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Gestatten, Kanzlerkandidat!

Frank-Walter Steinmeier heißt der Kanzlerkandidat der Sozialdemokraten. Was? Sie wussten das schon? Na, dann hat die neue Wahlplakate-Strategie der SPD wohl schon gewirkt.

von Simon Frost

veröffentlicht am 10. September 2009

Haben Sie es bemerkt? Die Parteien haben endlich die heiße Phase des Wahlkampfs eröffnet. Kanzlerin Merkel verordnet Regierungspartner SPD öffentlich eine Pause vom Regieren – vier Jahre soll sie mindestens dauern, damit sich die nicht nur in Thüringen und im Saarland nach links schielenden Genossen besinnen können.

Herausforderer und Vizekanzler Steinmeier will da nicht nachstehen und wirft ausgerechnet der etwas galascheuen Chefin Galaqualitäten vor. “Nur auf roten Teppichen flanieren – das ist auf Dauer zu wenig”, sagt er wortgleich mehreren Zeitungen.

Na, sind Sie schon eingeschlafen? Tja, der Wahlkampf ist jetzt Chefsache, aber deshalb nicht wirklich spannend oder wenigstens unterhaltsam geworden. Am besten würden die Protagonisten wohl gar nichts sagen, auch wenn das eine ziemlich utopische Vorstellung ist.

Aber zweifellos sind sie in diesem müden Saisonfinale am unterhaltsamsten, wenn sie nichts sagen. Komische Momente setzen die Parteien und ihre Strategieabteilungen höchstens unfreiwillig – zum Beispiel bei der Gestaltung ihrer Wahlplakate.

In der Parteizentrale der CDU etwa nimmt man es nicht so genau mit der Parteizugehörigkeit, wenn denn die Botschaft stimmt. Zwischen dem wie immer lächelnden Bild des Wirtschaftsminister Guttenberg und dem CDU-Logo liest man: „Wir haben die Kraft für Wirtschaft mit Vernunft“. Schade nur, dass dieser Minister weder bei der CDU noch seine Partei CSU außerhalb von Bayern zu wählen ist. Aber, so haben sich die Strategen wohl gedacht, wenn einer gute Arbeit macht, ist er auf jeden Fall einer von uns – und die Leute werden schon nicht merken, dass das gar nicht stimmt.

Eigentlich ist das auch egal, denn der Dauerlächler ist inzwischen ohnehin hinter der Kanzlerin verschwunden, deren Konterfei auch die übrigen Kompetenzler der CDU überdeckt. Den Innenminister, von dem niemand weiß, ob er in seinem Alter noch einmal dieses Amt übernehmen würde. Die Familienministerin, deren Elterngeld-Coup sich, bezogen auf die Geburtenrate, als Flop herausgestellt hat. Den Verteidigungsminister, dessen Bekanntheitsgrad noch unter dem des SPD-Kanzlerkandidaten liegt.

Frank-Walter Steinmeier baut auf deutsche Ingenieurskunst

Frank-Walter Steinmeier baut auf deutsche Ingenieurskunst

Apropos SPD-Kanzlerkandidat. Auch die SPD hat umplakatiert. Bislang verkündeten der Öffentlichkeit unbekannte Menschen die angeblichen Vorzüge sozialdemokratischer Regierungspolitik: Arbeit, Bildung, Umweltschutz. Nanu, werden sie sagen, daran hat sich doch nichts geändert. Richtig. Und doch falsch. Denn der unbekannte Mann, der nun die vermeintlichen SPD-Segnungen für Arbeit, Forschung und Generationengerechtigkeit anpreist, ist kein geringerer als Kanzlerkandidat Steinmeier selbst, der mal inmitten von Senioren, mal neben einem Arbeiter und mal neben einem kleinen Mädchen steht.

Als ich die Plakate sah, fühlte ich mich spontan an ein Motiv aus der späten DDR erinnert, das zwei Arbeiter auf einer Baustelle zeigt. Beide tragen vorschriftsmäßig einen Helm, beide lächeln freundlich, der eine hebt den Daumen. „Klarer Kurs – Gut arbeiten, gesichert leben!“ steht auf dem Plakat von 1987. Auch in der SPD-Wahlkampfzentrale scheint es Menschen zu geben, denen dieses Motiv im Gedächtnis geblieben ist. „Anständige Löhne für die Menschen“ steht da unter einem behelmten Steinmeier, der einen Arbeiter kumpelhaft am Arm hält.

Auf einem anderen steht SPD-Kandidat neben einem kleinen Mädchen. „Das schaffen unsere Ingenieure: Saubere Energie ohne Atomkraft“. Das hört sich schon sehr nach sozialistischer Plan- und Hoffnungswirtschaft an, und Steinmeier wirkt seltsam deplatziert, wie als würde er ahnen, dass sich Honecker neben einem solchen Spruch viel besser machte.

Aber immer noch besser, als das, was die FDP-Strategen ihrem Parteichef Guido Westerwelle angetan haben. Der lächelt freundlich von einem hübsch gelb grundierten Plakat mit blauem Parteilogo und muss im Slogan tatsächlich zugeben: „Deutschland kann es besser“. Wenn eine Partei in ihrer Selbstanalyse schon so weit ist, könnte sie gleich darüber nachdenken sich aufzulösen.

Manchmal sollte man vielleicht auch auf Plakaten einfach nur schweigen.

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