Viele haben sich daran gewöhnt, dass sie fast überall auf der Welt sich fast alles mit Dollar kaufen können. Egal, ob wir nach Südamerika, Asien oder Nordafrika reisen: Der amerikanische „Greenback“, war meist schon vor uns da. Seit nun schon fast 100 Jahren ist er die wichtigste Währung der Welt. Doch das war nicht immer so und muss es auch nicht ewig bleiben. Zumindest wenn es nach Chinesen, Russen oder Brasilianern geht. Die wünschen sich ganz dringend, dass sich die Staaten auf eine neue Leitwährung einigen.
Das klingt zunächst erstmal nach den üblichen Verdächtigen – Staaten, die bei jeder Gelegenheit versuchen, die globale Vorherrschaft der Amerikaner anzuknacksen. Doch melden sich derzeit auch namhafte US-Ökonomen zu Wort, die ihre Landsleute bereits davor warnen, dass in 10 oder 20 Jahren der Dollar nicht mehr die Lieblingswährung der Welt sein wird. Die Ablösung der grün eingefärbten Banknoten als Leitwährung könnte sogar deutlich schneller vorangehen, als sich das so manche derzeit noch ausmalen, schrieb Nouriel Roubini vor kurzem in der „New York Times“.
Der New Yorker Wirtschaftsprofessor und Betreiber der Internetdienstes „RGE Monitor“ ist nicht irgendwer. Jahre bevor die globale Finanzkrise im Sommer 2007 ausbrach, hatte er gewarnt, dass die riesige Verschuldung der Amerikaner in einem Desaster enden wird. Wurde er damals kaum ernst genommen, hofieren ihn die weltweiten Wirtschaftsmedien nun schon seit Monaten als den Propheten, der die Krise hat kommen sehen. Ganze Regierungen, wie die Kolumbiens, reißen sich um einen Gesprächstermin mit dem Professor.
Als neue Weltwährung kann sich Roubini in den nächsten Jahren den „Renminbi“ vorstellen. Das ist keine unbekannte Panda-Art, die wie die Kamele vor langer Zeit in Arabien als neue Naturalienwährung herhalten soll. „Renminbi“, so nennen die Chinesen ihre Landeswährung. Den konkreten Geldbeträgen – also den Scheinen oder den Preisen – hängen sie das Wörtchen Yuan an.Auch Jim O‘Neill fragt die Leser des britischen „Telegraph“: „Do you know what a yuan looks like? If not, you had better find out. –The reason is sometime in the next few years there’s a decent chance you might need or want to have some.“ O’Neill, Chefvolkswirt bei Goldman Sachs, hat sich vor Jahren die heute gebräuchliche Abkürzung „BRIC“ für die großen Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China ausgedacht – Länder, die die besten Chancen haben, schon bald zu den Industrienationen aufzuschließen.
Und besonders die Chinesen werden sich gerade ihrer gewachsenen Macht bewusst, die sie seit der Jahrtausendwende gewonnen haben. Ohne die Volksrepublik wäre es den Amerikanern gar nicht möglich gewesen, sich dermaßen zu verschulden: Nicht die Haushalte mit ihren Konsumenten- und Hauskrediten oder die Banken mit ihren verpackten und abermals verpackten Schuldverschreibungen, für die der Markt nun zusammengebrochen ist.
Dabei verfolgten die Chinesen eigentlich für sie recht legitime Ziele: Aus den Erfahrungen mit der Asienkrise 1997 wollten sie die Wechselkurse lange Zeit stabil halten und gleichzeitig einen Reservepuffer für mögliche neue Finanzturbulenzen ansammeln. Deshalb koppelten sie ihren „Renminbi“ an den Dollar, der seit spätestens den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts das britische Pfund als Weltwährung ablöste und noch immer im weltweiten Exportgeschäft die am meisten genutzte Valuta ist.
Sicher beeilten sich die Chinesen in den vergangenen Jahren nicht gerade, den Wechselkurs zum Dollar anzupassen und den „Renminbi“ etwa teurer werden zu lassen. Denn eine billige Währung verspricht schöne Gewinne im Außenhandel, Chinas Firmen verkauften so ihre Güter noch günstiger – als es die geringen Löhne in der Volksrepublik ohnehin schon erlaubten.
Die riesigen Dollarerlöse aus dem Handel wanderten nun nicht etwa in die weitere Entwicklung des Landes: Die Notenbanker in Peking legten sie vor allem in US-Wertpapieren an. So hielten sie den Währungskurs stabil und bauten gleichzeitig riesige Devisenreserven auf. Gleichzeitig wurde es für die Amerikaner extrem günstig Schulden aufzunehmen (was neben der laxen Kreditvergabe durch die Banken erst den jüngsten Boom auf den Gipfel trieb).
Mehr als zwei Billionen Dollar haben die Chinesen in den vergangenen Jahren an Devisenreserven angesammelt. Die Volksrepublik ist somit zum größten ausländischen Kreditgeber des US-Staates aufgestiegen, dicht gefolgt von den Japanern. Und die Furcht, dass diese Wertpapiere an Wert verlieren, treibt nun die Chinesen und andere Schwellenländer um. Denn noch weiß keiner, wie die Rettung der US-Wirtschaft durch Regierung und Notenbank enden wird. Gut möglich, dass es zu einem gewaltigen Inflationsschub kommt oder der Dollar noch kräftig an Wert verliert. Alles nicht schön für die Chinesen, deren US-Anleihen dann womöglich nichts mehr wert sind.
Als Perspektive reden die Chinesen selber davon, dass der „Renminbi“ vielleicht 2020 den Yen als viertwichtigster Währung überholt. Was bis dahin passiert, ist jedoch ungewiss. Man muss nicht gleich einen Krieg zwischen den USA und China an die Wand malen wie der marxistische Historiker Eric Hobsbawm in einem „Stern“-Interview. Man kann es auch etwas gemäßigter ausdrücken: Joseph Stiglitz, der Wirtschaftsnobelpreisträger, Ex-Chefökonom der Weltbank und nun Globalisierungskritiker warnt: „The question is not whether we’re moving on from the dollar reserve system […] The question is are we going to move in a rather chaotic way or will we do it in a more organized way.“
Längst schließen die Chinesen Währungsabkommen mit ihren asiatischen Nachbarn, mit Argentinien oder bald auch den Brasilianern ab – was nur ein Ziel hat: den Dollar als Leitwährung zu schwächen. Interessanterweise schlägt Stiglitz, als Chef einer UN-Kommission zu den Folgen der Finanzkrise, genau wie die Chinesen eine Alternativwährung zum Dollar vor, die auf dem künstlichen Rechengeld des IWF basiert. Immerhin haben es diese Vorschläge auf die Tagesordnung einer wichtigen UNO-Konferenz geschafft.








