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He’s back!

„Ein Duett, kein Duell“, „Sachdebatte“, „Yes, we gähn“ – Die 500 Journalisten im Pressezentrum des TV-Duells haben einen richtigen Sieger nicht ausfindig machen können. Den gab es an diesem Abend allerdings schon. Er lehnte entspannt im Sessel bei Anne Will.

von Simon Frost

veröffentlicht am 14. September 2009

Da standen sie an ihren Pulten und belauerten sich. Angela Merkel, Bundeskanzlerin und dies auch gerne bleiben wollend, und Frank-Walter Steinmeier, der das Amt haben möchte. Eineinhalb Stunden lang gab sich das Moderatoren-Quartett alle Mühe, die beiden Kandidaten aus dem Takt ihrer Antworten und aus dem Trott der groß-koalitionären Gemütlichkeit zu bringen. Mit mäßigem Erfolg, wie jeder, der es gesehen hat, beipflichten wird.

War er im Sanatorium an der Nordsee oder kuren in Bad Reichenhall?

War er im Sanatorium an der Nordsee oder kuren in Bad Reichenhall?

Nach 90 Minuten und ein paar Tausend Anrufen der Wahlforscher war dann klar: Der Sieger ist – keiner der beiden. Steinmeier macht Boden gut, aber nicht genug. Merkel büßt ein wenig von ihrem Kanzlerbonus ein, aber nicht so viel, dass sie sich ernsthaft Sorgen machen muss.

Die gesamte Nachberichterstattung mit aufgebrachten Niebels, Bartschs und Trittins und zufriedenen Münteferings und Pofallas – geschenkt.

Wirklich von sich reden machte eigentlich nur einer. Einer, von dem schon lange nichts zu sehen, von dem ebenso wenig zu hören gewesen ist. Einer, bei dem man froh war, dass das so gewesen ist. Entspannt lehnte er da im Sessel bei Anne Will, lächelte, wirkte für seine uns bekannten Verhältnisse sogar richtig locker. Und er redete, beantwortete präzise ihm gestellte Fragen, bildete lange Sätze, die einen Sinn ergaben, wirkte aufgeräumt und mitunter schlagfertig, sprach weder die Moderatorin noch einen der übrigen Gäste mit „Frau Merkel“ an.

Edmund Stoiber. Was ist mit ihm geschehen? War er im Sanatorium an der Nordsee oder kuren in Bad Reichenhall? Hat er seit seinem Abschied aus der bayerischen Politik heimlich Stunden bei seinem einstigen Kommunikationstrainer Michael Spreng genommen?

Diese Fragen stellte in der allgemeinen Aufregung um die Unaufgeregtheit des TV-Duells leider niemand. Und so bleibt nur aus dem zu schlussfolgern, was über den einstigen bayerischen Ministerpräsidenten, CSU-Vorsitzenden und Unions-Kanzlerkandidaten allgemein bekannt ist: Der Kampf gegen Euro-Bürokraten und Bürokratie in Brüssel muss für einen deutschen Muster-Bürokraten, als der Stoiber gilt, unglaublich entspannend sein. Beinah wie ein Bad im Jungbrunnen.

Und siehe da, kaum ist der Duell-Abend vorbei, legt Stoiber nach, bleibt in den Schlagzeilen. Durch Bürokratieabbau will er Staaten und Unternehmen europaweit um 40 Milliarden Euro entlasten. 40 Milliarden Euro. Dafür könnte man Opel glatt zehn Mal retten!

Man stelle sich vor, einer der beiden aktuellen Bewerber um die nächste Kanzlerschaft hätte im TV-Duell so einen Vorschlag rausgehauen. Der hätte den Wettstreit vor den Kameras womöglich sogar gewonnen!

Also, wenn Stoiber mehr solcher Vorschläge machte und sich an die selbst aufgestellten Regeln für eine erfolgreiche TV-Duell-Vorbereitung hielte, könnte er es nach dem Debakel 2002 ja glatt noch einmal …

Nein, daran wollen wir – bei aller Liebe – nicht denken. Es reicht, dass er das diesjährige „Duell“ für sich entschieden hat.

2 Kommentare

  1. Auch mir hat Stoiber überraschend gut gefallen, was mich wiederum auch wieder erschüttert. Denn wie weit hat uns dieser Wahlkampf schon zermürbt und wie öde können die beiden Spitzenkandidaten eigentlich sein, wenn wir jetzt sogar schon Eddi Stoiber als Rock‘n Roller wahrnehmen???

  2. (Ich finde ja: der einzige, der nach dem „Duell“ im Ersten wahre Worte sprach (also: der die Diskussion, die Lage, die Situation richtig verstanden hat), war Claus Peymann. Den Eindruck, daß sein Anliegen dort auch nur ansatzweise verstanden wurde, hatte ich aber wiederum nicht.)

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