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Menschen einer Ausstellung

In Museen gibt es mehr Kunst, als man auf den ersten Blick wahrnimmt. Vor allem an Sonntagen.

von Susanne Reindke

veröffentlicht am 21. August 2009

Einen halben Meter hinter ihnen, so unauffällig, wie es nur geht. Dass sie es nicht merken, ist das Wichtigste. Sie dreht sich um und geht einen Schritt zur Seite, als würde sie im Weg stehen, das gebietet die Höflichkeit. Jetzt so tun, als würde man wirklich das Bild fotografieren, ein Alibifoto, damit das alles seine Ordnung hat.

Menschen in Museen zu fotografieren, während sie sich Bilder ansehen, das ist mir einfach so passiert. Weil sie nicht wissen, wohin mit ihren Händen. Weil sie in manchen Räumen vor den großen Bildern so verloren wirken, als wären sie der letzte Mensch auf der Welt. Weil sie allein durch ihr Zusammensein eine Spannung erzeugen, die den ganzen Raum ausfüllt. Und weil sie manchmal vor einem Bild stehen, und es von hinten so wirkt, als würden sie genau dort hingehören und nirgendwo anders.

Am besten funktioniert es an Sonntagen, weil das Museum dann gut besucht ist. Wenn sich die Touristenhorden busweise durch die Ausstellungsräume drängeln, wird es einigermaßen schwierig, einzelne Menschen oder Paare abzulichten, dazu gibt es viel mehr Beobachter, die einem „Ich glaube, genau zu wissen, was du da tust!“-Blicke zuwerfen. Gegen die Laufrichtung der Ausstellung zurück, neue Leute, die gleichen Bilder, andere Konstellationen. Einen Moment hinsetzen, so tun, als würde man sich ein Bild länger anschauen.

Und auf einmal sind sie da, das perfekte Paar. Ihre Körpersprache erzählt eine Geschichte, eine, die man wieder und wieder lesen möchte. Eine Geschichte, die man nicht für sich behalten sollte, eine, die man unbedingt erzählen will. Die Art, wie er ihre Hand hält. Wie sie ihm das Bild erklärt, all die Dinge, sie sieht, mit dem Finger darauf zeigend. Wie der Moment nur ihnen gehört, alles ausgeblendet, auch das Klicken der Kamera. Deswegen bin ich hier, immer einen halben Meter hinter ihnen.

2 Kommentare

  1. Onkel Doktor schrieb am 22.08.2009

    Interessante Idee. Sind einige schöne Bilder dabei.

  2. Spielverderber schrieb am 10.09.2009

    Wahrlich interessante Idee! Aber natürlich nicht neu: „Museum Photographs“ von Thomas Struth.

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