228;be es meist nur innerhalb einer kleinen, abgegrenzten Gruppe. Der Handel sei dagegen das Merkmal einer kapitalistischen Gesellschaft und dem Zwang vorzuziehen, weil beim Handel nur dann ein Gesch&#228;ft zustande k&#228;me, wenn beide Seiten dies freiwillig wollten. Der Staat aber, so Friedmans Kritik, &#252;be h&#228;ufig Zwang aus, weil in einer Demokratie der Wille der Mehrheit gegen den Willen von Minderheiten durchgesetzt werde.</p>
<p>Warum zwingt ein staatliches Gesundheitssystem die Menschen dazu &#8211; fragt Friedman &#8211; eine gewisse Menge medizinischer Versorgung zu kaufen, unabh&#228;ngig davon, ob diese den Preis f&#252;r angemessen halten oder nicht? Warum nimmt sich der Staat das Recht, Bildung quasi als Einziger anzubieten? Warum verteilt er nicht besser Bildungsgutscheine, die bei in Konkurrenz stehenden privaten Schulen und Universit&#228;ten eingel&#246;st werden k&#246;nnten?</p>
<p>Wer nach einer Verschlankung des Staates rufe, werde oft als unsozial verschrien. Es brauche den Staat aus Gerechtigkeitsgr&#252;nden, sagen viele. Sie glauben, dass der R&#252;ckzug des Staates zu einer ungerechten oder zumindest nicht w&#252;nschenswerten Wohlstands- und Einkommensverteilung f&#252;hren w&#252;rde. Friedman ist anderer Ansicht. Warum, so der Professor der kalifornischen Santa Clara Universit&#228;t, solle in einem rein kapitalistischen System die freiwillige Umverteilung nicht genauso gro&#223; sein, wie unter staatlicher Zwangsumverteilung? Anders gefragt: &#8222;Wenn die Nicht-Armen nicht gro&#223;z&#252;gig genug sind, den Armen das Geld freiwillig durch private F&#252;rsorge zukommen zu lassen, was bringt Sie dann dazu, anzunehmen, sie seien derartig gro&#223;e Narren, so abzustimmen, dass sie dazu gezwungen werden?&#8220;</p>
<p>Aber Friedman ist nicht blind f&#252;r die Probleme, die sich in staatenlosen Gesellschaften ergeben w&#252;rden. So brauche es in einer solchen Gesellschaftsform die eindeutige und vollst&#228;ndige Zuordnung von Eigentum. Die sei relativ einfach, was den eigenen K&#246;rper betr&#228;fe, und auch f&#252;r Gegenst&#228;nde, die man selbst hergestellt oder von einer anderen Person &#252;bertragen bekommen habe. Problematisch aber werde es bei einem, in einem kapitalistischen System ganz wesentlichen Eigentumsrecht: dem Boden. Was ist die gerechte Verteilung von Land? Friedman kennt sie nicht. &#8222;Soweit ich wei&#223;, hat noch niemand einen &#252;berzeugenden Grund daf&#252;r geliefert, warum ich, nachdem das Land anfangs allen geh&#246;rte, irgendwie das Recht verliere, es zu betreten, nachdem jemand verlautbart hat, es zu besitzen.&#8220;</p>
<p>Weil Friedman um die Probleme einer Gesellschaft ohne Staat wei&#223;, ist er auch kein Anarchist. Vor allem kennt Friedman das Problem der so genannten &#246;ffentlichen G&#252;ter. Es handelt sich dabei um derartig beschaffene G&#252;ter, dass sie nur f&#252;r alle Mitglieder einer bestehenden Gruppe hergestellt werden k&#246;nnen. Ein Beispiel f&#252;r ein &#246;ffentliches Gut ist die Landesverteidigung. Sie sch&#252;tzt alle in einem Land Lebenden. Das Problem eines solchen &#246;ffentlichen Gutes ist es aber nun, dass zwar jeder gerne in den Genuss des Gutes &#8211; in dem Fall &#8222;Sicherheit&#8220; &#8211; gelangt, gleichzeitig aber jeder den Anreiz hat, sich an der Finanzierung nicht zu beteiligen, da man auch ohne einen eigenen Beitrag besch&#252;tzt werden w&#252;rde. Anders gesagt: Wird kein Zwang ausge&#252;bt &#8211; zum Beispiel weil keine Steuerpflicht besteht &#8211; ist es schwierig, die Menschen zur Kasse zu bitten, da es kaum eine M&#246;glichkeit gibt, jenen, die nicht zahlen wollen, das Gut vorzuenthalten. Die Konsequenz: Ein &#246;ffentliches Gut braucht den Zwang, sonst wird es nicht produziert, obwohl seine Herstellung w&#252;nschenswert ist, wenn der Wert des Gutes h&#246;her als seine Kosten sind.</p>
<p>Friedman bejaht deshalb in wenigen Bereichen, wie etwa der Landesverteidigung, den Staat (und damit den Zwang), weil dadurch ein gr&#246;&#223;erer Nachteil &#8211; zum Beispiel die Unterjochung durch eine Diktatur &#8211; vermieden werden kann. Wo es nicht anders m&#246;glich sei, m&#252;sse auch der durch demokratische Abstimmung entstandener Zwang erlaubt sein. Es gehe nicht darum, so Friedman, Zwang niemals zu zulassen, sondern &#8222;immer das zu tun, was die Gesamtheit des Zwangs minimiert.&#8220;</p>




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		<title>Gekommen um zu bleiben?</title>
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		<pubDate>Wed, 05 Aug 2009 20:35:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Eber</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wir "googeln", als h&#228;tte es nie etwas anderes gegeben. Wird das immer so bleiben? &#220;ber die Zukunft des Suchmaschinen-Monopolisten.  ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wer Google-Chef Eric Schmidt auf die Dominanz seines Unternehmens bei Suchmaschinen anspricht, erh&#228;lt h&#228;ufig folgende beschwichtigende Antwort: &#8222;Die Konkurrenz ist nur einen Mausklick entfernt.&#8220; Bisher konnte man zur&#252;ck fragen: &#8222;Welche Konkurrenz?&#8220; In Deutschland zum Beispiel werden zwischen 80 und 90 Prozent aller Suchanfragen &#252;ber Google gestellt.</p>
<p><a href="http://www.flickr.com/photos/markhillary/3361711373/"><img src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/google1-134x134.jpg" alt="Bild: (cc) markhillary @ flickr.com" title="Bild: (cc) markhillary @ flickr.com" width="134" height="134" class="alignleft size-thumbnail wp-image-1190" /></a> In der Hoffnung, im Milliardengesch&#228;ft mit Internet-Werbung eine Zukunft zu haben, verk&#252;ndeten Microsoft und Yahoo vor wenigen Tagen eine Allianz: Zehn Jahre lang verpflichtet sich Yahoo (die Nummer zwei unter den Suchmaschinen), die erst im Juni von Microsoft eingef&#252;hrte Suchmaschine &#8222;Bing&#8220; zu verwenden. Im Gegenzug soll Yahoo in den ersten f&#252;nf Jahren 88 Prozent aller Einnahmen aus der Suchmaschinenwerbung erhalten. Das Ziel ist klar: Den <a href="http://www.golem.de/0907/68422.html">weit enteilten Primus</a> Google in Sichtweite zu bekommen. </p>
<p>Es w&#228;re gut, wenn Yahoo und Microsoft dies gel&#228;nge. Denn ohne Frage steckt das Wissen der Welt heute vor allem im Internet. Und dieses Wissen ist nur n&#252;tzlich, wenn es verwendet wird, wenn Texte gelesen, Grafiken angeschaut, Filme abgespielt werden. Zun&#228;chst aber m&#252;ssen diese Inhalte gefunden werden. Und gibt es nur einen einzigen Suchmaschinen-Betreiber, gibt es auch nur einen dominanten Weg, sich dieses Wissen zu erschlie&#223;en. Eine monopolistische Suchmaschinen-Branche reduziert folglich die Vielfalt der Wissensverbreitung. Hinzu kommt die Gefahr eines Missbrauchs durch gezielte Steuerung bei der Informationssuche. Es k&#246;nnte damit beginnen, dass die Google-Konkurrenz nicht mehr auf den Google-Trefferlisten in den vorderen R&#228;ngen auftaucht.</p>
<p>Wie stehen die Chancen von Yahoo, Microsoft und anderen Suchmaschinenbetreibern wie etwa ask.com? Ist Google auf Nimmer-Wiedersehen entkommen &#8211; und bleibt also Monopolist? Oder darf die Konkurrenz langfristig auf relevante Marktanteile hoffen?  </p>
<p>Es gibt zwei Gr&#252;nde, warum es in einer Marktwirtschaft zur Monopolbildung kommen kann. Erstens, wenn der Staat eingreift und per Gesetz einen Anbieter bevorteilt &#8211; so etwa ist es noch heute auf dem Markt der Briefzustellung, wo der Post besondere Rechte einger&#228;umt werden. Zweitens, wenn der Markt selbst eine bestimmte Besonderheit aufweist, die zu einem so genannten nat&#252;rlichen Monopol f&#252;hrt. Ersteres ist auf dem Suchmaschinen-Markt nicht der Fall, letzteres schon. </p>
<p>Ein nat&#252;rliches Monopol kann immer dann entstehen, wenn die Durchschnittskosten bei zunehmender Produktion fallen. Bei Suchmaschinen-Anbietern ist dies so: Die Kosten der Produktion (Durchforsten des Internets, Verbesserung des Suchalgorithmus, Bereitstellung m&#246;glichst vieler und treffender Suchergebnisse) sind n&#228;mlich weitgehend unabh&#228;ngig von der Nachfrage (Eingabe von Suchanfragen in die Suchmaske von Google), sie sind also fix. Bleiben aber die Gesamtkosten weitgehend gleich, egal wie gro&#223; die Nachfrage ist, dann sinken bei steigender Nachfrage die Durchschnittskosten, also die Kosten pro &#8222;Kunde&#8220;. Die Folge: Wer gro&#223; ist, wird noch gr&#246;&#223;er, weil er g&#252;nstiger anbieten kann, oder &#8211; wie im Fall von Google &#8211; in der Lage ist, seine h&#246;heren Werbe-Einnahmen in die Verbesserung seines Angebots (bei Google die Suchtechnologie) zu stecken. Der Vorsprung w&#228;chst also. </p>
<p>Allerdings: Sinkende Durchschnittskosten sind kein besonderes Kennzeichen der Suchmaschinen-Branche. Das Ph&#228;nomen gibt es in der  gesamten Digitalwirtschaft. Ob Musik, Spiele, Software: Alles, was digital verbreitet werden kann, muss nur einmal erstellt und kann dann ohne hohe Kosten, millionenfach verbreitet werden. Fallende Durchschnittskosten sind also keine hinreichende Erkl&#228;rung f&#252;r eine Monopolbildung. Zwar sind gro&#223;e Unternehmen im Vorteil, die Erfahrung zeigt aber, dass gute Ideen und eine clevere Vermarktung Gr&#246;&#223;envorteile ausgleichen k&#246;nnen. </p>
<p>Oft f&#252;hrt erst  ein zweiter Grund zur dauerhaften Etablierung eines Monopols, n&#228;mlich so genannte Netzwerkeffekte. Klassisches Beispiel: das Telefon. Es bringt keinerlei Nutzen, solange man selbst der einzige Telefonbesitzer ist. Erst wenn ein Zweiter ebenfalls einen Telefonanschluss hat, ergibt sich f&#252;r beide ein Vorteil. Mit einer zunehmenden Zahl an Telefonanschl&#252;ssen steigt der Gesamtnutzen exponentiell an. &#196;hnliche Effekte gibt es auch bei Software, zum Beispiel bei Microsofts &#8222;Office&#8220;-Paket. Wer etwa mit dem Textverarbeitungsprogramm &#8222;Word&#8220; schreibt und dieses Dokument verschickt, kann sich ziemlich sicher sein, dass der Adressat mit diesem Dateiformat etwas anfangen kann. Ein weiteres Beispiel: soziale Netzwerke im Internet, wie  Facebook oder StudiVZ. Je mehr Menschen in einer Community aktiv sind, desto gr&#246;&#223;er der Nutzen f&#252;r alle Teilnehmer. Je mehr Freunde, desto gr&#246;&#223;er die Freude. Gut m&#246;glich also, dass im aktuellen Kampf der sozialen Netzwerke um die Gunst der Nutzer am Ende nur eines &#252;berleben wird. </p>
<p>Einen solchen Netzwerk-Effekt aber gibt es bei Suchmaschinen gerade nicht. Es macht f&#252;r A keinen Unterschied, ob B seine Suchanfrage auf Google oder auf Yahoo stellt. Fazit: Die Vormacht-Stellung von Google ist nicht zementiert. Neue Angebote dr&#228;ngen auf den Markt. Twitter zum Beispiel. Seit Ende vergangenen Monats hat die Startseite des Mikroblogging-Dienstes <a href="http://yuccatree.de/2009/07/twitter-stellt-neue-startseite-vor-vom-zwitscherfunk-zur-suchmaschine/">eine neue Optik</a>. &#196;hnlich reduziert wie die Google-Startseite wird jetzt auch bei Twitter der Fokus auf das Suchfeld gelenkt. Der Vorteil von Twitter: Die Eintr&#228;ge sind aktueller, denn bei Gro&#223;ereignissen wird h&#228;ufig direkt vom Ort des Geschehens getwittert. Google wird also nicht alleine bleiben. Schmidt hat recht, die Konkurrenz ist nur einen Mausklick entfernt.</p>




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		<title>Schmeckt&#8217;s noch?</title>
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		<pubDate>Thu, 16 Jul 2009 15:05:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Eber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Claus Hipp]]></category>
		<category><![CDATA[Einkaufen]]></category>
		<category><![CDATA[Lebensmittelimitate]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Debatte um Lebensmittel-Imitate zeigt: Wohl noch nie wussten wir so wenig &#252;ber die Dinge, die wir essen und mit denen wir leben. Das hat Folgen: Wir kaufen nicht die besten Produkte, sondern die, denen wir am meisten vertrauen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>&#220;ber  Claus Hipp lassen sich so viele Geschichten erz&#228;hlen, dass man sich zwangsl&#228;ufig fragt, ob es sich um ein und dieselbe Person handelt. Es gibt Claus Hipp den <a href="http://www.bild.de/BILD/muenchen/leute/2008/08/06/city-talk-claus-hipp-/-wird-georgischer-konsul.html">Honorarkonsul  von Georgien</a>, Claus (genauer gesagt Nikolaus) Hipp den <a href="http://www.nikolaus-hipp.de/">K&#252;nstler</a>, Claus Hipp den <a href="http://www.theater.de/theater/deutschland/bayern/immling/internationales_musikfestival_im_chiemgau/unternehmer-claus-hipp-malt-erstmals-ein-buehnenbild/">B&#252;hnenbildner</a>, Claus Hipp den<a href="http://www.faz.net/s/Rub2309A3DB4F3C4474B93AA8610A24AE0A/Doc~E83E45EBB009F485D8EC7659D9D2D670A~ATpl~Ecommon~Scontent.html"> Schirmherr der M&#252;nchner Tafel</a>, Claus Hipp als <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Claus_Hipp ">promovierter Jurist</a>, als erfolgreicher <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Claus_Hipp ">Springreiter</a>, als <a href="http://www.focus.de/schule/schule/unterricht/schule_aid_136804.html">Kunstprofessor in Tiflis</a> &#8211; und nat&#252;rlich Claus Hipp, den <a href="http://www.hipp.de/index.php?id=23">Hersteller von Babynahrung</a>. Der Erfolg von Claus Hipp hat viele Gesichter,  der Ursprung d&#252;rfte immer der Gleiche sein. Er verdichtet sich in jener Sequenz, die Millionen kennen, und zwar in jenem <a href="http://www.youtube.com/watch?v=djnWIhM7yQk">Werbespot</a>, in dem eine gl&#252;ckliche Frau ihr Kind in die H&#246;he h&#228;lt, ein zufriedener Landwirt Karotten erntet und am Ende der Firmenbesitzer im Trachtenjanker seine Ehre verpf&#228;ndet und sagt:  &#8222;Daf&#252;r stehe ich mit meinem Namen.&#8220;</p>
<p><a href="http://www.flickr.com/photos/missturner/2400195569/"><img class="alignleft size-medium wp-image-1019" title="Bild: (cc) MissTurner @ flickr.com" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/07/keks-250x166.jpg" alt="Bild: (cc) MissTurner @ flickr.com" width="250" height="250" /></a>Das Erfolgsgeheimnis von Claus Hipp hei&#223;t Glaubw&#252;rdigkeit. Als die Deutschen noch nichts von Bio-Siegeln wussten, setzte Hipp bereits auf &#246;kologischen Anbau und klebte sein eigenes Siegel auf die kleinen Gl&#228;schen. &#214;ko kauften damals nur die Langhaarigen, Hippies, Alternativen. Doch der Gesch&#228;ftsmann aus Bayern erkannte den Trend: Die Menschen suchen Sicherheit. Weil die Welt immer unsicherer wird. Nicht gef&#228;hrlicher, aber un&#252;berschaubarer. Da werfen die Eltern gerne den sch&#252;tzenden Mantel &#252;ber ihre Kinder. Sie wollen keinen Fehler machen, nur das Beste f&#252;r ihren Nachwuchs.</p>
<p>150 Millionen Kaufentscheidungen werden <a href="http://www.schrotundkorn.de/2009/200902sp02.php">angeblich</a> in Deutschland Tag f&#252;r Tag getroffen. Und keine einzige l&#228;uft ab, wie sie im Grundkurs der &#214;konomie beschrieben ist. Dort n&#228;mlich finden Gesch&#228;fte immer unter &#8222;vollst&#228;ndiger Information&#8220; statt. Das hei&#223;t, sowohl K&#228;ufer als auch Verk&#228;ufer kennen das Produkt, seine St&#228;rken, seine Schw&#228;chen, einfach alles. Sie wissen auch &#252;ber die Marktbedingungen genauestens bescheid: Welche anderen Produkte es gibt, wie diese beschaffen sind, was sie kosten. In der Theorie wei&#223; jeder alles.</p>
<p>In der Realit&#228;t wissen viele wenig, vor allem die Verbraucher: Ob wir eine Urlaubsreise buchen, eine Orange kaufen oder das Auto zur Reparatur bringen &#8211; immer sind wir   unvollst&#228;ndig informiert. Wird das Urlaubsziel die erhoffte Erholung bieten? Die Orange saftig und ohne Giftstoffe sein? Die Kfz-Mechaniker ihre Arbeit auf das Notwendige beschr&#228;nken? Jede Entscheidung wird unter Unsicherheit getroffen.</p>
<p>Der Kampf gegen diese Unsicherheit ist ein best&#228;ndiger: Wir lesen Crash-Tests vor dem Autokauf, holen bei Stiftung Warentest Informationen &#252;ber Digitalkameras ein, achten auf Siegel, lauschen den Empfehlungen unserer Freunde und halten nach einer Marke, die wir in der Vergangenheit sch&#228;tzten, auch in der Zukunft Ausschau. Aber wir k&#228;mpfen gegen  Windm&#252;hlen. Unter welchen Bedingungen wurde das Produkt produziert? Was wird es mir bringen? Wie lange halten? Noch nie konnten wir so viel und so einfach Informationen beschaffen wie heute, noch nie hatten wir weniger Ahnung von den Dingen, die uns umgeben.</p>
<p>Fr&#252;her baute man seine Lebensmittel selbst an. Jeder wusste, was er a&#223;. Und brauchte man einen neuen Ackergaul, fuhr man auf den Markt und schaute den Pferden ins Maul. Die Unsicherheiten hielten sich in Grenzen. Je verzweigter  das Wirtschaftssystem wurde, desto mehr wuchs das Nichtwissen &#8211; und mit ihr die Sorge, Fehler zu machen. Das gro&#223;e mediale Interesse bei Lebensmittelskandalen ist das Spiegelbild dieser Sorge. Selbst bei Themen, die gesundheitlich harmlos sind &#8211; wie aktuell die Diskussion &#252;ber Lebensmittel-Imitate &#8211; ist die Emp&#246;rung gro&#223;. Weil offensichtlich wird, wie verwundbar uns unser Nichtwissen macht.</p>
<p>Wer als Unternehmen dem Nichtwissen der Konsumenten Vertrauen entgegensetzt, hat mehr als den ersten Schritt zum Gesch&#228;ftsabschluss geschafft. Weil Vertrauen  Nichtwissen kompensiert. &#8222;Ich bin mir nicht sicher, was gut f&#252;r mich ist, aber ich glaube Dir, dass Du es f&#252;r mich wei&#223;t&#8220;, lautet unser Konsumentengedanke, wenn wir nach G&#252;tern greifen, &#252;ber die wir wenig wissen, aber vermuten, dass sie unseren Erwartungen entsprechen. Wir essen beim Bio-Italiener, greifen nach  Klamotten mit Fair-Trade-Etiketten oder kaufen kleine, teure Gem&#252;segl&#228;schen f&#252;r unsere Kinder.</p>
<p>Auf <a href="http://www.manager-magazin.de/koepfe/unternehmerarchiv/0,2828,250120,00.html">60 Prozent Marktanteil</a> und zum Multimillion&#228;r hat es der 70-j&#228;hrige Claus Hipp mit seiner Strategie gebracht. Eigentlich seltsam, dass sie nicht h&#228;ufiger kopiert wurde. Vielleicht hat man es ja versucht. Vielleicht sind die Versuche gescheitert. Weil es m&#246;glicherweise mehr braucht als eine Strategie. Vom Katholik Claus Hipp, der jeden Morgen die Wallfahrtskapelle an seinem Wohnort im bayerischen Herrenrast aufsperrt, hei&#223;t es, dass er seine  Prinzipien auch wirklich lebe. Dass zum Beispiel die Ethik-Charta in seinem Unternehmen kein Papiertiger sei. Eine sch&#246;ne Vorstellung, dass authentisches Handeln die Basis f&#252;r ein erfolgreiches Unternehmen ist.</p>




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		<title>Keine Eier im Internet</title>
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		<pubDate>Thu, 25 Jun 2009 08:22:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Christoph Strobel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Comic]]></category>
		<category><![CDATA[E-Commerce]]></category>
		<category><![CDATA[Einzelhandel]]></category>
		<category><![CDATA[Karstadt]]></category>
		<category><![CDATA[Shopping Center]]></category>
		<category><![CDATA[Strukturwandel]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Digitalisierung von Medien und der E-Commerce lassen Warenh&#228;user alt aussehen. Sollten Karstadt und Co. aus den Innenst&#228;dten verschwinden, k&#246;nnten zwei l&#228;ngst Totgesagte wieder aufleben: der Einzelhandel und das Handwerk.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Karstadt ist pleite. In den USA hat im vergangenen Monat General Growth Properties, der zweitgr&#246;&#223;te Mall-Betreiber &#8222;Chapter 11&#8243; &#8211; die US-Variante des Insolvenzverfahrens &#8211; beantragt. Im M&#228;rz lag der Umsatz des deutschen Einzelhandels 1,5 Prozent unterhalb des Vorjahreswertes und das, obwohl der M&#228;rz 2009 zwei Verkaufstage mehr hatte als der Vergleichsmonat 2008. Das Gesch&#228;ft der Warenh&#228;user brach innerhalb eines Jahres um fast neun Prozent ein.</p>
<p>Dagegen etabliert sich der Online-Handel nach einer <a href="http://www.bbdo-consulting.com/cms/de/news/news_61_Amazon_staerkste_Retail_Brand.jsp">Studie</a> der Managementberatung BBDO Consulting zunehmend als &#8222;universelle Alternative zum station&#228;ren Handel&#8220;. Musik- und Filmdownloads verdr&#228;ngen CDs und DVDs. Und es wird nicht mehr lange dauern, dann haben sich B&#252;cher als E-Books etabliert. Ist das Internet die Handelsplattform der Zukunft? M&#252;ssen wir uns damit abfinden, dass Warenh&#228;user und Shopping Center vom Aussterben bedroht sind?</p>
<p>Der Internethandel stellt den Austausch von G&#252;tern und Dienstleistungen vor eine Herausforderung und dar&#252;ber hinaus das Selbstverst&#228;ndnis des station&#228;ren Handels in Frage. Es wird wirtschaftlich nicht mehr nachvollziehbar sein, warum Produkte, die als Download-Datei angeboten werden k&#246;nnen, zus&#228;tzlich auf einem Tr&#228;germedium wie CD, DVD oder Buch verkauft werden sollten.</p>
<p>Das Gesch&#228;ft mit Non-Food-Artikeln l&#228;sst sich grunds&#228;tzlich bequem &#252;ber das Internet abwickeln. Auf den Shopping- oder Herstellerportalen findet der Nutzer eine gr&#246;&#223;ere Auswahl als im station&#228;ren Handel. Direktkauf reduziert die Kosten f&#252;r Vertrieb und Lagerhaltung. Social Media ersetzt das Kundenberatungsgespr&#228;ch. Auf B2C- oder C2C-Plattformen werden Produktinformationen ausgetauscht und Fragen beantwortet. Umgekehrt liefert der Dialog den Herstellern Erkenntnisse, die in die Produktentwicklung und -verbesserung flie&#223;en.</p>
<p>Andererseits ist der Internethandel nicht die L&#246;sung f&#252;r alle Produkte. Lebensmittel, insbesondere Frischwaren wie Eier oder Milch sowie Dienstleistungen sind f&#252;r den virtuellen Handel ungeeignet. Hier liegt die Chance des Einzelhandels und des Handwerks, sich in Zukunft neu zu erfinden.</p>
<p>Wie diese Renaissance der Branche aussehen k&#246;nnte, zeigt beispielsweise die US-Designagentur Communication Arts.  Auf der <a href="http://www.icsc.org/index.php">Internationalen Council On Shopping Center</a>, die im Mai in Las Vegas stattfand, stellten die Designer aus Boulder, Colorado, mit &#8222;Crossroads City&#8220;  ihre Vision f&#252;r das Shopping-Erlebnis der Zukunft vor. Statt mit technischen Detailzeichnungen &#252;berraschte Comm-Arts die Konkurrenz mit einem Comic. Auf zehn Seiten skizziert &#8222;Futuretail 2023&#8243; Leben und Handel in &#8222;Crossroads City&#8220;.</p>
<p><div id="attachment_790" class="wp-caption alignleft" style="width: 460px"><img src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/06/crossroads-450x225.jpg" alt="Crossroads Comic" title="Bild: (c) Communication Arts" width="450" height="225" class="size-large wp-image-790" /><p class="wp-caption-text">Crossroads Comic</p></div> &#8222;Crossroads&#8220; ist die Antwort auf die L&#252;cke, die der Internethandel l&#228;sst. Hier gibt es Anbaufl&#228;chen f&#252;r Lebensmittel, weiterverarbeitende Produktionsst&#228;tten, Ateliers f&#252;r Handwerker und Bildungseinrichtungen. Die Shopping Citys der Zukunft liefern das Erlebnis, das beim Online-Einkauf fehlt. Sie sind Pr&#228;sentationsfl&#228;che f&#252;r Kunst, Politik, Religion und eine Vielzahl von Anl&#228;ssen. Wer sich nicht mehr mit T&#252;ten und Paketen belasten muss, findet hier Zeit f&#252;r gutes Essen, Unterhaltung, Wellness oder Romantik.</p>
<p>Glaubt man der Vision von Comm-Arts ist die Mall der Zukunft nicht mehr in ein Parkplatzmeer eingebettet. Die Architekten werden Zug&#228;nge f&#252;r verschiedene Verkehrsmittel von Bussen &#252;ber Z&#252;ge bis hin zu Flugzeugen schaffen, aber auch f&#252;r Radfahrer und Fu&#223;g&#228;nger. Nebenbei schaffen die Mega-Malls nicht nur Arbeitspl&#228;tze, sondern sorgen f&#252;r eine gerechtere Verteilung der Arbeit. W&#228;hrend heute rund 90 Prozent der Konsumg&#252;terartikel von Frauen hergestellt werden, spielen M&#228;nner in den Produktionsprozessen der Zukunft eine zunehmende Rolle.</p>
<p>&#8222;Crossroads&#8220; ist eine Vision, die zur Zeit nur aus einer Konzept- und einer Comic-Seite besteht. Sie zeigt aber zwei Dinge: Erstens, die Aufteilung des Handels in E-Commerce und station&#228;ren Verkaufsfl&#228;chen bringt mehr Ver&#228;nderungen f&#252;r den Kunden mit sich als das Ende des Tante-Emma-Ladens. Zweitens trifft der Strukturwandel insbesondere die Warenh&#228;user, die einst unangreifbaren Kolosse der Innenst&#228;dte. Lager- und Personalkosten sind gegen die Betriebskosten einer reinen E-Commerce-Plattformen nicht konkurrenzf&#228;hig. Selbst klassische Versandh&#228;user wie Quelle haben Schwierigkeiten, ihr Gesch&#228;ft erfolgreich betreiben zu k&#246;nnen.</p>
<p>Es klingt wie eine Ironie des Schicksals, dass sich der Strukturwandel ausgerechnet auf den Einzelhandel positiv auswirken k&#246;nnte. W&#228;hrend planbare und wiederkehrende Anschaffungen bequem via Internet bestellt werden, l&#228;uft die Deckung des t&#228;glichen Bedarfs &#252;ber den Einzelhandel, also &#252;ber den Laden um die Ecke oder im Center auf der gr&#252;nen Wiese. Verlierer des Wandels sind die Warenh&#228;user. Karstadt ist erst der Anfang.</p>




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		<title>Der Preis des Lebens</title>
		<link>http://www.solokarpfen.de/oekonomie/763-preis-lebens/</link>
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		<pubDate>Wed, 24 Jun 2009 22:50:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Eber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Organspende]]></category>
		<category><![CDATA[Steve Jobs]]></category>

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		<description><![CDATA[Alles - blo&#223; kein Geld! Die Leber-Transplantation bei Apple-Chef Steve Jobs hat eine Organspenden-Debatte entfacht. Was ist erlaubt, um Leben zu retten?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In der Kommentarspalte preisen sie ihr Innerstes an. Eine gewisse &#8222;Ha&#8220; <a href="http://www.asiasentinel.com/index.php?Itemid=195&#038;id=1676&#038;option=com_content&#038;task=view">schreibt</a> am 23. Juni auf der asiatischen  Nachrichtenseite Asian Sentinel: &#8222;Ich bin 25 Jahre alt, weiblich. Meine Blutgruppe ist Typ A. Ich w&#252;rde gerne meine Niere f&#252;r 25.000 US-Dollar verkaufen. Kontaktieren Sie mich: Moonchild_xmas84@ya(&#8230;).&#8220;  Ein &#8222;Brandon&#8220; verfolgt das gleiche Anliegen: &#8222;Hallo ihr, wenn es da drau&#223;en jemanden gibt, der wirklich eine Niere braucht, dann bin ich bereit zu helfen. Der Preis ist verhandelbar, aber Reise und Krankenhauskosten m&#252;ssen zus&#228;tzlich bezahlt werden. Wenn sie es wirklich ernst meinen, dann schreiben Sie bitte an jonbarry45@ya(&#8230;). Danke.&#8220;</p>
<p>Sechs weitere derartige Angebote belegen die Dringlichkeit des <a href="http://www.asiasentinel.com/index.php?Itemid=195&#038;id=1676&#038;option=com_content&#038;task=view">Artikels</a> &#252;ber den Kommentaren. Dort wird &#252;ber den Plan der Regierung von Singapur berichtet, an Organspender k&#252;nftig ganz offiziell bis zu 33.000 US-Dollar zu bezahlen. Der illegale Organhandel in Asien soll mit seinen eigenen Waffen bek&#228;mpft werden.   </p>
<p>Durch die <a href="http://www.bloomberg.com/apps/news?pid=newsarchive&#038;sid=ax_6mEPxzi3I">Transplantationsoperation</a> von Steve Jobs ist auch in den USA die Debatte &#252;ber Organspenden neu <a href="http://www.nytimes.com/2009/06/23/business/23liver.html?_r=1&#038;pagewanted=1&#038;sq&#038;st=nyt&#038;scp=1">entfacht</a>. Wie jetzt bekannt wurde, hat der Gr&#252;nder und Chef des Computerkonzerns Apple vor zwei Monaten im Bundesstaat Tennessee eine neue Leber erhalten. Kritiker vermuten eine Vorzugsbehandlung des prominenten Reichen. Jobs hatte im Januar eine sechsmonatige Auszeit angek&#252;ndigt, es war aber unklar geblieben, woran er erkrankt war. </p>
<p>Die meisten &#196;rzte schlie&#223;en eine Bevorzugung des Apple-Chefs allerdings aus. Das gegenw&#228;rtige System sei nur schwer zu hintergehen, <a href="http://www.nytimes.com/2009/06/23/business/23liver.html?_r=1&#038;pagewanted=1&#038;sq&#038;st=nyt&#038;scp=1">sagen</a> Experten gegen&#252;ber der  New York Times. Dennoch sind Wohlhabende im Vorteil: Die Wartezeiten f&#252;r Transplantationen unterscheiden sich in den USA betr&#228;chtlich. Wer Geld hat, zieht in die Umgebung von Hospit&#228;lern mit kurzen Wartezeiten. Eine solche N&#228;he ist n&#246;tig, weil die Zeitspanne zwischen Organentnahme und Implementierung gering sein muss. </p>
<p><a href="http://www.flickr.com/photos/imadcode/3377555947/"><img src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/06/preis-des-lebens-134x134.jpg" alt="Bild: (cc) ImadCode @ flickr.com" title="Bild: (cc) ImadCode @ flickr.com" width="134" height="134" class="alignleft size-thumbnail wp-image-811" /></a> Es ist in den USA au&#223;erdem erlaubt, an mehreren Orten gleichzeitig eine Transplantation zu beantragen. &#8222;Wenn man einen Jet hat und nur sechs Stunden ben&#246;tigt, um an jeden Ort des Landes zu gelangen, gibt es viele M&#246;glichkeiten am Transplantationsprogramm teilzuhaben&#8220;, sagt Dr. Michael Porayko, medizinischer Direktor an der Vanderbilt Universit&#228;t.</p>
<p>Das Hauptproblem aber ist in den USA das gleiche wie in Deutschland: Es gibt viel mehr Kranke als Spender. 2005 lag die Zahl der Nierentransplantationen in den Vereinigten Staaten bei 16.000 &#8211; ein Anstieg von 45 Prozent in zehn Jahren. Im gleichen Zeitraum nahm die Warteliste aber um 119 Prozent zu. W&#228;hrend dieses Wartens auf eine neue Niere sterben dort <a href="http://www.nytimes.com/2006/07/09/magazine/09wwln_freak.html?_r=1&#038;ei=5070&#038;en=5baab363cbbfbb67&#038;ex=1189569600&#038;pagewanted=all">3500 Menschen j&#228;hrlich</a>.</p>
<p>&#214;konomisch betrachtet besteht das Drama in einer Angebotsl&#252;cke &#8211; die Nachfrage &#252;bersteigt das Angebot. Auf normalen M&#228;rkten w&#252;rde in einem solchen Fall der Preis steigen. Das Angebot w&#252;rde daraufhin zu, die Nachfrage abnehmen. Geht es ums Leben, sind solche Gesch&#228;fte verboten. Lediglich ein Freiwilligen-Markt ist vorhanden, in Form von Organspende-Ausweisen sowie von Lebendspenden &#8211; etwa bei Nierentransplantationen &#8211; f&#252;r nahe bed&#252;rftige Angeh&#246;rige. </p>
<p>Nicht wenige &#214;konomen beklagen dies. Peter Oberender, Direktor der &#8222;Forschungsstelle f&#252;r Sozialrecht und Gesundheits&#246;konomie&#8220; an der Universit&#228;t Bayreuth <a href="http://wirtschaftlichefreiheit.de/wordpress/?p=150">fordert</a>, &#8222;mit finanziellen Anreizen die Bereitschaft des Einzelnen zur Organspende&#8220; zu erh&#246;hen. Das Problem dabei ist: In einem solchen Markt besteht die Gefahr, dass Schwache ausgenutzt werden. Wenig informiert &#252;ber die Folgen, k&#246;nnten etwa finanziell Bedr&#228;ngte &#252;ber den Tisch gezogen werden. </p>
<p>Andere &#214;konomen halten eine derartige Marktl&#246;sung f&#252;r ethisch fragw&#252;rdig, zumindest f&#252;r politisch nicht durchsetzbar. Sie suchen deshalb nach neuen Ans&#228;tzen. Der Harvard-Wissenschaftler Alvin Roth hat einen solchen f&#252;r Lebendspenden <a href="http://www.nytimes.com/2006/07/09/magazine/09wwln_freak.html?_r=1&#038;ei=5070&#038;en=5baab363cbbfbb67&#038;ex=1189569600&#038;pagewanted=all">gefunden</a>: die Transplantationskette. </p>
<p>Die Idee: Viele Transplantationspatienten haben zwar einen potenziellen Spender, oft der Lebenspartner, aber die k&#246;rperlichen Voraussetzungen, etwa die Blutgruppe, passen nicht zusammen. Findet dieses Paar nun ein anderes in der gleichen Situation, kann es der Fall sein, dass die Voraussetzungen des jeweils anderen spendenden Partners passen. W&#228;hrend Gesch&#228;fte mit Organen in den USA verboten sind, ist der Handel es nicht. Die beiden Paare k&#246;nnen sich also gegenseitig ihre Nieren spenden. </p>
<p>Ein solcher Handel ist nicht nur als &#8222;Paartausch&#8220;, sondern auch als Kette m&#246;glich: Paar A spendet eine Niere an Paar B und erh&#228;lt daf&#252;r eine Niere von Paar C, das wiederum eine Niere von Paar  B bekommt. </p>
<p>Noch besser funktioniert diese Kette, wenn das erste Kettenglied kein Paar, sondern ein freiwilliger Spender ist. Dann n&#228;mlich erh&#228;lt jedes Paar zuerst ein Organ, bevor es eines geben muss. Der Vorteil: Rei&#223;t die Kette, weil ein Paar kein Organ geben will, steht kein Paar schlechter als wenn es die Transplantationskette erst gar nicht gegeben h&#228;tte.  </p>
<p>Die Idee von Alvin Roth ist in Form des so genannten <a href="http://www.nepke.org/">New England Program for Kidney Exchange</a> bereits in die Tat umgesetzt. Mit Erfolg. <a href="http://www.youtube.com/watch?v=9eO9KKgWpck&#038;eurl=http%3A%2F%2Fwww%2Epaireddonation%2Eorg%2Fcbsvideo%2Ehtml&#038;feature=player_embedded">Matthew Jones</a> aus Michigan, Vater von f&#252;nf Kindern, hat mit seiner Organspende die bisher l&#228;ngste Kette ausgel&#246;st. 2006 gab er eine Niere an eine Fremde. Deren Mann spendete darauf seine Niere an einen anderen Bed&#252;rftigen. Dessen Partner spendete ebenfalls. Die Kette geht bis heute weiter. Zehn Menschenleben hat Matthew Jones bisher gerettet. </p>




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		<title>In der Welt der blauen Wunder</title>
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		<pubDate>Thu, 18 Jun 2009 07:57:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Eber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[David Laibson]]></category>
		<category><![CDATA[Xavier Gabaix]]></category>

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		<description><![CDATA[Ach h&#228;tte ich nur...  - St&#228;ndig kaufen wir Produkte, deren Folgekosten uns erst bewusst werden, wenn es zu sp&#228;t ist. Warum das so ist? Weil in einer Marktwirtschaft das Interesse an Aufkl&#228;rung fehlt. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wer w&#252;rde in einem Media-Markt einen Drucker f&#252;r 39 Euro kaufen, wenn er w&#252;sste, dass  in den kommenden zwei Jahren 1200 Euro f&#252;r Tintenpatronen f&#228;llig werden? Wer lie&#223;e sich von dem Angebot eines &#8222;kostenlosen&#8220; Girokontos blenden, wenn klar w&#228;re, dass die &#220;berziehungszinsen  knapp an <a href="http://www.jusline.de/index.php?cpid=f92f99b766343e040d46fcd6b03d3ee8&amp;lawid=3&amp;paid=291">§ 291 StGB</a>,  dem Wucher-Paragrafen des Strafgesetzbuches, vorbei schrammen? Wer w&#252;rde sich in einem der unz&#228;hligen neuen Handy-L&#228;den von einem adretten Mittzwanziger einen Mobilfunk-Vertrag aufschwatzen lassen, wenn bereits dort die Wut zu sp&#252;ren w&#228;re, die mit dem Eintrudeln der ersten Handy-Rechnung nach dem Auslandsurlaub aufkommen wird?</p>
<p>Wir leben in einer Welt der schillernden Angebote &#8211; und der versteckten Kosten. Zum Austausch der Batterie muss die Uhr an den Hersteller eingesandt werden, dem g&#252;nstigen Autokauf folgen teure Inspektionen und der scheinbar unwiderstehlich billige Ratenkredit wird durch kostenpflichtige monatliche &#8222;Kontostand&#8220;-Briefe zum &#196;rgernis. Wie viele Milliarden wohl j&#228;hrlich f&#252;r deratige Folgekosten ausgeben werden?</p>
<p>Die Europ&#228;ische Union hat vor einem Jahr den putzigen Versuch gestartet, ungen&#252;gend bedachte Kosten mit staatlicher Macht zu senken: Seit Juli 2007 gilt der &#8222;Euro-Tarif&#8220; f&#252;r Handy-Gespr&#228;che, der Obergrenzen f&#252;r so genannte Roaming-Geb&#252;hren vorsieht. <a href="http://www.spiegel.de/netzwelt/mobil/0,1518,629285,00.html">Am 1. Juli 2009</a> werden die Preisvorgaben erneut reduziert. Dann d&#252;rfen Anrufe vom Handy maximal 43 Cent pro Minute kosten, statt wie bislang 46, die Kosten f&#252;r im EU-Ausland angenommene Gespr&#228;che sinken von 22 auf 18 Cent, und f&#252;r eine SMS darf ab kommendem Monat h&#246;chstens 11 Cent verlangt werden.</p>
<p><div id="attachment_621" class="wp-caption alignright" style="width: 144px"><a href="http://www.flickr.com/photos/iboy_daniel/85870702/"><img src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/06/85870702_330da685c1_o1-134x134.jpg" alt="Blaue Wunder" title="Bild: (cc) iboy_daniel @ flickr.com" width="134" height="134" class="size-thumbnail wp-image-621" /></a><p class="wp-caption-text">Blaue Wunder</p></div> Man mag die EU f&#252;r ihren Aktionismus bel&#228;cheln, aber: Warum herrscht bei K&#228;ufern so viel Unkenntnis? Warum wissen wir bei Vertragsabschl&#252;ssen so wenig &#252;ber die Folgekosten? Eine einfache Antwort: Weil wir es nicht wissen wollen. Die Gegenwart dominiert &#252;ber die Zukunft. Das kommende Jahr liegt in weiter Ferne. Keiner soll uns vom Kauf abhalten. Auch nicht unser schlechtes Gewissen. Das Steak in der Kneipe ist nicht aus Biofleisch, ach egal. Der neue Apple-Computer braucht bald teures Zubeh&#246;r, mal sehen. Die Wandfarbe ist die billigste, wird schon taugen.</p>
<p>Der Mensch neigt zur Irrationalit&#228;t. Vielleicht hat er auch nur eine besonders ausgepr&#228;gte Pr&#228;ferenz f&#252;r die Gegenwart. Aber das ist nicht die einzige Erkl&#228;rung. &#214;konomen wundern sich n&#228;mlich dar&#252;ber, wieso es in eigentlich funktionierenden M&#228;rkten h&#228;ufig an Aufkl&#228;rung mangelt. Warum konkurrieren Unternehmen nicht auf der Basis aller Ausgaben? Weshalb kl&#228;ren Firmen nur selten &#252;ber die Folgekosten der Konkurrenz auf? Sie k&#246;nnten damit doch ihre eigenen Preis rechtfertigen?</p>
<p>Harvard-Professor <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/David_Laibson">David Laibson</a> und Xavier Gabaix, Finanzwissenschaftler an der New York University, haben eine Erkl&#228;rung, die sie bereits 2006 in der Fachzeitschrift &#8222;Quarterly Journal of Economics&#8220; <a href="http://time.dufe.edu.cn/wencong/gabaix/download8.pdf">ver&#246;ffentlichten</a>. Demnach gibt es in der Marktwirtschaft die Tendenz, Informationen zu unterdr&#252;cken. Unternehmen m&#252;ssten abw&#228;gen zwischen den Kosten f&#252;r Aufkl&#228;rung und dem Nutzen der daraus entsteht, so Laibson und Gabaix, doch eben dieser Nutzen sei h&#228;ufig nicht vorhanden. Es bringe nichts, wenn Unternehmen, die selbst keine versteckten Kosten verlangten, andere Firmen ihrer Branche anprangerten. Warum? Die &#214;konomen nennen ein Beispiel: Zwei Hotelketten konkurrieren um &#220;bernachtungsg&#228;ste. Die eine, &#8222;Hidden Price Inn&#8220; genannt, lockt mit einem niedrigen &#220;bernachtungspreis von 80 Dollar. Daf&#252;r kostet eine Cola aus der Minibar 3 Dollar, der Parkplatz pro Nacht 25 Dollar und das Omelett zum Fr&#252;hst&#252;ck 12 Dollar. Die  andere Kette, &#8222;Straightforward Suites&#8220;, verlangt f&#252;r die Cola nur ein Dollar und auch die anderen Extrakosten sind niedrig. Das Hotelzimmer dagegen schl&#228;gt mit 95 Dollar zu Buche.</p>
<p>Straightforward Suites k&#246;nnte nun eine Werbekampagne starten, die &#252;ber die versteckten Kosten bei Hidden Price Inn aufkl&#228;rt. Was w&#252;rde passieren? Jene Hotelg&#228;ste, die sich schon bisher detailliert &#252;ber alle Preise informiert haben (Laibson und Gabaix nennen sie die &#8222;sophisticated consumer&#8220;), bevorzugen schon vor der Werbekampagne das Hidden Price Inn. Sie fahren mit dem Taxi zum Hotel und lassen die Finger von der Minibar. Alle anderen Hotelbesucher k&#246;nnen theoretisch durch die Werbekampagne aufgekl&#228;rt werden. Doch der Effekt ist mitnichten, dass die Kunden automatisch zur Hotelkette Straightforward &#252;berlaufen w&#252;rden. Da sie durch die Werbung selbst zu aufgekl&#228;rten Konsumenten werden, nutzen sie ebenfalls die g&#252;nstigen Zimmerpreise des Hidden Price Inn und lassen ebenfalls die Cola im K&#252;hlschrank.</p>
<p>Fazit: Der Nutzen der Aufkl&#228;rungskampagne ist mehr als Ungewiss. Schlimmer noch: Die Hotelkette Straightforward wird vermutlich nur &#252;berleben, wenn sie ihre Gesch&#228;ftsstrategie der von Hidden Price Inn anpasst.</p>
<p>Diese Logik sei auf unterschiedlichste Gewerbe zu &#252;bertragen, so fahren die beiden Wissenschaftler in ihrem Artikel fort. Staatliche Regulierung k&#246;nne in manchen F&#228;llen helfen, wenn dadurch die versteckten Kosten transparenter w&#252;rden. Aber wie die meisten &#214;konomen bezweifeln auch Laibson und Gabaix eine nachhaltige Wirkung von Staatseingriffen. Sie geben stattdessen praktische Tipps zum Umgang mit einem Produkt, dessen versteckte Kosten besonders hoch sind, dem Drucker: &#8222;Drucken sie immer im &#8218;draft mode&#8216;, und noch besser: Benutzen Sie den Drucker an ihrem Arbeitsplatz.&#8220;</p>




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		<title>Der perfekte K&#246;der</title>
		<link>http://www.solokarpfen.de/oekonomie/507-perfekte-koeder/</link>
		<comments>http://www.solokarpfen.de/oekonomie/507-perfekte-koeder/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 28 May 2009 19:34:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Eber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[AppStore]]></category>
		<category><![CDATA[Freemium]]></category>
		<category><![CDATA[iPhone]]></category>
		<category><![CDATA[Software]]></category>

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		<description><![CDATA[Software wird h&#228;ufig kostenlos angeboten - zun&#228;chst. Denn die Varianten, um die User zur Bezahlversion zu bringen, sind zahlreich.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es ist wie beim Fu&#223;ball: Der Traum vom gro&#223;en Erfolg und vom schnellen Geld zieht die Massen an. Millionen rennen dem Ball hinterher, doch Millionen verdienen nur die wenigsten. So l&#228;uft es auch in der Software-Branche. Nur wenige werden wirklich reich. K&#252;rzlich hat es der Anbieter eines kleinen elektronischen Puzzles geschafft. Der hatte sein Spiel f&#252;r das iPhone verkauft, im &#8222;AppStore&#8220; von Apple. In nur drei Wochen war das Spiel &#252;ber zwei Millionen mal herunter geladen worden. <a href="http://blog.flurry.com/bid/18265/Can-Developers-Still-Make-Money-in-the-iPhone-App-Store">Gesch&#228;tzte</a> 750.000 Dollar verdienten die Programmierer in dieser kurzen Zeit.</p>
<p>Der &#8222;AppStore&#8220; belegt die Goldgr&#228;berstimmung: &#220;ber 50.000 Entwickler sind dort registriert (jeder zahlt f&#252;r die einmalige Anmeldung 99 Dollar an Apple), und &#252;ber 25.000 Programme k&#246;nnen die &#8222;iPhone&#8220;-Nutzer runterladen. Was aber macht manche Programme zum Kassenschlager, w&#228;hrend andere Anwendungen nur jene kennen, die sie entwickelt haben? Was ist das Geheimnis des Erfolgs?</p>
<p>Es ist wie fr&#252;her in der Musikindustrie, <a href="http://www.readwriteweb.com/archives/the_state_of_the_smartphone_iphone_is_way_way_ahea.php">schreibt</a> Sarah Perez auf <a href="http://www.readwriteweb.com/ ">Read Write Web</a>: &#8222;Man braucht einen guten K&#252;nstler, einen guten Produzenten, einen starken Vertrieb und viel Promotion.&#8220; Erfolg hat also viele Ursachen oder besser gesagt: Erfolg stellt sich nur ein, wenn unterschiedliche Bereiche zusammen spielen. Von der Musik auf die Software &#252;bertragen: &#8222;Auf die Frage nach dem Erfolg gibt es ganz simple Antworten&#8220;, <a href="http://blog.flurry.com/bid/18265/Can-Developers-Still-Make-Money-in-the-iPhone-App-Store">schreibt</a> Simon Khalaf im &#8222;<a href="http://blog.flurry.com/ ">Flurry-Blog</a>&#8220;, &#8222;ein gro&#223;artiges Konzept, Bedienungsfreundlichkeit, starkes Marketing und eine clevere Verkaufsstrategie.&#8220;</p>
<p>Eine der cleveren Verkaufsstrategien: Software nicht nur verkaufen, sondern auch verschenken. In einer abgespeckten Version, als K&#246;der sozusagen. Freemium hei&#223;t dieses Gesch&#228;ftsmodell, das mittlerweile &#8211; wie eine <a href="http://www.boxuk.com/blog/monetizing-your-web-app-business-models">Studie</a> zeigt &#8211; das zweith&#228;ufigste im Internet ist. Nur werbefinanzierte Angebote sind g&#228;ngiger.</p>
<p>Der Vorteil f&#252;r den User ist offensichtlich: Er kann pr&#252;fen, bevor er sich bindet. F&#252;r die Unternehmen ist dagegen vor allem interessant: Wie schafft man es, dass besonders viele User die Bezahl-Version erwerben? Wie gelingt es, den K&#246;der der Kostenlos-Software so attraktiv zu gestalten, dass viele auf die kostenpflichtige umsteigen? Die schlichte Antwort: Man muss die Balance finden. Kann die kostenlose Anwendung zu viel, ist das Interesse f&#252;r das Programm zwar gro&#223;, aber nur wenige wechseln zur  kostenpflichtigen Variante. Ist das Angebot dagegen zu sehr reduziert, kommen die Kunden erst gar nicht auf den Geschmack.</p>
<p>Die Varianten kostenloser Software sind zahlreich: Manche bieten die Anwendung nur f&#252;r eine gewisse Zeit nach dem Download kostenlos an (free trial), andere beschr&#228;nken die Funktionen, etwa in dem bei Spielen nicht alle Level verwendet werden k&#246;nnen. Manche Programme sind in einer bestimmten Anwendungsform frei, zum Beispiel  bei der Bedienung  im Browser &#8211; in einer anderen, zum Beispiel auf dem &#8222;iPhone&#8220;, aber kostenpflichtig.</p>
<p>Free-Trial-Versionen versuchen dieses Problem zu umgehen, indem sie den vollen Umfang der Software zur Verf&#252;gung stellen. Aber auch diese Variante hat einen Nachteil, denn dem potenziellen K&#228;ufer ist die zeitliche Beschr&#228;nkung des Kostenlos-Angebots von Anfang an bewusst; er wei&#223; also: Gef&#228;llt mir das Programm, muss ich auf jeden Fall zahlen, w&#228;hrend ein Kostenlos-Angebot mit reduzierten Funktionen ja m&#246;glicherweise auch f&#252;r die dauerhafte Verwendung taugen und deshalb mehr Interessierte anlocken kann.</p>
<p>Im &#8222;AppStore&#8220; von Apple jedenfalls ist die Freemium-Strategie sehr beliebt. Dort wimmelt es von so genannten &#8222;Lite&#8220;-Programmen. Reich aber wird dort kaum einer. Auch hier gleicht der &#8222;AppStore&#8220; den Gesetzen der Musikindustrie, denn den gro&#223;en Hit  landen nur die wenigsten. Und: Der Erfolg geht in der Regel so schnell wie er gekommen ist; der Lebenszyklus eines &#8222;iPhone&#8220;-Spiels <a href="http://www.readwriteweb.com/archives/the_state_of_the_smartphone_iphone_is_way_way_ahea.php ">soll</a> nur drei Monate umfassen.</p>




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		<title>Macht &#8222;Renminbi&#8220; das Rennen?</title>
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		<pubDate>Tue, 26 May 2009 11:50:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Anton Kuppi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Dollar]]></category>
		<category><![CDATA[Finanzkrise]]></category>
		<category><![CDATA[Renminbi]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Weltwährung]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Tage des amerikanischen Dollars sind gez&#228;hlt. Das jedenfalls w&#252;nschen sich die Russen und glauben namhafte US-&#214;konomen. In China wollen Finanzexperten bereits einen Nachfolger entdeckt haben.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Viele haben sich daran gew&#246;hnt, dass sie fast &#252;berall auf der Welt sich fast alles mit Dollar kaufen k&#246;nnen. Egal, ob wir nach S&#252;damerika, Asien oder Nordafrika reisen: Der amerikanische &#8222;Greenback&#8220;, war meist schon vor uns da. Seit nun schon fast 100 Jahren ist er die wichtigste W&#228;hrung der Welt. Doch das war nicht immer so und muss es auch nicht ewig bleiben. Zumindest wenn es nach Chinesen, Russen oder Brasilianern geht. Die w&#252;nschen sich ganz dringend, dass sich die Staaten auf eine neue Leitw&#228;hrung einigen.</p>
<p>Das klingt zun&#228;chst erstmal nach den &#252;blichen Verd&#228;chtigen – Staaten, die bei jeder Gelegenheit versuchen, die globale Vorherrschaft der Amerikaner anzuknacksen. Doch melden sich derzeit auch namhafte US-&#214;konomen zu Wort, die ihre Landsleute bereits davor warnen, dass in 10 oder 20 Jahren der Dollar nicht mehr die Lieblingsw&#228;hrung der Welt sein wird. Die Abl&#246;sung der gr&#252;n eingef&#228;rbten Banknoten als Leitw&#228;hrung k&#246;nnte sogar deutlich schneller vorangehen, als sich das so manche derzeit noch ausmalen, <a href="http://www.nytimes.com/2009/05/14/opinion/14Roubini.html">schrieb Nouriel Roubini</a> vor kurzem in der &#8222;New York Times&#8220;.</p>
<p>Der New Yorker Wirtschaftsprofessor und Betreiber der Internetdienstes &#8222;<a href="http://www.rgemonitor.com/">RGE Monitor</a>&#8220; ist nicht irgendwer. Jahre bevor die globale Finanzkrise im Sommer 2007 ausbrach, hatte er gewarnt, dass die riesige Verschuldung der Amerikaner in einem Desaster enden wird. Wurde er damals kaum ernst genommen, hofieren ihn die weltweiten Wirtschaftsmedien nun schon seit Monaten als den Propheten, der die Krise hat kommen sehen. Ganze Regierungen, wie die Kolumbiens, rei&#223;en sich um einen Gespr&#228;chstermin mit dem Professor.</p>
<p><div id="attachment_501" class="wp-caption alignright" style="width: 197px"><a href="http://www.flickr.com/photos/97632390@N00/439948781/"><img class="size-medium wp-image-501" title="Bild: (cc) KitAy @ flickr.com" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/05/450px-chinesenationalityroomdetail-187x250.jpg" alt="Bild: (cc) KitAy @ flickr.com" width="187" height="250" /></a><p class="wp-caption-text">Decke des &quot;Chinese Nationality Room&quot;, University of Pittsburgh</p></div>Als neue Weltw&#228;hrung kann sich Roubini in den n&#228;chsten Jahren den &#8222;Renminbi&#8220; vorstellen. Das ist keine unbekannte Panda-Art, die wie die Kamele vor langer Zeit in Arabien als neue Naturalienw&#228;hrung herhalten soll. &#8222;Renminbi&#8220;, so nennen die Chinesen ihre Landesw&#228;hrung. Den konkreten Geldbetr&#228;gen &#8211; also den Scheinen oder den Preisen &#8211; h&#228;ngen sie das W&#246;rtchen Yuan an.</p>
<p>Auch Jim O&#8216;Neill <a href="http://www.telegraph.co.uk/finance/comment/5356509/China-is-preparing-for-a-world-where-the-yuan-trumps-the-dollar.html">fragt die Leser</a> des britischen &#8222;Telegraph&#8220;: &#8222;Do you know what a yuan looks like? If not, you had better find out. &#8211;The reason is sometime in the next few years there&#8217;s a decent chance you might need or want to have some.&#8220; O’Neill, Chefvolkswirt bei Goldman Sachs, hat sich vor Jahren die heute gebr&#228;uchliche Abk&#252;rzung &#8222;BRIC&#8220; f&#252;r die gro&#223;en Schwellenl&#228;nder Brasilien, Russland, Indien und China ausgedacht – L&#228;nder, die die besten Chancen haben, schon bald zu den Industrienationen aufzuschlie&#223;en.</p>
<p>Und besonders die Chinesen werden sich gerade ihrer gewachsenen Macht bewusst, die sie seit der Jahrtausendwende gewonnen haben. Ohne die Volksrepublik w&#228;re es den Amerikanern gar nicht m&#246;glich gewesen, sich derma&#223;en zu verschulden: Nicht die Haushalte mit ihren Konsumenten- und Hauskrediten oder die Banken mit ihren verpackten und abermals verpackten Schuldverschreibungen, f&#252;r die der Markt nun zusammengebrochen ist.</p>
<p>Dabei verfolgten die Chinesen eigentlich f&#252;r sie recht legitime Ziele: Aus den Erfahrungen mit der Asienkrise 1997 wollten sie die Wechselkurse lange Zeit stabil halten und gleichzeitig einen Reservepuffer f&#252;r m&#246;gliche neue Finanzturbulenzen ansammeln. Deshalb koppelten sie ihren &#8222;Renminbi&#8220; an den Dollar, der seit sp&#228;testens den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts das britische Pfund als Weltw&#228;hrung abl&#246;ste und noch immer im weltweiten Exportgesch&#228;ft die am meisten genutzte Valuta ist.</p>
<p>Sicher beeilten sich die Chinesen in den vergangenen Jahren nicht gerade, den Wechselkurs zum Dollar anzupassen und den &#8222;Renminbi&#8220; etwa teurer werden zu lassen. Denn eine billige W&#228;hrung verspricht sch&#246;ne Gewinne im Au&#223;enhandel, Chinas Firmen verkauften so ihre G&#252;ter noch g&#252;nstiger – als es die geringen L&#246;hne in der Volksrepublik ohnehin schon erlaubten.</p>
<p>Die riesigen Dollarerl&#246;se aus dem Handel wanderten nun nicht etwa in die weitere Entwicklung des Landes: Die Notenbanker in Peking legten sie vor allem in US-Wertpapieren an. So hielten sie den W&#228;hrungskurs stabil und bauten gleichzeitig riesige Devisenreserven auf. Gleichzeitig wurde es f&#252;r die Amerikaner extrem g&#252;nstig Schulden aufzunehmen (was neben der laxen Kreditvergabe durch die Banken erst den j&#252;ngsten Boom auf den Gipfel trieb).</p>
<p>Mehr als zwei Billionen Dollar haben die Chinesen in den vergangenen Jahren an Devisenreserven angesammelt. Die Volksrepublik ist somit zum gr&#246;&#223;ten ausl&#228;ndischen Kreditgeber des US-Staates aufgestiegen, dicht gefolgt von den Japanern. Und die Furcht, dass diese Wertpapiere an Wert verlieren, treibt nun die Chinesen und andere Schwellenl&#228;nder um. Denn noch wei&#223; keiner, wie die Rettung der US-Wirtschaft durch Regierung und Notenbank enden wird. Gut m&#246;glich, dass es zu einem gewaltigen Inflationsschub kommt oder der Dollar noch kr&#228;ftig an Wert verliert. Alles nicht sch&#246;n f&#252;r die Chinesen, deren US-Anleihen dann wom&#246;glich nichts mehr wert sind.</p>
<p>Als Perspektive <a href="http://www.reuters.com/article/marketsNews/idUSPEK31412020090520">reden die Chinesen</a> selber davon, dass der &#8222;Renminbi&#8220; vielleicht 2020 den Yen als viertwichtigster W&#228;hrung &#252;berholt. Was bis dahin passiert, ist jedoch ungewiss. Man muss nicht gleich einen Krieg zwischen den USA und China an die Wand malen wie der marxistische Historiker Eric Hobsbawm in einem <a href="http://www.stern.de/wirtschaft/unternehmen/maerkte/:Eric-Hobsbawm-Es-Blut-Blut/700669.html">&#8222;Stern&#8220;-Interview</a>. Man kann es auch etwas gem&#228;&#223;igter ausdr&#252;cken: Joseph Stiglitz, der Wirtschaftsnobelpreistr&#228;ger, Ex-Chef&#246;konom der Weltbank und nun Globalisierungskritiker <a href="http://www.emergingmarkets.org/article.asp?PositionID=search&amp;ArticleID=2193261">warnt</a>: &#8222;The question is not whether we’re moving on from the dollar reserve system […] The question is are we going to move in a rather chaotic way or will we do it in a more organized way.&#8220;</p>
<p>L&#228;ngst schlie&#223;en die Chinesen W&#228;hrungsabkommen mit ihren asiatischen Nachbarn, mit Argentinien oder bald auch den Brasilianern ab – was nur ein Ziel hat: den Dollar als Leitw&#228;hrung zu schw&#228;chen. Interessanterweise schl&#228;gt Stiglitz, als Chef einer UN-Kommission zu den Folgen der Finanzkrise, genau wie die Chinesen eine Alternativw&#228;hrung zum Dollar vor, die auf dem k&#252;nstlichen Rechengeld des IWF basiert. Immerhin haben es diese Vorschl&#228;ge auf die Tagesordnung einer wichtigen <a href="http://www.ftd.de/politik/international/:Neue-Leitw%E4hrung-Der-Dollar-wird-altersschwach/517106.html">UNO-Konferenz</a> geschafft.</p>




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		<title>Wohlstand f&#252;r Alle?</title>
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		<pubDate>Sun, 24 May 2009 14:24:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Eber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[Ludwig Erhard]]></category>
		<category><![CDATA[Marktwirtschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaftskrise]]></category>

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		<description><![CDATA[W&#228;hrend Deutschland seinen 60. Geburtstag feiert, steckt die Marktwirtschaft in der Krise - zumindest glauben das viele. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wer sich den Begriff ausgedacht hat, ist ungewiss. Manche meinen, Ludwig Erhard selbst ist es gewesen: W&#228;hrend eines Gespr&#228;chs im Januar 1945 soll der sp&#228;tere Wirtschaftsminister der Bundesrepublik und personifizierte Mythos des deutschen Wirtschaftswunders die Formulierung &#8222;Soziale Marktwirtschaft&#8220; erfunden haben. Kaum Zweifel dagegen gibt es, wer das Wortpaar erstmals nieder schrieb. Der Freiburger &#214;konom Alfred M&#252;ller-Armack nannte so ein Kapitel in seinem 1946 erschienen Buch &#8222;Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft&#8220;.</p>
<p>Sechs Jahrzehnte hat das Schlagwort von der &#8222;Sozialen Marktwirtschaft&#8220; die Republik begleitet. Nie ist es aus der Mode gekommen. Wer es f&#252;r sich reklamiert, hat die F&#252;rsprecher auf seiner Seite. Weil es zwei Hoffnungen verbindet: Wohlstand und Gerechtigkeit &#8211; eine Kombination, die bekannterma&#223;en nicht immer Hand in Hand geht.</p>
<p>Schon gar nicht heute. Zum 60. Geburtstag des Landes sehen viele die Marktwirtschaft in der Krise. In den letzten Monaten ist die heimische Wirtschaft so stark geschrumpft wie noch nie. Deutschland hat es vom Tr&#252;mmerland zum Exportweltmeister geschafft, doch jetzt vermuten nicht wenige das Ende der Wohlstands&#228;ra. Die Marktwirtschaft habe ihr Verfallsdatum &#252;berschritten.</p>
<p>Es ist die Hysterie des Augenblicks, die solchen Thesen Zustimmung bringt. Ein Schritt, ein Blick zur&#252;ck zeigt: Krisen hat es in der Marktwirtschaft schon immer gegeben &#8211; und, sie gehen vorbei. Ende der 80er Jahre platzte in Japan eine Immobilienblase, die Aktienm&#228;rkte brachen ein. Es folgte die Finanzkrise Mitte der 90er Jahre in S&#252;dostasien.</p>
<p><div id="attachment_490" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><a href="http://www.flickr.com/photos/adselwood/3372411888/"><img class="size-medium wp-image-490" title="Bild: (cc) adselwood @ flickr.com" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/05/trilliondollars-250x166.jpg" alt="Bild: (cc) adselwood @ flickr.com" width="250" height="116" /></a><p class="wp-caption-text">Ein &quot;Eine Trillion Dollar&quot;-Schein</p></div> Vor allem aber: Finanzkrisen sind kein Merkmal des Neokapitalismus. Der „Tulpenwahn“ zu Beginn des 17. Jahrhunderts ist ein gut dokumentiertes Beispiel daf&#252;r, dass es durch Finanzkrisen ausgel&#246;ste Wirtschaftskrisen schon lange gibt. Die Z&#252;chtung von Tulpen war ein Hobby reicher Niederl&#228;nder gewesen. Ab etwa 1630 nahm der Handel zu, die Preise stiegen. Irgendwann verselbst&#228;ndigte sich der Tauschverkehr &#8211; die Geburt der  Finanzderivate. Nicht mehr Tulpenzwiebeln wurden gehandelt, sondern das Anrecht auf deren Kauf. Das Objekt des Gesch&#228;fts steckte noch in der Erde, wenn &#252;berhaupt. In der Spekulationswelle 1636/37 verdreifachten sich die Preise. Einfache Handwerker steckten ihr Verm&#246;gen in die B&#246;rse &#8211; bis die Blase platzte. Zur&#252;ck blieben &#252;berschuldete Spekulanten. L&#228;den mussten geschlossen, H&#228;user verkauft werden. Die Finanzkrise kam in der Realwirtschaft an.</p>
<p>Es sind in der Geschichte der Krisen h&#228;ufig neue Finanzprodukte gewesen, die zuerst den schnellen Aufschwung erzeugt und sp&#228;ter den Absturz verursacht haben. Auch in der aktuellen Krise ist das so. Finanzinnovationen f&#246;rderten den Boom des amerikanischen Immobilienmarktes. Kreditrisiken wurden verbrieft und weiter gegeben. Kreditketten entstanden, der &#220;berblick ging verloren.</p>
<p>Informationsasymmetrien sind der eine, die staatliche Geldpolitik der andere Grund f&#252;r den  Niedergang heute, genauer gesagt die massive Ausweitung der Geldmenge vor der Krise. Und zwar sowohl durch die amerikanische als auch die europ&#228;ische Notenbank. So ist die relevante Geldmenge vom ersten Quartal 2000 bis zum zweiten Quartal 2008 um 64,8 Prozent ausgeweitet worden, bei einem realen Zuwachs des Bruttoinlandprodukts (BIP) um 19,5 Prozent. Die europ&#228;ische Zentralbank (EZB) weitete die Geldmenge im selben Zeitraum gar um fast 90 Prozent aus. Dabei stieg das BIP nur um 15 Prozent. Die Ausweitung fiel nur deshalb kaum auf, weil dank der Billigimporte aus Asien die Inflation moderat war.</p>
<p>Die Gr&#252;ndungsv&#228;ter der sozialen Marktwirtschaft um Alfred M&#252;ller-Armack und Walter Eucken wussten um die Gefahren einer expansiven Geldpolitik. Geldwertstabilit&#228;t war eines ihrer wichtigsten Prinzipien. Ein anderes: das Haftungsprinzip. &#8222;Wer den Nutzen hat, muss den Schaden tragen&#8220;, schrieb Eucken.</p>
<p>Was also lehrt uns die aktuelle Krise?</p>
<p>Erstens: Staatliche Geldpolitik neigt zur Expansion. Weil sie kurzfristig Wachstum f&#246;rdert und durch Inflation die realen Staatsschulden reduziert, ist die Geldmengenausweitung ein beliebtes Instrument der Machthabenden. Der Schaden zeigt sich erst in der langen Frist (wenn die Spekulationsblase platzt) und trifft die Gl&#228;ubiger des Staates (meist Privatpersonen). Eine von  kurzfristigen Politik-Interessen befreite und auf Geldwertstabilit&#228;t ausgerichtete Notenbank kann Konjunktureinbr&#252;che, wenn nicht verhindern, so wenigstens abschw&#228;chen.</p>
<p>Zweitens: Finanzkrisen entstehen h&#228;ufig durch neue Finanzprodukte und deren Undurchschaubarkeit. Diese transparent zu machen und gegebenenfalls gar nicht zuzulassen, ist Aufgabe der staatlichen  Finanzaufsicht. Nur so kann verhindert werden, dass der Steuerzahler die Folgen von Spekulationsblasen tragen muss.</p>
<p>Drittens: Krisen gehen vorbei. Falsche Lehren aus Krisen aber richten dauerhaften Schaden an. Etwa die Beschneidung des freien Wettbewerbs, dem Herz der Marktwirtschaft und die Basis f&#252;r Wohlstand &#8211; oder wie Ludwig Erhard es formulierte: &#8222;Wohlstand f&#252;r alle und Wohlstand durch Wettbewerb geh&#246;ren untrennbar zusammen; das erste Postulat kennzeichnet das Ziel, das zweite den Weg, der zu diesem Ziel f&#252;hrt.&#8220;</p>




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