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„Solokarpfen“ macht sich breit

Den ersten Monat hat „Solokarpfen“ überstanden. Mittlerweile sind wir bekannt aus Funk und Print. Warum uns trotzdem alles nicht schnell genug geht, wir uns amerikanische Verhältnisse wünschen und Spenden nichts mit Hilfsbedürftigkeit zu tun haben.

von Christoph Strobel

veröffentlicht am 28. Juni 2009

Ein bisschen unabhängiger als Verlagsredaktionen, vielfältiger als Blogs oder Bloggergemeinschaften, ein Hauch cooler im Inhalt, dabei offener für neue Textformen – das waren in etwa unsere Motive, als wir „Solokarpfen“ vor etwas mehr als einem Monat auf die Öffentlichkeit losließen. Erstaunlich schnell ist „Solokarpfen“ auch als das wahrgenommen worden, was es sein soll. Als ein Ort für lesenswerte Texte – als ein Online-Magazin.

Für ein bisschen Aufmerksamkeit außerhalb unseres Netzwerks sorgten ein Artikel in der Branchenzeitschrift „Kontakter“ und eine Einladung von „Radio Fritz“ in die Sendung „Trackback“ am 13. Juni. Es war ein schönes Kompliment, dass Moderator Christoph Schrag „Solokarpfen“ als Versuch deutete, Print und Online zu verschmelzen. Vielleicht liegt das an unserem Design, das sich nicht an herrschenden, vermarktungsoptimierten Online-Layouts orientiert, vielleicht an unserem Wunsch, neben Blogposts auch Inhalte von Journalisten und Autoren zu veröffentlichen, die – vorsichtig gesagt – den Medienwandel noch nicht wahrnehmen wollen. So soll es beispielsweise „Neon“-Redakteure geben, die Veröffentlichungen auf der eigenen Webseite immer noch als nicht standesgemäß ansehen.

Bis heute haben 15 Autoren 45 Artikel auf „Solokarpfen“ veröffentlicht – im Schnitt rund 1,4 neue Artikel pro Tag. Um den Aufbau des Portals und die publizistische Idee zu fördern, schreiben die Autoren derzeit freiwillig, ohne Honorar. Jeder von den Herausgebern investiert neben den Jobs, die die Miete zahlen, so viel Zeit wie möglich in die Entwicklung und die Optimierung des Angebots. Auch wenn „Solokarpfen“ quasi als Null-Budget-Veranstaltung durchaus sympathisch rüberkommt, haben wir uns zum Ziel gesetzt, mit dem Angebot möglichst bald auch Erlöse zu erwirtschaften.

Es ist nicht einfach, in der Medienkrise Sponsoren für ein Projekt wie „Solokarpfen“ zu finden. Nutzer, die für die Idee, den Erhalt und die Weiterentwicklung des Portals einen „Soli“ spenden wollen, können dies via Überweisung oder Paypal tun. So genannte „Donate“-Aufforderungen sind für journalistische Online-Angebote in den USA oder Kanada – zum Beispiel „MinnPost“, „Spot.us“ oder „CCIR“ – nichts ungewöhnliches mehr. Douglas MacMillan, Redakteur der „BusinessWeek“, prophezeit steigende Einnahmen durch Spenden.

Der Einsatz und Nutzen einer Spendenfunktion führte unter uns „Solokarpfen“-Gründern durchaus zu Diskussionen. Warum sollte jemand, der Gratisinformation gewohnt ist, bereit sein, einen Artikel zu honorieren? Ferner ist die Rolle der US-Medien nicht mit Journalismus in Deutschland vergleichbar. Amerikaner haben ein größeres Interesse an investigativen Recherchen als Bürger hierzulande, wo die Spendenbitte mit Hilfsbedürftigkeit gleichgesetzt wird.

Das journalistische Spendenmodell unterscheidet sich aber grundlegend von karitativen Hilfeaufrufen. Wer spendet, erhält eine konkrete Gegenleistung – entweder schon eine fertige Story oder bei Modellen wie „Spot.us“ die Aussicht auf einen Scoop. Die Spende ist das Honorar. Es wird vermutlich noch eine Weile dauern, bis dieses Phänomen auch in der deutschen Internetkultur angekommen ist. Einen Grund, den „Solokarpfen“-Autoren diese Einkunftsmöglichkeit jetzt noch nicht anzubieten, gibt es nicht.

Um den Anreiz zur freiwilligen Honorierung zu erhöhen, werden wir den Autorenstamm kontinuierlich ausbauen, damit die Leser noch regelmäßiger und in kürzeren Abständen neue und hochwertige Inhalte erhalten. Die Anzahl der Autoren wird aber begrenzt sein, um eine bestmögliche und nachvollziehbare Ausschüttung der Erlöse pro Autor zu erreichen. Ein entsprechender Verteilschlüssel wird mit Abschluss der Beta-Phase vorliegen.

Um „Solokarpfen“ und die Inhalte bekannter zu machen, sind wir seit einigen Tagen auch bei „Facebook“ vertreten. Knapp 200 Nutzer haben sich dem Auftritt bereits als „Fan“ angeschlossen. Natürlich sind wir ungeduldig. Nichts geht schnell genug, und oft genug fragt man sich: Wozu das alles? Dann hilft es, so einen Text zu schreiben und einen Monat „Solokarpfen“ im Rückspiegel zu betrachten. Und was ich dann sehe, ist doch schon ganz ordentlich.

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