Wahrscheinlich war ein Hauch Winterdepression dabei gewesen. Wir waren unzufrieden. Mit den überschaubar interessanten Inhalten mancher Mainstream-Onlinemedien. Das war vergangenen Dezember. Und so hatte sich der Wunsch nach etwas Neuem verfangen: Einem journalistischen Angebot, das von alten hierarchischen Redaktionsstrukturen befreit ist. Nach gefeilten Inhalten statt schneller Nachrichten. Nach erklärenden Hintergründen statt effekthaschender Eilmeldungen. Nach einem Multiblog zum Zeitgeschehen, in dem man stöbern kann wie in einer Zeitung, und so auf Themen stößt, die man beim Lesen seiner Lieblingsblogs nicht entdeckt hätte. Einem Portal also, das mehr ist als die Summe von Einzelblogs. Und so fingen wir an, eine Seite zu basteln, deren erstes Ergebnis seit heute für alle zu sehen ist: Die Betaversion von Solokarpfen ist online.
Es klingt platt, aber ich finde keine anderen Worte: Solokarpfen ist der Versuch, die Krise der Medienlandschaft als Chance zu sehen und zu nutzen. Wir sind überzeugt davon, dass der technische Fortschritt die Medien radikal verändert. Weil alle Hürden des Publizierens gefallen sind, und weil die Finanzierung von journalistischen Inhalten neue Wege finden muss.
Ersteres bedeutet: Da keine Druckmaschinen mehr gekauft und keine Redaktionsräume mehr angemietet werden müssen, können Journalisten selbst zu Verlegern werden. Es ist einfach und günstig. Bei Solokarpfen zum Beispiel hören der Redaktionsassistent, der Konferenzraum und das Redaktionsbüro auf den selben Namen: Basecamp. Das Web-Tool von 37Signals kostet 12 Dollar im Monat, und es lässt sich damit so ziemlich alles organisieren.
Und was, zweitens, die Finanzierung von Solokarpfen betrifft: Es ist die dem Internet angemessene, nämlich eine Finanzierung durch freiwillige Unterstützung. Alle Inhalte auf unserm Portal sind für alle User kostenfrei zugänglich. Wir appellieren lediglich an die Solidarität, nach dem Motto: Unterstützen, was man gut findet! Und wir können wegen geringer Fixkosten garantieren: Der weitaus größte Teil der Einnahmen wird an die Autoren ausgeschüttet.
Vor allem aber geht es uns um eines: Wir wollen publizieren ohne Vorgaben, frei von Interessen Dritter. Weil das Schreiben uns antreibt. Weil wir gehört werden wollen, wir diskutieren, uns durchsetzen, uns überzeugen lassen möchten – auf dass wir alle unterhalten, schlauer und lustiger werden.








Ein Kommentar
Schöne Idee. Neben der thematischen Freiheit würde ich mir aber noch ein paar Bemühungen in Richtung Layout wünschen – korrekte Typographie, einheitliches Schriftbild, gefälligere Zeilenschaltung.