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Kostenspielige Musik

Joel ist 25. Er hat Musik aus dem Internet geladen. Wie viele in seinem Alter. Dafür soll er jetzt zahlen – und zwar nicht nur 99 Cent pro Song.

von Philipp Strobel

veröffentlicht am 3. August 2009

Joel Tenenbaum ist nun ein verurteilter Verbrecher.
Die Tat: Tenenbaum hat geklaut.
Die Geschädigten: Universal Music, Warner Music und Sony.

Der 25-jährige Student hatte gestanden, über die Tauschbörse Kazaa 30 Lieder (was knapp 3 Alben entspricht) heruntergeladen zu haben – ihm war zudem bewusst, dass die Songs auch anderen Kazaa-Nutzern zur Verfügung gestellt wurden. Das Copyright der Vereinigten Staaten sieht pro Song einen Schadensersatz zwischen 750 und 150.000 US-Dollar vor. Die niedrigste Strafe für Tenenbaum wäre demnach eine Summe von 22.500 Dollar gewesen. Und genau diesen Betrag muss er jetzt zahlen – allerdings pro Song. Das Bundesgericht in Boston hat gegen Tenenbaum einen Schadensersatz in Höhe von 675.000 Dollar verhängt. Der Fall Tenenbaum war der zweite Filesharing-Prozess vor einem Geschworenengericht. Erst im Juni wurde Jammie Thomas-Rassett, 32, in Minnesota zu einer Zahlung von 1,92 Millionen Dollar verurteilt. Sie hatte 24 Songs heruntergeladen.

„Eigentlich kam Joel Tenenbaum noch glimpflich davon: Nur 675.000 Dollar statt maximal 4,5 Millionen muss der Student wegen 30 illegal heruntergeladenen Liedern zahlen,“ schreibt die Netzeitung. Dass „nur“ 675.000 Dollar für einen Studenten eine extrem unrealistische Zahl darstellt, dürfte klar sein. Eine Privatinsolvenz scheint, so räumte auch Tenenbaum während des Verfahrens ein, die einzige Möglichkeit für ihn zu sein. Inzwischen wurde jedoch ein Modell gefunden, das dem verurteilten Filesharer aus der Patsche helfen soll. In dem Newsletter der für den Prozess eingerichteten Website joelfightsback.com heisst es:

„A grassroots campaign was started earlier today by individuals who aspire to help raise money in order for Joel not to have to file for bankruptcy. The idea is that if every file-sharer donated $.99 or the price of a few albums, a resounding message could be sent to the RIAA from the court of public opinion.“

Nun ist ein Spendenaufruf ja grundsätzlich nichts schlechtes. Die Frage ist nur, wem damit geholfen wird: Joel oder der RIAA (Recording Industry Of Association Of America)? Wenn das Geld schnell aufgetrieben wird, hat die Musikindustrie mit ihren absurden Vorstellungen einen wichtigen Sieg errungen und wird ihren Kampf gegen sogenannte Raubkopierer weiter fortsetzen. Dieser Meinung ist auch der Anwalt Ray Beckerman, der es ablehnt, die RIAA zu bezahlen. Beckerman empfiehlt, lieber Geld für einen Verteidigungsfond der Free Software Foundation zu spenden, die sich für freie Software und gegen die „Zerstörung der digitalen Zukunft“ einsetzt.

Inzwischen hat sich auch Joel Tenenbaum geäußert. Er stellt klar, dass das bisher gespendete Geld nicht an die RIAA gezahlt, sondern für den weiteren Prozessverlauf eingesetzt wird. Im FAQ der Facebook-Gruppe „Joel Fights Back Against RIAA“ antwortet Tennebaum auf die Frage, was er macht, wenn es bei der Schadensersatzforderung bleibt: er werde Insolvenz anmelden. Auch seine Haltung wird dort deutlich:

Question: ‚The RIAA are a bunch of rotten bastards.‘
Answer: ‚I Know‘

Dem ist zum jetzigen Zeitpunkt wohl nichts hinzuzufügen.

Ein Kommentar

  1. rotten bastard schrieb am 04.08.2009

    was ist denn ‚kostenspielig‘?

    wollte den begriff auf duden.de nachschlagen, aber leider 0 treffer :(.

    LOL! ;D

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