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	<title>Solokarpfen &#187; Gerede</title>
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	<description>Bestimmte Artikel</description>
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		<title>He&#8217;s back!</title>
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		<pubDate>Mon, 14 Sep 2009 20:28:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Simon Frost</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gerede]]></category>
		<category><![CDATA[Angela Merkel]]></category>
		<category><![CDATA[Edmund Stoiber]]></category>
		<category><![CDATA[Frank-Walter Steinmeier]]></category>
		<category><![CDATA[Kanzler-Duell]]></category>

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		<description><![CDATA["Ein Duett, kein Duell", "Sachdebatte", "Yes, we g&#228;hn" -- Die 500 Journalisten im Pressezentrum des TV-Duells haben einen richtigen Sieger nicht ausfindig machen k&#246;nnen. Den gab es an diesem Abend allerdings schon. Er lehnte entspannt im Sessel bei Anne Will. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Da standen sie an ihren Pulten und belauerten sich. Angela Merkel, Bundeskanzlerin und dies auch gerne bleiben wollend, und Frank-Walter Steinmeier, der das Amt haben m&#246;chte. Eineinhalb Stunden lang gab sich das Moderatoren-Quartett alle M&#252;he, die beiden Kandidaten aus dem Takt ihrer Antworten und aus dem Trott der gro&#223;-koalition&#228;ren Gem&#252;tlichkeit zu bringen. Mit m&#228;&#223;igem Erfolg, wie jeder, der es gesehen hat, beipflichten wird.</p>
<p><div id="attachment_1883" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Msc_2004-Saturday_Afternoon-1400-1600-IMG_0009.jpg"><img class="size-medium wp-image-1883" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/09/stoiber-250x250.jpg" alt="War er im Sanatorium an der Nordsee oder kuren in Bad Reichenhall?" width="250" height="250" /></a><p class="wp-caption-text">War er im Sanatorium an der Nordsee oder kuren in Bad Reichenhall?</p></div> Nach 90 Minuten und ein paar Tausend Anrufen der Wahlforscher war dann klar: Der Sieger ist &#8211; keiner der beiden. Steinmeier macht Boden gut, aber nicht genug. Merkel b&#252;&#223;t ein wenig von ihrem Kanzlerbonus ein, aber nicht so viel, dass sie sich ernsthaft Sorgen machen muss.</p>
<p>Die gesamte Nachberichterstattung mit aufgebrachten Niebels, Bartschs und Trittins und zufriedenen M&#252;nteferings und Pofallas &#8211; geschenkt.</p>
<p>Wirklich von sich reden machte eigentlich nur einer. Einer, von dem schon lange nichts zu sehen, von dem ebenso wenig zu h&#246;ren gewesen ist. Einer, bei dem man froh war, dass das so gewesen ist. Entspannt lehnte er da im Sessel bei <a title="Duell-Abend bei Anne Will" href="http://daserste.ndr.de/annewill/aktuelle_sendung/erste316.html" target="_blank">Anne Will</a>, l&#228;chelte, wirkte f&#252;r seine uns bekannten Verh&#228;ltnisse sogar richtig locker. Und er redete, beantwortete pr&#228;zise ihm gestellte Fragen, bildete lange S&#228;tze, die einen Sinn ergaben, wirkte aufger&#228;umt und mitunter schlagfertig, sprach weder die Moderatorin noch einen der &#252;brigen G&#228;ste mit &#8222;Frau Merkel&#8220; an.</p>
<p>Edmund Stoiber. Was ist mit ihm geschehen? War er im Sanatorium an der Nordsee oder kuren in Bad Reichenhall? Hat er seit seinem Abschied aus der bayerischen Politik heimlich Stunden bei seinem einstigen Kommunikationstrainer Michael Spreng genommen?</p>
<p>Diese Fragen stellte in der allgemeinen Aufregung um die Unaufgeregtheit des TV-Duells leider niemand. Und so bleibt nur aus dem zu schlussfolgern, was &#252;ber den einstigen bayerischen Ministerpr&#228;sidenten, CSU-Vorsitzenden und Unions-Kanzlerkandidaten allgemein bekannt ist: Der Kampf gegen Euro-B&#252;rokraten und B&#252;rokratie in Br&#252;ssel muss f&#252;r einen deutschen Muster-B&#252;rokraten, als der Stoiber gilt, unglaublich entspannend sein. Beinah wie ein Bad im Jungbrunnen.</p>
<p>Und siehe da, kaum ist der Duell-Abend vorbei, <a title="Interview Welt.de" href="http://www.welt.de/die-welt/wirtschaft/article4528452/Wenn-es-ernst-wird-gibt-es-ploetzlich-ueberall-Bedenkentraeger.html" target="_blank">legt Stoiber nach</a>, bleibt in den Schlagzeilen. Durch B&#252;rokratieabbau will er Staaten und Unternehmen europaweit um 40 Milliarden Euro entlasten. 40 Milliarden Euro. Daf&#252;r k&#246;nnte man Opel glatt zehn Mal retten!</p>
<p>Man stelle sich vor, einer der beiden aktuellen Bewerber um die n&#228;chste Kanzlerschaft h&#228;tte im TV-Duell so einen Vorschlag rausgehauen. Der h&#228;tte den Wettstreit vor den Kameras wom&#246;glich sogar gewonnen!</p>
<p>Also, wenn Stoiber mehr solcher Vorschl&#228;ge machte und sich an <a title="Regeln f&#252;r TV-Duellanten" href="http://www.bild.de/BILD/politik/2009/09/13/tipps-von-stoiber/fuer-tv-duellanten.html" target="_blank">die selbst aufgestellten Regeln f&#252;r eine erfolgreiche TV-Duell-Vorbereitung</a> hielte, k&#246;nnte er es nach dem Debakel 2002 ja glatt noch einmal …</p>
<p>Nein, daran wollen wir &#8211; bei aller Liebe &#8211; nicht denken. Es reicht, dass er das diesj&#228;hrige &#8222;Duell&#8220; f&#252;r sich entschieden hat.</p>




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		<title>Der Unsympath</title>
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		<pubDate>Sun, 13 Sep 2009 09:29:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Florian Meyer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gerede]]></category>
		<category><![CDATA[HassMartin]]></category>
		<category><![CDATA[Kritik]]></category>
		<category><![CDATA[Pro Sieben]]></category>
		<category><![CDATA[Schlag den Raab]]></category>
		<category><![CDATA[Stefan Raab]]></category>
		<category><![CDATA[TV]]></category>

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		<description><![CDATA[Knapp f&#252;nf Stunden duellierte sich Stefan Raab gestern Abend mit einem 24-j&#228;hrigen Praktikanten. Am Ende gewann Hans-Martin eine halbe Million Euro -- Als Sieger durfte er sich aber nicht f&#252;hlen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Stell dir vor, du bist im Fernsehen, ganz Deutschland sieht zu &#8211; und hasst dich! So ging es am Samstagabend einem 24-j&#228;hrigen Pharmazie-Praktikanten, der das gesamte &#8222;Schlag den Raab&#8220; Publikum in Windeseile gegen sich aufgebracht hat: Dem nach eigener Aussage hochintelligenten Hans-Martin (der einen IQ von 143 angab). Gro&#223;spurig, arrogant, &#252;berheblich &#8211; der junge Mann sollte besser nicht schauen, was bei Twitter so alles &#252;ber ihn geschrieben wurde&#8230;</p>
<blockquote><p>Ich dachte eigentlich, ich schlage ihn nach 12 oder 13 Spielen. Dann ist leider doch ein wenig knapp geworden. Stefan Raab ist doch besser, als ich dachte.</p>
<p>(<em>&#8211; Hans-Martin</em>)</p></blockquote>
<p>Das Unterhaltsamste an diesem Abend &#8222;Schlag den Raab&#8220; war zweifellos die Sendungsbegleitung bei Twitter. Denn nicht nur Moderator Opdenh&#246;vel, Kommentator Buschmann und das Studiopublikum haben Hans-Martin schnell in ihr Hasszentrum geschlossen, sondern auch zahlreiche Zuschauer vor den Heimrechnern. Und die kommentierten die Leistung und das Auftreten in der Sendung ohne Gnade: &#8222;was bringt einem ein iq von 140, wenn man(n) hans-martin hei&#223;t?&#8220; (von @revochan) war da noch das Harmloseste.</p>
<p>Eine kleine Auswahl der Twitter-Liebeserkl&#228;rungen an Hans-Martin:</p>
<p>&#8211; dieser hans-martin ist ne doofe luftpumpe (@Supermietzi)</p>
<p>&#8211; Hans Martin ab auf die Stille Treppe und schweig still.. (@BerlinAngel)</p>
<p>&#8211; Dieser Hans-Martin ist der gr&#246;&#223;te Unsymphat, der je Kandidat bei Schlag den Raab war. (@sprungfeldh)</p>
<p>&#8211; Man bekommt schon Aggressionen beim zuschaun.Was ein Spacko. #HassMartin (@NoraBolz)</p>
<p>&#8211; Bei Hans Martins Geburt wu&#223;te der Arzt nicht wo er draufklopfen sollte. Der ganze Kerl ein Arsch!! (@drcox1982)</p>
<p>&#8211; Wow, da schreibe Ich einen abf&#228;lligen Tweet &#252;ber #hassmartin, bin noch nicht fertig und schon macht #hassmartin eine neue Bl&#246;dheit. (@syranez)</p>
<p>&#8211; Oh je! Wenn sich deine eigenen Freunde f&#252;r dich entschuldigen, l&#228;uft was falsch. (@beangie)</p>
<p>Da wirkt das &#8222;Selten so einen Keks bei SdR gesehen!&#8220; von @martinteschner schon fast liebevoll&#8230;</p>
<p><div id="attachment_1857" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><img src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/09/sdr-250x250.jpg" alt="Hans-Martin, Kandidat." title="Bild: (c) ProSiebenSat.1 Media AG" width="250" height="250" class="size-medium wp-image-1857" /><p class="wp-caption-text">Hans-Martin, Kandidat.</p></div> Das Hashtag #HassMartin machte blitzschnell die Runde, die gesamte Twitter-Gemeinde drosch auf Hans-Martin ein, votete in einer<a href="http://twtpoll.com/a25zmu"> Twitter-Umfrage</a> gegen Hans-Martin. Noch am gleichen Abend wurde im StudiVZ unter anderem blitzschnell &#8222;Die gro&#223;e Anti-Hans-Martin Gruppe gegr&#252;ndet&#8220;, das Gegenst&#252;ck bei Facebook hei&#223;t gar &#8222;Ich k&#246;nnte Hans-Martin pausenlos die Fresse polieren!!!!!!!!!&#8220;</p>
<blockquote><p>Ich bin fast 20 Jahre j&#252;nger als Stefan Raab. Ich bin sportlicher und geistig fit. Ich habe einen IQ von 143. Ich war mir sicher, dass ich ihm auf allen Gebieten &#252;berlegen bin.</p>
<p>(&#8211; <em>Hans-Martin</em>)</p></blockquote>
<p>Das Hans-Martin-Bashing bei Twitter gewann &#252;ber den Abend eine unglaubliche Dynamik, schaukelte sich immer mehr hoch. Dieser Post von @HofnarrFlorian traf es auf den Punkt: &#8222;Hans-Martin ist bei Twitter unbeliebter als Ursula von der Leyen&#8220;. Wer mit einem Computer vor dem Fernseher sa&#223;, f&#252;r den trat das Geschehen in der Glotze in den Hintergrund. Richtig unterhaltsam war es im Netz, wo alle paar Minuten neue Attacken auf Hans-Martin auftauchten. Sogar T-Shirts mit der Aufschrift &#8222;Deine Mudder hei&#223;t Hans-Martin&#8220; oder &#8222;I survived Hans-Martin&#8220; wurden blitzschnell entworfen und zum <a href="http://atomtigerzoo.spreadshirt.net/de/DE/Shop">Verkauf</a> angeboten.</p>
<blockquote><p>Ich wollte Stefan unterbuttern, so wie er das mit den Kandidaten gerne macht.</p>
<p>(&#8211; <em>Hans-Martin</em>)</p></blockquote>
<p>Am Ende der Sendung nahm Hans-Martin zwar 500.000 Euro mit &#8211; aber auch den Unmut aus nahezu ganz Deutschland. Mit seiner &#252;berheblichen Art brachte er den Gro&#223;teil des Publikums gegen sich auf &#8211; auch im Studio. Als Moderator Matthias Opdenh&#246;vel fragte, wer denn f&#252;r ihn ist, klatschten gerade einmal sein Bruder, seine Cousine und sein &#8211; &#228;h, Nachbar. F&#252;r Stefan Raab waren hingegen fast alle Anwesenden &#8211; ein sehr seltenes Bild! Beim Sieg wurde Hans-Martin sogar ausgebuht!</p>
<blockquote><p>Buh-Rufe pushen mich nur. Das nehme ich sportlich. Ich bin auch nicht hierhin gekommen, um neue Freunde zu gewinnen, sondern das Geld.</p>
<p>(&#8211; <em>Hans-Martin</em>)</p></blockquote>
<p>Es w&#228;re interessant zu wissen, wie <span style="text-decoration: line-through;">HassMartin</span> Hans-Martin nach der Show von seinem Freundeskreis empfangen wurde &#8211; und vor allem, wie er selber von den Zuschauer-Reaktionen erfahren hat. Vielleicht werden ihn seine Freunde von der Hochbegabtenf&#246;rderung Mensa wieder aufbauen. Oder vielleicht sogar er selber &#8211; er redet ja so gerne mit sich.</p>
<blockquote><p>Ich verliere ungern, heute besonders.</p>
<p>(&#8211; <em>Stefan Raab</em>)</p></blockquote>
<p>(via <a href="http://www.scherzinfarkt.net/2009/09/wenn-dich-ganz-twitter-deutschland-hasst/#more-808">Scherzinfarkt</a>, Zitate: Pro Sieben)</p>




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		<title>Gesunde!, Menschenverstand.</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Sep 2009 15:00:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frank Lachmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gerede]]></category>
		<category><![CDATA[Eisler]]></category>
		<category><![CDATA[Kant]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenverstand]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir leben, ohne uns daf&#252;r entschieden zu haben, so zu leben wie wir eben leben. Was wir Selbstbestimmung nennen, ist nur Egoismus: Dem gesunden Menschenverstand geht es nicht besonders toll.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der gesunde Menschenverstand ist uns angeboren, aber abhanden gekommen.</p>
<p>Mit &#8222;uns&#8220; meine ich nat&#252;rlich &#8222;euch&#8220; bzw. &#8222;Sie&#8220;, aus polemischen Gr&#252;nden muss ich aber dramatisieren und benutze dazu rhetorische Banalit&#228;ten, die die Bezeichnung Rabulistik noch nicht mal verdient haben &#8211; egal, das ist ein anderes Thema. Der gesunde Menschenverstand jedenfalls, dessen Verlust in der folgenden plattformulierten Schm&#228;hschrift kurz beklagt werden soll, ist nicht deckungsgleich mit &#8222;guter Erziehung&#8220; (erlernt bzw. anerzogen) oder &#8222;Instinkt&#8220; (umgangssprachlich Bauchgef&#252;hl), er ist vielmehr eine Stufe weiter oben angesiedelt in der Affekthierarchie: Er ist vielmehr das Gesp&#252;r <em>zur</em> subjektiv-rationalen Einsch&#228;tzung einer Lage. Er ist der Chef des Bauchgef&#252;hls.</p>
<p>&#8222;Aha, subjektiv!&#8220;, da tanzt der argumentative Hase mit dem Pfefferkorn, werden jetzt diejenigen schreien, die sich in den folgenden Abs&#228;tzen angegriffen f&#252;hlen: &#8222;subjektiv ist das Gegenteil von objektiv und ein Objektiv kann ich mir nicht leisten, &#228;tschb&#228;tsch&#8220;. Meinetwegen: Jede Quatschentscheidung kann nat&#252;rlich im Nachhinein als &#8222;subjektiv so beabsichtigt&#8220; bezeichnet werden (lies: &#8222;Ich wusste ganz genau, was ich tue, als ich diesen Monster-Burger in meinen Magen reingequetscht habe&#8220;, oder &#8222;Selbstverst&#228;ndlich weiss ich, dass der Stau sich nicht aufl&#246;st, nur weil ich wie bekloppt hupe, aber ich wollte es trotzdem tun&#8220;), aber dann halte ich gegen mit dem, was wir hoffentlich alle einmal als sogenanntwerdenwollenden &#8222;kategorischen Imperativ&#8220; kennengelernt haben und antworte &#8222;jetzt wartet doch erstmal ab, worauf ich hinaus will&#8220;. Subjektivit&#228;t n&#228;mlich muss ja nicht zwangsl&#228;ufig auf Egoismus bzw. Egozentrismus und Borniertheit hinauslaufen. Eine <em>individuelle</em> (aha!) Entscheidung zu treffen, die, und da kommt das Bauchgef&#252;hl wieder ins Spiel, die richtige f&#252;r einen selbst und das unmittelbar davon betroffene Umfeld sein k&#246;nnte, &#8211; das ist jener gesunde Menschenverstand, den ich vermisse. Der olle Haudegen Kant hat ja auch keinen generellen Objektivismus, kein allgemeing&#252;ltiges 10-Gebote-Programm, gemeint. Sondern eigentlich nur das Einschalten dessen, was einem durchschnittlich sozialisierten Menschen der Affekt und die F&#228;higkeit zur Beurteilung von Mitmenschen und Situationen sagen sollte. Also: subjektiv nicht im Sinne von &#8222;jeder macht seins&#8220;, sondern &#8222;jeder macht mal bittesch&#246;n, was sinnvoll erscheint&#8220;.</p>
<p>Denn: Da h&#246;rt man Politiker reden, &#252;ber Dinge, die sie nicht verstehen, aber eigentlich auch &#252;ber alles andere, und fragt sich permanent, wann <em>die</em> so geworden sind. Da sieht man Menschen rauchen, in den unm&#246;glichsten Situationen, aber eigentlich in allen, und fragt sich, ob diese unlogische und traurige Art, sich zur Wurst zu machen, diese von einer Mischung aus Tabaklobby-Werbungs-Lifestyle und k&#246;rperlicher Sucht verursachte <span style="color:#e03a3a;border-bottom: 1px dotted red;" title="Begriff erfunden von bzw. zitiert nach J&#252;rgen Kuttner, vermutlich">Stullizit&#228;t</span>, ob Rauchen also wirklich irgendein Mensch tun w&#252;rde, der mal dar&#252;ber nachdenkt, was er eigentlich gerade tut. Da trifft man Menschen im Stra&#223;enverkehr, die verkniffen und manisch miteinander umgehen, gerade so als w&#228;ren sie im Krieg miteinander oder als g&#228;be es irgendeinen Preis zu gewinnen. Da sieht man, wie sich Menschen ern&#228;hren &#8211; und damit meine ich nicht die armen Schweine, die sich nur Lidl leisten k&#246;nnen, sondern die Familien, die &#8222;sonntags essen gehen&#8220; und damit McDonald&#8217;s meinen. Da sieht man Menschen, die stolz darauf sind, Dinge nicht zu wissen (wohlgemerkt: es geht um das Damit-Angeben), und Menschen, die &#8211; generell &#8211; auf &#8222;ihrem Recht beharren&#8220;, in allen m&#246;glichen Situationen, nur &#8222;weil sie im Recht sind&#8220;. Und Menschen, die an Astrologie, Teleshopping, Religion, Hom&#246;opathie oder Uri Geller glauben, weil sie irgendwann einmal abtrainiert bekommen haben, darauf zu h&#246;ren, womit einen die innere Stimme in diesen Momenten geradezu anbr&#252;llt. Weil ihnen die F&#228;higkeit zur Beurteilung dieser Situationen abhanden gekommen zu sein scheint.</p>
<p>Kaum jemand befolgt mehr einen kleinen, pers&#246;nlichen, individuellen, meinetwegen sogar un(ter)bewussten Wertekanon f&#252;r und mit sich selbst. Ich glaube, das finde ich ein bisschen schade. F&#252;r diejenigen.</p>
<blockquote><p>&#8222;Gesunder Verstand&#8220; (&#8222;bon sens&#8220;) ist die nat&#252;rliche (schon ohne besondere Ausbildung wirksame) Auffassungs- und Beurteilungskraft, das normale, aber unmethodische, daher auch leicht fehlgehende Denken.</p>
<p>(&#8211; Rudolf Eisler, W&#246;rterbuch der philosophischen Begriffe, zit. nach <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gesunder_Menschenverstand">Wikipedia</a>)</p></blockquote>
<p>Ja, so ganz im Vertrauen: nicht einmal ich, der kleine Gro&#223;kotz hier, bin perfekt. Alle rauchenden, horoskoplesenden Politiker, im Stra&#223;enverkehr hupend auf dem Weg zu McDrive, d&#252;rfen jetzt aufh&#246;ren zu lesen und sich best&#228;tigt f&#252;hlen. Und die anderen Klugscheisser, die Selbstbestimmung mit Egoismus verwechseln, meinetwegen auch. Aber auch das meinte ich weiter oben mit der Subjektivit&#228;t: Wenn man wenigstens eine Entscheidung getroffen h&#228;tte, so zu leben, wie man lebt, in einem bestimmten Moment, mit einer Begr&#252;ndung (vor sich selbst), die &#252;ber Opportunismus oder Zickigkeit hinausgeht. Wenn man ein bisschen abgewogen h&#228;tte, oder wenn einem wenigstens noch bewusst w&#228;re, dass man ein Bauchgef&#252;hl besitzt. Wenn man vielleicht nicht direkt auf konservativ-kitschige &#8222;alte Tugenden&#8220; abf&#228;hrt, aber sich doch wenigstens manchmal &#252;berlegen w&#252;rde, ob sich <em>etwas schickt</em> oder nicht. Ob eine Sache <em>angebracht</em> ist oder nicht. Ob sie <em>gut tut</em>.</p>
<p>Der gesunde Menschenverstand, den ich vermisse, ist jedenfalls der, der dazu f&#252;hrt, dass man die grimmig guckende Verk&#228;uferin anl&#228;chelt. Oder ihren grimmigen Blick wenigstens ignoriert. Der gesunde Menschenverstand, den ich vermisse, ist der, der zu Relaxtheit f&#252;hrt. Der einen Dinge nicht tun (also: sein) l&#228;sst, die man &#8222;zwar d&#252;rfte&#8220;, aber der einen sp&#252;ren l&#228;sst, dass man eben auch nicht immer auf seinem Recht beharren muss. Der gesunde Menschenverstand ist der, der einen neue Erfahrungen machen l&#228;sst, der &#8222;das Bauchgef&#252;hl steuert&#8220;, der den Umgang mit anderen Leuten einfacher macht (und, in der Tat: dazu z&#228;hlt m&#246;glicherweise auch, potentielle Leser nicht als Klugscheisser zu beschimpfen). Der dazu f&#252;hrt, jemanden anzurufen, anstatt einen Beschwerdebrief zu schicken. Der einen nicht Geld ausgeben l&#228;sst f&#252;r Dinge, die wegen eines aufgestickten Logos dreimal soviel wie vorher kosten. Der einen immer mal wieder daran erinnert, dass das Leben an sich doch ziemlich einfach ist. Der gesunde Menschenverstand ist das, was einem die Welt auf einen Schlag ein bisschen <em>plausibler</em> vorkommen l&#228;sst. </p>
<p>(Und der gesunde Menschenverstand ist &#252;brigens auch der, der mir sagt, dass Kommentarfunktionen auf Websites nicht f&#252;r Texte wie diesen erfunden wurden.)</p>




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		<title>Hamburger Realit&#228;ten</title>
		<link>http://www.solokarpfen.de/gerede/1540-hamburger-realitaeten/</link>
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		<pubDate>Tue, 25 Aug 2009 12:34:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>André Krüger</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gerede]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>

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		<description><![CDATA[Hamburg ist auf den ersten Blick wundersch&#246;n: Alster, Elbe, Hafen, Michel, Fernsehturm, Schanze, St. Pauli und noch viel mehr. Aber eben nur auf den ersten Blick.  Ich habe mein halbes Leben in der  Hansestadt verbracht - m&#246;glicherweise ein paar Jahre zuviel.   ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In &#214;sterreich gibt es den Beruf des Realit&#228;tenvermittlers. Man geht in seine Sprechstunde und m&#246;glichst schonend vermittelt er einem die Realit&#228;t. Das ist zu sch&#246;n, um wahr zu sein. Tats&#228;chlich verkauft er einem nur marode Immobilien zu &#252;berh&#246;hten Preisen. Die Ern&#252;chterung bei einem genaueren Blick hinter die Fassade ist bei den von ihm vermittelten Immobilien oft genauso gro&#223; wie bei der Erkenntnis, dass es sich bei dieser wohlklingenden Berufsbezeichnung um nichts weiter als einen Haus- und Grundst&#252;cksmakler handelt.</p>
<p>Bei ganz genauer Betrachtung erkennt man, dass die Realit&#228;t ein Auge hat. Dort kann man hineinschauen. Dann sieht man Dinge, die man eigentlich gar nicht sehen wollte: z. B. dass der geliebte Mac auch nur ein Computer ist, dass der geliebte Mensch auch nur eine Frau ist, dass der teure Wodka mit dem Grashalm auch nur ein Kartoffelschnaps ist – oder dass das geliebte Hamburg auch nur eine Stadt ist.</p>
<p>Fast mein halbes Leben habe ich nun hier verbracht. Hamburg ist auf den ersten Blick sch&#246;n: Alster, Elbe, Hafen, Michel, Fernsehturm, Schanze, St. Pauli und noch viel mehr. Nur was soll ich da? Einmal genauer hinsehen, der Realit&#228;t in ihr matschiges Auge.</p>
<p>Wenn der Tourist von der Alster spricht, dann meint er nicht den Fluss, sondern den aufgestauten See mit kleinen Segelbooten und Schw&#228;nen sowie rundherum prachtvolle Villen. Doch der Eindruck tr&#252;gt. Im Grunde genommen, teilt die Alster die Stadt fast un&#252;berwindbar in zwei Teile. Will man vom Westen in den Osten, so muss man sie m&#252;hsam umfahren. Das richtige Leben spielt auf der Westseite; will man ans andere Ufer, muss man Strecken zur&#252;cklegen, die einen, obwohl man sich in einer Kleinstadt befindet, an Berlin erinnern lassen. Wenn es hei&#223; ist, dann beginnt das kaum in Bewegung befindliche Wasser in den Seitenarmen der Alster unangenehm zu stinken.</p>
<p><div id="attachment_1571" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><a href="http://www.flickr.com/photos/bosch_hh/3790551602/"><img src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/bosch-hh-250x125.jpg" alt="Irgendwo im Nirgendwo (Hamburg-Finkenwerder)" title="Bild: (cc) bosch_hh @ flickr.com" width="250" height="125" class="size-medium wp-image-1571" /></a><p class="wp-caption-text">Irgendwo im Nirgendwo (Hamburg-Finkenwerder)</p></div> Die Elbe ist schon etwas besser, immerhin f&#252;hrt sie heraus aus Hamburg in die gro&#223;e weite Welt. Spricht der Zugereiste vom &#8222;an der Elbe treffen&#8220;, so meint er jedoch meist die Strandperle. Die Strandperle ist nichts weiter als ein heruntergekommener Kiosk in der N&#228;he des  Museumshafens Oevelg&#246;nne. Will man hier ein Bier erwerben, ist dies meist nicht nur lauwarm, sondern man muss auch, nachdem man nach &#220;berwindung der langen Warteschlange schon fast dehydriert ist, so viel bezahlen wie woanders f&#252;r eine ganze Brauerei. Dicht an dicht sitzen an sonnigen Tagen die Elbbesucher rund um die Strandperle herum und zwischen sich vergraben sie ihre noch gl&#252;hende Grillkohle. Stets l&#228;uft man Gefahr, sich die F&#252;&#223;e zu verbrennen. Will man die Gegend um die Strandperle herum sicher passieren, so empfiehlt es sich, auf die Menschen zu treten. Sie haben es nicht besser verdient.</p>
<p>Der Hafen, das Tor zur Welt. Industrieromantik bis zum Umfallen, jedenfalls vor der Wirtschaftskrise. Heute findet Handel kaum noch statt. Container samt -schiffe rosten unbenutzt vor sich hin, weil keiner mehr giftige Spielwaren oder leicht entflammbare Textilien aus China importieren will und sich niemand mehr auf der Welt Meisterwerke deutscher Ingenieurskunst leisten kann. Der Hafen dient nur noch als Kulisse f&#252;r -rundfahrten. Eine Freundin aus dem Schw&#228;bischen bezeichnete ihn ganz treffend als &#8222;gro&#223;e Baustelle auf dem Wasser&#8220;. Damals wurde zwar noch gebaut, aber ich sch&#252;ttelte &#252;ber diese Kategorisierung den Kopf. Heute wei&#223; ich, dass sie Recht hatte.</p>
<p>Michel, Michel, wenn ich das schon h&#246;re. Busweise werden Touristen hierher gekarrt, um aus dem Fenster ihres Doppeldeckers einen Blick auf die Hauptkirche St. Michaelis zu erhaschen. Aber was gibt es schon zu sehen; ist das Geb&#228;ude doch zumeist mit Bauger&#252;sten umh&#252;llt, auf denen bevorzugt Betreiber von Atomkraftwerken f&#252;r die Bewahrung der Sch&#246;pfung werben. Zwar kann man mit einem Personenaufzug den Turm erklimmen, allerdings ist es oben so vergittert, dass man keine M&#246;glichkeit hat, sich auch herunterzust&#252;rzen. Bei Feierlichkeiten anl&#228;sslich von Staatsbegr&#228;bnissen allerdings macht die Kirche eine mehr als ordentliche Figur.</p>
<p>Telemichel, Telemichel, wenn ich das schon h&#246;re. Korrekt hei&#223;t der Hamburger Fernsehturm &#8222;Heinrich-Hertz-Turm&#8220;. Fr&#252;her gab es dort oben ein Café, in dem man k&#228;nnchenweise Kaffee trinken und dazu aufgesch&#228;umte Tortenst&#252;cke bestellen konnte, w&#228;hrend man dabei auf einer Plattform sitzend im Kreis gedreht wurde. Hier oben hatte man einen guten Ausblick auf die Stadt, aber das alles ist Geschichte. Der Turm ist l&#228;ngst nicht mehr f&#252;r die &#214;ffentlichkeit zug&#228;nglich und wird es wahrscheinlich auch nie wieder werden. Im Prinzip k&#246;nnte man ihn auch abrei&#223;en, vermutlich rottet er aber von innen vor sich hin und wird irgendwann von ganz allein umfallen.</p>
<p>Die Schanze war mal so etwas wie ein alternativer Stadtteil. Heute ist sie selbstverst&#228;ndlich in jedem Touristenf&#252;hrer zu finden. W&#228;hrend man auf dem verbreiterten B&#252;rgersteig portugiesischen Milchkaffee aus Gl&#228;sern trinkt (auch bekannt als Galão-Strich, offene Koffeinszene), genie&#223;t man den Blick auf das besetzte Kulturzentrum gegen&#252;ber. Dessen Besetzer z&#252;nden einmal im Jahr ein Sofa an und stellen es auf die Stra&#223;e. Dann kommen mindestens vier Wasserwerfer, l&#246;schen den Brand und werden daf&#252;r mit Steinen beworfen; unter Zuhilfenahme der &#252;briggebliebenen Steine werden die umliegenden Bankfilialen und Ladenketten entglast. W&#228;hrend alteingesessene Ladeninhaber die Mieten im Viertel nicht mehr bezahlen k&#246;nnen, haben sich hier bereits ein Adidas-Laden und McDonald‘s erfolgreich niedergelassen. Bald kommen H&#038;M und Starbucks. Der Stadtteil ist zu einem einzigen Konjunkturprogramm f&#252;r das Glaserhandwerk und Gentrifizierungsforscher verkommen.</p>
<p>St. Pauli lebt von seinem l&#228;ngst verblasstem Mythos, eine s&#252;ndige Meile zu sein. Seefahrer haben hier einst ihre Heuer versoffen und sich mit leichten Damen am&#252;siert. Im Zeitalter der Containerschiffe sind die Liegezeiten im Hafen allerdings so kurz geworden, dass die Seeleute keine Zeit mehr f&#252;r einen St.-Pauli-Aufenthalt hatten. Mit Blick auf den eingebrochenen Welthandel h&#228;tten sie diese zwar wieder, aber wohl kein Geld mehr f&#252;r millieutypische Vergn&#252;gungen. Heute darf man hier nicht einmal mehr Waffen und Glasflaschen bei sich tragen und an der Stelle, wo einst Astra gebraut wurde, findet sich ein zwanzigst&#246;ckiges Designhotel. Dar&#252;ber hinaus wird man in weiten Teilen St. Paulis auf Schritt und Tritt von Videokameras &#252;berwacht, die sich bei Gewalttaten schon mehrfach mutig zwischen Angreifer und Opfer geworfen haben sollen. Wer kein Geld f&#252;r einen Mallorcaflug hat, kann sich hier abends  Wochenende einer gepflegte Ballermannatmosph&#228;re hingeben und tut dies auch.</p>
<p>Und sonst so? Clubsterben, Richter-Schill-W&#228;hler und eine gr&#252;ne Partei, die vor der Wahl Kohlekraftwerke bek&#228;mpft, um sie nach der Wahl zu genehmigen sowie keine einzige lesbare Tageszeitung. Das einzige, was f&#252;r die Stadt spricht, ist das wunderbar schlechte Wetter, aber auch das entt&#228;uscht in diesen Tagen.</p>
<p>Ist das noch mein Hamburg, wie ich es lieben gelernt habe? In Hamburg h&#228;lt mich im Moment nichts &#8211; aber nach Berlin zieht mich auch nichts.</p>




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		<title>Sex mit der Chefin</title>
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		<pubDate>Thu, 20 Aug 2009 10:45:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kurt Molzer</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Sex]]></category>

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		<description><![CDATA[Flachlegen, ja - hochschlafen, niemals. Wenn M&#228;nner am Arbeitsplatz ein Techtelmechtel anfangen, riskieren sie leicht ihre Stellung. Acht goldene Regeln f&#252;r Sex im B&#252;ro.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bill Clinton, Expr&#228;sident der Vereinigten Staaten von Amerika, hat es der ganzen Welt vorgemacht. Er verwandelte sein B&#252;ro vom Oval Office ins Oral Office, um einer drallen Praktikantin namens Monica Lewinsky die ausgiebige Verkostung des pr&#228;sidialen Pimmels zu erm&#246;glichen. Ich gehe davon aus, dass er sie nachher penetrierte, denn wenn du als Mister President schon das Risiko eingehst, vor deiner rangniedrigsten Mitarbeiterin die Hosen runterzulassen, dann ziehst du die Nummer doch bittesch&#246;n konsequent bis zum Ende durch und nimmst das Luder auf deinem Schreibtisch, bis die Abraham-Lincoln-B&#252;ste zu Boden kracht.</p>
<p>Bill Clinton erhob Sex am Arbeitsplatz zum Kult. Ich f&#252;hlte mich durch die Lewinsky-Aff&#228;re endg&#252;ltig best&#228;tigt. Wir arbeiten immer mehr und immer l&#228;nger. Viele nehmen inzwischen Zweit- und Drittjobs an, um sich &#252;ber Wasser zu halten. Wo, wenn nicht am Arbeitsplatz, soll Sex &#252;berhaupt noch stattfinden? Sex am Arbeitsplatz ist au&#223;erdem das beste Rezept gegen Mobbing und Konkurrenzdruck. Was gibt es denn Sch&#246;neres, als dem verhassten Chef in seinem B&#252;ro gegen&#252;berzusitzen und still zu triumphieren: &#8222;Du kannst mich nicht mehr qu&#228;len, denn ich besorge es deiner Sekret&#228;rin, und zwar auf deinem Schreibtisch.&#8220;</p>
<p><a href="http://www.flickr.com/photos/bcaptured/3813407825/"><img src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/3813407825_d07acec8f9_o-250x166.jpg" alt="Bild: (c) Ailine Liefeld" title="Bild: (c) Ailine Liefeld" width="250" height="166" class="alignright size-medium wp-image-1406" /></a> Am Beginn des 21. Jahrhunderts gibt es keine Gr&#252;nde mehr, Sex am Arbeitsplatz abzulehnen. Als ich noch regelm&#228;&#223;ig in ein B&#252;ro ging – meine Allergien gegen Konferenzr&#228;ume, Faxger&#228;te, Vorgesetzte, Klarsichth&#252;llen und Na-wie-war-dein-Wochenende?-Dummgeschw&#228;tz im Allgemeinen sowie mein Ekel vor Darmwinden von Kollegen in d&#252;nnwandigen Gemeinschaftsschei&#223;h&#228;usern im Speziellen kamen Mitte der 90er-Jahre verst&#228;rkt zum Ausbruch und trugen mit dazu bei, dass ich bald aus dem t&#228;glichen Berufsleben ausschied –, als ich also noch regelm&#228;&#223;ig zur Arbeit ging, da war die Aussicht auf Kolleginnen-Beischlaf die einzige Motivation, mir den Weg dorthin &#252;berhaupt anzutun. Nur wenn ich genug Sex auf der eigenen Kostenstelle hatte, war ich brauchbar in meinem Job. Es ist eine Ironie des Schicksals, dass ich meine allerletzte Anstellung verlor, weil ich Sex am Arbeitsplatz ein einziges Mal verweigert hatte.</p>
<p>Das kam so: Eines Tages l&#228;utete in meinem B&#252;ro das Telefon. Ein interner Anruf, der Stellvertreter der Chefredakteurin war dran. &#8222;Ich muss mit dir reden&#8220;, sagte er, &#8222;heute Mittag beim Italiener.&#8220; Das hatte nichts Gutes zu bedeuten. Bei Pasta und einer Flasche Wei&#223;wein er&#246;ffnete er mir dann, ich m&#252;sse das Haus verlassen. Ich l&#228;chelte ihn an: &#8222;Gern, sag mir warum.&#8220; Seine Antwort fing so an: &#8222;Punkt eins: Du zeigst deiner Chefredakteurin zu deutlich, dass du sie nicht bumsen willst.&#8220; Ist das nicht herrlich?</p>
<p>Die Chefredakteurin war eine kleine, fette, blondierte Wachtel. Okay, ich hab zu der Zeit fast alles genagelt, was &#252;ber die Flure kam, aber bei der Frau hatte meine Nachsicht ein Ende. Weil es nat&#252;rlich kein K&#252;ndigungsgrund ist, wenn einer partout nicht in seine Chefredakteurin eindringen will, stellte ich Bedingungen f&#252;r meinen Abgang, dass sie mit den Ohren schlackerten. Sie gingen tats&#228;chlich darauf ein, und seitdem schreibe ich meine Storys nicht mehr in Redaktionsb&#252;ros, sondern in Kaffeeh&#228;usern und Stundenhotels, auf Waldlichtungen und Motoryachten. F&#252;r mich ist Sex am Arbeitsplatz also kein Thema mehr. Aber mein Erfahrungsschatz ist reich, und ich will nun ein paar wichtige Grundregeln aufstellen.</p>
<p><strong>Regel eins</strong></p>
<p>Lass dich nie mit einer h&#228;sslichen Kollegin erwischen! Es mag durchaus vorkommen, dass man ab und an auch zu Mangelware greift. Vielleicht ist man ausgepowert, versp&#252;rt keine Lust auf den gro&#223;en Aufriss oder hat bei der kleinen B&#252;rofeier einen zu viel gekippt. Da packst du dir beim Kopierer eben die n&#228;chstbeste Kr&#228;he – Augen zu und durch. V&#246;llig in Ordnung, solange du nie dabei erwischt wirst. Ich hatte mal einen Chefredakteur, der sich in seinem B&#252;ro auf die Klatschkolumnistin geworfen hatte. Mutter Natur meinte es nicht gut mit der Dame. Das Gesicht war herb bis m&#228;nnlich, ihre flachen Br&#252;ste bildeten einen bizarren Kontrast zu dem Riesenarsch. Die beiden wurden von der Putzfrau ertappt. Bald wusste es der ganze Verlag. Wir verloren jeglichen Respekt vor diesem Chefredakteur. Wenn du alles richtig machst und dich mit der Kr&#228;he nicht erwischen l&#228;sst, besteht nat&#252;rlich immer noch die Gefahr, dass sie prahlen will mit dir und es herumposaunt. Bleib souver&#228;n, sag einfach nur: &#8222;Seht sie euch an. Hab ich das n&#246;tig? Nicht mal mit der Zange…&#8220; Keiner wird der Kr&#228;he glauben. Man wird sie wegsperren in den hintersten K&#228;fig, und du wirst deine Ruhe haben vor ihr.</p>
<p><strong>Regel zwei</strong></p>
<p>Alle sollen wissen, dass du das sch&#228;rfste Babe der Firma flachgelegt hast! In diesem Fall hat der Spruch &#8222;Der Gentleman genie&#223;t und schweigt&#8220; keine G&#252;ltigkeit. Es ist wichtig, dass vor allem der restliche Weiberhaufen von der Babe-Erst&#252;rmung erf&#228;hrt. Sie werden das Babe dann nur noch mehr verdammen. Und sie werden tun, was sie tun m&#252;ssen, um ihr ramponiertes weibliches Ego wieder aufzurichten. Sie werden sich dir hingeben, eine nach der anderen. Um am Ende zu triumphieren: &#8222;Was die kann, k&#246;nnen wir auch.&#8220; Eine Kollegin ertr&#228;gt es in der Regel nicht, wenn du dich f&#252;r eine andere Kollegin interessierst. Es bringt sie fast um, und sie ist zu jedem Opfer bereit, das zu &#228;ndern. Dutzendmal erfahren.</p>
<p><strong>Regel drei</strong></p>
<p>Pack dir eine, die beim Kantinenessen richtig zulangt! Es macht keinen Sinn, eine Salatbl&#228;tter z&#228;hlende Modetussi anzubaggern. Wie sie isst, lustlos, so ist sie auch im Bett. Die hungrige L&#246;win musst du erlegen. Ein Vergleichstest sagt alles. Ich lernte beide Frauen in der Burda-Kantine kennen. Fangen wir mit Uta an: Praktikantin bei Elle. H&#252;bsch. Topfigur. Salatfetischistin. Nach einer Weihnachtsfeier im Verlag ging ich mit ihr in die Tiefgarage, um sie in meinem Wagen zu befriedigen. Sie machte w&#228;hrend der 15-min&#252;tigen Paarung die Beine nie breit genug (obwohl es eine S-Klasse war), und sie sagte zirka 20-mal Aua! Helga hingegen, eine Bildredakteurin, a&#223; wie ein M&#228;hdrescher. Wir arbeiteten einmal die halbe Nacht durch und bestellten uns Pizza. Nachdem sie den letzten Happen verdr&#252;ckt hatte, sagte sie: &#8222;Jetzt, mein s&#252;&#223;es Kurtilein, fress ich deinen Schwanz.&#8220; Wir verriegelten die T&#252;r, und sie bekam ihre Nachspeise.</p>
<p><strong>Regel vier</strong></p>
<p>Lass die neue Kollegin erst mal links liegen! Man kennt das: Eine neue, attraktive Kollegin stellt sich vor. Und was passiert? Die M&#228;nnermeute h&#228;ngt von der ersten Sekunde an hechelnd an ihrem Rockzipfel. Sie muss sich dann Spr&#252;che wie diesen anh&#246;ren: &#8222;Wenn du Lust hast, k&#246;nnen wir heute nach dem Essen ja irgendwo ne Latte trinken.&#8220; Lass sie ruhig ziehen mit den ganzen Latte-Trinkern, diesen sterbenslangweiligen, kinder-arsch-glatten K&#246;nigen der Mittagspause. Sie wird mit den Latte-Trinkern vorbeigehen an der Bar, in der du allein deinen Grappa trinkst. Sie wird dich sehen und sich denken, dass sie dich auch schon mal im B&#252;ro gesehen hat. &#8222;Wer ist dieser geheimnisvolle, d&#252;nne Sizilianer mit der gro&#223;en Nase? Warum gr&#252;&#223;t er mich kaum?&#8220;, dachte sich eine neue Kollegin, als sie mich mittags einsam an einem Tresen sah. Sp&#228;ter, als wir l&#228;ngst ein Verh&#228;ltnis hatten, erz&#228;hlte sie es mir. Pia f&#252;hlte sich verfolgt von den Latte-Trinkern. Aber sie lie&#223;en sie bald in Frieden, denn eines Tages sagte sie: &#8222;Ich trinke ab heute Grappa.&#8220;</p>
<p><strong>Regel f&#252;nf</strong></p>
<p><a href="http://www.flickr.com/photos/bcaptured/508422860/"><img src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/508422860_3f35dfc82c_o-250x188.jpg" alt="Bild: (c) Ailine Liefeld" title="Bild: (c) Ailine Liefeld" width="250" height="188" class="alignleft size-medium wp-image-1408" /></a> Schlaf dich als Mann nie hoch! Nat&#252;rlich kannst du deine Vorgesetzte v&#246;geln. Sie ist und bleibt ja schlie&#223;lich eine Frau, wie die Empfangsdame oder die Putze auch. Als ich j&#252;nger war, hatte ich drei Chefinnen. Einer hab ich’s besorgt, und es machte mir viel Spa&#223;. Sie war unbeliebt in der Redaktion, alle zitterten vor ihr. Aber irgendwann lag sie b&#228;uchlings in ihrem B&#252;ro vor mir auf dem Boden und flehte um Schl&#228;ge auf ihren Hintern. Na, ich hab mir das nicht zweimal sagen lassen und die Alte richtig verdroschen. Die schlimmsten Karrierefrauen sind die dem&#252;tigsten Bettgenossinnen. Als ich sie in der Missionarsstellung unter mir hatte, hauchte sie: &#8222;Sag, dass ich eine dreckige Schlampe bin, behandle mich schlecht.&#8220; – &#8222;Sei still, bl&#246;de Kuh, du sollst nur st&#246;hnen&#8220;, sagte ich darauf zu meiner Chefin. Und schon hatte sie einen gewaltigen Orgasmus. Sp&#228;ter wollte sie mich bef&#246;rdern, zur Belohnung quasi. Aber das lie&#223; ich nicht zu. Nie und nimmer d&#252;rfen M&#228;nner sich hochschlafen. Es br&#228;chte, wie soll ich sagen, die Weltordnung durcheinander.</p>
<p><strong>Regel sechs</strong></p>
<p>Erpresse eine Kollegin, von der du wei&#223;t, dass sie mit einem Kollegen schl&#228;ft, obwohl sie verheiratet ist! Ich hatte eine verheiratete Kollegin – gro&#223;, dicke Br&#252;ste, aber nicht h&#252;bsch, egal –, die sich regelm&#228;&#223;ig mit einem Herrn aus dem Vertrieb in einem sehr nahe gelegenen Hotel zum Mittagsquickie verabredete. Da ich nicht ihrem Geschmack entsprach und keine Chance bei ihr hatte, beim Sommerfest jedoch pl&#246;tzlich scharf auf ihre Titten wurde, griff ich zu einer au&#223;ergew&#246;hnlichen Taktik. Auf dem Weg zur Toilette fing ich sie ab: &#8222;Ich wei&#223;, was du tust in deinen Mittagspausen&#8220;, sagte ich. Sie wurde gleich ganz nerv&#246;s: &#8222;Was meinst du?&#8220; Ich beulte mit der Zunge meine Wange aus und klopfte mit der linken Handfl&#228;che gegen meine rechte Faust. Da lief sie rot an. &#8222;Don’t panic&#8220;, beruhigte ich sie, &#8222;von mir wird es niemand erfahren.&#8220; – &#8222;Kurt, ich wusste, du bist schwer okay&#8220;, atmete sie durch. &#8222;Alles hat seinen Preis&#8220;, machte ich weiter, und hatte meine Hand schon auf ihrem Vorbau. &#8222;H&#246;r bitte auf damit&#8220;, sagte sie, &#8222;es k&#246;nnte uns jemand sehen.&#8220; – &#8222;Dann komm mit ins Geb&#252;sch.&#8220; – &#8222;Was willst du von mir?&#8220; – &#8222;Nur deine Titten, aber richtig.&#8220; Sie kam mit. &#8222;Wenn du trotzdem was erz&#228;hlst, bring ich dich um&#8220;, warnte sie mich. Es war schon dunkel, und sie machte sich oben frei. Die entbl&#246;&#223;ten Dinger leuchteten wie zwei volle Monde. &#8222;Leg dich hin&#8220;, sagte ich. &#8222;Was soll das?&#8220; – &#8222;Ich hab gesagt, dass ich deine Titten richtig will, auf die spanische Art.&#8220; – &#8222;Du darfst sie aber nur anfassen.&#8220; Ich gab mich zufrieden damit, knetete und knutschte in starker Erregung – so lang, bis sie selbst ihren Spa&#223; hatte und der Spanischstunde doch noch zustimmte.</p>
<p><strong>Regel sieben</strong></p>
<p>Kn&#252;pfe keine feste Beziehung am Arbeitsplatz! Ich machte diesen Fehler. Eine Zeit lang arbeitete ich mit meiner Freundin T&#252;r an T&#252;r. Die Folge: Ich stand st&#228;ndig unter ihrer Beobachtung, Sex am Arbeitsplatz fand – au&#223;er mit ihr nat&#252;rlich, aber Beischlaf mit der eigenen Freundin wird erfahrungsgem&#228;&#223; sehr bald fad – nicht mehr statt. Trotzdem lie&#223; ich nichts unversucht, und S. bekam meine Ann&#228;herungsversuche mit. Sie wurde depressiv an meiner Seite, und als wir einmal gemeinsam von der Arbeit nach Hause fuhren – S. am Steuer ihres schwarzen Mini –, drohte sie, das arme kleine Auto mit vollem Karacho gegen das Siegestor zu fahren. Ich versprach ihr hoch und heilig, auf den letzten Metern vor einem m&#246;glichen Aufprall, dass ich nie wieder einer Kollegin in den Ausschnitt schauen werde. Wir &#252;berlebten. S. wurde, nachdem wir uns trennten, wieder eine gl&#252;ckliche Frau.</p>
<p><strong>Regel acht</strong></p>
<p>Schluss mit Standesd&#252;nkeln – ran an die Putzfrau! Die meisten Putzfrauen kommen aus Bosnien-Herzegowina, Serbien-Montenegro und der T&#252;rkei, und viele von ihnen sehen, man muss es leider sehr deutlich sagen, in der Kopftuch-Damenbart-Kittel-Kombi zum Davonrennen aus. In der Generation der nachkommenden weiblichen Reinigungskr&#228;fte wachsen aber pr&#228;chtige Ausnahmen heran: grell geschminkte Balkanprinzessinnen in engen Jeans und mit auf hellbraunen B&#228;uchen zusammengebundenen Woolworth-Blusen. Genau so eine fing in unserer Redaktion um sieben Uhr morgens mit ihrer Arbeit an. Manchmal, wenn Redaktionsschluss war, sa&#223; ich um diese Zeit immer noch am Schreibtisch. Ich verfolgte jeden ihrer Handgriffe mit gierigen Blicken. Es blieb dabei. Ich hatte nie eine Putzfrau aus der Redaktion. Ich bereue es zutiefst.</p>
<p><em>&#8222;Kurts Geschichten &#8211; Aus dem Leben eines grandiosen Frauenhelden&#8220; von <a href="http://www.ullsteinbuchverlage.de/ullsteintb/autor.php?id=7553&#038;page=buchaz&#038;sort=autor&#038;auswahl=A&#038;pagenum=1">Kurt Molzer</a> sind im <a href="http://www.ullsteinbuchverlage.de/ullsteintb/buch.php?id=8979&#038;page=suche&#038;auswahl=a&#038;pagenum=1&#038;page=buchaz">Ullstein-Verlag</a> erschienen.</em></p>




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		<title>Sie nennen es Urlaub</title>
		<link>http://www.solokarpfen.de/gerede/1377-nennen-urlaub/</link>
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		<pubDate>Mon, 17 Aug 2009 21:30:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Johannes Eber</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gerede]]></category>
		<category><![CDATA[Ostsee]]></category>
		<category><![CDATA[Urlaub]]></category>
		<category><![CDATA[Zingst]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich war im Urlaub an der Ostsee. In Zingst. Dort verbringen viele Menschen in meinem Alter die Ferien. Auch deshalb werde ich dort nie mehr hinfahren. ]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Mein Fazit kam mir in Form zweier Teenager entgegen. Ich war auf dem Weg zur Strandpromenade, als zwei M&#228;dchen vorbei liefen. &#8222;Zingst ist schei&#223;e&#8220;, sagte die eine zur anderen. Mehr habe ich von der Unterredung nicht mitbekommen. Aber wer schon mal in dem St&#228;dtchen an der Ostsee  weilte, dem f&#228;llt es nicht schwer, den Grund der auf SMS-L&#228;nge zusammengek&#252;rzten Urlaubsrezension zu erahnen. </p>
<p><div id="attachment_1387" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><a href="http://picasaweb.google.com/lh/photo/7Wtf3Xt7nlm0CTkf-SkuOw"><img src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/zingst1-250x125.jpg" alt="Zingst. Wo meine Laune baden ging." title="Bild: (cc) Mue @ picasa" width="250" height="125" class="size-medium wp-image-1387" /></a><p class="wp-caption-text">Zingst. Wo meine Laune baden ging.</p></div> Unter den Zingst-Touristen fehlt n&#228;mlich die Alterskohorte der Teenager. Hier sind noch jene pubertierenden Kinder, die im Restaurant schweigend neben ihren Eltern sitzen und Schnipo mit Ketchup essen. Sie fahren mit ihren Eltern in Urlaub, weil  es schon immer so war. Aber just in jenem Urlaub wird ihnen klar (so klar zumindest, wie einem in der Pubert&#228;t etwas klar werden kann), dass sich im n&#228;chsten Urlaub irgendwas &#228;ndern muss und dieses &#8222;irgendwas&#8220; vor allem darin zu bestehen hat, dass die Eltern nicht mehr dabei sein sollen. Erst wenn man mit dem ersten Freund oder der ersten Freundin in die gemeinsame Wohnung gezogen ist, &#8222;sie&#8220; vielleicht schon ans erste Kind denkt, erst dann l&#228;sst man sich wieder in Zingst blicken. Zwischen 15 und 25 ist in Zingst keiner. </p>
<p>Bis auf die beiden Teenager eben. Die den Absprung von den Eltern verpasst hatten. Die vermutlich auf der Strandpromenade nach Jungs in ihrem Alter Ausschau gehalten hatten. Die vielleicht Flyer gesucht hatten oder ein Plakat, das eine Party am Abend versprochen h&#228;tte. Sie werden nichts gefunden haben. Am Abend gibt es nur Tanzmusik mit &#8222;Willi Freibier&#8220; im &#8222;Blauen Peter&#8220;.</p>
<p>Zingst ist ein Traum. Das &#8222;staatlich anerkannte Seebad&#8220;, wie es auf dem Ortsschild hei&#223;t, liegt auf der gleichnamigen Halbinsel zwischen Rostock und Stralsund. Und weil die Halbinsel sehr schmal ist, hat Zingst am s&#252;dlichen Ende  nicht nur einen romantischen Hafen, von wo die Touristenschiffe fast im Stundentakt zu Bodden-Rundfahrten aufbrechen, sondern auch im  Norden eine Seebr&#252;cke, die  270 Meter weit in die Ostsee ragt. Rechts und links davon erstreckt sich kilometerweit wei&#223;er Sandstrand, von dem aus man abends zusehen kann, wie die feuerrote Sonne im Meer versinkt.</p>
<p>Aber: Mir gef&#228;llt Zingst nicht. Obwohl es dort an Menschen meines Alters nicht mangelt. Nein, gerade deshalb! Diese Menschen sehen alle gleich aus. Sie tragen Urlaubskleidung! Lieblingsfarbe: braun. Die haben sie kurz vor Reiseantritt gekauft, vorzugsweise im Doppelpack,  bei KiK (&#8220; .. &#8211; Der Textil-Diskont&#8220;). Die betuchteren haben sich  bei S.Oliver eingedeckt.  Vielleicht sind die gestreiften Oberteile, die Drei-Viertel-Hosen und die Ringelsocken aber auch vom letzten Jahr, oder dem Jahr davor. Die &#8222;Mode&#8220; hier ist in gewisser Weise zeitlos. </p>
<p>Mir gef&#228;llt nicht, dass hier alle in der Wir-Form reden. &#8222;Wir machen hier zwei Wochen Urlaub. Wissen sie, wir kommen aus Stuttgart. So eine lange Fahrt muss sich ja auch lohnen. Hihi. Und das Zimmer f&#252;r n&#228;chstes Jahr haben wir schon gebucht.&#8220;</p>
<p>Diese Wir-Menschen stehen am Abend am Strand und lecken Eis. Vanille-Eis vorzugsweise. Jeder eine Kugel. Und der Vater h&#228;lt in der anderen Hand  die Kamera. Und dann wird ein Foto gemacht. Damit diese sch&#246;nen Erlebnisse weitergetragen werden. Zur Verwandtschaft, zu den Freunden zu Hause. Und dann f&#228;llt dem Kleinen pl&#246;tzlich eine Eiskugel auf den Boden. Und das Geschrei ist gro&#223;. </p>
<p>Mir gef&#228;llt nicht, dass die Menschen hier in ihren Ferienwohnungen verschwinden, sobald es dunkel wird, obwohl es drau&#223;en noch warm ist. Weil die Kinder ins Bett m&#252;ssen. Und weil die Eltern froh sind, wenn die Kinder im Bett sind. Dann nehmen die Eltern noch ein Buch in die Hand und schlafen nach einer Seite ein. Und auch die Alten sind dann schon zu hause (bis auf jene, die im &#8222;Blauen Peter&#8220; schunkeln). Obwohl sie keine Kinder haben. Aber sie sind ja alt. Was soll man da drau&#223;en. Schlie&#223;lich hat jede Ferienwohnung einen Fernseher. </p>
<p>Mir gef&#228;llt es in Zingst nicht. Um genau zu sein, regt mich Zingst auf. Hier ist die  Unbek&#252;mmertheit Lethargie und der Wunsch nach Erholung ein Zwang. Vielleicht macht mir Zingst aber auch nur Angst, ein wenig zumindest. Angst vor dem Familienleben. Vor dem Alter. Zu werden, wie man nicht sein will: kindfixiert, sich-gehen-lassend, langweilig. Ich sollte in Zingst keinen Urlaub mehr verbringen. Sicherheitshalber.</p>




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		<title>Vier Minuten Hass, gleich nach der Werbung</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Aug 2009 19:40:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frank Lachmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gerede]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[Pessimusmus]]></category>
		<category><![CDATA[Weltekel]]></category>

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		<description><![CDATA[Samstags fernsehen macht -- offensichtlich -- schlechte Laune.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine alte Nerd-Weisheit lautet &#8222;Alles wird besser mit Bluetooth&#8220;, und befasst man sich nach l&#228;ngerer Rezipienten-Abwesenheit mal wieder mit dem deutschen Fernsehen, so kann man den Rest des Tages an nichts anderes mehr denken als &#8222;wenn es wenigstens USB h&#228;tte&#8220;. Das Fernsehprogramm an einem durchschnittlichen Wochenendnachmittag ist so grauenhaft intelligenzbeleidigend, dass einem der eigene &#8211; bereits im Kopf entstehende &#8211; Text dar&#252;ber schon wie ein einziges Klischee vorkommt (zumal sich Verrisse aller Art ja sowieso immer recht einfach schreiben lassen).</p>
<p>Nach nur einer Stunde Zapping durch &#8222;finanzierbare&#8220; (&#8222;Finanzierung&#8220;, &#252;brigens, ist neuerdings ein Synonym f&#252;r &#8222;abstottern&#8220;, wenn sich bitte ein Sprachforscher mal damit befassen k&#246;nnte?) Deko-Klunker zum &#8222;Modepreis des Tages&#8220; in einem der zahlreichen Resterampe-Verkaufssender; w&#228;hrend im Studio nebenan die Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft sowie ein paar weitere erfundene Zeitformen aus den Furzger&#228;uschen des Kabeltr&#228;gers gelesen werden (nur nennt man es bei Astro-TV nat&#252;rlich anders); derweil auf MTV und Viva (beim einen untertitelt, beim anderen &#8211; leider &#8211; nicht, denn deutsche M&#246;chtegern-Hip-Hopper sind nur einen Hauch besser verst&#228;ndlich als englischsprachige Nicht-Hip-hopper) eine 15-j&#228;hrige mit drei Boys (wer &#8222;Jungs&#8220; sagt, outet sich als jemand, der das Fernsehen noch zu Zeiten kannte, als Ilona Christen noch lebte) einen &#8222;Kuscheltest&#8220; macht und danach Bewertungspunkte abgibt; w&#228;hrend sich auf Eurosport der Sprecher der Leichtathletik-WM an Rechtfertigungen versucht, wieso &#8222;Gehen&#8220; als Sport noch immer im Fernsehen &#252;bertragen wird; wenn Kabel1 gef&#252;hlte 90 Prozent seiner Sendezeit mit Dokumentationen &#252;ber Familien bestreitet, die ohne Englischkenntnisse in die USA auswandern m&#246;chten, weil die Leute/Autos/Hamburger/Fernseher dort viel besser aussehen; und w&#228;hrend 90 Prozent der restlichen Sender mit Zoo-Casting-Verarschgewinnspielen (beziehungsweise Kombinationen daraus) offenbar nicht nur Umsatz, sondern Gewinn machen &#8230;</p>
<p>&#8230; hat man pl&#246;tzlich dieses Gef&#252;hl wie beim Lesen einer Ausgabe der &#8222;Bild&#8220;-Zeitung: n&#228;mlich, dass eine pl&#246;tzliche explosionsartige Aufl&#246;sung der Zeitung, respektive also jener Sender, rein gar nichts zur Volksgesundheit beitragen k&#246;nnte, denn es w&#228;chst ja sofort wieder einer nach (und wer nur drei Minuten &#8222;Alex&#8220;, wie der Offene Kanal Berlin mittlerweile hei&#223;t, &#252;ber sich ergehen l&#228;&#223;t, mu&#223; danach nicht mal mehr weiterschalten auf DSF, wo Ralf Richter mit Fiona Erdmann gegen zwei unbekannte Moderatoren im Kicker gewinnt &#8211; oder verliert, ganz egal), wo war ich? Genau: l&#246;scht man einen Sender aus der pers&#246;nlichen Kanalbelegung, rutscht ja der n&#228;chste Deppenverein direkt hinterher, und das Volk lechzt ja offenbar dann doch nach Wohnungseinrichtungs-Shows, nach von Kerner moderierten Panel-Koch-Verkaufs-Superstar-Shows, nach Brennpunkten und Frauke Ludowig, nach Fu&#223;ball und Titten und Formel 1 und F&#228;kalwitzen, nach Fips Asmussen und Mario Barth. Es nimmt kein Ende, es gibt kein Entkommen.</p>
<p>Nat&#252;rlich: die Gutmenschen-Ausreden arte, 3sat und Phoenix existieren, Alexander &#8222;dctp&#8220; Kluge als letzter meuternder mit einem Bounty auf RTL und Sat1, und manchmal zeigt auch der RBB nachts um halb zwei eine Filmperle in deutscher Synchronisation, falschem Bildformat, mit Senderlogo im Bild und zuerst beschleunigtem, dann ganz gekapptem Abspann. Aber: das bringt ja doch alles nichts. Das Volk verdummt, weil es verdummen m&#246;chte, und es m&#246;chte weiter verdummen, weil es verdummend angesprochen wird. Die Schweigespirale ist eine br&#252;llend laute, und die kommunikative Augenh&#246;he sinkt stetig stiefer, aus Angst vor &#220;berforderung. Auf beiden Seiten der Kommunikationspartner. Parallelen zur deutschen Politik, &#252;brigens, sind so offensichtlich, dass sie jemand anders herausarbeiten darf, wenn er m&#246;chte.</p>
<p>Worauf also wollte ich noch gleich hinaus? Ach ja: umschalten hilft nur bedingt und die Volksseele leidet so oder so. Genau genommen hilft nur abschalten, und noch genauer genommen nicht einmal das, sondern h&#246;chstens (also: mindestens) das Aus-dem-Fenster-Werfen der &#8222;Glotze&#8220;, die Entsorgung des Problems als ritueller Akt. Irgendwer muss ja mal anfangen mit dem Zeichensetzen. Das wird RTL2 zwar nicht beeindrucken, aber der R&#252;cken wird ein gutes St&#252;ck gerader und der Blick ein l&#228;chelnderer, wenn man danach in den Spiegel sieht. Versprochen.</p>




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		<title>Die Kreuzigung des Fleisches</title>
		<link>http://www.solokarpfen.de/gerede/1251-kreuzigung-fleisches/</link>
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		<pubDate>Wed, 12 Aug 2009 18:55:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Kurt Molzer</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gerede]]></category>
		<category><![CDATA[Autos]]></category>
		<category><![CDATA[GQ]]></category>
		<category><![CDATA[Penthouse]]></category>
		<category><![CDATA[Sex]]></category>
		<category><![CDATA[Urlaub]]></category>

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		<description><![CDATA[Als Chefredakteur des "Penthouse" und "GQ"-Kolumnist hatte ich einst nur zwei Dinge im Kopf: Sex und schnelle Autos. Vier Wochen Enthaltsamkeit sollten mir den inneren Frieden wiederbringen. Ein Protokoll.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Erster Tag<br />
Gestern noch ergiebig und nach allen Regeln der Kunst das Liebesspiel betrieben &#8211; auf Vorrat sozusagen. Wo und auf Kosten welcher Frau, das tut ausnahmsweise nichts zur Sache. Tag eins verl&#228;uft total entspannt. Ich h&#246;re Johann Strau&#223; und lese ein Buch &#252;ber die Kurtisanen Roms im 16. Jahrhundert: &#8222;T&#246;chter der Venus&#8220;.</p>
<p>2. Tag<br />
Besichtige einen Gutshof bei Salzburg; m&#246;chte das Anwesen zur Miete bewohnen, obwohl ich bettelarm bin. Die Immobilienmaklerin erinnert mich an ungarisches Kesselgulasch: &#252;ppiges Fleisch, Haare wie Paprikagew&#252;rzpulver. Aber welcher Mann will schon in einen Kessel Gulasch steigen?</p>
<p>3. Tag<br />
Unternehme eine Bergwanderung, die mich &#252;ber den gr&#252;n glitzernden Fuschlsee f&#252;hrt. Setze mich auf einer Alm neben drei K&#252;he und denke mir: &#8222;Eigentlich seid ihr sch&#246;ner als die Weiber in der Gegend.&#8220; Bilde mir ein, frei zu sein von Gedanken an jedwede Form der Liebe. Bin gl&#252;cklich.</p>
<p>4. Tag<br />
Erwache mit der &#252;blichen Morgenlatte. Das tun die meisten M&#228;nner, es kommt von der vollen Blase und der Tr&#228;umerei und hat nichts mit dem Bed&#252;rfnis nach Sexualit&#228;t zu tun. Aber irgendwas stimmt nicht mehr: versp&#252;re neben der gewohnten Spannung ein deutliches Kribbeln im Lendenbereich.</p>
<p>5. Tag<br />
Flug LH 448 von Frankfurt nach Phoenix, Arizona. Bin in meiner Eigenschaft als Motorjournalist auf dem Weg zu Testfahrten von General Motors. An Bord befindet sich keine einzige brauchbare Stewardess. Das Kribbeln geht trotzdem nicht mehr weg.</p>
<p>6. Tag<br />
Phoenix, Sanctuary-Hotel. Auf meiner Terrasse hat es 44 Grad. Die junge indianische Zimmerkellnerin h&#228;lt mein Sandwich in der Hand und fragt, wo ich es essen m&#246;chte. &#8222;Von deinem K&#246;rper, Nschotschi&#8220;, denk ich mir. Der sechste Tag ohne Sex zeigt seine Wirkung. Ich stelle mir die H&#228;uptlingstochter im knappen Wildledermini und mit gefesselten H&#228;nden am Marterpfahl vor. Dann sage ich: &#8222;Die Hitze macht mich ganz durstig, bring dem Bleichgesicht bitte was zu trinken. Am besten einen Becher Rum, Myers oder Bacardi.&#8220; Rum sei nicht gut, wenn es so hei&#223; sei, sagt sie mit besorgter Miene. Ich bestehe darauf. Der Pirat Long John Silver habe auch immer nur Rum getrunken, sage ich ihr. Ich bestelle Nschotschi an diesem Tag unter irgendwelchen Vorw&#228;nden noch dreimal in mein Zimmer.</p>
<p>7. Tag<br />
Wann hatte ich zuletzt sechs Tage und sechs N&#228;chte ohne eine einzige sexuelle Handlung durchgemacht? Das muss in der Krabbelgruppe gewesen sein. Im Kindergarten fing ich damit an, den M&#228;dchen Schokolade oder winzige Geldbetr&#228;ge zu versprechen, wenn ich daf&#252;r meinen Kopf unter ihre Kleider stecken durfte. Lerne am Abend in der Hotelbar eine kalifornische Weinh&#228;ndlerin kennen. Sie ist Mitte 30, tr&#228;gt einen weit aufgekn&#246;pften Jeansrock und steckt mir ihre gebr&#228;unten Schenkel entgegen. &#8222;Gute Nacht, Mom, ich bin nun schon sehr m&#252;de&#8220;, verabschiede ich mich sp&#228;ter. Ich kann selbst nicht glauben, was ich da sagte. Zum ersten Mal &#252;berhaupt lasse ich eine Frau allein an der Bar zur&#252;ck. Kann nicht mehr wie sonst auf dem Bauch einschlafen; w&#252;rde sonst anstatt der Weinh&#228;ndlerin die Matratze knallen.</p>
<p>8. Tag<br />
Abendessen mit Bob Bondurant und seiner Frau. Der Ami fuhr Mitte der 60er Jahre neun Rennen in der Formel 1. Man sagt, er sei so langsam gewesen, dass die M&#252;cken an seinem Helm hinten geklebt seien. Heute betreibt er in der N&#228;he von Phoenix die School of High Performance Driving. Neben mir sitzt Miss Bondurant. Am Nachmittag hatte ich sie mit einem kolossalen Crash in einem Go-Cart-Rennen beeindruckt. Ich blutete am Arm wie K&#246;nig Argamemnon im Kampf um Troja &#8211; aber alles, wonach ich verlangte, war ein Ersatzcart, mit dem ich die Jagd auf die Spitze wieder aufnehmen wollte. &#8222;You are such a crazy guy, K&#246;rt&#8220;, sagt sie bei der Vorspeise. Das reicht, ich krieg ein hartes Glied. Miss Bondurant ist Anfang 60, es steht nicht gut um mich.</p>
<p><a href="http://www.ullsteinbuchverlage.de/ullsteintb/buch.php?id=8979&amp;page=suche&amp;auswahl=a&amp;pagenum=1&amp;page=buchaz"></a><a href="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/molzer2.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-1319" title="Bild: (c) Ullstein-Verlag" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/molzer2.jpg" alt="Bild: (c) Ullstein-Verlag" width="250" height="379" /></a> 9. Tag<br />
Fliege von Phoenix nach Indianapolis zum Indy 500, wo allj&#228;hrlich die weltweit gr&#246;&#223;te Versammlung von Boxenludern stattfindet. Am Abend vor dem Rennen kommt in der Lotus-Bar eine Frau mit langen, schwarzen Haaren auf mich zu: &#8222;You are so beautiful, are you from Italy?&#8220; Solchen Frauen sage ich unter normalen Umst&#228;nden jedes Mal: &#8222;Si, bella, von wo du m&#246;chtest: Milano, Roma, Firenze, Napoli &#8230;&#8220; Jetzt sage ich nur: &#8222;Nein, ich bin Exjugoslawe.&#8220; Das m&#252;sste sie eigentlich total abt&#246;rnen, aber sie l&#228;sst nicht locker: &#8222;Are you a racer?&#8220; &#8211; &#8222;No, I’m just Slobodan, arbeitslos&#8220;, sage ich achselzuckend. Dieses Biest gibt nicht auf. Sie kommt mir so nah, dass ich ihre Br&#252;ste sp&#252;re. Ich entschuldige mich und gehe aufs Klo. Eigentlich m&#252;sste ich jetzt einen Handstand machen, um mit der Erektion vern&#252;nftig urinieren zu k&#246;nnen. Ich steh also da wie ein Idiot und warte, bis die Schwellung zur&#252;ckgeht. Dabei sage ich mir leise vor: &#8222;Du darfst sie nicht bumsen, du darfst sie nicht bumsen &#8230;&#8220; Im Gew&#252;hl schleiche ich mich dann unbemerkt an ihr vorbei, zahle am anderen Ende der Bar und verschwinde.</p>
<p>10. Tag<br />
Auf dem riesigen Parkplatz von dem Indy-Speedway parken tausende von Wohnmobilien. Vor einem ist ein Bettlaken aufgespannt, auf dem steht in gro&#223;en Lettern: &#8222;I show my tits for a Bud. Now it’s your turn&#8220;. Selbst wenn ich eine Flasche Budweiser dabei h&#228;tte &#8211; ich k&#246;nnte es nicht tun. Ich wei&#223; nicht, was ich mit der Dame in dem Wohnmobil anstellen w&#252;rde, wom&#246;glich sogar gegen ihren Willen. In den Boxen sehe ich drei Extremluder. Ich lasse mich mit ihnen fotografieren und kralle mich in ihren H&#252;ften fest. Es gelingt mir aber nicht, wirklich entspannt dabei auszusehen.</p>
<p>11. Tag<br />
Irgendwo im Norden von Indiana. Ich fahre mit einem Chevrolet SSR durch die Gegen. Komplett irres Ding, der erste Pick-up-Roadster der Welt. So was erregt Aufmerksamkeit &#8211; auch bei einem weiblichen Officer. Ich bin nat&#252;rlich zu schnell. &#8222;This is not the Autobahn, Sir!&#8220;, ermahnt sie mich, nachdem sie meinen deutschen F&#252;hrerschein gesehen hat. Ich verliebe mich auf der Stelle in den Officer. Sie erwidert aber meine Gef&#252;hle nicht, sondern hat nur Augen f&#252;r den Mann auf dem Nebensitz: meinen Kumpel Christof, PR-Manager von General Motors Europa.</p>
<p>12. Tag<br />
Fliege &#252;ber Detroit zur&#252;ck nach Europa. Nix mit easy going in der Boeing. Wache schwei&#223;gebadet aus einem Traum auf. In meinem Kopf hallt es noch: &#8222;Oh yeah, baby, come on, fuck me, fuck me harder!&#8220; Ich hab bei einer Orgie mit US-Beauties mitgemacht. Der Notstand hat sich bereits tief im Unterbewusstsein festgesetzt.</p>
<p>13. Tag<br />
Fahre nach Wien zu meinen Br&#252;dern, um auf andere Gedanken zu kommen. Fehlentscheidung: Jochen und Thomas haben nichts wie Weiber im Sch&#228;del. Sie sagen mir, dass mein Experiment der gr&#246;&#223;te Bl&#246;dsinn sei, und fragen: &#8222;Kurt, bitte, was ist geil dran, vier Wochen nicht zu v&#246;geln?&#8220; Sie stellen mich in allen m&#246;glichen Bars absichtlich den nuttigsten Frauen der Stadt vor. Ich falle auf ihre Taktik nicht herein und bleibe hart, im Wortsinn. Trinke aber heftig, um mein Elend zu vergessen.</p>
<p>14. Tag<br />
Leide wegen der Sauftour jetzt zus&#228;tzlich an den Symptomen der postalkoholischen Geilheit: Das ganze Becken f&#252;hlt sich an wie ein erigierter Riesenschwanz.</p>
<p>15. Tag<br />
Fahre mit dem Zug nach M&#252;nchen. Im Speisewagen frisst mich eine Frau mit ihren Blicken auf, obwohl ihr Typ mit am Tisch sitzt. Frauen sind so schlecht. Die Erkenntnis macht meine Lage nicht einfacher.</p>
<p>16. Tag<br />
Andrea tritt wieder in mein Leben. Wir hatten eine Aff&#228;re und ein Jahr nichts mehr voneinander geh&#246;rt. Sie schreibt mir eine E-Mail: &#8222;Hallo, Herr Kurt, w&#252;rde dich gern wieder sehen &#8211; was trinken, nett plaudern.&#8220; Ja, klar, trinken, plaudern &#8211; sie will ins Bett mit mir. Wir gehen in eine Cocktailbar. Andrea tr&#228;gt einen geschlitzten Rock. Ich sage ihr, dass sie sich anders hinsetzen solle, weil ich sonst verr&#252;ckt w&#252;rde. Dann erz&#228;hle ich ihr von meinem Experiment. Sie s&#228;uselt: &#8222;Das h&#228;ltst du nie durch. Au&#223;erdem w&#252;rde ich dich so gerne sp&#252;ren.&#8220; &#8211; &#8222;Du darfst mich nur k&#252;ssen&#8220;, lasse ich mich auf einen Kuhhandel ein. Ich begleite Andrea nach Hause. Im Treppenhaus will sie den kleinen Molzer aus seiner Isolation befreien. &#8222;H&#228;nde weg!&#8220;, befehle ich. Ich &#252;bernachte bei einem Kumpel. Es ist zum Heulen.</p>
<p>17. Tag<br />
Reise zu BMW-Testfahrten nach Sardinien. Sitze im Flieger neben Radio-Charivari-Moderator Oliver Luxenburger. Er zeigt mir auf seinem Communicator ein paar Aktfotos, die er in der Freizeit von blutjungen Sch&#246;nheiten geschossen hat. Obwohl es meinen Zustand verschlimmert, will ich sie alle sehen. BMW hat Nadja Auermann f&#252;r Fotoaufnahmen und Interviews eingeflogen. Ich finde sie umwerfend, aber die einzige Frage, die mir einfiele, w&#228;re: &#8222;Frau Auermann, w&#252;rde es Ihnen etwa ausmachen, sofort mit mir zu schlafen &#8211; und zwar heftig?&#8220;</p>
<p>18. Tag<br />
&#220;bernachte auf dem Heimweg von Sardinien im Designhotel Es in Rom. Das Geb&#228;ude besteht nur aus Glas, man kann fast jedes Zimmer einsehen. Und was muss ich sehen? Ein kopulierendes Paar. Sie presst ihre Unterschenkel gegen seinen affenartig behaarten Hintern. Ich w&#252;nsche dem Typen, dass er seine Erektion nicht halten kann und sie frustriert einschlafen muss. Aber erh&#228;lt sie verdammt lange &#8211; und ich halte das bestimmt nicht mehr l&#228;nger aus.</p>
<p>19. Tag<br />
Es ist jetzt ganz schlimm. Ich darf meine H&#228;nde nicht mehr in die Hosentaschen stecken &#8211; sonst: gigantischer Orgasmus. Andrea mailt wieder: &#8222;Hallo , Herr Kurt, hast du Lust, zu mir zu kommen? Ich k&#246;nnte uns was kochen.&#8220; Ich stelle mich tot.</p>
<p>20. Tag<br />
Zwei Testautos stehen vor meine T&#252;r: ein silberner Lotus Elise und ein hellblauer Lamborghini Murcièlago. Schnelles Autofahren ist immer noch die beste Ersatzhandlung f&#252;r Sex; die aufgestauten Hormone werden in Speed umgewandelt. Man bremst sp&#228;ter und ist fr&#252;her wieder am Gas. Zw&#228;nge mich in den winzigen Engl&#228;nder und f&#252;hle mich befreit wie schon lange nicht mehr.</p>
<p>21. Tag<br />
Heute ist der Lambo dran. In der M&#252;nchner Innenstadt stolpern die Schickeria-Miezen beim Anblick des Murcièlago &#252;ber ihre eigenen High Heels. Ich wei&#223;, was sie denken: NIMM. MICH. MIT. Ich m&#252;sste nur die rechte Fl&#252;gelt&#252;r hochklappen und k&#246;nnte am n&#228;chsten Parkplatz &#8230; Ich tu es nicht, der Leidensdruck kann noch erh&#246;ht werden.</p>
<p>22. Tag<br />
Bin mittags im Swingerclub. Setze mich an die Bar und h&#246;re mehrere Frauen st&#246;hnen. Wird wohl die h&#228;rteste Pr&#252;fung. Ich folge dem Gest&#246;hne, lande in einem Séparée. Noch sechs Tage Askese? Ich packe mir irgendwas und sto&#223;e zu wie ein Pornok&#246;nig. Ich bin doch nicht bl&#246;d.</p>
<p><em>&#8222;Kurts Geschichten &#8211; Aus dem Leben eines grandiosen Frauenhelden&#8220; von <a href="http://www.ullsteinbuchverlage.de/ullsteintb/autor.php?id=7553&amp;page=buchaz&amp;sort=autor&amp;auswahl=A&amp;pagenum=1">Kurt Molzer</a> sind im <a href="http://www.ullsteinbuchverlage.de/ullsteintb/buch.php?id=8979&amp;page=suche&amp;auswahl=a&amp;pagenum=1&amp;page=buchaz">Ullstein-Verlag</a> erschienen.</em></p>




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		<title>Sternstunden der Gelassenheit</title>
		<link>http://www.solokarpfen.de/gerede/1205-sternstunden-gelassenheit/</link>
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		<pubDate>Fri, 07 Aug 2009 15:56:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ulrike Thiele</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gerede]]></category>
		<category><![CDATA[Großstadt]]></category>
		<category><![CDATA[Provinz]]></category>

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		<description><![CDATA[Wie weit d&#252;rfen provinzielle Br&#228;uche und Kulturen unsere Berliner Stra&#223;en einnehmen, bevor sie sie &#252;berschwemmen und die sch&#246;ne &#220;berdreimillionenmetropole vergiften? Will man denn wirklich seinen Asphalt mit Leuten teilen, die laut zu David Hasselhoff mitsingen?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Kollege hat unl&#228;ngst einen Kampf der Kulturen in der Hauptstadt ausgemacht. Als er gepflegt ein feierabendliches Herrengedeck zu sich nehmen wollte und sich zu diesem Zweck in die Kastanienallee begab, wurde sein entspanntes Leutebeobachten j&#228;h von einem L&#228;rm unterbrochen, der seine hauptstadterprobten Ohren schockgefrieren lie&#223;: kreischende Provinzlerinnen feierten ihren Junggesellinnenabschied – und das mitten auf der Castingallee, mitten in Berlin, dem Laufsteg f&#252;r gro&#223;st&#228;dtisch gewordene <a href="http://www.provinzkind.de">Provinzperlen</a>.</p>
<p>Mit ger&#252;mpfter Nase und in Kraus gezogener Stirn erz&#228;hlte er mir angewidert von dieser Begegnung der anderen Art, ungef&#228;hr mit diesen Worten: &#8222;Will man denn wirklich seinen Asphalt mit Leuten teilen, die laut zu David Hasselhoff mitsingen?&#8220; Gleich daraufhin entschuldigte er sich f&#252;r seine Intoleranz und gro&#223;st&#228;dtische Arroganz. Er stand ganz offensichtlich vor einem Dilemma: wie gelassen darf man bleiben im Kampf der Kulturen, Provinz gegen Gro&#223;stadt? Wie weit d&#252;rfen provinzielle Br&#228;uche und Kulturen unsere Stra&#223;en einnehmen, bevor sie sie &#252;berschwemmen und unsere sch&#246;ne &#220;berdreimillionenmetropole mit David Hasselhoff und Katy Perry vergiften? Ich meine, hat es mit dem R&#246;mischen Reich nicht auch irgendwann mal so angefangen?</p>
<p>Dann wiederum gibt es in Berlin auch Ecken, an denen man hundertprozentig nie kreischende Provinzlerinnen beim Jungesellinnenabschied beobachten wird. Alt-Moabit zum Beispiel. Dort neulich beim Eis mit einer Freundin gesessen und das getan, was in Berlin am allerbesten geht: Leute beobachten. Eine alte Dame sitzt am Nebentisch, redet mit ihrem Hund und gibt ihm ihr stilles Mineralwasser aus der Hand zu trinken. Zwei Kinder werden zum Eiskaufen f&#252;r die gesamte t&#252;rkische Gro&#223;familie geschickt, die dicht gedr&#228;ngt auf einem dunklen Balkon im Erdgeschoss sitzt und den lauen 30-Grad-Celsius-Sommerabend genie&#223;t. Die Kinder laufen dreimal zwischen Eisladen und Balkon hin und her, bis endlich hellblaue Schlumpfeise an alle Familienangeh&#246;rigen verteilt sind. Ein J&#252;ngling mit zur&#252;ck gegeltem Haar und einem wei&#223;en Hemd schleicht unruhig vor dem Laden hin und her, so lange bis ein M&#228;dchen in einem fr&#246;hlichen bunten Kleid aus dem U-Bahn-Schacht steigt und ihn von seiner Warterei erl&#246;st.</p>
<p>Rein modisch sind die Unterschiede zwischen Castingallee und Turmstra&#223;e eklatant. In Mitte tr&#228;gt man R&#246;hrenjeans und American Apparel, in Moabit tr&#228;gt man Socken in Sandalen und Kik. Frisuren h&#228;lt man in Moabit f&#252;r &#252;berbewertet, die sozialen Kontakte in der Eckkneipe dagegen f&#252;r lebenswichtig. Kreischende Provinzlerinnen h&#228;tten hier gar keine Chance, Aufsehen zu erregen, denn vermutlich w&#252;rde man sie mit genau derselben gleichg&#252;ltigen Miene betrachten, wie alle anderen Merkw&#252;rdigkeiten in dieser Stadt.</p>
<p>Und das ist dann eigentlich wirklich cooles, gro&#223;st&#228;dtisches Verhalten. Kurz mit dem Kopf sch&#252;tteln, ein schnelles &#8222;die sind doch hier alle bekloppt&#8220; in sich rein nuscheln, einen gro&#223;en Schluck Berliner Pilsner zu sich nehmen, dann zur&#252;ck in Lethargie verfallen und Sommer, Herbst, Winter und Fr&#252;hling weiter an sich vorbei ziehen lassen. Mitte-Berliner k&#246;nnen hier in Moabit noch viel lernen.</p>




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		<title>Der hochgeklappte Polokragen</title>
		<link>http://www.solokarpfen.de/gerede/1179-hochgeklappte-polokragen/</link>
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		<pubDate>Thu, 06 Aug 2009 12:06:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frauke Sorbig</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gerede]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin-Mitte]]></category>
		<category><![CDATA[Lexikon]]></category>
		<category><![CDATA[Mode]]></category>
		<category><![CDATA[Stil]]></category>

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		<description><![CDATA[Zwischen dem angelegten und dem aufgestellten Kragen eines Polohemds bestehen nicht nur wenige Zentimeter H&#246;henunterschied, sondern mehrere Lichtjahre im Selbstdarstellungs-Universum. Eine kurze (Er-)L&#228;uterung.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In einer hyper&#228;sthetischen und hyper&#228;sthetisierenden Gesellschaft begegnet uns das Ph&#228;nomen des hochgeklappten Polokragens &#252;berall. Wenn nicht im Bekanntenkreis, so sicher im Alltag. Je tiefpreisiger das feinmaschige Piqué-Shirt, desto lieber wird der hochgeklappte Polokragen zur Schau gestellt. Dennoch, der hochgeklappte Polokragen ist in allen Gesellschaftsschichten gleicherma&#223;en zu finden. Der hochgeklappte Polokragen ist die freshe, stylische M&#246;glichkeit fernab der b&#252;rgerlichen Bekleidungskonvention zu zeigen, dass man gleicherma&#223;en der Wirtschaftsberatung als auch des Biersorten- und Sportwagenmarktes kundig ist. Das bedeutet nicht zwingend, dies sei der Lebensinhalt des Tr&#228;gers &#8211; die Grenze zwischen Sein und Schein verl&#228;uft hier in gro&#223;en Querbalken &#252;ber das luftig-sommerliche St&#246;ffchen. Meist wird der Kragen nur zu bestimmten Anl&#228;ssen hochgeklappt, n&#228;mlich in der <em>Freizeit</em>. Mit diesem freshen, stylischen Look signalisiert der Tr&#228;ger: &#8222;Ich bin auf der Suche nach Zerstreuung. Und ich wei&#223;, wo ich sie finde.&#8220;</p>
<p>W&#228;hrend das Poloshirt einst in elit&#228;ren Kreisen englischer Sportverb&#228;nde als sogenannter <em>Dresscode</em> eingef&#252;hrt wurde, katapultiert es der Tr&#228;ger des hochgeklappten Polokragens bis nach unten in die Welt der Gro&#223;kaufh&#228;user. Auch hier bewegt sich jener ebenso sportlich und schnittig wie ein Jockey auf seinem sehnigen Pferde durch das Spielfeld &#8211; in diesem Fall die Fachabteilung f&#252;r Herrenbekleidung, meist auf der Suche nach freshen und stylischen Accessoires um den hochgeklappten Polokragen sinnvoll zu erg&#228;nzen. Verspiegelte, goldgerahmte Sonnenbrillen. Jeans in heller Waschung, dazu ein passender Lederg&#252;rtel. Und nat&#252;rlich auch ein eleganter Sneakerschuh, der wie der hochgeklappte Polokragen das Spannungsfeld zwischen <em>Freizeit</em> und <em>Business</em> weit &#246;ffnet, um mit allen anderen Komponenten ein kleines Universum des Postproletariats zu schaffen. Mit diesem Exterieur ausgestattet, gl&#228;nzt der Star &#8211; der Kragen &#8211; an jeder Ampel, Bar oder Minigolfanlage.</p>
<p>Das Au&#223;ergew&#246;nliche des hochgeklappten Polokragens liegt in seiner Wandelf&#228;higkeit. W&#228;hrend der Tr&#228;ger einem bestimmten <em>Business</em> nachgeht, darf der hochgeklappte Polokragen nicht zur Geltung kommen. Hier ist der hochgeklappte Polokragen absolut unpassend und erscheint in seinem urspr&#252;nglichen, also umgeklappten Auslieferungszustand. Der Polokragen bleibt exakt so lange angelegt, bis der Tr&#228;ger beschlie&#223;t, sich der <em>Freizeit</em> zu widmen. F&#228;lschlicherweise wird der hochgeklappte Polokragen oft als Imponiergehabe interpretiert, diese Behauptung h&#228;lt jeder n&#228;heren Betrachtung jedoch nicht stand. Der hochgeklappte Polokragen ist zwar ma&#223;geblich an der Coolness  seines Tr&#228;gers beteiligt, entspringt aber einer intrinsischen Motivation: Die Wirkung auf das andere Geschlecht ist nur eine Folge der gesteigerten Coolness durch den hochgeklappten Polokragen.</p>
<p>Diversen Anfeindungen sieht sich der hochgeklappte Polokragen nur dann ausgesetzt, wenn er sich in Kulturkreisen wiederfindet, in denen er einfach zu selten zu finden ist. Unter Obdachlosen, Punks (mit Ausnahme einiger weniger britischer Str&#246;mungen), Lebensk&#252;nstlern und dergleichen st&#246;&#223;t er durch seinen legeren Eindruck auf Irritation. Aber auch hier wird sich der hochgeklappte Polokragen noch etablieren, wenn der noch bestehende Erkl&#228;rungsbedarf aufgeholt ist.</p>
<p>Man bedenke ebenfalls stets: Das ist nicht rosa, das ist lachsfarben.</p>




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