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	<title>Solokarpfen &#187; Hannah Müller</title>
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	<description>Bestimmte Artikel</description>
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		<title>Die Liebe in Zeiten des postmodernen Kinos</title>
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		<pubDate>Sun, 02 Aug 2009 22:27:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hannah Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kino]]></category>
		<category><![CDATA[Pedro Almodóvar]]></category>
		<category><![CDATA[Penélope Cruz]]></category>

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		<description><![CDATA[Pedro Almodóvars neuer Film "Zerrissene Umarmungen" (Bundesstart 6. August) erz&#228;hlt von einer tragischen Dreiecksbeziehung, in deren Mittelpunkt Penélope Cruz steht. Almodóvar setzt die Sch&#246;nheit gekonnt in Szene, verliert daf&#252;r aber den Rest des Films aus den Augen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine junge sch&#246;ne Frau wird von ihrem &#228;lteren Chef umworben, widersteht ihm aber zun&#228;chst. Ihr Vater wird krank, der Chef bezahlt die Behandlung, und in einer Anwandlung von – was? Dankbarkeit? Pflichtgef&#252;hl? – wird die Frau seine Geliebte. Dann (wie k&#246;nnte es anders sein?) trifft sie einen j&#252;ngeren, attraktiveren Mann und verliebt sich in ihn; der &#228;ltere Mann vergeht vor Eifersucht und spioniert den beiden nach: Und nat&#252;rlich endet am Ende alles in einer gro&#223;en Trag&#246;die.</p>
<p>Klingt wie im Film? Nun ja – es <em>ist</em> ein Film, um den es hier geht: &#8222;Zerrissene Umarmungen&#8220; (&#8222;Los abrazos rotos&#8220;), das neue Werk von Pedro Almodóvar. Allerdings – eine Handlung, die klingt wie die einer durchschnittlichen Liebestrag&#246;die, h&#228;tten wir vom Altmeister des spanischen Autoren-Kinos doch eigentlich nicht erwartet.</p>
<p>Sicher, ganz so einfach ist es nat&#252;rlich nicht: Die Dreiecksgeschichte um die junge Sch&#246;ne und ihre beiden Liebhaber erleben wir nur in einer R&#252;ckblende, erz&#228;hlt von einem, dessen Berufung das Erz&#228;hlen, dessen Beruf das Filmemachen ist. Der blinde Drehbuchautor Harry Caine (Lluís Homar), fr&#252;her bekannt als Regisseur unter dem Namen Mateo Blanco, erz&#228;hlt dem jungen Diego, Sohn seiner ehemaligen Produktionsleiterin, die Geschichte seines Lebens: von der tragischen Liebe zu seiner Hauptdarstellerin Lena (Penélope Cruz), seinem letzten Film, den er nie beenden konnte, und dem Unfall, der ihn sein Augenlicht kostete.</p>
<p>Und – tja, das war es eigentlich auch schon. Freilich, es gibt ein paar zus&#228;tzliche Verwicklungen &#8211; eine unvermittelt aufgedeckte Verwandtschaftsbeziehung; ein aus der Ferne schmachtender Verehrer des Regisseurs und eine aus der N&#228;he ebenso ungl&#252;cklich liebende Verehrerin; dazu ein Techtelmechtel des erblindeten Caine mit einer Stra&#223;enbekanntschaft und Diegos Arbeit als DJ in einem hippen Club. Doch all diese Nebenstr&#228;nge verlieren sich mehr oder minder im Nichts, scheinen wie beil&#228;ufig eingestreut, nebenbei ersonnen und ebenso rasch wieder vergessen; und das wirkt hier leider weniger wie ein Spiel mit filmischen Erz&#228;hlkonventionen als vielmehr wie pure Zerstreutheit.</p>
<p>Umso mehr konzentriert sich die Kamera daf&#252;r auf die Hauptdarstellerin, und das kann man ihr kaum verdenken: Penélope Cruz ist eine der (wenigen) Schauspielerinnen, die in jeder Rolle die gleiche faszinierende Ausstrahlung haben &#8211; sei es als abgearbeitete Mutter in &#8222;Volver&#8220; oder als manisch-depressive K&#252;nstlerin in &#8222;Vicky Cristina Barcelona&#8220; &#8211;, und selbst wenn sie in &#8222;Zerrissene Umarmungen&#8220; nackt vor der Toilette kauert und sich &#252;bergibt, ist sie irgendwie noch sch&#246;n. Dass Almodóvar wei&#223;, wie man Sch&#246;nheiten in Szene setzt, ist nichts Neues: An Penélope Cruz hat er das bereits ebenso bewiesen wie an Gael García Bernal, dessen androgyne Anmut er in &#8222;La Mala Educación&#8220; inszenierte.</p>
<p><img src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/zerriss-umarm-gross-250x165.jpg" alt="Bild: (c) Tobis" title="Bild: (c) Tobis" width="250" height="165" class="alignleft size-medium wp-image-1133" /> Um einen Film zu tragen, reicht das leider nur eigentlich nicht aus. Es kommt immer wieder vor, dass gro&#223;e Regisseure in der anbetenden Betrachtung ihrer Hauptdarstellerin den Rest des Films aus den Augen verlieren &#8211; das konnte man in den letzten Jahren bei Quentin Tarantinos Hommage an Uma Thurman in &#8222;Kill Bill&#8220; ebenso beobachten wie in Woody Allens Filmen mit Scarlett Johansson &#8211;; Almodóvar treibt dies in seinem neuen Film jedoch auf die Spitze, und zwar gleich in doppelter Hinsicht: Wie die Kamera von Cruz’ Gesicht gefesselt scheint, so verf&#228;llt auch die m&#228;nnliche Hauptfigur des Films, der Regisseur Mateo Blanco, seiner Hauptdarstellerin so schnell, dass er seinen Film nicht mal zu Ende dreht, sondern mit Lena nach Lanzarote durchbrennt &#8211; auf der Flucht vor ihrem Liebhaber, dem alternden Industriellen und Filmproduzenten Ernesto Martel (José Luis Gómez).<br />
Nicht nur in dieser Hinsicht ist der Film durchaus selbstreflexiv zu nennen, denn &#8222;Zerrissene Umarmungen&#8220; handelt letztlich immer auch vom Filmemachen &#8211; auch jenseits der Dreiecksbeziehung zwischen Regisseur, Produzent und Hauptdarstellerin. Unter der Handlung liegt eine Ebene von Motiven des Sehens und der (bewegten) Bilder, die den ganzen Film durchziehen: Da werden Fotos zerrissen und wieder zusammengesetzt; da wird der Plot f&#252;r einen erotischen Vampirfilm fantasiert und der ein oder andere Filmklassiker zitiert &#8211; nicht zuletzt Almodóvars eigener &#8222;Mujeres al borde de un ataque de nervios&#8220; (&#8222;Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs&#8220;). Da bittet der blinde Autor, weil er sie ja nicht sehen kann, eine junge Frau, sich selbst detailliert zu beschreiben, bevor er an ihrem K&#246;rper die Wahrheit ertastet; in der Umkehrung dieses Motivs sieht sich der eifers&#252;chtige Martel stumme Amateuraufnahmen vom Filmset an und engagiert, weil er ja nichts h&#246;ren kann, eine Lippenleserin, die die Gespr&#228;che zwischen den heimlichen Geliebten &#252;bersetzt. Und sein ungl&#252;cklicher, einsamer Sohn h&#228;lt alles mit seiner Kamera fest, in seinem fast obsessiven Wunsch, dem Regisseur Blanco n&#228;her zu kommen.</p>
<p>Dass dies, trotz mannighafter Metaphern und bedeutungsschwerer Symbolik, f&#252;r eine Parabel &#252;ber das Wesen des Filmemachens dennoch etwas vage bleibt, st&#246;rt dabei nicht allzu sehr – die einzelnen Bilder stehen eigentlich auch ganz gut f&#252;r sich. Viel verwirrender scheint einem da die f&#252;r Almodóvar doch eher ungew&#246;hnliche Tendenz zur stereotypen Heteronormativit&#228;t. Nat&#252;rlich darf auch jemand wie Pedro Almodóvar, der bereits alle Schattierungen sexueller Orientierung und Pr&#228;ferenz in seinem Werk verarbeitet hat,  mal einen Film &#252;ber eine konventionelle, heterosexuelle Dreiecksbeziehung drehen. Dass er aber aus der einzigen homosexuellen Figur in &#8222;Zerrissene Umarmungen&#8220;, dem Industriellen-Sohn Ray, eine geradezu l&#228;cherliche und Mitleid erregende Gestalt macht, das verwundert dann doch ein wenig. Die parodistische Charakterisierung mag der Tatsache geschuldet sein, dass man ihn oft nur durch die verzerrende Brille von Caines Erinnerung sieht; oder vielleicht auch der nicht ganz abwegigen Vermutung, dass eben auch die Figuren des Films irgendwie Teil dieser gro&#223;en Allegorie &#252;ber die Arbeit des Filmemachers sind und nicht so sehr &#8222;echte&#8220; Charaktere &#8211; dennoch: ein unguter Nachgeschmack bleibt.</p>
<p>Dass &#8222;Zerrissene  Umarmungen&#8220; elegant erz&#228;hlt, gekonnt gefilmt ist &#8211; daran besteht sicher kein Zweifel. Dass Almodóvar Symbolik mit ge&#252;bter Hand einsetzt und routiniert seine eigenen Filme zitiert &#8211; auch das will man nicht bestreiten. Doch das Besondere an Almodóvars Filmen war bisher stets sein Hang zum Absurden, sein Spiel mit der Abgr&#252;ndigkeit, seine Sympathien selbst f&#252;r die entlegensten Winkel der menschlichen Seele: Eine Entf&#252;hrte, die sich in ihren Kidnapper verliebt; somnophile Krankenpfleger und sexuell verwirrte Herrschers&#246;hne; oder eine Frau, die den get&#246;teten Ehemann in der Tiefk&#252;hltruhe versteckt &#8211; das sind die Figuren, die er auf so bet&#246;rende Art und Weise f&#252;r sein Publikum lebendig werden l&#228;sst.</p>
<p>F&#252;r die sch&#246;ne, aber untalentierte Schauspielerin Lena dagegen, die erst mit ihrem Chef schl&#228;ft und dann mit ihrem Regisseur &#8211; f&#252;r die empfindet man herzlich wenig, kinematografische Metaphorik hin oder her.</p>




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		<title>Die Qual der Puppen</title>
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		<pubDate>Sat, 13 Jun 2009 15:48:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hannah Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Dollhouse]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[Joss Whedon]]></category>

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		<description><![CDATA[Unter dem oberfl&#228;chlichen Mix aus Thrill und Erotik verbergen sich in "Dollhouse", der neuen Serie von Joss Whedon, auch ethische Fragestellungen. Die DVD, die im Juli erscheint, erleichtert die Spurensuche.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Joss Whedon ist unter den Serienmachern des amerikanischen Fernsehens ein Star &#8211; allerdings einer, von dem man nie genau wei&#223;, ob er gerade im Steigen oder im Sinken ist. Mit &#8222;Buffy &#8211; The Vampire Slayer&#8220; landete er 1998 einen Riesenhit: Die Serie lief &#252;ber sieben Staffeln, und auch das etwas d&#252;sterere Spin-Off &#8222;Angel&#8220; brachte es auf f&#252;nf Staffeln und zu einer bemerkenswerten Beliebtheit.</p>
<p>Doch seine n&#228;chste Serie &#8222;Firefly&#8220; wurde nach nur einer halben Staffel abgesetzt &#8211; vermutlich nicht zuletzt, weil der Sender die Folgen in einer falschen Reihenfolge ausstrahlte. Im R&#252;ckblick war die Absetzung von &#8222;Firefly&#8220; ein gravierender Fehler &#8211; die Serie &#252;ber die bunt zusammengew&#252;rfelte Renegaten-Crew eines kleinen Raumschiffs, die ebenso sehr Science Fiction wie Western ist, hat einen spannenden Plot und ist exzellent gecastet. Die Fans erkannten diese Qualit&#228;ten und verschafften &#8222;Firefly&#8220; rasch einen Kultstatus, der bis heute anh&#228;lt und zumindest zur Produktion des Kinofilms &#8222;Serenity&#8220; f&#252;hrte, der 2005 in die Kinos kam.</p>
<p>Nun waren in den USA die 12 Folgen der ersten Staffel von Joss Whedons neuer Serie &#8222;<a href="http://www.fox.com/dollhouse/">Dollhouse</a>&#8220; zu sehen, die im Juli auch auf DVD erscheint (w&#228;hrend genaugenommen sogar <a href="http://www.sablog.de/2009/04/17/so-viele-serien-so-wenig-zeit-iii-war-sonst-noch-was/">14 produziert wurden</a>). Eine zweite Staffel wurde bereits genehmigt &#8211; eine <a href="http://www.thrfeed.com/2009/05/dollhouse-second-season.html">Nachricht, die Fans wie Kritiker eher &#252;berrascht haben d&#252;rfte</a>, wurde der Serie doch schon von Anfang an ein &#228;hnliches Schicksal wie &#8222;Firefly&#8220; prophezeit. Die Skepsis ist verst&#228;ndlich: Der Erfolg einer Fernsehserie h&#228;ngt schlie&#223;lich nicht nur von der Originalit&#228;t des Konzepts ab, sondern auch &#8211; und vielleicht sogar noch mehr &#8211; von der Beliebtheit der Charaktere. Und was soll man halten von einer Show, deren zentralem Charakter genau das fehlt &#8211; Charakter n&#228;mlich?</p>
<p>Im &#8222;Dollhouse&#8220;, einem abgeschirmten Geb&#228;udekomplex irgendwo in Los Angeles, arbeiten die Angestellten des geheimnisvollen Forschungsinstituts &#8222;Rossum Corporation&#8220; an einem spektakul&#228;ren Experiment. Experimentiert wird allerdings nicht mit Chemikalien oder Versuchskaninchen, sondern mit Menschen. Junge Frauen und M&#228;nner, die ihr altes Leben hinter sich gelassen haben, und zwar im radikalsten Sinne: Ihre komplette Pers&#246;nlichkeit, mit all ihren Charakterz&#252;gen und Erinnerungen, wurde gel&#246;scht &#8211; sie sind Puppen (&#8222;Dolls&#8220;) im wahrsten Sinne des Wortes. Diese &#8222;Actives&#8220; werden nun f&#252;r Eins&#228;tze vermietet, deren Bandbreite vom Auftragsverbrechen bis hin zum Escort-Service reicht; und f&#252;r jeden dieser Eins&#228;tze wird ihnen eine neue, vor&#252;bergehende Pers&#246;nlichkeit &#8222;aufgespielt&#8220;, eine Mischung aus Pers&#246;nlichkeiten realer, oft verstorbener Menschen, von deren Authentizit&#228;t die Actives selbst v&#246;llig &#252;berzeugt sind &#8211; bis sie ihren Einsatz erf&#252;llt haben und ins Dollhouse zur&#252;ckkehren, wo auch diese Identit&#228;t wieder von der &#8222;Festplatte&#8220; ihres Gehirns gel&#246;scht wird.</p>
<p>Der Fokus der Serie liegt auf Echo (gespielt von Eliza Dushku, bekannt als Faith aus &#8222;Buffy&#8220;), einer der begehrtesten Aktiven des Dollhouse. In ihrem fr&#252;heren Leben hie&#223; sie Caroline, und auf sie konzentrieren sich auch die Nachforschungen des FBI-Agenten Paul Ballard (Tahmoh Penikett), der gegen den Widerstand seiner Vorgesetzten das Geheimnis um das Dollhouse aufkl&#228;ren will.</p>
<p>Echos Kontaktperson auf Eins&#228;tzen, ihr Handler, ist Boyd Langton (Harry Lennix), der neu zum Dollhouse st&#246;&#223;t, nachdem Alpha, einer der Aktiven, Amok gelaufen ist und ein Blutbad angerichtet hat, dem auch Echos fr&#252;herer Handler zum Opfer gefallen ist. Alpha ist untergetaucht und verk&#246;rpert damit neben Agent Ballard die zweite Gefahr f&#252;r das Dollhouse von au&#223;en &#8211; aber seine Tat zeigt bereits, dass der Erfolg des Experiments auch von innen bedroht wird: Denn das &#8222;Bespielen&#8220; der Aktiven mit Pers&#246;nlichkeiten funktioniert nicht so perfekt, wie es sollte. Bei Echo kommt es in extremen Stresssituationen zu Rissen in der aufgespielten Identit&#228;t; Erinnerungsfetzen fr&#252;herer Identit&#228;ten tauchen pl&#246;tzlich in ihrem Ged&#228;chtnis auf.</p>
<p>Dass die Willenlosigkeit der Aktiven nicht v&#246;llig absolut ist und br&#252;chig wird, war zu erahnen und ist schon aus filmdramaturgischen Gr&#252;nden fast zwangsl&#228;ufig &#8211; die permanente Wiederholungsschleife von neuen Pers&#246;nlichkeiten und ihrer L&#246;schung muss unterbrochen werden, wenn &#252;berhaupt Handlung und Spannung erzeugt werden sollen; wenn aber die Aktiven beginnen, ein eigenes Bewusstsein zu entwickeln, dann wird dadurch die Grundkonstellation der Serie fr&#252;her oder sp&#228;ter obsolet.  Das ist nicht schlimm, macht es aber fragw&#252;rdig, ob das Konzept der Serie Spielraum l&#228;sst f&#252;r mehr als drei Staffeln.</p>
<p>Ein anderes Problem erscheint gravierender, weil es nicht nur ein filmisches, sondern auch ein moralisches ist. Es ist klar, dass das Szenario des &#8222;Dollhouse&#8220; Fragen nach M&#252;ndigkeit aufwirft, nach Konsens. Denn die Aktiven werden auf ihren Eins&#228;tzen nicht nur Situationen ausgesetzt, in denen ihr Leben in Gefahr ist, sie agieren auch als sexuelle Dienstleister &#8211; in jedem Fall handelt es sich um Extremsituationen, auf die keinerlei Einfluss haben.</p>
<p>Die moralische Frage hier &#228;hnelt dem Dilemma, das Pedro Almodóvar in seinem Film &#8222;Sprich mit ihr&#8220; aufbrachte: Darf man mit einer Koma-Patientin Sex haben &#8211; sie merkt es ja nicht? Die Antwort ist, rechtlich wie moralisch, sicher ein Nein. Dass die Aktiven vor ihrem Eintritt ins Dollhouse der L&#246;schung ihrer Pers&#246;nlichkeiten zugestimmt haben, macht die Sache ein wenig komplizierter &#8211; aber auch nur ein wenig: Denn durch die L&#246;schung ihrer Pers&#246;nlichkeit begeben sie sich in einen Zustand der Unm&#252;ndigkeit, und in diesem Zustand k&#246;nnen sie dem, was mit ihnen geschieht, nicht mehr zustimmen oder sich ihm verweigern &#8211; was bedeutet, das alles, was mit ihnen im Dollhouse geschieht, einen Missbrauch darstellt, an Seele, K&#246;rper und Geist.</p>
<p><div id="attachment_570" class="wp-caption alignleft" style="width: 144px"><a href="http://www.fox.com/dollhouse/"><img src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/06/dollh-134x134.jpg" alt="Dollhouse" title="Bild: (c) FOX" width="134" height="134" class="size-thumbnail wp-image-570" /></a><p class="wp-caption-text">Dollhouse</p></div> Nun ist nat&#252;rlich nichts dagegen einzuwenden, wenn eine Fernsehserie solche Themen aufgreift und diskutiert. Nein, dagegen w&#228;re gar nichts zu sagen &#8211; wenn die Situationen, denen die Aktiven ausgesetzt werden, nicht gar so sehr an erotische (M&#228;nner-)Fantasien erinnerten. Die Szenarien, in die Echo geworfen wird, sind fast immer sexuell aufgeladen und dienen nicht zuletzt dazu, Echo selbst entsprechend in Szene zu setzen: Selbst in ihrer Rolle als Spezialistin f&#252;r Entf&#252;hrungsf&#228;lle, deren Pers&#246;nlichkeit sie gleich in der ersten Folge &#252;bernimmt, &#228;hnelt sie mit strenger Brille, straff zur&#252;ckgebundenem Haar und deutlich zu eng sitzender, halb ge&#246;ffneter Kost&#252;mbluse leider ein bisschen zu sehr der toughen Gesch&#228;ftsfrau in der Eingangsszene eines Softpornos, kurz bevor sie vom muskul&#246;sen Heizungsinstallateur auf ihrem Schreibtisch gev&#246;gelt wird.</p>
<p>Freilich: Erotische Fantasien sind ja nicht Schlechtes, selbst stereotype nicht; und &#8222;Dollhouse&#8220; ist weder die erste noch die letzte Serie, die sich solcher Schablonen bedient. Das Problem ist, dass diese Klischees im Kontext der Handlung von &#8222;Dollhouse&#8220; gerade den Diskurs &#252;ber die Entm&#252;ndigung der Figuren unterminieren und das Ganze etwas fragw&#252;rdig erscheinen lassen &#8211; denn der Zuschauer wird dadurch in eine Situation gebracht, in der er selbst die Aktiven permanent objektiviert. Es ist nicht ganz auszuschlie&#223;en, dass das von Joss Whedon sogar beabsichtigt ist &#8211; aber vielleicht &#252;bersch&#228;tzt man mit dieser Vermutung doch auch die Selbstreflektiertheit der Serie, und es geht letztlich dann doch nur darum, Dushkus Oberweite ins Bild zu setzen.</p>
<p>Das ist &#8211; ganz abgesehen von moralischen Implikationen &#8211; zwar fraglos &#228;sthetisch gef&#228;llig, aber vom Blickwinkel k&#252;nstlerischer Originalit&#228;t aus gesehen doch auch ein bisschen entt&#228;uschend. Nach den komplexen und selbstbewussten weiblichen Charakteren, die Whedon f&#252;r &#8222;Firefly&#8220; erfand, erscheinen in &#8222;Dollhouse&#8220; nicht nur die &#8222;Puppen&#8220; ein wenig pers&#246;nlichkeitsarm: Zwar haben in dem Netz aus Intrigen und Geheimnissen alle Figuren etwas zu verbergen &#8211; so richtig interessant werden sie dadurch aber nicht.</p>
<p>Letztlich ist dies wohl auch die gr&#246;&#223;te Schwachstelle der Serie: Keine Frage, das Konzept ist faszinierend; die &#196;sthetik f&#228;ngt stilsicher die subtil d&#252;stere, anti-utopistisch futuristische Atmosph&#228;re ein, die Whedon so gut beherrscht; und der Plot ist ein komplexes, elaboriertes Gespinst aus falschen F&#228;hrten und langsam enth&#252;llten Geheimnissen. Vielleicht ist aber das Konstrukt doch ein bisschen <em>zu</em> elaboriert: Denn die Komplexit&#228;t der Handlung zwingt die Charaktere in die Rolle von Schachfiguren &#8211; f&#252;r Charakterentwicklung bleibt da kein Raum.</p>




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		<title>Portmans neue Rolle</title>
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		<pubDate>Tue, 02 Jun 2009 19:47:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hannah Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gerede]]></category>
		<category><![CDATA[Christine Aylward]]></category>
		<category><![CDATA[Filmproduktion]]></category>
		<category><![CDATA[Kino]]></category>
		<category><![CDATA[Natalie Portman]]></category>
		<category><![CDATA[Website]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Schauspielerin als Journalistin: Natalie Portman hat auf dem New Yorker Tribeca Film Festival ihr neues Online-Portal Makingof.com pr&#228;sentiert - eine Webseite mit Insiderwissen &#252;bers Filmemachen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Hat ein neues Online-Portal unter vielen anderen heute die Chance, sich durchzusetzen? Und brauchen wir es &#252;berhaupt? Nun, wenn es eine neue Idee ins Spiel bringt und gut gemacht ist – dann ja, auf jeden Fall.</p>
<p>So denken all jene, die von ihrer Online-Idee &#252;berzeugt sind. Und so denkt offensichtlich auch Schauspielerin Natalie Portman – pr&#228;sentierte sie doch erst k&#252;rzlich auf dem  Tribeca Film Festival Ende April in New York die Beta-Version ihres neuen Online-Portals <a href="http://www.makingof.com">&#8222;Makingof.com&#8220;</a>.</p>
<p><div id="attachment_520" class="wp-caption alignleft" style="width: 144px"><a href="http://www.flickr.com/photos/mondi/2911352894/"><img class="size-thumbnail wp-image-520" title="Bild: (cc) mondi @ flickr.com" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/06/portman-134x134.jpg" alt="Bild: (cc) mondi @ flickr.com" width="134" height="134" /></a><p class="wp-caption-text">Dreht, produziert, interviewt: Natalie Portman</p></div> Dabei ist es ja nicht so, als h&#228;tte Portman nichts zu tun: Vergangenes Jahr erst gr&#252;ndete sie mit Handsomecharlie Films ihre eigene Produktionsfirma, deren erstes eigenes Projekt, ein schwarzhumoriges Familiendrama mit dem Titel &#8222;Hesher&#8220;, soeben in Los Angeles gedreht wird. Im Winter dieses Jahres wird &#8222;Brothers&#8220; in den Kinos erwartet, in dem Portman neben Jake Gyllenhaal und Tobey Maguire spielt, und auch in dem Episodenfilm &#8222;New York, I love you&#8220; wird sie ab Januar 2010 in deutschen Kinos zu sehen sein.</p>
<p>Und dennoch scheint die Schauspielerin, die am 9. Juni 2009 ihren 28. Geburtstag feiert, noch Zeit &#252;brig zu haben, um sich anderen Dingen zu widmen: &#8222;Wir sahen, dass wirklich ein Bedarf besteht an einer zentralen Quelle f&#252;r Insider-Informationen &#252;ber das Filmemachen&#8220;, sagte Portman in einem <a href="http://www.vanityfair.com/online/oscars/2009/04/makingof-a-backstage-pass-to-movies-courtest-of-natalie-portman.html">Interview</a> mit &#8222;Vanity Fair&#8220; im New Yorker Apple Store. Und <a href="http://www.makingof.com">&#8222;Makingof.com&#8220;</a> will diesen Mangel beheben: Das Portal, entwickelt von Portman und Christine Aylward, einer Unternehmerin und Beraterin aus Kalifornien, tritt unter dem Motto &#8222;Front Row. Behind the Scenes.&#8220; (In der ersten Reihe. Hinter den Kulissen.) dazu an, Cineasten einen exklusiven Einblick in die Produktion von Kinofilmen zu gew&#228;hren.</p>
<p>Die Webseite bietet Interviews mit Akteuren aus allen Bereichen der Filmproduktion: Regisseur Marc Forster und Schauspieler Ben Stiller sprechen hier ebenso &#252;ber ihre Arbeit wie Casting Directors, Stuntmen oder Special Effects-Experten. Dass Portman selbst in der Filmbranche zuhause ist und die n&#246;tigen Kontakte hat, schadet der Sache sicher nicht: Den beiden  Frauen ist es gelungen, die gro&#223;en Namen der jeweiligen Z&#252;nfte f&#252;r das Projekt zu gewinnen – darunter etwa Hans Zimmer, zur Zeit sicher einer der erfolgreichsten Komponisten f&#252;r Filmmusik weltweit.</p>
<p>Diese Interviews bilden, unter dem Schlagwort &#8222;insiders&#8220;, gewisserma&#223;en das Herz des Portals. Flankiert werden sie durch die Rubriken &#8222;filming now&#8220; und &#8222;the vault&#8220;, die Filmausschnitte, Trailer und Interviews zu aktuellen und &#228;lteren Kinofilmen vorstellen, sowie die obligatorische &#8222;community&#8220;, die im Augenblick aber noch mit den Worten &#8222;coming soon&#8220; auf sp&#228;ter vertr&#246;stet.</p>
<p>Es ist offensichtlich, dass das Archiv noch im Aufbau begriffen ist: Die eingestellten Interviews und Clips sind spannend und informativ, aber noch nicht sehr zahlreich &#8211; lassen aber doch bereits erahnen, dass hier eine lebendige, spannende Plattform f&#252;r Filminteressierte entstehen k&#246;nnte.</p>
<p>In einer Zeit, in der sich Fans auf internationalen Weblog-Portalen wie <a href="http://www.livejournal.com">&#8222;Livejournal&#8220;</a> oder dem neu gegr&#252;ndeten <a href="http://www.dreamwidth.org">&#8222;Dreamwidth&#8220;</a> finden und in Communitys zusammenschlie&#223;en; in der zu jedem gro&#223;en Kinofilm eine aufw&#228;ndige Webseite lanciert wird, die von kostenlosen Wallpaper-Downloads bis zu Charakter-Profilen alles bietet; und in der jeder, den es interessiert, &#252;ber <a href="http://www.twitter.com">&#8222;Twitter&#8220;</a> nun auch mitverfolgen kann, wann Schauspieler nach einem anstrengenden Drehtag ins Bett gehen oder was sie zum Mittagessen hatten &#8211; da liegt ein Portal wie <a href="http://www.makingof.com">&#8222;Makingof.com&#8220;</a> jedenfalls voll im Trend: Die Gr&#252;ndung dieser Webseite zeigt einmal h&#228;ufiger, dass das Kinoerlebnis heute weit &#252;ber den roten Sessel und eine T&#252;te Popcornhinausreicht: Im Internet geht es weiter.</p>
<p>Foto: <a href="http://www.flickr.com/">Flickr</a>/<a href="http://www.flickr.com/photos/mondi/2911352894/">mondi</a> (<a href="http://creativecommons.org/licenses/by/2.0/deed.de">CC-Lizenz</a>)</p>




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		<title>Es war einmal</title>
		<link>http://www.solokarpfen.de/kultur/480-fortsetzung-folgt/</link>
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		<pubDate>Sun, 24 May 2009 13:08:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hannah Müller</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Kino]]></category>
		<category><![CDATA[Prequel]]></category>
		<category><![CDATA[Sequel]]></category>
		<category><![CDATA[Star Trek]]></category>
		<category><![CDATA[Wolverine]]></category>

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		<description><![CDATA[Hollywoods Fortsetzungswahn treibt Drehbuchautoren und Kinofans an die Grenzen ihrer Vorstellungskraft. Dagegen liefert das Prequel – quasi die Vorgeschichte zu einem Film - den Beweis, dass ein guter Stoff noch lange nicht am Ende ist. Im Gegenteil. "Wolverine" und "Star Trek - The Future Begins" erfinden ihre Geschichte so neu wie gut.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Schon 2006 hatte sich diese Entwicklung angek&#252;ndigt mit Filmen wie &#8222;X-Men 3&#8243;, &#8222;Ice Age 2&#8243; und dem Stallone-Comeback &#8222;Rocky Balboa (Rocky VI)&#8220; – 2007 aber erreichte sie ihren H&#246;hepunkt, mit einem Kinosommer, der uns eine Flut von Fortsetzungen brachte: &#8222;Spiderman 3&#8243;, &#8222;Ocean&#8217;s 13&#8243;, &#8222;Fluch der Karibik 3 (At World&#8217;s End)&#8220; und &#8222;Shrek 3 (Shrek the Third)&#8220;, au&#223;erdem &#8222;Die Hard 4 (Live Free or Die Hard)&#8220; und den f&#252;nften &#8222;Harry Potter&#8220;-Film – ganz zu schweigen von den Fortsetzungen der deutschen Pre-Teen-Serien Die &#8222;Wilden Kerle (Teil 4)&#8220; und &#8222;Die Wilden H&#252;hner (Teil 2)&#8220;.</p>
<p>Was vergessen? Vermutlich. Ist aber auch nicht wirklich wichtig, denn alle diese Sequels hatten vor allem eines gemeinsam: Sie waren mittelm&#228;&#223;ig.</p>
<p><div id="attachment_486" class="wp-caption alignleft" style="width: 144px"><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:X-MEN_ORIGINS-_WOLVERINE_3355(2).jpg"><img class="size-thumbnail wp-image-486" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/05/wolverine1-134x134.jpg" title="Bild: (cc) FRZ @ wikipedia.org" alt="Bild: (cc) FRZ @ wikipedia.org" width="134" height="134" /></a><p class="wp-caption-text">Jetzt verpassen: Wolverine </p></div> Nun kann das filmk&#252;nstlerische Scheitern von Sequels nat&#252;rlich verschiedene Gr&#252;nde haben: &#8222;X-Men 3&#8243; etwa hatte das Pech, dass &#8222;X-Men&#8220;-Regisseur Bryan Singer weglief, um stattdessen den (grandios gefloppten) &#8222;Superman Returns&#8220; zu drehen, und den Regiestuhl Brett Ratner &#252;berlie&#223;, der der Sache leider nicht gewachsen war. Die sp&#228;teren &#8222;Harry Potter&#8220;-Filme k&#228;mpfen mit dem Problem, rund 700 Seiten Romanstoff auf Kinofilm-L&#228;nge herunterdampfen zu m&#252;ssen; die letzten Fortsetzungen von  &#8222;Die Hard&#8220;, &#8222;Rocky&#8220; oder &#8222;Indiana Jones&#8220; litten ganz einfach darunter, dass die Hauptdarsteller f&#252;r ihre Rollen so langsam ein wenig alt werden. Und auch wenn Johnny Depps Keith Richards-Parodie als Captain Jack Sparrow in &#8222;Der Fluch der Karibik&#8220; fraglos ein Geniestreich war – so richtig umgehauen hat&#8217;s einen halt doch nur beim ersten Mal, und wenn man die ersten Informationen &#252;ber den geplanten vierten Teil der Piraten-Saga h&#246;rt, dann stellt sich die Frage: Will man das wirklich noch sehen?</p>
<p>Im Grunde laufen alle diese individuellen Handicaps auf ein Problem heraus, an dem die meisten Sequels kranken: Fortsetzungen entstehen eben in der Regel nicht aus einer guten Plot-Idee, sondern aus dem Wunsch der Produzenten, den Erfolg des ersten Teils an den Kinokassen zu wiederholen. Und das zeigt sich in der Ausf&#252;hrung: Eigentlich zu Ende gef&#252;hrte Geschichten werden k&#252;nstlich aufgebl&#228;ht und verl&#228;ngert; Schauspieler haben andere Verpflichtungen und m&#252;ssen ersetzt werden, oder werden einfach alt; Regisseure sind nicht vom Drehbuch &#252;berzeugt und suchen sich andere Projekte. Sicher, treue Fans bezahlen trotzdem f&#252;r die Kinokarte – &#8222;Fluch der Karibik 2&#8243; steht im Moment an dritter Stelle der erfolgreichsten, das hei&#223;t umsatzst&#228;rksten Kinofilme aller Zeiten – aber zur&#252;ck bleibt vor allem: ein schaler Nachgeschmack.</p>
<p>Das Gute ist: Es gibt Hoffnung – in diesem Jahr wird n&#228;mlich alles ganz anders. Denn in Hollywood hei&#223;t es zur Zeit &#8222;back to the roots&#8220;, und das im wahrsten Sinne des Wortes: Statt sich einen Plot f&#252;r noch eine weitere Fortsetzung aus den Fingern zu saugen, konzentriert man sich einfach auf die Vorgeschichte – und dreht ein Prequel. &#8222;X-Men Origins: Wolverine&#8220; und &#8222;Star Trek – The Future Begins&#8220; haben in den letzten Wochen vorgemacht, wie das funktioniert.</p>
<p>Nun ist &#8222;Wolverine&#8220; zwar kein wirklich guter Film – und dennoch ist war er eine angenehme &#220;berraschung: Weil Titelheld &#8222;Wolverine&#8220; (Hugh Jackman), im letzten X-Men-Film leider mehr liebeskrankes H&#252;ndchen als wirklich animalisch, hier wieder als &#8222;the coolest and hottest&#8220; der Superhelden rehabilitiert wurde. Weil der Film uns endlich mit Taylor Kitsch den charmanten Remy LeBeau alias Gambit bescherte, dessen Auftritt die Fans in den &#8222;X-Men&#8220;-Filmen bisher schmerzlich vermisst hatten. Und vor allem, weil der Film endlich die Frage nach Wolverines verlorenem Ged&#228;chtnis kl&#228;rte, genauso wie sein kompliziertes Verh&#228;ltnis zu Gegenspieler Victor Creed/Sabretooth.</p>
<p>Und war Wolverine aus diesen Gr&#252;nden befriedigend, wenn auch nicht wirklich gl&#228;nzend, so geh&#246;rt das &#8222;Star Trek&#8220;-Reboot sicher zu dem Besten, was das Blockbuster-Kino seit Fluch der Karibik hervorgebracht hat. Das Casting der Hauptrollen ist so perfekt, dass man blasphemisch behaupten k&#246;nnte, diese Schauspieler verk&#246;rperten den Geist der Charaktere &#252;berzeugender als die urspr&#252;nglichen Darsteller; der Film klebt nicht an der &#196;sthetik der Original-Serie, sondern schuf mit aktuellem Design und zeitgem&#228;&#223;en Special Effects eine ganz neue Atmosph&#228;re; und w&#228;hrend der Film genug Referenzen und Anspielungen enthielt, um das Trekkie-Herz schneller schlagen zu lassen, war die Geschichte doch so gut erz&#228;hlt, dass selbst Uneingeweihte Spa&#223; haben konnten. Und sie zeigt uns endlich das, was wir schon immer mal sehen wollten – wie war das eigentlich damals, als James T. Kirk und Mr. Spock sich kennen lernten?</p>
<p>Das Sch&#246;ne an der Idee des Prequels ist, dass eine Vorgeschichte nicht erfunden werden muss, denn sie ist immer bereits im Originalwerk angelegt – allerdings nur in Andeutungen: Der Fan bekommt Hinweise auf das, was war; einen Einblick in die Ereignisse, die den Charakter dahin gebracht haben, wo man ihm dann im Kino auf der Leinwand begegnet. Dass genau diese Vorgeschichte f&#252;r den Fan eine besondere Faszination birgt, zeigt sich deutlich im Ph&#228;nomen der Fanfiction: Seit Jahren schreiben Tausende von &#8222;Harry Potter&#8220;-Fans  auf der ganzen Welt ihre eigenen Geschichten &#252;ber das, was sie die Marauder&#8217;s Era (die &#196;ra der Herumtreiber) nennen: die Schulzeit von Harry Potters Eltern und ihren Freunden, lange vor Harry Potters Geburt.</p>
<p>Zu hoffen ist also, dass dieser neue Trend – f&#252;r den die &#8222;neue&#8220; &#8222;Star Wars&#8220;-Trilogie 1999 (trotz peinlicher Fehlbesetzung der Hauptfigur) den Grundstein legte – uns vor weiteren mittelm&#228;&#223;igen Fortsetzungen bewahrt und uns stattdessen wieder befriedigendere Blockbuster-Erlebnisse beschert. &#8222;Der Hobbit&#8220;, das Herr der Ringe-Prequel, bei dem wieder Peter Jackson Regie f&#252;hrt, ist zumindest schon f&#252;r 2012 angek&#252;ndigt.</p>
<p>Und auch wenn &#8222;Fast &amp; Furious&#8220;, der in diesem Fr&#252;hjahr erschienene vierte Teil von &#8222;The Fast and the Furious&#8220;,  noch eine traditionelle Fortsetzung ist, so war man doch schlau genug, zumindest die beiden Hauptdarsteller des ersten Teils, Vin Diesel und Paul Walker, wieder mit ins Boot (oder besser gesagt: ins Rennauto) zu holen. &#8222;New Model. Original Parts&#8220; (Neues Modell. Originalteile) war der Slogan, mit dem der Film treffenderweise warb, und der davon zeugt, dass man sich auch hier wieder auf die Wurzeln zur&#252;ckbesann, um die Fans der ersten Stunde zu binden.</p>
<p>Auch andere Franchises w&#228;ren gut beraten, sich dieser Bewegung anzuschlie&#223;en: Warner Bros. Pictures sollte die Verfilmung des ohnehin etwas entt&#228;uschenden letzten &#8222;Harry Potter&#8220;-Bandes vergessen und stattdessen Autorin J.K. Rowling lieber mit einem Drehbuch f&#252;r die oben erw&#228;hnte Vorgeschichte des Zauberer-Epos beauftragen, in der &#8222;Harry Potter&#8220;-Darsteller Daniel Radcliffe zur Abwechslung Harrys Vater spielen k&#246;nnte. Und statt den vierten Teil von Fluch der Karibik zu drehen, sollte Disney das Geld lieber in ein Prequel investieren – mit Zac Efron als jungem Jack Sparrow.</p>




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