Adam Soboczynski – sonst geachteter und gestandener ZEIT-Redakteur – hat in der letzten Ausgabe des gleichnamigen Wochenmagazins seinen ersten Text über das Internet geschrieben. Und wahrscheinlich auch seinen letzten. Bereits der Titel „Das Netz als Feind – Warum der Intellektuelle im Internet mit Hass verfolgt wird“ ließ keinen Zweifel daran, dass es sich im vorliegenden Pamphlet (auch Essay genannt) um bitterbösen Kulturpessimismus handelte, dem zuweilen vor lauter Ernsthaftigkeit sogar die Polemik abhanden gekommen war.
Der Aufschrei im Netz war natürlich wie zu erwarten groß, Rechtfertigungsversuche und eine neuerliche Manifestierung des digitalen Status Quo folgten. Dabei wäre das gar nicht nötig gewesen. Denn Soboczynskis Text entlarvte sich selbst als halt- und argumentationslos, scheint der Autor doch keinen blassen Schimmer vom Netz, seinem Demokratieverständnis und Gepflogenheiten zu haben oder haben zu wollen. Soboczynski geht sogar noch weiter: Er kategorisiert und verachtet, er verteidigt den Intellektuellen gegen eine Schar vermeintlich Unmündiger, er konstruiert einen Kriegsschauplatz, den es nicht gibt. Denn im Internet ist der Intellektuelle keineswegs ein Feind, im Gegenteil: Eine friedliche Koexistenz zwischen Kantigem und Rundem, sogar eine Vermischung von beidem, ist nur nicht immer leicht bekömmlich – anders als Soboczynski behauptet.
Eine Woche später schreibt Gero von Randow – ehemaliger ZEIT-Online-Chef – eine Replik auf Soboczynski und die ist zwar kein Akt eines Intellektuellen, dafür aber ein intelligenter Artikel über das „Internet als Möglichkeitsraum“, der ohne Buzzwords, ohne technischen Nerd-Faktor, ohne unreflektierte Lobhudelei für das Netz und vor allem ohne den Kriegsschauplatz von Soboczynski und seinen ausgemachten Feinden auskommt: dem Graben.







