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Sommer ohne Sommer

Das Wetter ist immer ein Thema – gerade im Sommerloch. Nur: Wo bleibt der Sommer? Eben.

von Simone Schelk

veröffentlicht am 25. Juli 2009

Gefühlt ist es draußen April oder September, je nach Großwetterlage wechseln sich an einem Tag die Jahreszeiten auch mal ab. Türmen sich am Morgen die Wolken noch am Himmel, ist es am Mittag schwülheiß, bevor am Abend der Winterdienst ausrückt, um die golfballgroßen Hagelkörner von den Straßen zu schaffen.

Einen richtigen Sommer stellt man sich anders vor. Vor allem, wenn man Urlaub hat und diesen – sei es aus Verbundenheit dem eigenen Land oder Geldbeutel gegenüber – in heimischen Gefilden verbringt. Wo in der Republik – das ist dieses Jahr fast egal. Im südlichen Bayern und Baden-Württemberg gießt es ebenso wie in Mecklenburg-Vorpommern oder Brandenburg, Orkanböen ziehen quer über Deutschland hinweg und Hagelstürme machen selbst vor der wetter- wie fiskalneutralen Schweiz keinen Halt. Eine Schönwetterperiode dauert neuerdings nur einen Tag, bevor sie von Gewittern wieder verjagt wird. Rund zwei Millionen Blitze hat der „Blitzinformationsdienst“ bis heute gezählt – das sind bereits fast so viele wie im gesamten Sommer 2006. Das war der WM-Sommer, als alle in Deutschland strahlten und auch die Sonne keine Ausnahme sein wollte.

Vorbei die Zeiten. Das Wetter wird immer extremer, ebenso wie die Ablösesummen der Fußballspieler. Ein kausaler Zusammenhang besteht zwischen diesen beiden vermutlich nicht. Wohl aber zwischen einem heißen Tag und einem sintflutartigen Regenguss: Beide sind Symptome der Klimaerwärmung, zwei Seiten der einen Medaille. Höhere Temperaturen erzeugen mehr Energie in der Atmosphäre, die sich in den zahlreichen Gewittern lautstark entlädt. „Unwetter“ nennt die deutsche Sprache das dann, ähnlich wie „Unkraut“, wogegen sich besonders aktive Umweltschützer vehement wehren. Das Wetter hat solche Fürsprecher allerdings nicht – wer wollte sich schon für den Erhalt der Starkniederschläge mitten in der Urlaubssaison aussprechen? Gut, es gibt ein paar Gewitterjäger, die von einem „perfekten Sommer“ sprechen. Aber die haben ja auch keinen Urlaub.

Es gibt also nur zwei Möglichkeiten, dem diesjährigen Sommer eine positive Seite abzugewinnen. Entweder, man arbeitet den ganzen Tag und lacht sich im Gedenken an all die armen Urlauber schadenfroh ins Fäustchen, wenn es draußen mal wieder kracht und blitzt. Oder man versucht, die Klimaerwärmung aufzuhalten. Und dagegen erscheint Arbeiten ja fast wie Urlaub.

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