In einer hyperästhetischen und hyperästhetisierenden Gesellschaft begegnet uns das Phänomen des hochgeklappten Polokragens überall. Wenn nicht im Bekanntenkreis, so sicher im Alltag. Je tiefpreisiger das feinmaschige Piqué-Shirt, desto lieber wird der hochgeklappte Polokragen zur Schau gestellt. Dennoch, der hochgeklappte Polokragen ist in allen Gesellschaftsschichten gleichermaßen zu finden. Der hochgeklappte Polokragen ist die freshe, stylische Möglichkeit fernab der bürgerlichen Bekleidungskonvention zu zeigen, dass man gleichermaßen der Wirtschaftsberatung als auch des Biersorten- und Sportwagenmarktes kundig ist. Das bedeutet nicht zwingend, dies sei der Lebensinhalt des Trägers – die Grenze zwischen Sein und Schein verläuft hier in großen Querbalken über das luftig-sommerliche Stöffchen. Meist wird der Kragen nur zu bestimmten Anlässen hochgeklappt, nämlich in der Freizeit. Mit diesem freshen, stylischen Look signalisiert der Träger: „Ich bin auf der Suche nach Zerstreuung. Und ich weiß, wo ich sie finde.“
Während das Poloshirt einst in elitären Kreisen englischer Sportverbände als sogenannter Dresscode eingeführt wurde, katapultiert es der Träger des hochgeklappten Polokragens bis nach unten in die Welt der Großkaufhäuser. Auch hier bewegt sich jener ebenso sportlich und schnittig wie ein Jockey auf seinem sehnigen Pferde durch das Spielfeld – in diesem Fall die Fachabteilung für Herrenbekleidung, meist auf der Suche nach freshen und stylischen Accessoires um den hochgeklappten Polokragen sinnvoll zu ergänzen. Verspiegelte, goldgerahmte Sonnenbrillen. Jeans in heller Waschung, dazu ein passender Ledergürtel. Und natürlich auch ein eleganter Sneakerschuh, der wie der hochgeklappte Polokragen das Spannungsfeld zwischen Freizeit und Business weit öffnet, um mit allen anderen Komponenten ein kleines Universum des Postproletariats zu schaffen. Mit diesem Exterieur ausgestattet, glänzt der Star – der Kragen – an jeder Ampel, Bar oder Minigolfanlage.
Das Außergewönliche des hochgeklappten Polokragens liegt in seiner Wandelfähigkeit. Während der Träger einem bestimmten Business nachgeht, darf der hochgeklappte Polokragen nicht zur Geltung kommen. Hier ist der hochgeklappte Polokragen absolut unpassend und erscheint in seinem ursprünglichen, also umgeklappten Auslieferungszustand. Der Polokragen bleibt exakt so lange angelegt, bis der Träger beschließt, sich der Freizeit zu widmen. Fälschlicherweise wird der hochgeklappte Polokragen oft als Imponiergehabe interpretiert, diese Behauptung hält jeder näheren Betrachtung jedoch nicht stand. Der hochgeklappte Polokragen ist zwar maßgeblich an der Coolness seines Trägers beteiligt, entspringt aber einer intrinsischen Motivation: Die Wirkung auf das andere Geschlecht ist nur eine Folge der gesteigerten Coolness durch den hochgeklappten Polokragen.
Diversen Anfeindungen sieht sich der hochgeklappte Polokragen nur dann ausgesetzt, wenn er sich in Kulturkreisen wiederfindet, in denen er einfach zu selten zu finden ist. Unter Obdachlosen, Punks (mit Ausnahme einiger weniger britischer Strömungen), Lebenskünstlern und dergleichen stößt er durch seinen legeren Eindruck auf Irritation. Aber auch hier wird sich der hochgeklappte Polokragen noch etablieren, wenn der noch bestehende Erklärungsbedarf aufgeholt ist.
Man bedenke ebenfalls stets: Das ist nicht rosa, das ist lachsfarben.








7 Kommentare
Gerne kombiniert wird der hochgeklappte Polokragen (zumindest in den von mir beobachteten) Gebieten übrigens auch mit Segelschuhen aus dunkelbraunem Leder und einem über Rist und Verse verlaufenden Ledersenkel. Für fortgeschrittene – zumindest vom Träger subjektiv wahrgenommene – Coolnessverstärkung geht der hochgeklappte Polokragen auch gut in Kombination mit einer burschenschaftzugehörigkeitsindizierenden dreifarbigen Schärpe. Dann allerdings kommt der lachsfarbene hochgeklappte Polokragen selten ohne eine Fahne aus dem Mund des Trägers und runtergeklappte Augenlider daher.
Was ist das? Ein Kommentar? Eine Glosse? Eine ernsthafte Abhandlung über die Geschichte und Zukunft des Polohemdes?
Und noch wichtiger: Was soll mir dieses Stück sagen? Bin ich jetzt schlauer?
Ich gebe das teuerste, was ich habe: 7 Minuten meiner Zeit. Gut angelegt waren die nicht: Nicht informativ, aber auch nicht witzig und schon gar nicht – ein Idealfall – beides.
Lieber Peter,
bitte schick‘ uns doch eine Rechnung über die 7 Minuten deiner Lebenszeit an die Adresse im Impressum.
Freundlichst,
deine dich offenbar zum Lesen gezwungen habenden Herausgeber (i.A. Frank).
@Sillium: Sehr richtig, sehr richtig, Herr Kollege. Danke für die aufschlussreichen Anmerkungen.
@Peter: Filed under: Gerede. Expect: Gerede. Mach dich mal locker.
Keine Sorge, liebe Kollegen: Ich BIN locker. Und die Zeit schenke ich Euch gerne.
Was ich ein bisschen enttäuschend finde: Es wird sich nicht mit der Kritik auseinander gesetzt. Statt dessen die Frage nach Kosten (naja)oder den Hinweis, dass man das Teil offenbar sowieso nicht ernst nehmen soll („Gerede“).
Solche Antworten hätte es auch bei stern.de oder sueddeutsche.de geben können.
Schade.
Also mit dem einen Auge zur Uhr schielen und mit dem anderen lesen… tststs… da geht viel Genuß verloren;)
Naja, es ist halt die Frage, was man will: Ob die Antworten jetzt wie bei üblichen MSM sind oder nicht, spielt doch keine so große Rolle. Wesentlich ist für meine Begriffe eher, dass ein solcher Artikel definitiv nicht bei stern.de oder ähnlichem gelandet wäre. Und das ist, soweit ich es verstehe, ja die Grundidee von Solokarpfen: Schreiben, worauf man Lust hat, egal, ob die Peters dieser Welt ohne weiteres Zugang dazu haben oder nicht.
BTW: Wenn Peters Zeit das teuerste ist, was er zu bieten hat, möchte ich nicht wissen, was das billigste ist…
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