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	<title>Solokarpfen &#187; Kultur</title>
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	<description>Bestimmte Artikel</description>
	<lastBuildDate>Fri, 08 Jan 2010 11:28:43 +0000</lastBuildDate>
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		<title>Oder bin ich von gestern?</title>
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		<pubDate>Wed, 16 Sep 2009 18:33:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Eber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Album]]></category>
		<category><![CDATA[CD]]></category>
		<category><![CDATA[Element of Crime]]></category>
		<category><![CDATA[iTunes LP]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Titel1]]></category>

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		<description><![CDATA[Bei "Platte" denken heute die meisten an missgl&#252;ckten sozialen Wohnungsbau. Es gab aber mal eine Zeit, da verstand man darunter einen Tontr&#228;ger. Welche Zukunft hat das Musikalbum? ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der kommende Freitag wird ein guter Tag. Ich werde mir eine CD kaufen. Wo, das wei&#223; ich noch nicht. Einen Plattenladen meines Vertrauens gibt es nicht. Schon lange nicht mehr. Ich kaufe n&#228;mlich keine CDs mehr. Eigentlich. Nur bei absoluten Lieblingsbands &#252;berkommt mich das Verlangen, eine Ausnahme machen zu m&#252;ssen. Bei der Berliner Band Element of Crime zum Beispiel. Am Freitag erscheint ihre neue Platte.</p>
<p>Ich werde also ein Gesch&#228;ft mit CD-Abteilung aufsuchen, knapp 20 Euro zahlen, wieder nach Hause gehen und die CD in den Laptop schieben. Parallel zum ersten H&#246;ren werde ich die Musik auf den Rechner laden, dazu das Booklet durchbl&#228;ttern, die Texte mitlesen. Vermutlich wird die CD dann noch ein paar Tage auf dem Wohnzimmer-Tisch liegen bleiben, bevor sie in den Schrank zu den anderen CDs wandert. Dort wird sie &#252;ber Jahre unber&#252;hrt verweilen. Denn Musik h&#246;re ich nur noch &#252;ber den Computer. </p>
<p><div id="attachment_1924" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><img src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/09/marillion-misplaced1-245x250.jpg" alt="Meine erste selbstgekaufte Platte: &quot;Misplaced childhood&quot; (1985) von Marillion" title="" width="250" height="250" class="size-medium wp-image-1924" /><p class="wp-caption-text">Meine erste selbstgekaufte Platte: 'Misplaced childhood' (1985) von Marillion</p></div> Der Kauf einer CD scheint im doppelten Sinne antiquiert. Erstens ist das Speichermedium “Compact Disc” gar nicht mehr n&#246;tig. Es stammt aus einer Zeit, als die &#220;bertragung von Dateien via Internet und die Speicherung gro&#223;er Datenmengen auf Computern noch in den Kinderschuhen steckte. Diese Zeiten sind vorbei. Es ist ziemlich egal, ob die digitale Musik auf einer extra daf&#252;r angefertigten Plastikscheibe gespeichert wird oder auf der nicht weniger runden Festplatte des eigenen Computers. Der einzige Unterschied ist monet&#228;r: CDs sind teuer. Zweitens ist der Speicherplatz auf einer CD beschr&#228;nkt. Maximal 80 Minuten passen darauf. Zwar ein Fortschritt zur LP (auf der ist nur f&#252;r rund 45 Minuten Musik Platz), aber dennoch eine technische Beschr&#228;nkung, die von gestern ist. Auf heutige Festplatten passen tausende Stunden Musik.  </p>
<p>Warum also noch Musikalben auf CD? Aus Nostalgie? Aus Gewohnheit? Kaufen die Silberscheibe nur noch jene, die mit ihr gro&#223; geworden sind? Oder liegt dahinter ein tieferes, grunds&#228;tzlicheres Bed&#252;rfnis?</p>
<p>Vergangene Woche hat der Computer- und Softwarehersteller Apple auf seiner Musikplattform iTunes eine neue Funktion gestartet. Wer dort unter dem Namen &#8222;iTunes LP&#8220; Alben kauft, erh&#228;lt mehr als nur die Songs. Illustrierte Texte, Kommentare zur Entstehung, Booklets, Interviews, Videos und Bandfotos gibt es zur Musik dazu. <a href="http://www.heise.de/newsticker/iTunes-9-mit-ueberarbeitetem-Shop-und-LP-Feeling--/meldung/145108">Es ist der Versuch</a>, dem Album zum Comeback zu verhelfen. Einzig das haptische Erlebnis fehlt. </p>
<p><a href="http://www.readwriteweb.com/archives/forget_the_itunes_lp_apps_are_the_new_album.php">Die Kritik</a> lie&#223; nicht auf sich warten. Der Musikfan verlange nach einzelnen Songs, statt nach Alben und &#252;berhaupt sei das LP-Konzept nicht auf das tontr&#228;gerlose Zeitalter &#252;bertragbar. — Ich glaube das nicht. Die CD mag aussterben, das Album-Format nicht. Es ist unabh&#228;ngig vom technischen Fortschritt, so meine begr&#252;ndete Hoffnung. </p>
<p>Andere Unterhaltungsformen st&#252;tzen meine These. Spielfilme haben sich in den vergangenen 100 Jahren stetig ver&#228;ndert. Sie wurden schneller, ausgereifter, authentischer. Was weitgehend gleich blieb: die L&#228;nge. 90 Minuten haben sich als f&#252;r die Zuschauer angenehme Zeitspanne erwiesen. &#196;hnlich ist es bei Konzerten, Opern, Theaterst&#252;cken. Diese Formen der Unterhaltung m&#246;gen sich, was Inhalt und Pr&#228;sentation betrifft, ver&#228;ndert haben &#8211; die &#8222;Menge&#8220; aber blieb weitgehend gleich. </p>
<p>Denn der Mensch liebt das Erlebnis. Es beginnt mit der Vorfreude (z.B. Ank&#252;ndigung der CD-Ver&#246;ffentlichung, Kauf der Konzertkarte), es folgt die Vorbereitung (Fahrt zum Konzert, Kauf eines Buches); die Anspannung vor dem Start (Auspacken des Buches, Erl&#246;schen der Lichter im Konzertsaal); dann das Ereignis selbst, mit H&#246;hen und Tiefen, Anspannung und Entspannung; gegen Ende gern ein dramatischer H&#246;hepunkt, gefolgt vom  Ende, der Erl&#246;sung, gepaart mit Ersch&#246;pfung. </p>
<p>Wie gesagt: Wir Menschen lieben solche Erlebnisse. Sie passen in unseren Tagesablauf, in den Zeitrahmen unserer Freizeit. Wir wollen diese vier, f&#252;nf Stunden pro Tag auch mit Nachhaltigem f&#252;llen. Es soll sich etwas im Langzeitged&#228;chtnis einnisten. Was uns Erinnerung schenkt. Und: Wir wollen eintauchen k&#246;nnen, aus dem Alltag entf&#252;hrt werden. Ein einzelner Song schafft das nicht. Er ist zu kurz. Einem Album, das wir lieben, gelingt es. Es ist nicht so lang wie ein Konzert oder ein Film. Aber nicht aufgrund technischer Beschr&#228;nkungen, sondern weil beim Menschen der Seh- den H&#246;rsinn dominiert. Wo die Augen nichts zu tun haben, geht die Aufmerksamkeit schneller verloren. Deswegen sind Musikalben k&#252;rzer als Spielfilme, aber noch lange genug, dass sich Vorfreude einstellt, man den Weg zum Media-Markt auf sich nimmt und es sich zu Hause erst gem&#252;tlich macht, bevor man die Playtaste dr&#252;ckt. So, wie auch ich es am kommenden Freitag tun werde, bevor die ersten T&#246;ne von &#8222;Immer da wo du bist bin ich nie&#8220; erklingen werden. In <a href="http://www.freitag.de/kultur/0937-element-of-cime-cd">Vorbesprechungen</a> dieser Platte habe ich gelesen, die Musik solle schwer depressiv machen. Ich freu’ mich schon drauf.</p>




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		<title>Eine ungewohnte Mischung</title>
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		<pubDate>Tue, 15 Sep 2009 14:06:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp Strobel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Elektro]]></category>
		<category><![CDATA[KiloWatts & Vanek]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[KiloWatts &#038; Vanek ist ein ebenso szene- wie kontinent&#252;bergreifendes Projekt. W&#228;hrend der Singer/Songwriter Peter van Ewijk in Belgien an Ideen f&#252;r neue Songs feilt, t&#252;ftelt der Amerikaner Jamie Watts ein paar tausend Kilometer weiter in Philadelphia an neuen Sounds. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vertrackte Beats und elektronische Effekte treffen hier auf sanfte Gitarrenballaden. Eine interessante Mischung, die von einer Plattenfirma wie <a href="http://www.dependent.de/">Dependent</a> so nicht zu erwarten war. Sanfte Gitarrenballaden bei einer Dependent-Ver&#246;ffentlichung &#8230; Moment! Dependent? Label-Chef Stefan Herwig hatte doch vor gerade einmal zwei Jahren erst beschlossen, keine physischen Tontr&#228;ger mehr zu ver&#246;ffentlichen. 2007 war illegales Filesharing, unter anderem, f&#252;r ihn zu einem ausreichend gro&#223;en Problem geworden und er resignierte: Dependent sollte fortan keine CDs mehr ver&#246;ffentlichen.</p>
<p>Dadurch entstand eine schmerzliche L&#252;cke, war das Label doch vor allem f&#252;r ein gl&#252;ckliches H&#228;ndchen bei der Entdeckung neuer und F&#246;rderung erfolgreicher Acts aus dem Elektronikbereich bekannt. Die Speerspitze des Future-Pop, bestehend aus <a href="http://www.apoptygmaberzerk.de/">Apoptygma Berzerk</a>, <a href="http://www.covenant.se/">Covenant</a> und <a href="http://www.vnvnation.com/">VNV Nation</a>, ver&#246;ffentlichte regelm&#228;&#223;ig bei Dependent; daneben hatte das Label mit Bands wie <a href="http://www.velvetacidchrist.com/">Velvet Acid Christ</a>, <a href="http://www.babyland.info/">Babyland</a>, <a href="http://www.dismantled.org/">Dismantled</a>, <a href="http://www.ivoryfrequency.gr/">Ivory Frequency</a> oder dem Aush&#228;ngeschild <a href="http://www.suicidecommando.be/">Suicide Commando</a> auch ein beeindruckendes Repertoire f&#252;r Fans des h&#228;rteren Elektro-Sounds im Programm.</p>
<p>Zwei Jahre sp&#228;ter, 2009: Neustart. Stefan Herwig ist mit Dependent wieder zur&#252;ck am Puls der Zeit. Neben einer neuen Single der Synthpopper <a href="http://www.mesh.co.uk/">Mesh</a> und &#8222;<a href="http://www.discogs.com/Various-Septic-VIII/release/1922869">Septic VIII</a>&#8220;, der Fortsetzung der Kult-Compilation-Reihe, steht die Ver&#246;ffentlichung von &#8222;Focus And Flow&#8220; an, dem Label-Deb&#252;t von KilloWatts &#038; Vanek. Bedenkt man, dass <a href="http://www.kilowattsandvanek.org/">KiloWatts &#038; Vanek</a> ihre erste Ver&#246;ffentlichung auf dem &#8222;<a href="http://www.discogs.com/Various-Soulseek-Allstars-Volume-1/release/292375">Soulseek Allstars Volume 1</a>&#8222;-Sampler hatten, &#8211; einer Compilation der bekannten Filesharing-Plattform Soulseek &#8211; ist es umso erstaunlicher, dass Stefan Herwig das bisher nur auf der Webseite der Band in digitaler Form erh&#228;tliche Album auf seinem Label ver&#246;ffentlicht.</p>
<p>Im &#8222;<a href="http://www.hybridized.org/">Hyberdized</a>&#8222;-Forum der Gruppe Hybrids entdeckte Herwig vor einiger Zeit einen Link zu KiloWatts &#038; Vanek. Von seiner Begeisterung motiviert, begann er nach einem deutschen Vertrieb f&#252;r die beiden Ausnahmemusiker zu suchen. F&#252;ndig wurde er zun&#228;chst bei Motor Digital, dem Onlinelabel des M<a href="http://www.motormusic.de/">otor-Music</a>-Gr&#252;nders Tim Renner, doch als physischen Tontr&#228;ger wollte zun&#228;chst niemand &#8222;Focus &#038; Flow&#8220; ver&#246;ffentlichen. F&#252;r Herwig war das der entscheidende Grund, Dependent wieder zu aktivieren: Mit zwei so engagierten Plattenfirmen im R&#252;cken d&#252;rfte f&#252;r KilloWatts &#038; Vanek doch nun eigentlich nichts mehr schief gehen.</p>
<p><img src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/09/quer-mit-feuerohne-boxen-450x205.jpg" alt="KiloWatts &amp; Vanek" title="Bild: (c) KiloWatts &amp; Vanek" width="450" height="205" class="size-large wp-image-1907" /></p>
<p>Ganze vier Jahre Produktionsarbeit hat es gedauert, bis es Jamie Watts und Peter van Ewijk mit &#8222;Focus And Flow&#8220; gelang, ein Album mit einem bisher nicht dagewesenen Spagat zwischen Gitarrenpop und Breakbeat zu erschaffen. Eine Platte, die weniger f&#252;r die Tanzfl&#228;che als vielmehr f&#252;r die Chill-Out-Lounge gemacht ist. &#8222;Glitchpop&#8220; und &#8222;Folktronica&#8220; sind die Genre-Bezeichnungen, die die beiden Bandmitglieder selbst f&#252;r ihren Sound w&#228;hlen. Das passt. Und bedenkt man, dass schon im Jahr 2005 an der Entstehung von &#8222;Focus And Flow&#8220; gearbeitet wurde, ist es umso erstaunlicher, wie sehr die beiden Internet-Freunde ihrer Zeit voraus sind. Schon im Opener &#8222;Morningstar&#8220; schmiegt sich van Ewijks sanfte Stimme perfekt zu den akustisch-elektronischen T&#246;nen. Ruhige Akkordfolgen, viele Clicks und ein paar Cuts: Dieses Lied ist eine Aufforderung zum Entspannen, ein Befehl zum Tr&#228;umen. &#8222;Everything is forgotten&#8220;, heisst es da, und das trifft die Grundstimmung sehr gut.</p>
<p>Ganz anders treibt hingegen &#8222;After You&#8220; mit einer beeindruckenden Dynamik nach vorn. W&#228;hrend das Anfangsriff noch an sp&#228;tere The-Cure-Songs erinnert, wird im Mittelteil auch vor Drum &#038; Bass-Elementen nicht zur&#252;ckgeschreckt. Manche Ger&#228;usche sind einem hier v&#246;llig neu und lassen nur schwer ihre Entstehung erahnen. Steigt man wiederum erst bei Song drei (&#8222;Solar Flare&#8220;) in das Album ein, ahnt man w&#228;hrend der ersten Minute nicht, was hier alles gleich noch an elektronischer Wucht losgetreten wird. Die Gitarre am Anfang des Tracks t&#228;uscht einen ruhigen Popsong an, nur um danach fast v&#246;llig in einer Sph&#228;re elektronischer Spielereien unterzugehen. Eigentlich h&#228;tte sich dieser instrumentale Song auch wunderbar beispielsweise als Hidden Track auf dem neuen Archive-Album &#8222;Controlling Crowds&#8220; gemacht.</p>
<p>In &#8222;Blue Vapourtrails&#8220; gibt es dann ein Wiederh&#246;ren mit der bereits sehr vertrauten Stimme van Ewijks. &#8222;Run now&#8220;, &#8222;leave now and don’t come back again&#8220;, fordert er in &#8222;So Strange&#8220;. Kaum vorstellbar, dass er das wirklich ernst meint, so gro&#223; ist die Kluft zwischen den inhaltlich harten Worten einerseits und der klanglich vers&#246;hnlichen Stimme andererseits. W&#228;re da nicht diese gewisse Kantigkeit und die vielen Breaks, die die Soundatmosph&#228;re bestimmen, k&#246;nnten KiloWatts &#038; Vanek vermutlich nur noch schwer von totgeh&#246;rten Mainstream-Acts unterschieden werden. Beispielsweise in &#8222;Combray&#8220;: Dieser Song hat absolutes Hitpotenzial und ist ein hei&#223;er Anw&#228;rter f&#252;r eine Single-Auskopplung. Vor allem auch f&#252;r ein paar knallende Remixe anderer K&#252;nstler aus dem Dependent-Portfolio w&#252;rde er sich gut eignen.</p>
<p>Dr. A-Funz von Arzt+Pfusch schreibt im <a href="http://forum.dependent.de/viewtopic.php?f=1&#038;t=1680">Dependent-Forum</a>: &#8222;KiloWatts &#038; Vanek &#8211; the best music from Dependent in years&#8220;, und damit hat er dort eine rege Diskussion entfacht. In der Tat ist es das erste Mal seit <a href="http://www.sulpher.de/">Sulpher</a> der Fall, dass auf einer Dependent-Ver&#246;ffentlichung so klar Gitarrenkl&#228;nge im Vordergrund stehen. Mit <a href="http://www.seabound.de/">Seabound</a> und <a href="http://www.mindinabox.com/">Mind.In.A.Box</a> sind zwar weitere Bands abseits des Elektro-Gekn&#252;ppels im Labelprogramm, doch der Sound von KiloWatts &#038; Vanek stellt in diesem Umfeld ein absolutes Novum dar. Mal erinnert der Gesamteindruck an aktuelle Ver&#246;ffentlichungen von Depeche Mode, die Herangehensweise an fr&#252;he Sounds von Nine Inch Nails, die Atmosph&#228;re an die D&#252;sterheit bei IAMX, aber immer gibt es auch eine gewaltige N&#228;he zu Fricklern wie The Postal Service oder Apparat &#8211; die bezeichnenderweise auch auf dem neuen &#8222;Septic&#8220;-Sampler vertreten sind.</p>
<p>Bleibt zu hoffen, dass KiloWatts &#038; Vanek auch innerhalb der Szene auf offene Ohren sto&#223;en. Ihnen und auch Stefan Herwig w&#228;re es sehr zu w&#252;nschen. Eine gewisse Stagnation im Bereich Electro ist ja nun schon seit Jahren zu beobachten &#8211; die Herren Watts &#038; van Ewijk k&#246;nnten mit &#8222;Focus And Flow&#8220; die M&#246;glichkeit haben, das zu &#228;ndern. Wenn schon vielleicht nicht in den Clubs, dann doch zumindest in den heimischen Stereo-Anlagen. Und vielleicht bietet sich f&#252;r den ein oder anderen Nicht-Szene-Kenner nun auch mal die Gelegenheit, in den Backkatalog von Dependent reinzuschnuppern.</p>
<p>Interessant aber d&#252;rften auch die Live-Shows des Duos sein. Wie sich eine Band wohl auf der B&#252;hne pr&#228;sentiert, die keinen gemeinsamen Proberaum hat, sondern Musik durch E-Mail-Verkehr und Datenaustausch entstehen l&#228;sst. Immerhin war das erste Konzert der beiden Protagonisten auch ihr allererstes Treffen im echten Leben. Durch ihre eigenwillige Art der Komposition haben die beiden einmal mehr bewiesen, was die moderne Entwicklung f&#252;r Fortschritte mit sich bringt. Dank einfacher Technik ist das Produzieren &#252;ber den &#8222;gro&#223;en Teich&#8220; hinweg heute kein Problem mehr &#8211; Musik kann auch &#252;ber eine weite Distanz genau so konstruiert werden, als w&#252;rden die Musiker nebeneinander in einem Tonstudio sitzen. Durch hohe Reisekosten und andere H&#252;rden w&#228;re es vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen, dass kreative K&#246;pfe, die nicht in der gleichen Stadt oder zumindest im gleichen Land leben, musikalisch zusammenarbeiten. Und das ist nur ein Grund, warum Technik als Medium nicht verteufelt werden sollte &#8211; trotz vermeintlich negativer Entwicklungen, wie zum Beispiel dem illegalen Filesharing. Das musste sich letztendlich auch Stefan Herwig eingestehen. </p>
<p>(<em>Dieser Text ist auch im <a href="http://www.negatief.de">Negatief Magazin</a> erschienen.</em>)</p>




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		<title>Das neue alte Album</title>
		<link>http://www.solokarpfen.de/kultur/1841-neue-alte-album/</link>
		<comments>http://www.solokarpfen.de/kultur/1841-neue-alte-album/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 13 Sep 2009 09:34:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Philipp Strobel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Elektro]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[New Wave]]></category>
		<category><![CDATA[Noblesse Oblige]]></category>

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		<description><![CDATA[Noblesse Oblige ver&#246;ffentlichen ihr erstes Album nun zum zweiten Mal. Ein paar Fragen an Songwriter Sebastian Lee Philipp.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als das deutsch-franz&#246;sische Duo <a href="http://www.nobleseoblige.co.uk">Noblesse Oblige</a> 2006 sein Deb&#252;t-Album &#8222;Privilege Entails Responsibility&#8220; beim britischen Label Horseglue Records ver&#246;ffentlichte, war es l&#228;ngst kein Geheimtipp mehr. Die Single &#8222;Bitch&#8220; lief bereits in den Clubs rauf und runter &#8211; sowohl auf Elektro-Partys, als auch auf New-Wave- und Post-Punk-orientierten Events. Leider war &#8222;Privilege Entails Responsibility&#8220; die letzte Ver&#246;ffentlichung auf Horseglue, bevor das Label schlie&#223;en musste. </p>
<p><a href="http://viewmorepics.myspace.com/index.cfm?fuseaction=viewImage&#038;friendID=33795653&#038;albumID=111544&#038;imageID=349647"><img src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/09/noblesse-o-194x250.jpg" alt="Bild: (c) Noblesse Oblige" title="Bild: (c) Noblesse Oblige" width="194" height="250" class="alignright size-medium wp-image-1865" /></a> F&#252;r die Wahlberliner war mit <a href="http://www.reporecords.de">RepoRecords</a> schnell eine neue Heimat gefunden. Mit ihrem dort immer noch aktuellen zweiten Album &#8222;In Exile&#8220; konnten sie ihre Fangemeinde und Bekanntheit noch mal deutlich vergr&#246;&#223;ern. Kein Wunder also, dass RepoRecords sich die M&#252;he gemacht hat, auch das nicht mehr erh&#228;ltliche Deb&#252;t-Album wieder aufzulegen. Nat&#252;rlich darf bei einer solchen Wiederver&#246;ffentlichung ein wenig Bonusmaterial nicht fehlen: So wurde &#8222;Privilege Entails Responsibility&#8220; &#8211; &#252;brigens die englische &#220;bersetzung des Bandnamens &#8211; um ingesamt 10 Tracks erg&#228;nzt. </p>
<p>Vor allem live sind Valerie Renay und <a href="http://www.myspace.com/sebastianleephilipp">Sebastian Lee Philipp</a> im In- und Ausland sehr umtriebig. Und als w&#228;ren die beiden mit Noblese Oblige noch nicht genug ausgelastet, sind sie solo mit den Projekten <a href="http://www.myspace.com/femmefacade">Femme Façade</a> (Valerie) und <a href="http://www.myspace.com/derraeuberundderprinz">Der R&#228;uber und der Prinz</a> (Sebastian) besch&#228;ftigt. Gemeinsam treffen sie sich dann auf DJ-Gigs irgendwo zwischen Berlin, Paris und London wieder. Die m&#228;nnliche H&#228;lfte von Noblesse Oblige war so nett, uns ein paar Fragen zum Rerelease zu beantworten.</p>
<p>Sebastian, welche sind deine Lieblingsst&#252;cke auf dem &#8222;neuen&#8220; alten Album &#8222;Privilege Entails Responsibillity&#8220;?</p>
<blockquote><p>Mir gefallen vor allem unsere Coverversionen unter den Bonustracks, da wir es &#8211; finde ich &#8211; geschafft haben, die Stimmung und Energie der Originale, vor allem die Texte, auf eine neue, andere Weise zu interpretieren. Au&#223;erdem hat sich &#252;ber die vergangenen paar Jahre einiges an Bonusmaterial angesammelt, darunter viele Remixe von befreundeten Bands und Kollegen, die wir nun auf diesem Wege auch endlich ver&#246;ffentlichen konnten. Besonders gef&#228;llt mir <a href="http://www.myspace.com/markreedermfsflesh">Mark Reeders</a> Remix unseres St&#252;cks &#8222;Duell&#8220;. Es handelt sich dabei eigentlich um ein Lied unseres zweiten Albums &#8222;In Exile&#8220;. Wir wollten es aber unbedingt jetzt ver&#246;ffentlichen und haben uns deshalb entschieden, es zusammen mit unserem eigenen Remix von &#8222;<a href="http://www.youtube.com/watch?v=ruv9Qy4SfvQ">Tanz Mephisto</a>&#8220; &#8211; die zwei einzigen Remixe des &#8222;In Exile&#8220; Albums &#8211; hier auch noch draufzupacken.</p></blockquote>
<p>Zwischen dem ersten und dem zweiten Album &#8222;In Exile&#8220; hat sich euer Sound doch sehr h&#246;rbar weiterentwickelt. Wann ist denn mit eurem n&#228;chsten Album zu rechnen? Und was wird uns dort erwarten?</p>
<blockquote><p>Wir haben schon viele neue Lieder geschrieben und werden demn&#228;chst im Studio unser drittes Album aufnehmen. In den vergangenen paar Monaten haben wir uns viel mit dem Thema Okkultismus auseinandergesetzt, der Idee des &#8222;<a href="http://www.amazon.de/Moonchild-Aleister-Crowley/dp/3933321182">Moonchild</a>&#8220; von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Aleister_Crowley">Aleister Crowley</a>, aber auch den anthropologischen Studien <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Edward_E._Evans-Pritchard">Edward Evan Evans-Pritchards</a> &#252;ber Magierituale in afrikanischen St&#228;mmen, sowie dem Voodoo. Unser Plan ist es, diese Themen in ein Konzeptalbum einzubauen. Technisch werden wir mit einem reduzierterem Set-up als zuvor arbeiten, daf&#252;r aber die einzelnen Elemente voll aussch&#246;pfen, vor allem mit Live-Percussion und einem neuen Gitarrensound.</p></blockquote>
<p>F&#252;hlt ihr euch noch wohl in Berlin? Wollt ihr hier bleiben?</p>
<blockquote><p>Bis ans Lebensende werde ich hier nicht bleiben, aber momentan gef&#228;llt mir die Stadt noch gut genug. Bei mir dauert es immer 5 Jahre, bevor ich das Bed&#252;rfnis habe, woanders hinzuziehen. Es bleiben mir also noch ein paar hier in Berlin.</p></blockquote>
<p>Dieser Text ist auch im <a href="http://www.negatief.de/">Negatief Magazin</a> erschienen.</p>




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		<title>Menschen einer Ausstellung</title>
		<link>http://www.solokarpfen.de/kultur/1449-menschen-ausstellung/</link>
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		<pubDate>Fri, 21 Aug 2009 15:10:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Susanne Reindke</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Galerie]]></category>
		<category><![CDATA[Museum]]></category>

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		<description><![CDATA[In Museen gibt es mehr Kunst, als man auf den ersten Blick wahrnimmt. Vor allem an Sonntagen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Einen halben Meter hinter ihnen, so unauff&#228;llig, wie es nur geht. Dass sie es nicht merken, ist das Wichtigste. Sie dreht sich um und geht einen Schritt zur Seite, als w&#252;rde sie im Weg stehen, das gebietet die H&#246;flichkeit. Jetzt so tun, als w&#252;rde man wirklich das Bild fotografieren, ein Alibifoto, damit das alles seine Ordnung hat.</p>
<p>Menschen in Museen zu fotografieren, w&#228;hrend sie sich Bilder ansehen, das ist <a href="http://happyschnitzel.wordpress.com/">mir</a> einfach so passiert. Weil sie nicht wissen, wohin mit ihren H&#228;nden. Weil sie in manchen R&#228;umen vor den gro&#223;en Bildern so verloren wirken, als w&#228;ren sie der letzte Mensch auf der Welt. Weil sie allein durch ihr Zusammensein eine Spannung erzeugen, die den ganzen Raum ausf&#252;llt. Und weil sie manchmal vor einem Bild stehen, und es von hinten so wirkt, als w&#252;rden sie genau dort hingeh&#246;ren und nirgendwo anders.</p>
<p>Am besten funktioniert es an Sonntagen, weil das Museum dann gut besucht ist. Wenn sich die Touristenhorden busweise durch die Ausstellungsr&#228;ume dr&#228;ngeln, wird es einigerma&#223;en schwierig, einzelne Menschen oder Paare abzulichten, dazu gibt es viel mehr Beobachter, die einem &#8222;Ich glaube, genau zu wissen, was du da tust!&#8220;-Blicke zuwerfen. Gegen die Laufrichtung der Ausstellung zur&#252;ck, neue Leute, die gleichen Bilder, andere Konstellationen. Einen Moment hinsetzen, so tun, als w&#252;rde man sich ein Bild l&#228;nger anschauen. </p>
<p>Und auf einmal sind sie da, das perfekte Paar. Ihre K&#246;rpersprache erz&#228;hlt eine Geschichte, eine, die man wieder und wieder lesen m&#246;chte. Eine Geschichte, die man nicht f&#252;r sich behalten sollte, eine, die man unbedingt erz&#228;hlen will. Die Art, wie er ihre Hand h&#228;lt. Wie sie ihm das Bild erkl&#228;rt, all die Dinge, sie sieht, mit dem Finger darauf zeigend. Wie der Moment nur ihnen geh&#246;rt, alles ausgeblendet, auch das Klicken der Kamera. Deswegen bin ich hier, immer einen halben Meter hinter ihnen.</p>
<div style="padding:12px;"></div>

<a href='http://www.solokarpfen.de/kultur/1449-menschen-ausstellung/attachment/neuepinakothek9/' title='Bild: (c) Susanne Reindke'><img width="134" height="134" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/neuepinakothek9-134x134.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="" title="Bild: (c) Susanne Reindke" /></a>
<a href='http://www.solokarpfen.de/kultur/1449-menschen-ausstellung/attachment/neuepinakothek8/' title='Bild: (c) Susanne Reindke'><img width="134" height="134" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/neuepinakothek8-134x134.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="" title="Bild: (c) Susanne Reindke" /></a>
<a href='http://www.solokarpfen.de/kultur/1449-menschen-ausstellung/attachment/neuepinakothek7/' title='Bild: (c) Susanne Reindke'><img width="134" height="134" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/neuepinakothek7-134x134.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="" title="Bild: (c) Susanne Reindke" /></a>
<a href='http://www.solokarpfen.de/kultur/1449-menschen-ausstellung/attachment/neuepinakothek6/' title='Bild: (c) Susanne Reindke'><img width="134" height="134" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/neuepinakothek6-134x134.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="" title="Bild: (c) Susanne Reindke" /></a>
<a href='http://www.solokarpfen.de/kultur/1449-menschen-ausstellung/attachment/neuepinakothek5/' title='Bild: (c) Susanne Reindke'><img width="134" height="134" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/neuepinakothek5-134x134.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="" title="Bild: (c) Susanne Reindke" /></a>
<a href='http://www.solokarpfen.de/kultur/1449-menschen-ausstellung/attachment/neuepinakothek4/' title='Bild: (c) Susanne Reindke'><img width="134" height="134" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/neuepinakothek4-134x134.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="" title="Bild: (c) Susanne Reindke" /></a>
<a href='http://www.solokarpfen.de/kultur/1449-menschen-ausstellung/attachment/neuepinakothek3/' title='Bild: (c) Susanne Reindke'><img width="134" height="134" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/neuepinakothek3-134x134.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="" title="Bild: (c) Susanne Reindke" /></a>
<a href='http://www.solokarpfen.de/kultur/1449-menschen-ausstellung/attachment/neuepinakothek2/' title='Bild: (c) Susanne Reindke'><img width="134" height="134" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/neuepinakothek2-134x134.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="" title="Bild: (c) Susanne Reindke" /></a>
<a href='http://www.solokarpfen.de/kultur/1449-menschen-ausstellung/attachment/neuepinakothek1/' title='Bild: (c) Susanne Reindke'><img width="134" height="134" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/neuepinakothek1-134x134.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="" title="Bild: (c) Susanne Reindke" /></a>
<a href='http://www.solokarpfen.de/kultur/1449-menschen-ausstellung/attachment/modernepinakothek4/' title='Bild: (c) Susanne Reindke'><img width="134" height="134" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/modernepinakothek4-134x134.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="" title="Bild: (c) Susanne Reindke" /></a>
<a href='http://www.solokarpfen.de/kultur/1449-menschen-ausstellung/attachment/modernepinakothek3/' title='Bild: (c) Susanne Reindke'><img width="134" height="134" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/modernepinakothek3-134x134.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="" title="Bild: (c) Susanne Reindke" /></a>
<a href='http://www.solokarpfen.de/kultur/1449-menschen-ausstellung/attachment/modernepinakothek2/' title='Bild: (c) Susanne Reindke'><img width="134" height="134" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/modernepinakothek2-134x134.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="" title="Bild: (c) Susanne Reindke" /></a>
<a href='http://www.solokarpfen.de/kultur/1449-menschen-ausstellung/attachment/modernepinakothek1/' title='Bild: (c) Susanne Reindke'><img width="134" height="134" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/modernepinakothek1-134x134.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="" title="Bild: (c) Susanne Reindke" /></a>
<a href='http://www.solokarpfen.de/kultur/1449-menschen-ausstellung/attachment/brandhorst36/' title='Bild: (c) Susanne Reindke'><img width="134" height="134" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/brandhorst36-134x134.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="" title="Bild: (c) Susanne Reindke" /></a>
<a href='http://www.solokarpfen.de/kultur/1449-menschen-ausstellung/attachment/brandhorst22/' title='Bild: (c) Susanne Reindke'><img width="134" height="134" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/brandhorst22-134x134.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="" title="Bild: (c) Susanne Reindke" /></a>
<a href='http://www.solokarpfen.de/kultur/1449-menschen-ausstellung/attachment/brandhorst17/' title='Bild: (c) Susanne Reindke'><img width="134" height="134" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/brandhorst17-134x134.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="" title="Bild: (c) Susanne Reindke" /></a>
<a href='http://www.solokarpfen.de/kultur/1449-menschen-ausstellung/attachment/brandhorst8/' title='Bild: (c) Susanne Reindke'><img width="134" height="134" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/brandhorst8-134x134.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="" title="Bild: (c) Susanne Reindke" /></a>
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<a href='http://www.solokarpfen.de/kultur/1449-menschen-ausstellung/attachment/brandhorst5/' title='Bild: (c) Susanne Reindke'><img width="134" height="134" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/brandhorst5-134x134.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="" title="Bild: (c) Susanne Reindke" /></a>
<a href='http://www.solokarpfen.de/kultur/1449-menschen-ausstellung/attachment/altepinakothek2/' title='Bild: (c) Susanne Reindke'><img width="134" height="134" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/altepinakothek2-134x134.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="" title="Bild: (c) Susanne Reindke" /></a>
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		<title>Der perfektionierte Kindergeburtstag</title>
		<link>http://www.solokarpfen.de/kultur/1295-kindergeburtstag/</link>
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		<pubDate>Tue, 11 Aug 2009 19:06:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frank Lachmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Festival]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[Zwei Tage Festival, aber ohne dieses Festivalgef&#252;hl, wie man es von anderen Gro&#223;veranstaltungen kennt? Das mu&#223; das Berlinfestival sein. Und das ist noch nicht mal vorwurfsvoll gemeint.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Festival, das mitten in einer Stadt passiert &#8211; und noch dazu in einer Stadt wie Berlin, deren Einwohner t&#228;glich aus gef&#252;hlt einigen hundert kulturellen Angeboten w&#228;hlen k&#246;nnen –, f&#252;hlt sich zwangsl&#228;ufig anders an als &#8222;drei Tage Staubfressen&#8220;. Und beim <a href="http://www.berlinfestival.de/">Berlinfestival</a> ist die Sache sogar noch spezieller: nicht nur kommen die Besucher hier gr&#246;&#223;tenteils von zu Hause anstatt aus einem Zelt und sind daher einigerma&#223;en gestylt und frisch geschminkt, auch aber ist die Veranstaltung wiederum keine &#8222;Silvesterparty am Brandenburger Tor&#8220; mit mainstreamig-breiter Zielgruppe, sondern eigentlich nur eine sehr gro&#223;e Freiluft-Version einer gewissen in Berlin-Mitte ans&#228;ssigen <a href="http://gonzocircus.co.uk/2009/04/hipsters-guide-to-berlin-part-1-pics/">Urban-Hipster-Indie-Szene</a>, die sich in den letzten Jahren um Clubs wie &#8222;Rio&#8220; oder &#8222;Scala&#8220; bildete. Wer also schon beim <a href="http://www.solokarpfen.de/kultur/1066-art-of-gratwanderung/">Melt!-Festival</a> irritiert war angesichts &#252;berdimensionaler Sonnenbrillen, Gesichtsbemalung in Neonfarben oder Jungs mit d&#252;nnen Beinchen und noch engeren Jeans, der d&#252;rfte beim Berlinfestival jeglichen Rest an kognitivem Widerstand aufgegeben haben: It&#8217;s Kindergeburtstag all over again.</p>
<p>Vor- und Urteile beiseite: das Berlinfestival fand zum vierten Mal insgesamt, zum ersten Mal auf dem Gel&#228;nde des <a href="http://www.stadtentwicklung.berlin.de/cgi-bin/hidaweb/getdoc.pl?LIST_TPL=lda_list.tpl;DOK_TPL=lda_doc.tpl;&#038;KEY=obj%2009055092">ehemaligen Flughafens in Tempelhof</a>, und &#8211; nach organisatorischen Fehlgriffen bei der Wahl der Location 2005 &#038; 2006, unerkl&#228;rlichem Besuchermangel 2007 und einer Kreativpause 2008 &#8211; dieses Jahr vermutlich zum ersten Mal ordentlich besucht statt. Und nat&#252;rlich war die Formulierung &#8222;auf dem Gel&#228;nde des ehemaligen Flughafens&#8220; zwar <a href="http://www.jedelsky.de/flughafen_tempelhof/">faktisch korrekt</a>, aber durchaus mitgetragen von latentem Gr&#246;&#223;enwahn, passen doch auf besagtes Gel&#228;nde insgesamt locker 100 Festivals dieser Gr&#246;&#223;enordnung gleichzeitig. Das Berlinfestival 2009 fand eigentlich &#8222;nur im Eingangsbereich&#8220; statt, einem klar umz&#228;unten und gr&#246;&#223;tenteils &#252;berdachten (lies: regengesch&#252;tzten) Teil (&#8211; die rhetorische Kurve zum &#8222;Kindergeburtstag&#8220; wird hier dem Leser zur &#220;bung &#252;berlassen &#8211;) im nordwestlichen Bereich des Gel&#228;ndes. Was zwar einen weiteren Teil Festivalgef&#252;hl zugunsten eines praktischen Betonbodens zunichte machte, aber keineswegs unannehmlich war, hatte man erst einmal seine Erwartungshaltung korrigiert.</p>
<p><a href="http://www.berlinfestival.de/presse/"><img src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/berlinfestival09_Thomas_Victor-450x225.jpg" alt="Bild: (c) Thomas Victor / Berlinfestival" title="Bild: (c) Thomas Victor / Berlinfestival" width="450" height="225" class="aligncenter size-large wp-image-1297" /></a></p>
<p>Immerhin: Musik gab es auch, und diese war ebenfalls szene- und zielgruppengerecht au&#223;erordentlich sophisticated und mit erstaunlich gutem H&#228;ndchen f&#252;r Varianz ausgew&#228;hlt. Auf den Spuren des <a href="http://www.haldern-pop.de/de/festival/">Haldern Pop Festivals</a> (seit einigen Jahren eine feste Gr&#246;&#223;e im Bereich musikalischer Innovation, Talentf&#246;rderung &#8211; also, der Verpflichtung von Acts, die hierzulande erst immer 1-2 Jahre sp&#228;ter eine &#8222;gro&#223;e Nummer&#8220; wurden bzw. werden) wandelte man selbstverst&#228;ndlich noch nicht, aber bereits mit Namen wie <a href="http://frankmusik.com/">Frankmusik</a>, <a href="http://www.healthnoise.com/">HEALTH</a>, <a href="http://telepathemusic.com/">Telepathe</a> oder <a href="http://www.enemyhogs.com/">Oneida</a> bewies man doch, da&#223; man vor der Auswahl der Bands seine Nase nicht nur in den Musikexpress, sondern eben auch in den NME und vor allem in Weblogs gesteckt hatte. Selbst die Headliner kamen aus der Reihe der guten, ungew&#246;hnlichen, interessanten: <a href="http://moderat.fm/">Moderat</a> (die beim Melt!-Festival wegen Sturmwarnung ausgefallene Kollaboration zwischen Modeselektor und Apparat), <a href="http://jarviscocker.net/">Jarvis Cocker</a> (als Pulp-Chef die grande dame des Britpop, &#8222;solo&#8220; mit Band auf der B&#252;hne eine Ausgeburt an Coolness und absoluter Sympathietr&#228;ger des zweiten Abends), selbst das Erscheinen &#8211; oder besser &#8222;die Erscheinung&#8220; &#8211; <a href="http://www.frenchdogblues.com/">Pete(r) Dohertys</a> (Ex-Libertines und seit einigen Jahren prim&#228;r durch Absagen und Ausf&#228;lle der einen oder anderen Art bekanntgeworden) an sich war schon ein kleines Highlight und, wenn dann auch nicht gerade musikalisch, f&#252;r die sogenannte <a href="http://www.am-ende-des-tages.de/photos/090807-pete-doherty-berlin-festival/">Klatschpresse</a> ein Grund zur Berichterstattung. Kindergeburtstag mal ganz positiv: Innovationsf&#246;rderung und Progressivit&#228;t. Oder zumindest Originalit&#228;t.</p>
<p>Der H&#246;hepunkt eines Kindergeburtstags ist aber nat&#252;rlich erst erreicht, wenn alle Beteiligten durchgeschwitzt und mit knallroten K&#246;pfen vom Kicken oder einer Kissenschlacht kommen und l&#228;cheln. Zu diesem Zweck waren <a href="http://www.deichkind.de/">Deichkind</a> da. Was vor ein paar Jahren mal Hip-Hop war und dann zu einer &#8222;gro&#223;en Party&#8220; mutierte (vermutlich in der Tat <a href="http://www.youtube.com/watch?v=mOGbYTvljy8&#038;fmt=18">beim Melt!-Festival 2006</a>, als die Band zum Sonnenaufgang die Tragf&#228;higkeit der Hauptb&#252;hne testete, indem sie nicht vor, sondern –dort– erstmals gemeinsam mit Besuchermassen feierten), war beim Berlinfestival 2009 der passendste aller denkbaren Abschl&#252;sse: der perfekt durchchoreographierte <a href="http://www.youtube.com/watch?v=XmDo0OeSjJs">Kindergeburtstag am Samstagabend</a> auf der Hauptb&#252;hne, der alle bis dahin noch schr&#228;g im Hinterkopf sitzenden Soundprobleme mit dem Hallenecho, &#252;berhaupt alle kleinen Macken und St&#246;rungen, die auch ein kleines Festival wie dieses nun mal erlebt, in Vergessenheit geraten lie&#223;. Ein Deichkind-Auftritt ist die konsequente Fortsetzung eines auch an anderer Stelle in der Musikindustrie aufkommenden neuen basisdemokratischen Prinzips: Deichkind (deren Logo mittlerweile &#252;brigens frappierende &#196;hnlichkeit mit dem der Dead Kennedys hat) sind aber wahrscheinlich die ersten, die dieses basisdemokratische Prinzip &#8222;zum Wohle aller Beteiligten&#8220; auch live durchziehen. Da wird nicht mehr crowdgesurft, da wird mit Schlauchbooten und H&#252;pfburgen durch&#8217;s Publikum gefahren. Da wird Knallfolie rollenweise ins Publikum geworfen, da wird mit Liegest&#252;hlen und Heimtrainern auf Trampolinen herumgesprungen, das Prinzip &#8222;Bierdusche&#8220; neu definiert, und zuguterletzt &#8211; wie erw&#228;hnt &#8211; eine Kissenschlacht gegen, nein, mit dem Publikum gefeiert, da&#223; man beim Staunen mehrere Stufen &#8222;WTF!?&#8220; &#252;berspringt, andererseits aber vor lauter H&#252;pfen und Br&#252;llen ja sowieso das Hirn leer macht.</p>
<p>Nat&#252;rlich ist das schlimmes Kindergeburtstagsniveau, nat&#252;rlich ist das schwer prollig, nat&#252;rlich mu&#223; man sich nicht zwangsl&#228;ufig f&#252;r so etwas begeistern k&#246;nnen &#8211; im Rahmen dieses Festivals aber war es passend, angebracht, konnte mit viel Fantasie sogar ein kleines bisschen ironisch gemeint interpretiert werden, und selbst wenn nicht: man kann den paartausend Menschen in der Mainstage-Halle auch einfach glauben, dass es riesigen Spa&#223; gemacht hat. Plumpen, guten Spa&#223;. Wie so ein Kindergeburtstag nun mal ist.</p>




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		<title>Die Liebe in Zeiten des postmodernen Kinos</title>
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		<pubDate>Sun, 02 Aug 2009 22:27:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hannah Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kino]]></category>
		<category><![CDATA[Pedro Almodóvar]]></category>
		<category><![CDATA[Penélope Cruz]]></category>

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		<description><![CDATA[Pedro Almodóvars neuer Film "Zerrissene Umarmungen" (Bundesstart 6. August) erz&#228;hlt von einer tragischen Dreiecksbeziehung, in deren Mittelpunkt Penélope Cruz steht. Almodóvar setzt die Sch&#246;nheit gekonnt in Szene, verliert daf&#252;r aber den Rest des Films aus den Augen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine junge sch&#246;ne Frau wird von ihrem &#228;lteren Chef umworben, widersteht ihm aber zun&#228;chst. Ihr Vater wird krank, der Chef bezahlt die Behandlung, und in einer Anwandlung von – was? Dankbarkeit? Pflichtgef&#252;hl? – wird die Frau seine Geliebte. Dann (wie k&#246;nnte es anders sein?) trifft sie einen j&#252;ngeren, attraktiveren Mann und verliebt sich in ihn; der &#228;ltere Mann vergeht vor Eifersucht und spioniert den beiden nach: Und nat&#252;rlich endet am Ende alles in einer gro&#223;en Trag&#246;die.</p>
<p>Klingt wie im Film? Nun ja – es <em>ist</em> ein Film, um den es hier geht: &#8222;Zerrissene Umarmungen&#8220; (&#8222;Los abrazos rotos&#8220;), das neue Werk von Pedro Almodóvar. Allerdings – eine Handlung, die klingt wie die einer durchschnittlichen Liebestrag&#246;die, h&#228;tten wir vom Altmeister des spanischen Autoren-Kinos doch eigentlich nicht erwartet.</p>
<p>Sicher, ganz so einfach ist es nat&#252;rlich nicht: Die Dreiecksgeschichte um die junge Sch&#246;ne und ihre beiden Liebhaber erleben wir nur in einer R&#252;ckblende, erz&#228;hlt von einem, dessen Berufung das Erz&#228;hlen, dessen Beruf das Filmemachen ist. Der blinde Drehbuchautor Harry Caine (Lluís Homar), fr&#252;her bekannt als Regisseur unter dem Namen Mateo Blanco, erz&#228;hlt dem jungen Diego, Sohn seiner ehemaligen Produktionsleiterin, die Geschichte seines Lebens: von der tragischen Liebe zu seiner Hauptdarstellerin Lena (Penélope Cruz), seinem letzten Film, den er nie beenden konnte, und dem Unfall, der ihn sein Augenlicht kostete.</p>
<p>Und – tja, das war es eigentlich auch schon. Freilich, es gibt ein paar zus&#228;tzliche Verwicklungen &#8211; eine unvermittelt aufgedeckte Verwandtschaftsbeziehung; ein aus der Ferne schmachtender Verehrer des Regisseurs und eine aus der N&#228;he ebenso ungl&#252;cklich liebende Verehrerin; dazu ein Techtelmechtel des erblindeten Caine mit einer Stra&#223;enbekanntschaft und Diegos Arbeit als DJ in einem hippen Club. Doch all diese Nebenstr&#228;nge verlieren sich mehr oder minder im Nichts, scheinen wie beil&#228;ufig eingestreut, nebenbei ersonnen und ebenso rasch wieder vergessen; und das wirkt hier leider weniger wie ein Spiel mit filmischen Erz&#228;hlkonventionen als vielmehr wie pure Zerstreutheit.</p>
<p>Umso mehr konzentriert sich die Kamera daf&#252;r auf die Hauptdarstellerin, und das kann man ihr kaum verdenken: Penélope Cruz ist eine der (wenigen) Schauspielerinnen, die in jeder Rolle die gleiche faszinierende Ausstrahlung haben &#8211; sei es als abgearbeitete Mutter in &#8222;Volver&#8220; oder als manisch-depressive K&#252;nstlerin in &#8222;Vicky Cristina Barcelona&#8220; &#8211;, und selbst wenn sie in &#8222;Zerrissene Umarmungen&#8220; nackt vor der Toilette kauert und sich &#252;bergibt, ist sie irgendwie noch sch&#246;n. Dass Almodóvar wei&#223;, wie man Sch&#246;nheiten in Szene setzt, ist nichts Neues: An Penélope Cruz hat er das bereits ebenso bewiesen wie an Gael García Bernal, dessen androgyne Anmut er in &#8222;La Mala Educación&#8220; inszenierte.</p>
<p><img src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/zerriss-umarm-gross-250x165.jpg" alt="Bild: (c) Tobis" title="Bild: (c) Tobis" width="250" height="165" class="alignleft size-medium wp-image-1133" /> Um einen Film zu tragen, reicht das leider nur eigentlich nicht aus. Es kommt immer wieder vor, dass gro&#223;e Regisseure in der anbetenden Betrachtung ihrer Hauptdarstellerin den Rest des Films aus den Augen verlieren &#8211; das konnte man in den letzten Jahren bei Quentin Tarantinos Hommage an Uma Thurman in &#8222;Kill Bill&#8220; ebenso beobachten wie in Woody Allens Filmen mit Scarlett Johansson &#8211;; Almodóvar treibt dies in seinem neuen Film jedoch auf die Spitze, und zwar gleich in doppelter Hinsicht: Wie die Kamera von Cruz’ Gesicht gefesselt scheint, so verf&#228;llt auch die m&#228;nnliche Hauptfigur des Films, der Regisseur Mateo Blanco, seiner Hauptdarstellerin so schnell, dass er seinen Film nicht mal zu Ende dreht, sondern mit Lena nach Lanzarote durchbrennt &#8211; auf der Flucht vor ihrem Liebhaber, dem alternden Industriellen und Filmproduzenten Ernesto Martel (José Luis Gómez).<br />
Nicht nur in dieser Hinsicht ist der Film durchaus selbstreflexiv zu nennen, denn &#8222;Zerrissene Umarmungen&#8220; handelt letztlich immer auch vom Filmemachen &#8211; auch jenseits der Dreiecksbeziehung zwischen Regisseur, Produzent und Hauptdarstellerin. Unter der Handlung liegt eine Ebene von Motiven des Sehens und der (bewegten) Bilder, die den ganzen Film durchziehen: Da werden Fotos zerrissen und wieder zusammengesetzt; da wird der Plot f&#252;r einen erotischen Vampirfilm fantasiert und der ein oder andere Filmklassiker zitiert &#8211; nicht zuletzt Almodóvars eigener &#8222;Mujeres al borde de un ataque de nervios&#8220; (&#8222;Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs&#8220;). Da bittet der blinde Autor, weil er sie ja nicht sehen kann, eine junge Frau, sich selbst detailliert zu beschreiben, bevor er an ihrem K&#246;rper die Wahrheit ertastet; in der Umkehrung dieses Motivs sieht sich der eifers&#252;chtige Martel stumme Amateuraufnahmen vom Filmset an und engagiert, weil er ja nichts h&#246;ren kann, eine Lippenleserin, die die Gespr&#228;che zwischen den heimlichen Geliebten &#252;bersetzt. Und sein ungl&#252;cklicher, einsamer Sohn h&#228;lt alles mit seiner Kamera fest, in seinem fast obsessiven Wunsch, dem Regisseur Blanco n&#228;her zu kommen.</p>
<p>Dass dies, trotz mannighafter Metaphern und bedeutungsschwerer Symbolik, f&#252;r eine Parabel &#252;ber das Wesen des Filmemachens dennoch etwas vage bleibt, st&#246;rt dabei nicht allzu sehr – die einzelnen Bilder stehen eigentlich auch ganz gut f&#252;r sich. Viel verwirrender scheint einem da die f&#252;r Almodóvar doch eher ungew&#246;hnliche Tendenz zur stereotypen Heteronormativit&#228;t. Nat&#252;rlich darf auch jemand wie Pedro Almodóvar, der bereits alle Schattierungen sexueller Orientierung und Pr&#228;ferenz in seinem Werk verarbeitet hat,  mal einen Film &#252;ber eine konventionelle, heterosexuelle Dreiecksbeziehung drehen. Dass er aber aus der einzigen homosexuellen Figur in &#8222;Zerrissene Umarmungen&#8220;, dem Industriellen-Sohn Ray, eine geradezu l&#228;cherliche und Mitleid erregende Gestalt macht, das verwundert dann doch ein wenig. Die parodistische Charakterisierung mag der Tatsache geschuldet sein, dass man ihn oft nur durch die verzerrende Brille von Caines Erinnerung sieht; oder vielleicht auch der nicht ganz abwegigen Vermutung, dass eben auch die Figuren des Films irgendwie Teil dieser gro&#223;en Allegorie &#252;ber die Arbeit des Filmemachers sind und nicht so sehr &#8222;echte&#8220; Charaktere &#8211; dennoch: ein unguter Nachgeschmack bleibt.</p>
<p>Dass &#8222;Zerrissene  Umarmungen&#8220; elegant erz&#228;hlt, gekonnt gefilmt ist &#8211; daran besteht sicher kein Zweifel. Dass Almodóvar Symbolik mit ge&#252;bter Hand einsetzt und routiniert seine eigenen Filme zitiert &#8211; auch das will man nicht bestreiten. Doch das Besondere an Almodóvars Filmen war bisher stets sein Hang zum Absurden, sein Spiel mit der Abgr&#252;ndigkeit, seine Sympathien selbst f&#252;r die entlegensten Winkel der menschlichen Seele: Eine Entf&#252;hrte, die sich in ihren Kidnapper verliebt; somnophile Krankenpfleger und sexuell verwirrte Herrschers&#246;hne; oder eine Frau, die den get&#246;teten Ehemann in der Tiefk&#252;hltruhe versteckt &#8211; das sind die Figuren, die er auf so bet&#246;rende Art und Weise f&#252;r sein Publikum lebendig werden l&#228;sst.</p>
<p>F&#252;r die sch&#246;ne, aber untalentierte Schauspielerin Lena dagegen, die erst mit ihrem Chef schl&#228;ft und dann mit ihrem Regisseur &#8211; f&#252;r die empfindet man herzlich wenig, kinematografische Metaphorik hin oder her.</p>




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		<title>The Art Of Gratwanderung</title>
		<link>http://www.solokarpfen.de/kultur/1066-art-of-gratwanderung/</link>
		<comments>http://www.solokarpfen.de/kultur/1066-art-of-gratwanderung/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 28 Jul 2009 10:21:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frank Lachmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Ferropolis]]></category>
		<category><![CDATA[Melt]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Melt!-Festival in Gr&#228;fenhainichen demonstrierte zum zw&#246;lften Mal, wie man sich von Genregrenzen befreit: indem man sie einfach sehr, sehr weit steckt. Vom Pech mit Headlinern und Gl&#252;ck mit allem anderen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>An einer sogenannten &#8222;Konsensband&#8220; g&#228;be es nichts auszusetzen, w&#252;rde man den Begriff w&#246;rtlich verwenden &#8211; &#8222;Konsens&#8220; als kleinster gemeinsamer Nenner, auf den sich alle Beteiligten irgendwie einigen k&#246;nnen: jeglicher Diskurs w&#228;re dann unn&#246;tig, wahrscheinlich sogar unm&#246;glich. Coldplay ist das Vorzeigebeispiel eines solchen Konsensk&#252;nstlers, eine Band, die irgendwo zwischen Werbecliptauglichkeit und Fahrstuhlmusik das macht, was &#8222;alle&#8220; h&#246;ren wollen, dabei nach M&#246;glichkeit vor allem nicht anecken m&#246;chte, sondern eher breitentaugliche &#8222;Unterhaltung herstellt&#8220;. Woran es per se ja noch nichts zu kritisieren gibt, au&#223;er von denen, die Popmusik f&#252;r eine Art k&#252;nstlerischer Artikulation halten, die eben genau jenes <em>nicht</em> in den Vordergrund stellen sollte &#8211; sondern auf Unverwechselbarkeit, Unterschied und Aussage setzen sollte. Vermutlich deswegen funktioniert der Begriff &#8222;Konsens&#8220; in der Popkultur also ein bisschen anders, n&#228;mlich mit dem durchaus vorwurfsvoll gemeinten Subtext einer fehlenden Distinktion.</p>
<p>Der langen Einleitung endlicher Sinn: seit letztem Wochenende m&#252;ssen sich Oasis, als Headliner am dritten Tag des <a href="http://www.meltfestival.de/">Melt!-Festivals</a> in Gr&#228;fenhainichen bei Dessau das Wochenende beschlie&#223;end, wohl in die gleiche Kategorie jener Konsensbands einordnen lassen.</p>
<p><strong>Null</strong></p>
<p>Dabei lief in den drei Tagen zuvor fast alles prima. Der Veranstalter hatte offenbar aus der organisatorischen Schlappe des Festivals im Vorjahr gelernt und dieses Jahr eine ganze Menge richtig gemacht, von der Begrenzung der Besucherzahlen (erstmals war das Melt! ausverkauft) &#252;ber die klassische Platzierung der verschiedenen B&#252;hnen (wie in den Jahren bis 2007 &#8211; die Wege zwischen den B&#252;hnen/Acts wurden also wieder k&#252;rzer) bis hin zu offensichtlich besser vorbereiteten und freundlicheren Security-Repr&#228;sentanten als noch 2008. Das Melt! als Gratwanderung zwischen Baggersee-Improvisation und Monster-Event einerseits und zwischen Indie-Rock und Elektronik andererseits hatte es da schon immer ein bisschen schwerer, nicht nur wegen der vergleichsweise heterogenen Zielgruppe, sondern auch, weil es immer irgendwie etwas &#8222;besonderes&#8220; sein wollte: inhaltlich/musikalisch nat&#252;rlich, aber auch von der Atmosph&#228;re, erzeugt durch diese Sorte Kids, die sich nur noch selten darum schert, ob ein K&#252;nstler nun ein DJ-Set oder einen Live-Auftritt bringt (an Notebooks stehen sie eh alle), und bei der eben vor allem die eigene Wahrnehmung, der Spa&#223; am Wochenende, die Begeisterungsf&#228;higkeit an der Musik z&#228;hlt, und nicht die mitgeschleppten Bierk&#228;sten und das viert&#228;gige Komakotzen. Das Melt! war schon immer ein Festival, das so gerade noch als kuschelig durchging, bei dem man mit den meisten Leuten nicht nur gut klar kam sondern auch schnell ins Gespr&#228;ch, bei dem es kein Lagerfeuer (sondern <a href="http://www.ferropolis.de/">&#252;berdimensional gro&#223;e Bagger und &#228;hnliche Alt-Industrie-Artefakte</a>) brauchte, um sich wohl zu f&#252;hlen.</p>
<p><strong>Eins</strong></p>
<p><a href="http://www.melt-festival.de/de/presse/pressebilder.html"><img class="aligncenter size-large wp-image-1069" title="Bild: (c) Stephan Flad" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/07/melt-450x225.jpg" alt="Bild: (c) Stephan Flad" width="450" height="225" /></a></p>
<p>Und so ein Festivalwochenende l&#228;uft dann eben doch immer vergleichbar ab: zu Beginn der Freitag voller Euphorie und Neugierde, bei dem die ersten Stunden noch mit dem Beschnuppern des Gel&#228;ndes, dem Treffen von Bekannten, dem Zurechtfinden und Rumtelefonieren verbracht werden. Der Nachmittag und der fr&#252;he Abend, der dann &#252;bergeht, ganz behutsam, in die eigentliche Festivalstimmung &#8211; so auch dieses Jahr. Gisbert zu Knyphausen und This Will Destroy You im Zelt, kurz danach Rex The Dog am anderen Ende des Gel&#228;ndes auf der so genannten &#8222;Big-Wheel-Stage&#8220; (eine von immerhin zwei der f&#252;nf B&#252;hnen, die noch ohne Sponsorennamen auskommen &#8211; die drei anderen geh&#246;ren zu den Momenten, die man zwar als ordentlich unkommerziell sozialisierter Musikfan schon ambivalent betrachtet, aber wenn einem dann andererseits Schuhhersteller und Softdrinkpl&#246;rre dieses Festival und dieses ganze Angebot an Tolligkeit erst m&#246;glich machen, ganz zu schweigen von den f&#252;r Festivalverh&#228;ltnisse mehr als ordentlichen Getr&#228;nkepreisen auf dem ganzen Gel&#228;nde, verschiebt man den Diskurs eben gerne mal im Kopf auf die Tage danach) &#8211; wahrscheinlich nirgendwo anders gelangt man so schnell von beeindruckendem Liedermacher- zu Post-Rock und danach zu einem Electro-Set, das &#8222;sich gewaschen hat&#8220;, wie es meine Oma ausdr&#252;cken w&#252;rde, wenn sie noch leben (und au&#223;erdem Ahnung von elektronischer Tanzmusik haben) w&#252;rde. Bodi Bill, Klaxons, La Roux, R&#246;yksopp, Aphex Twin (letzterer als einziger &#8222;Griff ins Klo&#8220; des ersten Abends mit einem verspult-frickeligen Kunstgalerie-Show-Off und schlechten Backgroundvideos, vor allem jedenfalls nicht mit einer einem Headliner w&#252;rdigen &#8222;Gr&#246;&#223;e&#8220;) &#8211; eine nackte Aufz&#228;hlung nat&#252;rlich, die wie &#252;blich den Nichtdagewesenen vermutlich auch nichts bringen wird, den Mitfeiernden aber eventuell ein L&#228;cheln auf’s Gesicht &#8211; Rezensionen funktionieren ja oft nur &#252;ber Ankn&#252;pfungen und Gemeinsamkeiten. Sogar der nach drei Uhr nachts einsetzende Sturm, der zur Schlie&#223;ung des Gel&#228;ndes und &#8211; gelinde gesagt &#8211; leichtem Chaos f&#252;hren sollte bei den Bussen, die zwischen Festival-Halbinsel und Zelt- beziehungsweise Parkplatz pendelten, konnte da nur anfangs f&#252;r schlechte Laune sorgen. F&#252;r das Wetter konnte der Veranstalter nunmal nichts, und war man erstmal ein paar Kilometer gelaufen, war einem der Regen auch irgendwie egal.</p>
<p><strong>Zwei</strong></p>
<p><a href="http://www.melt-festival.de/de/presse/pressebilder.html"><img class="aligncenter size-large wp-image-1072" title="Bild: (c) Stephan Flad" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/07/melttag2-450x225.jpg" alt="Bild: (c) Stephan Flad" width="450" height="225" /></a></p>
<p>Auch ein zweiter Festivaltag beginnt normalerweise mit Erk&#228;ltung, Kater oder lauten Nachbarn und dementsprechend eher mittelm&#228;&#223;iger Laune.  Da passt es ganz wunderbar ins Konzept, dass das Melt! ein Nachtfestival ist, bei dem &#8222;from dusk til dawn&#8220; gefeiert wird, man also fast den ganzen Sams-Tag zur Regeneration hatte, bevor man sich von den Filthy Dukes wachr&#252;tteln lie&#223;, bei Caribou die Eleganz parallel drummender &#8211; &#228;hm &#8211; Drummer bestaunen konnte und bei Animal Collective immer nur denken musste, dass sich Richard Aphex D. Twin James am Vorabend hier vielleicht mal h&#228;tte abschauen k&#246;nnen, wie man verst&#246;rend-eigenartig und dennoch nicht zu speziell mit elektronischer Musik auf einer Hauptb&#252;hne auftritt. Die restlichen eher m&#252;den Durchh&#228;nger des Samstags (n&#228;mlich: Fever Ray mit sehr viel Show und null Dramaturgie beziehungsweise einem Auftritt, bei dem man sich 55 von 60 Minuten lang fragte, wann es denn nun endlich losgeht; MSTRKRFT auf der B&#252;hne an der &#8222;kleinen Strandbar am See&#8220; mit einem zugegebenerma&#223;en gewohnt prollig-lustigen &#8222;auffe Zw&#246;lf&#8220;-Auftritt; DJ Hell mit einem Set, das sich nicht zwischen &#8222;gleich geht’s los&#8220; und &#8222;guckt mal, ich kann auch Breaks&#8220; entscheiden konnte; und Digitalism auf der Hauptb&#252;hne, gegen deren &#8222;Bratzen-Electro&#8220; beispielsweise im Vergleich Boys Noize hochintellektuelle Kunststudentenmusik gewesen w&#228;re &#8211; und nat&#252;rlich gef&#252;hlt zirka tausend anderen Acts, die man auf so einem Jahrmarkt nicht aktiv wahrnimmt, eventuell am Rande sp&#252;rt, die Anwesenheit f&#252;hlt, im Programmheftchen liest, sie aber dann leider doch verpasst) &#8211; diese genannten m&#252;den Durchh&#228;nger jedenfalls wurden gegen vier Uhr fr&#252;h von Bonaparte so sehr in den Schatten gestellt, dass der parallel stattfindende Sonnenaufgang nur noch als Gimmick am Rande wahrgenommen wurde. &#8222;Menschen, Tiere, Sensationen&#8220; mag wie eine Floskel klingen, ist aber das einzige, woran man noch denken kann, w&#228;hrend man einen Auftritt von Bonaparte sieht. Erwartungsgem&#228;&#223; also auch am Sonntag fr&#252;h: verschwitzte T-Shirts, gl&#252;cklich guckende Menschen, und die Sonne, die gelbe Sau, aufgehend hinter, nein, <em>in</em> dieser unfassbar grandios wirkenden Kulisse. (Denn, nur f&#252;r den Fall, dass es immer noch nicht oft genug erw&#228;hnt wurde: das Melt! ist eines der sch&#246;nsten.)</p>
<p><strong>Drei</strong></p>
<p><a href="http://www.melt-festival.de/de/presse/pressebilder.html"><img class="aligncenter size-large wp-image-1073" title="Bild: (c) Stephan Flad" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/07/melttag3-450x225.jpg" alt="Bild: (c) Stephan Flad" width="450" height="225" /></a></p>
<p>Der Sonntag als dritter Festivaltag wurde erst im letzten Jahr beim Melt! eingef&#252;hrt, denn just zu jenem Zeitpunkt war Bj&#246;rk in der Gegend, die man nicht innerhalb des normalen Festival-Lineups verheizen wollte (und deren Gagenforderung das wahrscheinlich auch nicht gerechtfertigt h&#228;tte) &#8211; so wurde ein Anh&#228;ngsel daraus. Ein dritter Tag, f&#252;r den auch Einzeltickets verkauft wurden, an dem sich einige schon wieder auf den Heimweg machten und andere nur deswegen nach Gr&#228;fenhainichen kamen. Ein dritter Tag, an dem nicht mehr alle B&#252;hnen ge&#246;ffnet hatten, ein &#8222;kleines Festival&#8220; nach dem gro&#223;en, f&#252;r das jemand wie Bj&#246;rk perfekt geeignet war.</p>
<p>Vielleicht h&#228;tte man ja wenigstens Blur anfragen k&#246;nnen, die sich zwar musikalisch auch irgendwo im Konsensabteil aufhalten, deren Reunion-Gigs aber kurz zuvor in London f&#252;r weitaus mehr Aufsehen gesorgt haben, als es ein Oasis-Konzert je erreichen w&#252;rde &#8211; schlie&#223;t man einmal vorsichtig von der Resonanz des Publikums an diesem Sonntagabend auf den &#8222;Impact&#8220;, den eine Band wie Oasis offenbar nur noch hat. Dass keine Zugabe gespielt wurde, mag bei anderen Bands ein origineller Bruch mit festen Live-Ritualen sein, bei Oasis war es nur konsequent und nicht anders zu erwarten, staunte man doch fast eineinhalb Stunden lang &#252;ber das Nicht-Ausflippen einer Menschenschar, &#252;ber das Ausbleiben jeglicher Euphorie, &#252;ber das Qu&#228;len durch eine Setlist, die noch nicht einmal Tiefen hatte &#8211; neunzig Minuten ohne H&#246;hen h&#228;tte man wenigstens noch als Inspiration f&#252;r einen originell formulierten Verriss nutzen k&#246;nnen, aber neunzig Minuten ohne Tiefen lie&#223;en einen dann leider auch nur noch permanent auf die Uhr sehen. Oder auf die Kulisse, denn die war &#8211; ich wiederhole mich.</p>
<p>Der dritte Festivaltag als solcher mag funktionieren (und er hat es auch dieses Jahr, obwohl die gro&#223;artigen Glasvegas ihren Auftritt schon bei Sonnenlicht spielen mussten, obwohl Polarkreis 18 im Lineup standen, obwohl eines der Festivalhighlights &#8211; Yuksek &#8211; fast unbemerkt auf der Gemini-Stage versteckt wurde, und obwohl &#8211; nein, gerade <em>weil</em> Kasabian kurz vor dem sogenannten Headliner Oasis deren Job &#252;bernommen und die Massen zum Ausrasten gebracht haben). Vielleicht findet sich ja n&#228;chstes wieder ein w&#252;rdigerer Abschluss.</p>
<p>Abgesehen davon n&#228;mlich war alles sehr prima, dort auf der Halbinsel, zwischen den Baggern.</p>
<p><strong>Dreizehn</strong></p>
<p>2010.</p>




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		<title>Never been closer to heaven, never been further away</title>
		<link>http://www.solokarpfen.de/kultur/921-closer-to-heaven-further-away/</link>
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		<pubDate>Fri, 03 Jul 2009 15:29:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frank Lachmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Moby]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Pet Shop Boys]]></category>

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		<description><![CDATA[Moby im Heimathafen Neuk&#246;lln und die Pet Shop Boys im Tempodrom: die Neunziger Jahre waren zu Gast in Berlin, einmal auf die tragische Art und einmal auf die beeindruckende. Zwei Konzertkritiken zum Preis von einer.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Schwarzmarkth&#228;ndler sind bei den gr&#246;&#223;eren ausverkauften Konzerten ja meistens die gleichen, und man durchschaut sie auch recht schnell: gut organisiert &#228;hnlich der H&#252;tchenspieler-Mafia, meist zu dritt oder viert unterwegs &#8211; einer (Typ: Fan der Band, zwischen studentisch und pleite) sucht mit handgeschriebenem Schild ein Ticket, das er im Erfolgsfall (Kauf zum Originalpreis) seinem Kollegen (Typ: Sakko und Umh&#228;ngetasche, Jeans) weitergibt (manchmal &#252;ber den dazwischen aufgebauten Brezel-Verkaufsstand), der es wiederum weiter vorn &#252;ber die Mitleidsmasche (&#8222;selbst zu teuer bei ebay gekauft, Kumpel hat abgesagt&#8220;) zum ungef&#228;hr doppelten Preis an verzweifelte echte Fans der Band verkauft. Beim Konzert von Moby letzte Woche standen sie, genau wie zwei Tage sp&#228;ter beim Konzert der Pet Shop Boys, und ging man mit halbwegs offenen Augen zu diesen beiden Konzerten, sah man das nicht als einzige Gemeinsamkeit.</p>
<p>Moby im Neuk&#246;llner Heimathafen, einer &#8211; gemessen am ehemaligen Starkult rund um den Amerikaner &#8211; mit zirka 600 Personen Fassungsverm&#246;gen eher kleinen und in Berlin auch un&#252;blichen Konzertlocation, die entsprechend schnell ausverkauft war, nicht nur weil es eines von nur drei Solokonzerten in Europa f&#252;r Moby sein sollte. Das neue Album &#8222;Wait for me&#8220; im Gep&#228;ck, man kennt das, ganz klassisch &#8211; Live als Unterst&#252;tzung f&#252;r den Plattenverkauf, im Jahr 2009 schon fast eine anachronistische Geste, l&#228;uft es mittlerweile doch meist umgekehrt. &#220;berhaupt, der 90er-Flashback: das Publikum im Schnitt Mitte 30, der Saal durchaus nicht komplett gef&#252;llt, daher fast &#252;berall gute Sicht und guter Sound. Selten genug. Und auch &#252;berall drumherum permanent das Gef&#252;hl, beim Einlass durch eine Zeitmaschine gegangen zu sein: Getr&#228;nkepreise auf ordentlich-angenehmem Neuk&#246;lln-Niveau, als Security keine kurzhaarigen Anabolika-Kampfmaschinen, sondern &#228;ltere Herren im Anzug mit Namensschildchen, urspr&#252;nglich vermutlich als Platzanweiser gecastet. Schick.</p>
<p><div id="attachment_924" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><a href="http://www.flickr.com/photos/ianduffy/3633291641/"><img class="size-medium wp-image-924" title="Bild: (cc) ianduffy @ flickr.com" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/07/moby-250x187.jpg" alt="Moby 2009" width="250" height="124" /></a><p class="wp-caption-text">Moby 2009</p></div> Das Problem nur: der 90er-Flashback blieb auch w&#228;hrend des Konzerts bestehen. Ein Moby-Konzert ist Chefsache, jener Chef dirigiert also die restlichen sechs Bandmitglieder mit sichtbar verkniffenem Gesichtsausdruck, fast m&#246;chte man sagen &#8222;neurotisch&#8220;, und w&#228;re da nicht noch Joy Malcolm mit ihrer erwartungsgem&#228;&#223; beeindruckenden (aber dadurch eben auch nicht wirklich &#252;berraschenden) Soulstimme, w&#228;re das Treiben auf der B&#252;hne ein ziemlich manisch-m&#228;nnliches geblieben &#8211; Muckertum, dem man eigentlich auch noch Gitarren- und Drum-Solos zugetraut h&#228;tte. So aber gab es immerhin eine Band zu sehen, die &#8211; ja, was denn, eigentlich? Eine Band, die die Moby-Hits und Songs vom neuen Album nachspielte. &#8222;Natural Blues&#8220; und &#8222;Go&#8220; waren dabei, &#8222;We&#8216;re All Made Of Stars&#8220; nat&#252;rlich auch, die eine oder andere Coverversion selbstverst&#228;ndlich. Fast w&#252;nscht man sich einen Affront des Publikums, um wenigstens ein bisschen &#252;berrascht zu werden. Als &#8222;Wohlf&#252;hlsoundtrack zur Dotcom-Blase&#8220; beschreibt <a href="http://www.tagesspiegel.de/kultur/pop/Moby-Heimathafen-Neukoelln;art971,2831492">J&#246;rg Wunder im Tagesspiegel</a> die bekannten Hits, und genau so wirkt dann leider auch jedes Detail: als &#8222;damals war&#8217;s nett, aber heute k&#246;nnten das andere besser&#8220;. Ein bisschen Soul, ein bisschen Elektronik, ein bisschen Ambient-/Klangteppich, ein bisschen Ohrwurm &#8211; klar, angenehm, sch&#246;n, aber dann eben doch irgendwie ohne Relevanz f&#252;r das, was Musik im Jahr 2009 stehen sollte. F&#252;r das, wof&#252;r ein K&#252;nstler wie Moby mit all seinen <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Moby#Charity">Weltverbesserungsabsichten</a> im Jahr 2009 eigentlich stehen m&#252;sste.</p>
<p>Nichts davon war schlecht, nichts davon war so, dass man das ausgegebene Geld bereut h&#228;tte, aber ich war auch nicht der einzige, der sich oft eher ratlos umgesehen hat: da h&#228;tte eine Moby-Coverband auf der B&#252;hne stehen k&#246;nnen, es h&#228;tte keinen Unterschied gemacht. Und die Belanglosigkeit im Auftritt passte dann doch wieder zum Setting und Publikum: bei den Hits im Takt mitklatschend als w&#228;re man bei &#8222;Wetten, dass..?&#8220;, und auch sonst eher &#8222;dancend&#8220; als tanzend, als w&#228;re man auf einer &#220;30- oder Afterwork-Party und nicht auf einem Konzert. Ist es anma&#223;end, wenigstens ein kleines bisschen Innovation zu erwarten? Auf ein kleines bisschen &#8222;Wow!&#8220; oder wenigstens &#8222;Uff!&#8220; zu hoffen? Es blieb bei einem &#252;berfl&#252;ssigen &#8211; nein, nicht mal &#252;berfl&#252;ssig, sondern: es wurde ein egaler Abend, der dem Albumtitel &#8222;Wait for me&#8220; einen eigenartigen Subtext verlieh. Moby rennt den Nuller Jahren hinterher.</p>
<p>Mit schlimmsten Bef&#252;rchtungen also zwei Tage sp&#228;ter auf dem Weg zu den Pet Shop Boys ins Tempodrom, denn das Argument &#8222;es kann eigentlich nur besser werden&#8220; war ja noch nie ein haltbares. Jedenfalls nicht, wenn eine Band f&#252;r einen so betr&#228;chtlichen Teil der eigenen musikalischen Sozialisation verantwortlich ist wie das bei den Pet Shop Boys der Fall ist. 4000 Leute im ausverkauften Tempodrom, nicht ganz so kuschelig wie bei Moby also, aber kein Hallen-Monster wie die Treptower Arena oder, Gott bewahre, eines dieser seelenlosen Sponsorennamen-Mehrzweckhallen-Unget&#252;me. Aber auch Gemeinsamkeiten: gleiche Zielgruppe und &#228;hnlicher Altersschnitt wie zwei Tage zuvor. Und dass f&#252;r ein Konzert -teilweise- Sitzplatztickets verkauft wurden, dass ein Konzert von Antenne Brandenburg pr&#228;sentiert wird, und dass die Vorband unertr&#228;glich schmalzigen Deutschpop-Chansonschlager (think &#8222;bastard child of <a href="http://www.telemusic.de/magazine/">Tele</a> &amp; <a href="http://www.anajo.de/">Anajo</a>&#8220;) macht, so dass man ihren Namen sofort wieder vergisst &#8211; all das verhei&#223;t normalerweise auch nichts unbedingt gutes.</p>
<p>Aber!</p>
<p>Da waren ja schlie&#223;lich noch die Pet Shop Boys. Neil Tennant und Chris Lowe, deren Bild beim Stichwort &#8222;perfektionierte musikalische Kulissenschieberei&#8220; vor dem geistigen Auge auftaucht (und das vermutlich sogar im 90er-Jahre-Styling mit &#8222;Boy&#8220;-Cap).</p>
<blockquote><p>(&#8230;) k&#246;nnten wahnsinnig viel falsch machen, fast wartet man auf eine geschmackliche Entgleisung. Sie k&#246;nnten zum Beispiel Pyrotechnik einsetzen. Sie k&#246;nnten nackte T&#228;nzer mit Engelsfl&#252;geln sich abseilen lassen. Sie k&#246;nnten auch &#252;ber schmale Laufstege ins Publikum schreiten oder einfach zu viel sprechen. Aber sie tun das alles nicht. Nach 14 Platten und 23 Jahren Bandgeschichte hat man hat schlie&#223;lich einen Ruf zu verlieren.<br />
<em>(&#8211; <a href="http://www.tagesspiegel.de/kultur/pop/Pet-Shop-Boys-Tempodrom-Kreuzberg;art971,2833455">Esther Kogelboom im Tagesspiegel</a>)</em></p></blockquote>
<p>Nicht, dass dieser Vergleich notwendig w&#228;re, aber: Alles, was man Moby anlasten k&#246;nnte, haben die Pet Shop Boys an diesem Abend n&#228;mlich richtig gemacht. Auch sie sind eine 90er-Band, auch sie spielen zu einem Gro&#223;teil Best-Of-Shows (wie man das in der Depeche-Mode- oder eben Moby-Gr&#246;&#223;enordnung nun mal so macht), also neben den durchaus vorhandenen aktuellen Songs und Single-Auskopplungen (sagt man dazu eigentlich wirklich noch &#8222;Auskopplungen&#8220;?) eben die Tracks der eigenen musikalischen Geschichte, die von Tracks zu Songs und von Songs zu Hymnen wurden (und von Hymnen wieder zu Kult, von &#8222;Go West&#8220; mal abgesehen, das von der Hymne zum Kitsch wurde).</p>
<p><div id="attachment_923" class="wp-caption alignleft" style="width: 259px"><a href="http://www.flickr.com/photos/saskiaspang/3631351849/"><img class="size-medium wp-image-923" title="Bild: (cc) Siegrid_Ur_Pils @ flickr.com" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/07/petshopboys-249x187.jpg" alt="Pet Shop Boys 2009" width="249" height="124" /></a><p class="wp-caption-text">Pet Shop Boys 2009</p></div> Aber die Pet Shop Boys machen dann eben auch nicht jenen Fehler, sich auf die Greatest Hits zu verlassen: der schmale Grat zwischen &#8222;dem Sitzplatzpublikum die neue Single abspielen&#8220; und &#8222;den seit-20-Jahren-Fan-Fans eine Freude machen&#8220; wurde nie verlassen &#8211; und wenn, dann h&#246;chstens so, dass jede der beteiligten Zielgruppen ihren Spa&#223; daran hatte, etwa wenn aus der (neuen) Single &#8222;Pandemonium&#8220; und dem Klassiker &#8222;Can You Forgive Her&#8220; mal eben ein Mashup gemacht wurde, genau wie aus &#8222;Closer To Heaven&#8220; und &#8222;Left To My Own Devices&#8220;. Oder dass die Show mit &#8222;Heart&#8220; er&#246;ffnet wurde und nicht mit &#8222;Love Etc.&#8220;, &#8211; oder dass in einem anderen Track ein Sample aus &#8222;Paninaro&#8220; (kurz angespielt) versteckt wurde.</p>
<p>F&#252;r die Antenne-Brandenburg-H&#246;rer &#8222;Go West&#8220;, f&#252;r die <a href="http://www.geowayne.com/master.html?http://www.geowayne.com/setlisttable.htm">Setlist-Nerds</a> das zuletzt auf der 1991er-Tour gespielte &#8222;Jealousy&#8220;. F&#252;r alle im Saal &#8222;Being Boring&#8220; (einen der wenigen mir bekannten Songs, dem eine <a href="http://www.10yearsofbeingboring.com/">vollst&#228;ndige Website</a> gewidmet ist), f&#252;r mich &#8222;King&#8217;s Cross&#8220;. Und all das zu einem Stagedesign und w&#228;hrend einer Choreographie, die ebenso scharf auf der Grenze zwischen &#8222;Clubkonzert&#8220; und &#8222;Mega-Event&#8220; balancierten: technisch perfekt, und trotzdem mit Seele. &#8222;West End Girls&#8220; zum Abschluss und das Versprechen, im <a href="http://www.koka36.de/pet%20shop%20boys_veranstaltung_31420.html">Dezember wieder nach Berlin</a> zu kommen, und ein Gro&#223;teil der Anwesenden w&#228;re noch am gleichen Abend Karten kaufen gegangen, h&#228;tte es schon welche gegeben.</p>
<p>Sogar aus den hinteren Reihen konnte man an einigen Stellen w&#228;hrend des Konzerts das ganz subtil angedeutete L&#228;cheln im Gesicht Neil Tennants erkennen, eines dieser L&#228;cheln, das man aus M&#228;nnerfreundschaften kennt, wenn man nicht viel miteinander reden muss, aber sich eben auch ohne gro&#223;e Worte versteht. Das Publikum wusste, da&#223; die Pet Shop Boys wissen, dass es (das Publikum) sich &#252;ber bestimmte Songs freuen w&#252;rde, und das wiederum wussten die Pet Shop Boys &#8211; und das ist im echten Leben gar nicht so kompliziert, wie es sich jetzt liest. So war das jedenfalls zwischen den Jungs auf der B&#252;hne und dem Publikum an diesem Abend: Verbundenheit. Sowas bekommt ein Moby einfach nicht hin.</p>
<p><img src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/07/mobypsb-450x225.jpg" alt="Bilder: (cc) PinkFunhouse13&amp; Beaucoupkevin @ wikipedia.org / Bildmontage: Solokarpfen" title="Bilder: (cc) PinkFunhouse13&amp; Beaucoupkevin @ wikipedia.org / Bildmontage: Solokarpfen" width="450" height="225" class="alignnone size-large wp-image-935" /></p>
<p><em>[Bildquellen: (cc) <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/File:Mobydj.jpg">PinkFunhouse13</a> &#038; <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/File:Pet_shop_boys_boston_concert.jpg">Beaucoupkevin</a> @ wikipedia.org]</em></p>




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		<title>Der K&#246;nig ist tot &#8211; und wird es bleiben</title>
		<link>http://www.solokarpfen.de/kultur/884-koenig-tot-bleiben/</link>
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		<pubDate>Wed, 01 Jul 2009 22:45:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Eber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Michael Jackson]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[Der letzte Letzte: Michael Jackson gilt f&#252;r viele als der gr&#246;&#223;te Popstar aller Zeiten. Dem Medienwandel sei Dank wird er das auch immer bleiben. Denn die Zeit der Superstars geht zu Ende.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn Prominente sterben, packen Medien gerne den Superlativ aus. Dann ist &#8222;die letzte Hollywood-Diva gestorben&#8220;, &#8222;die letzte wahre Politikgr&#246;&#223;e von uns gegangen&#8220;, &#8222;der letzte Meister-Regisseur verschieden&#8220;. H&#228;tten die Schlagzeilen Recht, die Lebenden w&#252;rden in einem Meer der Mittelm&#228;&#223;igkeit vegetieren: Das Herausragende, die  Ausnahmeleistung, das Genie &#8211; all das g&#228;be es nicht, es w&#228;re ja l&#228;ngst zu Grabe getragen.</p>
<p>Tats&#228;chlich aber folgen dem Letzten neue Letzte. Der Superlativ von morgen k&#252;mmert sich nicht um den Superlativ von gestern. Im Kampf um die Aufmerksamkeit der Leser ist die &#220;berh&#246;hung der Ereignisse eben ein wirksames Mittel.</p>
<p><div id="attachment_911" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><a href="http://www.flickr.com/photos/24786798@N06/3668465169/"><img src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/07/3668465169_7778ef10e9_o-250x187.jpg" alt="Michael Jacksons Stern auf dem Hollywood Boulevard" title="Bild: (cc) tleonard1 @ flickr.com" width="250" height="125" /></a><p class="wp-caption-text">Michael Jacksons Stern auf dem Hollywood Boulevard</p></div> Michael Jackson ist auch so ein Letzter. &#220;berh&#228;uft mit Superlativen. Er hatte mit &#8222;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Thriller_(Album)">Thriller</a>&#8220;  das meist verkaufte Musikalbum (60 Millionen), er unterschrieb 1991 den h&#246;chstdotierten Plattenvertrag aller Zeiten (angeblich 890 Millionen Dollar) und er ist der Solok&#252;nstler mit den meisten Nr.1-Single-Hits in den amerikanischen Charts (14). Kurzum: Michael Jackson gilt als der King of Pop, nein, er IST der King of Pop. </p>
<p>Denn wie es aussieht, wird es nach ihm tats&#228;chlich keinen weiteren Letzten mehr geben. Zumindest keinen letzten Popstar. Zumindest keinen letzten Popstar, der gr&#246;&#223;er sein wird als er. Das ist keine Form der Wahrsagerei. Es liegt auch nicht an seinem Ausnahmetalent. Vielmehr: Michael Jacksons Tod f&#228;llt in jene kurze Epoche, die vor gut 50 Jahren mit der Verbreitung der Schallplatte begann und die jetzt durch das Internet zu Ende geht.</p>
<p>Es war der Massenartikel Langspielplatte, der Musik und Lebensgef&#252;hl in jede Wohnung und den K&#252;nstlern das gro&#223;e Geld brachte. Und es war das Fernsehen, mit der besonderen Auspr&#228;gung der Musik-Sender, das dem Ton die Bilder und der Popwelt die Verst&#228;rkung des  Personenkults bescherte. Michael Jacksons m&#228;rchenhafter Aufstieg als Solok&#252;nstler zu Beginn der 80er Jahre h&#228;tte ohne MTV schlicht nicht stattgefunden.</p>
<blockquote><p>Die Aufmerksamkeit anderer Menschen ist die unwiderstehlichste aller Drogen. Ihr Bezug sticht jedes andere Einkommen aus. Darum steht der Ruhm &#252;ber der Macht, darum verblasst der Reichtum neben Prominenz.<br />
<em> &#8211; Georg Franck, &#214;konom und Software-Entwickler</em></p></blockquote>
<p>Die Zeit der Musiksender f&#252;r die Massen und der Tontr&#228;ger mit Millionen-Auflage ist vorbei. Das technische Produkt einer runden Scheibe, auf der etwa 10 Songs ein &#8222;Album&#8220; bilden und dieses Album, einmal produziert, bei jeder Abgabe Geld in die Kassen von K&#252;nstler und Musikfirma sp&#252;lt, hat einer neuen Technik Platz machen m&#252;ssen. Das Bessere als Feind des Guten. In dem Fall auch der Feind der ganzen Musikbranche. Denn mit dem Internet gibt es Musik schneller, g&#252;nstiger, oft umsonst.</p>
<p>Das Internet zerst&#246;rt nicht nur das bisherige Gesch&#228;ftsmodell der Musikbranche, sondern auch eine Figur der Musikwelt: den Superstar. Denn um Superstar zu werden, braucht es Zweierlei, viel Geld und viel Aufmerksamkeit. Eine kostenintensive Marketingmaschinerie macht aus guten Musikern Lichtgestalten f&#252;r breite Massen. Und um die breite Masse zu erreichen, braucht es neben Geld eben die Massenmedien.</p>
<p>Das Internet aber hat der Branche nicht nur die Finanzkraft genommen, sondern raubt ihr auch die Aufmerksamkeitskontrolle. Fr&#252;her gab es wenige Fernsehprogramme und ein paar mehr Zeitschriften und Zeitungen. In der Sprache der Kommunikationstheorie fokussierten sich viele &#8222;Empf&#228;nger&#8220; auf wenige &#8222;Sender&#8220;. Der Aufwand der Musik-Konzerne, Musik und Musiker bei diesen wenigen Angeboten zu platzieren, hielt sich in Grenzen.</p>
<p>Heute k&#228;mpfen unz&#228;hlige Medienangebote um Aufmerksamkeit. Nachrichtenportale, Blogs, Soziale Netzwerke &#8211; das Informationsangebot explodiert und wird kleinteiliger. Dem fr&#252;heren Einheitsprogramm von MTV stehen mittlerweile zahlreiche Spartenangebote gegen&#252;ber. Das ist gut wegen der Vielfalt und schlecht f&#252;r Superstars &#8211; denn ohne Massenpublikum kein Superstar.</p>
<p>Vielleicht aber ist es auch gut f&#252;r sie. Denn der Superstar ist auch eine tragische Figur: Reichtum und Ruhm f&#252;hren nicht selten zu Dekadenz, Selbst&#252;bersch&#228;tzung und Einsamkeit. Elvis Presley und Michael Jackson, zwei Ikonen der Pop-&#196;ra, haben f&#252;r ihren Erfolg teuer bezahlt. Vermutlich hat die Evolution die Psyche des Menschen nicht ausreichend gegen solche &#220;berh&#246;hungen gewappnet. Eigentlich nur konsequent, wenn jetzt die technische Evolution den Superstar-Kult abschafft.</p>




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		<title>Die Qual der Puppen</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Jun 2009 15:48:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hannah Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Dollhouse]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[Joss Whedon]]></category>

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		<description><![CDATA[Unter dem oberfl&#228;chlichen Mix aus Thrill und Erotik verbergen sich in "Dollhouse", der neuen Serie von Joss Whedon, auch ethische Fragestellungen. Die DVD, die im Juli erscheint, erleichtert die Spurensuche.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Joss Whedon ist unter den Serienmachern des amerikanischen Fernsehens ein Star &#8211; allerdings einer, von dem man nie genau wei&#223;, ob er gerade im Steigen oder im Sinken ist. Mit &#8222;Buffy &#8211; The Vampire Slayer&#8220; landete er 1998 einen Riesenhit: Die Serie lief &#252;ber sieben Staffeln, und auch das etwas d&#252;sterere Spin-Off &#8222;Angel&#8220; brachte es auf f&#252;nf Staffeln und zu einer bemerkenswerten Beliebtheit.</p>
<p>Doch seine n&#228;chste Serie &#8222;Firefly&#8220; wurde nach nur einer halben Staffel abgesetzt &#8211; vermutlich nicht zuletzt, weil der Sender die Folgen in einer falschen Reihenfolge ausstrahlte. Im R&#252;ckblick war die Absetzung von &#8222;Firefly&#8220; ein gravierender Fehler &#8211; die Serie &#252;ber die bunt zusammengew&#252;rfelte Renegaten-Crew eines kleinen Raumschiffs, die ebenso sehr Science Fiction wie Western ist, hat einen spannenden Plot und ist exzellent gecastet. Die Fans erkannten diese Qualit&#228;ten und verschafften &#8222;Firefly&#8220; rasch einen Kultstatus, der bis heute anh&#228;lt und zumindest zur Produktion des Kinofilms &#8222;Serenity&#8220; f&#252;hrte, der 2005 in die Kinos kam.</p>
<p>Nun waren in den USA die 12 Folgen der ersten Staffel von Joss Whedons neuer Serie &#8222;<a href="http://www.fox.com/dollhouse/">Dollhouse</a>&#8220; zu sehen, die im Juli auch auf DVD erscheint (w&#228;hrend genaugenommen sogar <a href="http://www.sablog.de/2009/04/17/so-viele-serien-so-wenig-zeit-iii-war-sonst-noch-was/">14 produziert wurden</a>). Eine zweite Staffel wurde bereits genehmigt &#8211; eine <a href="http://www.thrfeed.com/2009/05/dollhouse-second-season.html">Nachricht, die Fans wie Kritiker eher &#252;berrascht haben d&#252;rfte</a>, wurde der Serie doch schon von Anfang an ein &#228;hnliches Schicksal wie &#8222;Firefly&#8220; prophezeit. Die Skepsis ist verst&#228;ndlich: Der Erfolg einer Fernsehserie h&#228;ngt schlie&#223;lich nicht nur von der Originalit&#228;t des Konzepts ab, sondern auch &#8211; und vielleicht sogar noch mehr &#8211; von der Beliebtheit der Charaktere. Und was soll man halten von einer Show, deren zentralem Charakter genau das fehlt &#8211; Charakter n&#228;mlich?</p>
<p>Im &#8222;Dollhouse&#8220;, einem abgeschirmten Geb&#228;udekomplex irgendwo in Los Angeles, arbeiten die Angestellten des geheimnisvollen Forschungsinstituts &#8222;Rossum Corporation&#8220; an einem spektakul&#228;ren Experiment. Experimentiert wird allerdings nicht mit Chemikalien oder Versuchskaninchen, sondern mit Menschen. Junge Frauen und M&#228;nner, die ihr altes Leben hinter sich gelassen haben, und zwar im radikalsten Sinne: Ihre komplette Pers&#246;nlichkeit, mit all ihren Charakterz&#252;gen und Erinnerungen, wurde gel&#246;scht &#8211; sie sind Puppen (&#8222;Dolls&#8220;) im wahrsten Sinne des Wortes. Diese &#8222;Actives&#8220; werden nun f&#252;r Eins&#228;tze vermietet, deren Bandbreite vom Auftragsverbrechen bis hin zum Escort-Service reicht; und f&#252;r jeden dieser Eins&#228;tze wird ihnen eine neue, vor&#252;bergehende Pers&#246;nlichkeit &#8222;aufgespielt&#8220;, eine Mischung aus Pers&#246;nlichkeiten realer, oft verstorbener Menschen, von deren Authentizit&#228;t die Actives selbst v&#246;llig &#252;berzeugt sind &#8211; bis sie ihren Einsatz erf&#252;llt haben und ins Dollhouse zur&#252;ckkehren, wo auch diese Identit&#228;t wieder von der &#8222;Festplatte&#8220; ihres Gehirns gel&#246;scht wird.</p>
<p>Der Fokus der Serie liegt auf Echo (gespielt von Eliza Dushku, bekannt als Faith aus &#8222;Buffy&#8220;), einer der begehrtesten Aktiven des Dollhouse. In ihrem fr&#252;heren Leben hie&#223; sie Caroline, und auf sie konzentrieren sich auch die Nachforschungen des FBI-Agenten Paul Ballard (Tahmoh Penikett), der gegen den Widerstand seiner Vorgesetzten das Geheimnis um das Dollhouse aufkl&#228;ren will.</p>
<p>Echos Kontaktperson auf Eins&#228;tzen, ihr Handler, ist Boyd Langton (Harry Lennix), der neu zum Dollhouse st&#246;&#223;t, nachdem Alpha, einer der Aktiven, Amok gelaufen ist und ein Blutbad angerichtet hat, dem auch Echos fr&#252;herer Handler zum Opfer gefallen ist. Alpha ist untergetaucht und verk&#246;rpert damit neben Agent Ballard die zweite Gefahr f&#252;r das Dollhouse von au&#223;en &#8211; aber seine Tat zeigt bereits, dass der Erfolg des Experiments auch von innen bedroht wird: Denn das &#8222;Bespielen&#8220; der Aktiven mit Pers&#246;nlichkeiten funktioniert nicht so perfekt, wie es sollte. Bei Echo kommt es in extremen Stresssituationen zu Rissen in der aufgespielten Identit&#228;t; Erinnerungsfetzen fr&#252;herer Identit&#228;ten tauchen pl&#246;tzlich in ihrem Ged&#228;chtnis auf.</p>
<p>Dass die Willenlosigkeit der Aktiven nicht v&#246;llig absolut ist und br&#252;chig wird, war zu erahnen und ist schon aus filmdramaturgischen Gr&#252;nden fast zwangsl&#228;ufig &#8211; die permanente Wiederholungsschleife von neuen Pers&#246;nlichkeiten und ihrer L&#246;schung muss unterbrochen werden, wenn &#252;berhaupt Handlung und Spannung erzeugt werden sollen; wenn aber die Aktiven beginnen, ein eigenes Bewusstsein zu entwickeln, dann wird dadurch die Grundkonstellation der Serie fr&#252;her oder sp&#228;ter obsolet.  Das ist nicht schlimm, macht es aber fragw&#252;rdig, ob das Konzept der Serie Spielraum l&#228;sst f&#252;r mehr als drei Staffeln.</p>
<p>Ein anderes Problem erscheint gravierender, weil es nicht nur ein filmisches, sondern auch ein moralisches ist. Es ist klar, dass das Szenario des &#8222;Dollhouse&#8220; Fragen nach M&#252;ndigkeit aufwirft, nach Konsens. Denn die Aktiven werden auf ihren Eins&#228;tzen nicht nur Situationen ausgesetzt, in denen ihr Leben in Gefahr ist, sie agieren auch als sexuelle Dienstleister &#8211; in jedem Fall handelt es sich um Extremsituationen, auf die keinerlei Einfluss haben.</p>
<p>Die moralische Frage hier &#228;hnelt dem Dilemma, das Pedro Almodóvar in seinem Film &#8222;Sprich mit ihr&#8220; aufbrachte: Darf man mit einer Koma-Patientin Sex haben &#8211; sie merkt es ja nicht? Die Antwort ist, rechtlich wie moralisch, sicher ein Nein. Dass die Aktiven vor ihrem Eintritt ins Dollhouse der L&#246;schung ihrer Pers&#246;nlichkeiten zugestimmt haben, macht die Sache ein wenig komplizierter &#8211; aber auch nur ein wenig: Denn durch die L&#246;schung ihrer Pers&#246;nlichkeit begeben sie sich in einen Zustand der Unm&#252;ndigkeit, und in diesem Zustand k&#246;nnen sie dem, was mit ihnen geschieht, nicht mehr zustimmen oder sich ihm verweigern &#8211; was bedeutet, das alles, was mit ihnen im Dollhouse geschieht, einen Missbrauch darstellt, an Seele, K&#246;rper und Geist.</p>
<p><div id="attachment_570" class="wp-caption alignleft" style="width: 144px"><a href="http://www.fox.com/dollhouse/"><img src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/06/dollh-134x134.jpg" alt="Dollhouse" title="Bild: (c) FOX" width="134" height="134" class="size-thumbnail wp-image-570" /></a><p class="wp-caption-text">Dollhouse</p></div> Nun ist nat&#252;rlich nichts dagegen einzuwenden, wenn eine Fernsehserie solche Themen aufgreift und diskutiert. Nein, dagegen w&#228;re gar nichts zu sagen &#8211; wenn die Situationen, denen die Aktiven ausgesetzt werden, nicht gar so sehr an erotische (M&#228;nner-)Fantasien erinnerten. Die Szenarien, in die Echo geworfen wird, sind fast immer sexuell aufgeladen und dienen nicht zuletzt dazu, Echo selbst entsprechend in Szene zu setzen: Selbst in ihrer Rolle als Spezialistin f&#252;r Entf&#252;hrungsf&#228;lle, deren Pers&#246;nlichkeit sie gleich in der ersten Folge &#252;bernimmt, &#228;hnelt sie mit strenger Brille, straff zur&#252;ckgebundenem Haar und deutlich zu eng sitzender, halb ge&#246;ffneter Kost&#252;mbluse leider ein bisschen zu sehr der toughen Gesch&#228;ftsfrau in der Eingangsszene eines Softpornos, kurz bevor sie vom muskul&#246;sen Heizungsinstallateur auf ihrem Schreibtisch gev&#246;gelt wird.</p>
<p>Freilich: Erotische Fantasien sind ja nicht Schlechtes, selbst stereotype nicht; und &#8222;Dollhouse&#8220; ist weder die erste noch die letzte Serie, die sich solcher Schablonen bedient. Das Problem ist, dass diese Klischees im Kontext der Handlung von &#8222;Dollhouse&#8220; gerade den Diskurs &#252;ber die Entm&#252;ndigung der Figuren unterminieren und das Ganze etwas fragw&#252;rdig erscheinen lassen &#8211; denn der Zuschauer wird dadurch in eine Situation gebracht, in der er selbst die Aktiven permanent objektiviert. Es ist nicht ganz auszuschlie&#223;en, dass das von Joss Whedon sogar beabsichtigt ist &#8211; aber vielleicht &#252;bersch&#228;tzt man mit dieser Vermutung doch auch die Selbstreflektiertheit der Serie, und es geht letztlich dann doch nur darum, Dushkus Oberweite ins Bild zu setzen.</p>
<p>Das ist &#8211; ganz abgesehen von moralischen Implikationen &#8211; zwar fraglos &#228;sthetisch gef&#228;llig, aber vom Blickwinkel k&#252;nstlerischer Originalit&#228;t aus gesehen doch auch ein bisschen entt&#228;uschend. Nach den komplexen und selbstbewussten weiblichen Charakteren, die Whedon f&#252;r &#8222;Firefly&#8220; erfand, erscheinen in &#8222;Dollhouse&#8220; nicht nur die &#8222;Puppen&#8220; ein wenig pers&#246;nlichkeitsarm: Zwar haben in dem Netz aus Intrigen und Geheimnissen alle Figuren etwas zu verbergen &#8211; so richtig interessant werden sie dadurch aber nicht.</p>
<p>Letztlich ist dies wohl auch die gr&#246;&#223;te Schwachstelle der Serie: Keine Frage, das Konzept ist faszinierend; die &#196;sthetik f&#228;ngt stilsicher die subtil d&#252;stere, anti-utopistisch futuristische Atmosph&#228;re ein, die Whedon so gut beherrscht; und der Plot ist ein komplexes, elaboriertes Gespinst aus falschen F&#228;hrten und langsam enth&#252;llten Geheimnissen. Vielleicht ist aber das Konstrukt doch ein bisschen <em>zu</em> elaboriert: Denn die Komplexit&#228;t der Handlung zwingt die Charaktere in die Rolle von Schachfiguren &#8211; f&#252;r Charakterentwicklung bleibt da kein Raum.</p>




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