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Brauner geht’s nicht

Während bei uns die Feiern zum 60-jährigen Bestehen der Bundesrepublik langsam abklingen, erinnert das US-Magazin „Life“ in einer exklusiven Fotoserie an einen, ohne dessen – na, sagen wir mal – „Einsatz“ die Geburtsstunde unseres Deutschlands nicht stattgefunden hätte: Adolf Hitler.

von Christoph Strobel

veröffentlicht am 5. Juni 2009

Anlass für die Story mit dem Titel „Adolf Hitler: Up Close“ ist die Landung der Alliiertentruppen in der Normandie, am 6. Juni vor 65 Jahren. Das Manöver gegen die deutschen Truppen war kriegsentscheidend und ist als D-Day, oder Doomsday (Tag des jüngsten Gerichts), in die Geschichte eingegangen.

„Life“ stellt zum Jubiläum aber nicht etwa die strategische Leistung der amerikanischen, britischen und französischen Truppen in den Blickpunkt, sondern bringt bislang unveröffentlichte Bilder aus dem Leben des Diktators in bemerkenswert guter Qualität – und in Farbe. Sie zeigen Hitler auf Reisen, zusammen mit Militärspitzen, oder auch während seines Besuchs der Internationalen Automobilausstellung 1939 in Berlin. Immer mit dabei: Hugo Jaeger, der als Mitarbeiter von Hitlers Leibfotograf Heinrich Hoffmann in den Jahren 1937 bis 1940 Zugang zum Führer und dessen persönlichem Umfeld hatte.

Bild: (c) life.com

Quelle: Screenshot life.com

So finden sich in Jaegers Portfolio auch Aufnahmen aus Hitlers Privatgemächern, Bilder von Julius Schaub etwa, Hitlers persönlichem Berater, am Rande einer Party, oder ein Foto mit der Schauspielerin Hannelore Schroth, die mit gesenktem Kopf auf einem Stuhl in der Reichskanzlei sitzt. Die Szenen wirken zunächst ungestellt, aber schon bald erkennt der Betrachter in der permanenten Beiläufigkeit das Prinzip Jaegers, der sich als einer der ersten deutschen Pressefotografen der Farbfotografie zuwandte. „Die Zukunft“, soll Hitler einmal zu Jaeger gesagt haben, „gehört der Farbfotografie“.

Auch wenn die Serie bislang nicht gesehene Szenen aus dem Leben Hitlers zeigen, ist die „Life“-Publikation keine historische Sensation. Schon vorher hatte das Magazin Teile aus Jaegers Werk veröffentlicht. Aber wie konnten die Bilder in den Besitz des Verlags gelangen?

„Life“ berichtet, dass Hugo Jaeger kurz vor Kriegsende, im Juli 1945, von sechs amerikanischen Soldaten in München aufgegriffen wurde. Bei ihm fanden sie einen Koffer mit Negativen. Jaeger rechnete mit dem Schlimmsten, bis die Soldaten neben den Negativen noch eine Flasche Cognac entdeckten. Glücklich über ihren Fund teilten sie die Flasche mit Jaeger und vergaßen den Koffer.

Anschließend verstaute Jaeger die Negative in Glasgefäße und vergrub diese an verschiedenen Stellen am Stadtrand von München. Erst als der Krieg vorüber war, barg er nach und nach seinen Schatz. Schließlich erstellte Jaeger eine Sammlung von 2000 erstaunlich gut erhaltenen Dias – und verkaufte diese 1965 an „Life“. Der Preis ist nicht bekannt und auch über Jaegers Tod gibt es keine gesicherten Erkenntnisse. Auf „Wikipedia“ wird vermutet, dass er nach dem 1. Januar 1970 starb.

Noch wird der größte Teil seines Vermächtnisses der Menschheit vorenthalten und lagert in den Archiven von Time & Life Pictures. Das nächste Jubiläum jedenfalls, das eine erneute Erwähnung des Diktators rechtfertigen könnte, ist nur wenige Wochen entfernt. Am 1. September 1939, also vor 70 Jahren, löste Hitler mit der deutschen Invasion in Polen den Zweiten Weltkrieg in Europa aus.

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