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Geniale Dilettanten

Was der Südkurier mit Schleimkeim gemeinsam hat, warum Pathos manchmal im Weg steht, und was Solokarpfen nicht ist: all das muss man sich auch irgendwann mal von der Seele schreiben. Beispielsweise heute.

von Frank Lachmann

veröffentlicht am 28. Mai 2009

Dass wir vier einigermaßen unterschiedliche Typen sind, die dieses Dings hier auf die Beine gestellt haben (bzw. erst noch stellen wollen), haben wir am deutlichsten kurz vor dem Beta-Launch beim Betrachten unseres Logos und den dabei entstehenden Assoziationen bemerkt: bei „SK“ dachte der eine an „Südkurier“, der nächste an „Sarah Kuttner“, der dritte an „Sonderkommission“ und der vierte an „Schleimkeim“. Und auch wenn das hier unser gemeinsames Baby ist: beim einen funkeln die Augen ein bisschen mehr, wenn er darüber spricht, der andere versteht uns eher als Startup, der dritte hatte einfach nur zuviel Zeit und Bock.

Ich bin der hintere, der nur aus Kopf besteht.

Ich bin der hintere, der nur aus Kopf besteht.

Ich jedenfalls bin derjenige, der es nicht ganz so sehr mit Pathos hat (jedenfalls außerhalb der Bereiche Musik und Selbstwahrnehmung). Was aber keinesfalls negativ gemeint ist, sondern allerhöchstens ein klein wenig nüchterner im positivsten aller denkbaren Sinne. Denn: was mir sehr gut tat und tut, ist, dass wir kein konkretes „Geschäftsmodell“ (ausdrücklich in Anführungszeichen) haben außer der Hoffnung bzw. der Idee. Dass alles ein kleines bisschen Gaga zu sein scheint, dass wir eben keine Agentur mit einer Logoentwicklung beauftragt haben und keine zwölf Screendesigner gegeneinander pitchen ließen, sondern ein existierendes Wordpress-Theme umgebaut haben, bis es für uns halt irgendwie hübsch aussah. Dass wir hier weder Nachrichtenportal noch Blog noch irgendwas konkretes „sein möchten“, sondern einfach mal sehen, ob wir eine Lücke schließen können, die uns als solche auffiel. Und dass wir uns Solokarpfen nennen und nicht .. naja .. anders.

So richtig verstanden habe ich das Solokarpfen-Anliegen tatsächlich erst, als mir Parallelen zu byte.fm auffielen. Dort: ein paar Menschen, die Radio machen wollen, weil sie Radio machen möchten – und alles andere ergibt sich dann schon irgendwie. Hier: ein paar Menschen, die Raum bieten wollen für (hoffentlich) tolle und (hoffentlich) lesenswerte Texte guter Autoren – und alles andere ergibt sich dann schon irgendwie.

Wir sind keine Huffington Post. Wir starten ohne irgendwelches Kapital außer den eigenen Ausgaben für Kaffee und Pizza, wir haben in fast keinem Bereich so richtig ein benennbares Ziel außer dem einen, wichtigen, dass es „gut“ werden (besser: dass es sich gut anfühlen) soll. Komischerweise war das nämlich einer der Punkte, den wir (also zumindest ich) bei allen vergleichbaren Angeboten vermisst hatten: die Haltung, die Absicht, die Begeisterung für das, was man so unter’s Volk bringt. Es gab hier keine Pressemitteilung zum Start, die „Launch-Party“ fand in einem Skype-Chat statt, und als „beta“ sind wir eben online, weil es schwer fällt, potentielle Autoren auf ihren Idealismus anzusprechen, solang die Site noch nicht öffentlich ist. Dass das jetzt alles noch nicht so perfekt ist, wie wir’s dann irgendwann gerne hätten: ja. Geschenkt. Aber auch, was das angeht: wir gucken einfach mal. Klappt schon, irgendwie. Klappt ja meistens, alles.

2 Kommentare

  1. Pathos in der Selbstwahrnehmung ist selbstverständlich essentiell. In Projektdingen wird es für gewöhnlich ekelig. Deswegen ist mir euer Launch-Understatement deutlich lieber als die zehntausendste Wir-verändern-die-Welt-oder-zumindest-unsere-Wohnzimmereinrichtung-Party.

    Dass Ihr das jetzt einfach so macht ist genau richtig, auch wenn ich wirklich nicht verstehe, welcher Teufel euch geritten hat, ausgerechnet „Solokarpfen“ zum Nom („Nom Nom Nom!“) de Guerre zu erwählen.

    Zur Qualität der Texte habe ich, ehrlich gesagt, noch keine Meinung, da muss man wohl einfach abwarten, was da noch so kommt. Dass jeder von Euch schreiben kann steht außer Frage, aber ob das, was dann so aufgeschrieben wird, mich letztlich auch interessiert, steht auf einem anderen Blatt – und sollte euch herzlich egal sein. Ist es auch und ergo, wieder, vollkommen richtig.

    Einzig, was ich vermisse: _Etwas_ mehr Fokussierung. Denn einen weiteren Stream of Consciousness brauche zumindest ich nicht. Dafür gibt es DIGG und RL-Trinkgelage mit Freundschaftsschwüren und schmissiger Musik. Denn aus dem Alter, in dem ich Freundschaft gleichsetze mit „alles super wichtig finden, was der andere so macht“, bin ich raus. Wenn ich mich also zur nüchternen Betrachtung zwinge, sehe ich eher noch Luft nach oben. Aber das ist wohl das beste, was man zum eines Neustarts sehen kann. Also: haltet ein paar Monate durch und gebt euch genug Zeit, in Ruhe zu wachsen. In welche Richtung auch immer.

    [brillantes Musik-Zitat hier einsetzen]

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