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	<title>Solokarpfen &#187; Frank Lachmann</title>
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	<description>Bestimmte Artikel</description>
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		<title>Gesunde!, Menschenverstand.</title>
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		<pubDate>Fri, 04 Sep 2009 15:00:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frank Lachmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gerede]]></category>
		<category><![CDATA[Eisler]]></category>
		<category><![CDATA[Kant]]></category>
		<category><![CDATA[Menschenverstand]]></category>

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		<description><![CDATA[Wir leben, ohne uns daf&#252;r entschieden zu haben, so zu leben wie wir eben leben. Was wir Selbstbestimmung nennen, ist nur Egoismus: Dem gesunden Menschenverstand geht es nicht besonders toll.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der gesunde Menschenverstand ist uns angeboren, aber abhanden gekommen.</p>
<p>Mit &#8222;uns&#8220; meine ich nat&#252;rlich &#8222;euch&#8220; bzw. &#8222;Sie&#8220;, aus polemischen Gr&#252;nden muss ich aber dramatisieren und benutze dazu rhetorische Banalit&#228;ten, die die Bezeichnung Rabulistik noch nicht mal verdient haben &#8211; egal, das ist ein anderes Thema. Der gesunde Menschenverstand jedenfalls, dessen Verlust in der folgenden plattformulierten Schm&#228;hschrift kurz beklagt werden soll, ist nicht deckungsgleich mit &#8222;guter Erziehung&#8220; (erlernt bzw. anerzogen) oder &#8222;Instinkt&#8220; (umgangssprachlich Bauchgef&#252;hl), er ist vielmehr eine Stufe weiter oben angesiedelt in der Affekthierarchie: Er ist vielmehr das Gesp&#252;r <em>zur</em> subjektiv-rationalen Einsch&#228;tzung einer Lage. Er ist der Chef des Bauchgef&#252;hls.</p>
<p>&#8222;Aha, subjektiv!&#8220;, da tanzt der argumentative Hase mit dem Pfefferkorn, werden jetzt diejenigen schreien, die sich in den folgenden Abs&#228;tzen angegriffen f&#252;hlen: &#8222;subjektiv ist das Gegenteil von objektiv und ein Objektiv kann ich mir nicht leisten, &#228;tschb&#228;tsch&#8220;. Meinetwegen: Jede Quatschentscheidung kann nat&#252;rlich im Nachhinein als &#8222;subjektiv so beabsichtigt&#8220; bezeichnet werden (lies: &#8222;Ich wusste ganz genau, was ich tue, als ich diesen Monster-Burger in meinen Magen reingequetscht habe&#8220;, oder &#8222;Selbstverst&#228;ndlich weiss ich, dass der Stau sich nicht aufl&#246;st, nur weil ich wie bekloppt hupe, aber ich wollte es trotzdem tun&#8220;), aber dann halte ich gegen mit dem, was wir hoffentlich alle einmal als sogenanntwerdenwollenden &#8222;kategorischen Imperativ&#8220; kennengelernt haben und antworte &#8222;jetzt wartet doch erstmal ab, worauf ich hinaus will&#8220;. Subjektivit&#228;t n&#228;mlich muss ja nicht zwangsl&#228;ufig auf Egoismus bzw. Egozentrismus und Borniertheit hinauslaufen. Eine <em>individuelle</em> (aha!) Entscheidung zu treffen, die, und da kommt das Bauchgef&#252;hl wieder ins Spiel, die richtige f&#252;r einen selbst und das unmittelbar davon betroffene Umfeld sein k&#246;nnte, &#8211; das ist jener gesunde Menschenverstand, den ich vermisse. Der olle Haudegen Kant hat ja auch keinen generellen Objektivismus, kein allgemeing&#252;ltiges 10-Gebote-Programm, gemeint. Sondern eigentlich nur das Einschalten dessen, was einem durchschnittlich sozialisierten Menschen der Affekt und die F&#228;higkeit zur Beurteilung von Mitmenschen und Situationen sagen sollte. Also: subjektiv nicht im Sinne von &#8222;jeder macht seins&#8220;, sondern &#8222;jeder macht mal bittesch&#246;n, was sinnvoll erscheint&#8220;.</p>
<p>Denn: Da h&#246;rt man Politiker reden, &#252;ber Dinge, die sie nicht verstehen, aber eigentlich auch &#252;ber alles andere, und fragt sich permanent, wann <em>die</em> so geworden sind. Da sieht man Menschen rauchen, in den unm&#246;glichsten Situationen, aber eigentlich in allen, und fragt sich, ob diese unlogische und traurige Art, sich zur Wurst zu machen, diese von einer Mischung aus Tabaklobby-Werbungs-Lifestyle und k&#246;rperlicher Sucht verursachte <span style="color:#e03a3a;border-bottom: 1px dotted red;" title="Begriff erfunden von bzw. zitiert nach J&#252;rgen Kuttner, vermutlich">Stullizit&#228;t</span>, ob Rauchen also wirklich irgendein Mensch tun w&#252;rde, der mal dar&#252;ber nachdenkt, was er eigentlich gerade tut. Da trifft man Menschen im Stra&#223;enverkehr, die verkniffen und manisch miteinander umgehen, gerade so als w&#228;ren sie im Krieg miteinander oder als g&#228;be es irgendeinen Preis zu gewinnen. Da sieht man, wie sich Menschen ern&#228;hren &#8211; und damit meine ich nicht die armen Schweine, die sich nur Lidl leisten k&#246;nnen, sondern die Familien, die &#8222;sonntags essen gehen&#8220; und damit McDonald&#8217;s meinen. Da sieht man Menschen, die stolz darauf sind, Dinge nicht zu wissen (wohlgemerkt: es geht um das Damit-Angeben), und Menschen, die &#8211; generell &#8211; auf &#8222;ihrem Recht beharren&#8220;, in allen m&#246;glichen Situationen, nur &#8222;weil sie im Recht sind&#8220;. Und Menschen, die an Astrologie, Teleshopping, Religion, Hom&#246;opathie oder Uri Geller glauben, weil sie irgendwann einmal abtrainiert bekommen haben, darauf zu h&#246;ren, womit einen die innere Stimme in diesen Momenten geradezu anbr&#252;llt. Weil ihnen die F&#228;higkeit zur Beurteilung dieser Situationen abhanden gekommen zu sein scheint.</p>
<p>Kaum jemand befolgt mehr einen kleinen, pers&#246;nlichen, individuellen, meinetwegen sogar un(ter)bewussten Wertekanon f&#252;r und mit sich selbst. Ich glaube, das finde ich ein bisschen schade. F&#252;r diejenigen.</p>
<blockquote><p>&#8222;Gesunder Verstand&#8220; (&#8222;bon sens&#8220;) ist die nat&#252;rliche (schon ohne besondere Ausbildung wirksame) Auffassungs- und Beurteilungskraft, das normale, aber unmethodische, daher auch leicht fehlgehende Denken.</p>
<p>(&#8211; Rudolf Eisler, W&#246;rterbuch der philosophischen Begriffe, zit. nach <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Gesunder_Menschenverstand">Wikipedia</a>)</p></blockquote>
<p>Ja, so ganz im Vertrauen: nicht einmal ich, der kleine Gro&#223;kotz hier, bin perfekt. Alle rauchenden, horoskoplesenden Politiker, im Stra&#223;enverkehr hupend auf dem Weg zu McDrive, d&#252;rfen jetzt aufh&#246;ren zu lesen und sich best&#228;tigt f&#252;hlen. Und die anderen Klugscheisser, die Selbstbestimmung mit Egoismus verwechseln, meinetwegen auch. Aber auch das meinte ich weiter oben mit der Subjektivit&#228;t: Wenn man wenigstens eine Entscheidung getroffen h&#228;tte, so zu leben, wie man lebt, in einem bestimmten Moment, mit einer Begr&#252;ndung (vor sich selbst), die &#252;ber Opportunismus oder Zickigkeit hinausgeht. Wenn man ein bisschen abgewogen h&#228;tte, oder wenn einem wenigstens noch bewusst w&#228;re, dass man ein Bauchgef&#252;hl besitzt. Wenn man vielleicht nicht direkt auf konservativ-kitschige &#8222;alte Tugenden&#8220; abf&#228;hrt, aber sich doch wenigstens manchmal &#252;berlegen w&#252;rde, ob sich <em>etwas schickt</em> oder nicht. Ob eine Sache <em>angebracht</em> ist oder nicht. Ob sie <em>gut tut</em>.</p>
<p>Der gesunde Menschenverstand, den ich vermisse, ist jedenfalls der, der dazu f&#252;hrt, dass man die grimmig guckende Verk&#228;uferin anl&#228;chelt. Oder ihren grimmigen Blick wenigstens ignoriert. Der gesunde Menschenverstand, den ich vermisse, ist der, der zu Relaxtheit f&#252;hrt. Der einen Dinge nicht tun (also: sein) l&#228;sst, die man &#8222;zwar d&#252;rfte&#8220;, aber der einen sp&#252;ren l&#228;sst, dass man eben auch nicht immer auf seinem Recht beharren muss. Der gesunde Menschenverstand ist der, der einen neue Erfahrungen machen l&#228;sst, der &#8222;das Bauchgef&#252;hl steuert&#8220;, der den Umgang mit anderen Leuten einfacher macht (und, in der Tat: dazu z&#228;hlt m&#246;glicherweise auch, potentielle Leser nicht als Klugscheisser zu beschimpfen). Der dazu f&#252;hrt, jemanden anzurufen, anstatt einen Beschwerdebrief zu schicken. Der einen nicht Geld ausgeben l&#228;sst f&#252;r Dinge, die wegen eines aufgestickten Logos dreimal soviel wie vorher kosten. Der einen immer mal wieder daran erinnert, dass das Leben an sich doch ziemlich einfach ist. Der gesunde Menschenverstand ist das, was einem die Welt auf einen Schlag ein bisschen <em>plausibler</em> vorkommen l&#228;sst. </p>
<p>(Und der gesunde Menschenverstand ist &#252;brigens auch der, der mir sagt, dass Kommentarfunktionen auf Websites nicht f&#252;r Texte wie diesen erfunden wurden.)</p>




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		<title>Tanz der Knubbel</title>
		<link>http://www.solokarpfen.de/sachen/1704-tanz-knubbel/</link>
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		<pubDate>Tue, 01 Sep 2009 17:21:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frank Lachmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sachen]]></category>
		<category><![CDATA[Ambient]]></category>
		<category><![CDATA[Spiel]]></category>

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		<description><![CDATA[In "Osmos" spielt man einen Einzeller, der sich vor Gr&#246;&#223;eren in Acht nehmen mu&#223; und Kleinere auffressen kann. Eigentlich ein sehr langweiliges Spiel. Oder besser gesagt: eigentlich ein ganz wunderbar langweiliges Spiel.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eigentlich tarnt sich &#8222;<a href="http://www.hemispheregames.com/osmos/">Osmos</a>&#8220; nur als Geschicklichkeits- oder Strategiespiel. Denn in Wirklichkeit ist Osmos ein Geduldsspiel. Noch eigentlicher ist Osmos ein Geduldsspiel, das die Geduld nicht &#8222;auf eine harte Probe stellt&#8220;, so wie das anderswo oft mit Geduld getan wird, sondern ein Spiel, das die positiven Aspekte, die beim Aufbringen von Geduld notwendig sind, in den Vordergrund r&#252;ckt: allem Voran das Eintauchen in und das Arrangieren mit einer sehr speziellen &#8222;Welt&#8220;, also das un(ter)bewusste Erlernen der &#8211; im Spiel &#252;berlebensnotwendigen &#8211; Abl&#228;ufe.</p>
<p><div id="attachment_1706" class="wp-caption alignright" style="width: 260px"><img src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/09/osmos1-250x96.jpg" alt="Im Orbit" title="Screenshot: (c) Hemisphere Games" width="250" height="96" class="size-medium wp-image-1706" /><p class="wp-caption-text">Im Orbit</p></div> Ziel des Spiels ist es, als Einzeller-Wesen (&#8222;This is You.&#8220;) Aufgaben zu erledigen, die meist sehr einfach klingen und aus ebenso einfachen S&#228;tzen bestehen: &#8222;Become Huge&#8220; bzw. &#8222;Become the Biggest&#8220; darunter am H&#228;ufigsten. Es gilt erstens: Der gr&#246;&#223;ere Knubbel saugt den kleineren Knubbel auf; und es gilt zweitens: Gesteuert und angetrieben wird der eigene Knubbel im R&#252;cksto&#223;prinzip, und zuviel Einsatz dieses Antriebs kostet Energie, also Gr&#246;&#223;e. Im Prinzip ist das schon alles, was man wissen muss, wenn man als &#8222;kleiner blauer Knubbel&#8220; zu spielen beginnt und innerhalb eines jeden Levels auf dem Weg zur Gr&#246;&#223;envorherrschaft ist. Man schwebt so (vgl. Osmos-e) durch die Gegend (vgl. K-osmos) und frisst kleine Knubbel auf und weicht den gro&#223;en aus. Das ist alles.</p>
<p><div id="attachment_1708" class="wp-caption alignleft" style="width: 114px"><img src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/09/osmos3-104x250.jpg" alt="Allein unter Vielen" title="Screenshot: (c) Hemisphere Games" width="104" height="250" class="size-medium wp-image-1708" /><p class="wp-caption-text">Allein unter Vielen</p></div> Das eigentliche <em>Regelwerk</em> aber, und das ist das Wunderbare an Osmos, erschlie&#223;t sich erst beim Spielen &#8211; und per Gef&#252;hl. Die Taktiken, die man lernt, wenn man so als einzelliger Knubbel unterwegs ist; die Feinheiten der Steuerung; die Nebeneffekte bestimmter Man&#246;ver. Man kann an sich selbst beim Spielen beobachten, wie eine Transformation stattfindet vom lapidaren &#8222;Befolgen eines Regelwerks&#8220; hin zum &#8222;Verstehen eines Regelsystems&#8220;, und das geschieht bei Osmos ganz grandios subtil. Wollte man anfangs noch mit Mausklicks den Spielverlauf beeinflussen, so gehen sp&#228;ter all jene Beeinflussungen in Reflexe &#252;ber. Man spricht die Sprache des Spiels, man taucht ein. Schnell bemerkt man auch, dass der Schl&#252;ssel zum Erfolg die oben schon erw&#228;hnte Geduld ist, und zwar in ihrer Auspr&#228;gung als Behutsamkeit und Vorsicht: Zu Anfang erscheinen die Aufgaben noch &#252;berschaubar einfach, in sp&#228;teren Leveln dann schnell auf den ersten Blick relativ aussichtslos. W&#228;hrend an Kontinentaldrift gemahnender Spielgeschwindigkeit aber bemerkt man als Spieler doch recht bald, dass trotz des vor einem stehenden 2-Meter-Gegners ein Schrittchen vom (eigenen) einen auf zwei Millimeter Durchmesser schon mal gar nicht so &#252;bel ist auf dem Weg zum Erfolg.</p>
<p><div id="attachment_1707" class="wp-caption alignright" style="width: 260px"><img src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/09/osmos2-250x104.jpg" alt="(k)osmos(e)" title="Screenshot: (c) Hemisphere Games" width="250" height="104" class="size-medium wp-image-1707" /><p class="wp-caption-text">(k)osmos(e)</p></div>Osmos wirkt von Anfang bis Ende organisch, und dazu tr&#228;gt der Soundtrack bei: Passend zum Spieldesign l&#228;uft Musik von Biosphere oder Gas/High Skies im Hintergrund, die &#8211; wenn der Spieler an einigen Stellen den Ablauf beschleunigen oder verlangsamen muss &#8211; gleichzeitig Indikator f&#252;r ebenjene Geschwindigkeit wird, wenn sie hoch- bzw. runter-gepitcht l&#228;uft (und immer noch geradezu motivierend, auf jeden Fall aber nicht ablenkend bzw. st&#246;rend wirkt). &#220;berhaupt: alles flie&#223;t und &#8222;wabert&#8220; und pulsiert, gerade so, als h&#228;tte man da wirklich einen mikroskopisch kleinen Teil eines Lebewesens als Spiellevel vor sich.</p>
<p>Sicher: &#196;sthetisch bewegt man sich im Bereich anderer Klassiker wie beispielsweise <a href="http://www.kollisionsabfrage.net/node/250">Rez</a> oder <a href="http://d-frag.de/blog/2005/04/16/darwinia">Darwinia</a> (die ebenfalls ihren Reiz ja gerade auch aus dieser &#8222;Reduzierung&#8220; ziehen), auch spielerisch gibt es <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30974/1.html">ausreichend Vorbilder</a>. Und Osmos ist auch ein nicht unbedingt komplexes, lang dauerndes Spiel &#8211; eine Hand voll Level, selbst f&#252;r Unge&#252;bte mit wenig Freizeit ist das nach ein paar Stunden bzw. Abenden erledigt.</p>
<p><div id="attachment_1709" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><img src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/09/osmos4-250x193.jpg" alt="Ich und du beide" title="Screenshot: (c) Hemisphere Games" width="250" height="193" class="size-medium wp-image-1709" /><p class="wp-caption-text">Ich und du beide</p></div> Aber: Osmos kostet beim Hersteller als Download einen Spottpreis (geradezu l&#228;cherliche ca. 7.30 Euro, je nach Umrechnungskurs), ist vermutlich besser als jede (teurere?) CD mit Entspannungsmusik, und ist seit langem mal wieder ein faszinierendes kleines Spielchen, in das man beim Spielen wirklich <em>eintaucht</em> (was zumindest mir, neben dem oben genannten <a href="http://www.sonicteam.com/rez/">Rez</a>, in meinem bisherigen Leben nur noch mit <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Portal_(Valve)">Portal</a>, <a href="http://www.icothegame.com/">Ico</a>, <a href="http://www.2dboy.com/games.php">World of Goo</a> und <a href="http://www.golem.de/0711/55975.html">Tetris</a> passiert ist), es ist frei von RegionCodes oder DRM-Quatsch, es ist &#8211; Achtung, Kitschfinale: &#8211; wirklich total sch&#246;n. Mehr muss man dazu eigentlich gar nicht sagen.</p>




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		<title>Vermutlichkeit</title>
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		<comments>http://www.solokarpfen.de/gesellschaft/1538-vermutlichkeit/#comments</comments>
		<pubDate>Mon, 24 Aug 2009 07:02:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frank Lachmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[FAZ]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Zeitung]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein -- vermutlich -- etwas zu lang geratener Erlebnisbericht &#252;ber einen Samstag beim "Tag der offenen T&#252;r" der "FAZ", &#252;ber die "Zukunft der Zeitung" und &#252;ber einen kleinen Teil der Leichtathletik-WM.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wahrscheinlich wusste auch die &#8222;FAZ&#8220; nicht so recht, was sie an einem &#8222;Tag der offenen T&#252;r&#8220; im Hauptstadtb&#252;ro zeigen oder vorf&#252;hren sollte. Aber ARD, ZDF und Der Bundestag machten auch mit, wegen der Leichtathletik-WM war potentielle Zielgruppe in der N&#228;he, und sch&#246;nes Wetter war angek&#252;ndigt &#8211; nichts naheliegenderes also, als die T&#252;ren des ehrw&#252;rdig-imposanten Geb&#228;udes mit vollklimatisiertem Innenhof in der Berliner Mittelstra&#223;e ein kleines bisschen zu &#246;ffnen und &#8211; ja, was eigentlich?</p>
<p>Ach, Podiumsdiskussionen gehen immer. Das mag flapsiger und abwertender klingen, als es gemeint ist &#8211; aber ein wenig fragte man sich dann schon, wie das eigentlich so funktioniert mit dem Prestige und der Au&#223;enwirkung, wenn man &#8222;Frankfurter Allgemeine Zeitung&#8220; ist. Ob man bei solchen Sachen einfach wegen des Namens mitmachen muss; ob vielleicht nur eine der Podiumsdiskussionen zuerst geplant war und der Rest drumherumgestrickt wurde, damit jene nicht so allein im Kontextraum herumfliegt; ob hinter einer solchen Veranstaltung sogar bei der &#8222;FAZ&#8220; vielleicht eine Eventagentur steckt, die innerhalb von &#8211; gesch&#228;tzt &#8211; zwei Tagen einen Notfallplan durchziehen musste, der h&#252;bsche Halst&#252;cher der Infostand-Hostessen beinhaltete, lustig-wortspielerische Speisekarten&#252;berschriften, und &#8211; ach, nein, das war&#8217;s eigentlich schon.</p>
<p><div id="attachment_1550" class="wp-caption alignright" style="width: 188px"><a href="http://www.flickr.com/photos/zoeyprahalover/3756914123/"><img class="size-medium wp-image-1550" title="Bild: (cc) Zoey Hao @ flickr.com" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/newspapers_o-178x250.jpg" alt="Totes Holz" width="178" height="250" /></a><p class="wp-caption-text">Totes Holz</p></div> Die eine Podiumsdiskussion jedenfalls, die latent interessant klang, war <a href="http://www.stefan-niggemeier.de/blog/programmhinweis-31/">die von/zwischen/mit Stefan Niggemeier und Claudius Seidl</a>. Der eine Institution im Medienjournalismus, der andere &#8211; nun ja, Claudius Seidl eben, Ressortleiter des Feuilletons der Sonntagszeitung. Man sollte sich unterhalten &#252;ber die &#8222;Zukunft der Zeitung&#8220;, und &#8211; in der Tat &#8211; es wurde &#8222;nett&#8220;. Also: harmlos, kuschelig, konsensig. Einigkeit in praktisch allen Punkten: das Medium Zeitung wird &#8211; vermutlich &#8211; nicht vollst&#228;ndig seine Daseinsberechtigung verlieren; die Rolle des gedruckten Wortes wird sich aber &#8211; vermutlich &#8211; ver&#228;ndern, weg von der nachrichtlich vermeldenden Aktualit&#228;t, hin zum l&#228;ngeren, ausgeruhten Text, hin zum Kommentar und Hintergrund; das Medium &#8222;Zeitung online&#8220; muss sich derzeit und zuk&#252;nftig unter anderem mit der Herausforderung der Leser-Beteiligung in jeder Hinsicht arrangieren, die &#8211; vermutlich &#8211; eher zu- als abnehmen wird; das &#8222;Showbusiness&#8220; unterscheidet sich zwischen Print und Online ganz erheblich; Onlinemedien stehen nicht im direkten Wettbewerb mit/gegen Print, sondern man wird sich &#8211; vermutlich &#8211; irgendwie erg&#228;nzen; Onlinemedien haben in manchen Bereichen (der Gestaltung unterschiedlicher Texttypen/-formen beispielsweise) einen ziemlichen Nachholbedarf; und irgendwie eiert man eben gerade so herum in dieser Zwischenzeit, in der alle beteiligten (Medien) noch nicht so ganz ihre neue Rolle gefunden haben.</p>
<p>Das Wort &#8222;Pubert&#228;t&#8220; stand im Raum &#8211; synonym f&#252;r diesen kulturellen &#220;bergangsbereich, den die Plattenindustrie gerade gegen den Rest der Welt aufgrund permanenter Bockigkeit verliert, und auf den die Printmedien offenbar auch gerade zusteuern &#8211; nur aussprechen wollte es keiner. Man fand sich nett und gut, aber Zweck der Veranstaltung war ja &#8211; vermutlich &#8211; auch kein Streitgespr&#228;ch mit konkretem Ergebnis, sondern eine Bestandsaufnahme beim durchaus leckeren (trotz des albernen Speisekartenzettels) Kaffee.</p>
<p>Was in keinster Weise schlimm ist; und was ja auch nur wieder einer Veranstaltung der &#8222;FAZ&#8220; entspricht, oder besser gesagt der eigenen Erwartungshaltung, wenn eine Veranstaltung im &#8222;FAZ&#8220;-Geb&#228;ude stattfindet. Als w&#228;re die FAZ die Oma der Medienfamilie, die oft kluge Dinge sagt, selten unkluge, damit manchmal recht und manchmal unrecht hat, der man aber nicht widerspricht, teils aus H&#246;flichkeit, teils aus Respekt, teils auch aus Langeweile. Die &#8211; vermutlich &#8211; Golf spielenden, gut gekleideten, aufgeschlossen guckenden Mittf&#252;nfziger-P&#228;rchen aus Wilmersdorf-Eigentumswohnungen, die den Raum immerhin ausreichend f&#252;llten, um die Veranstaltung als &#8222;okay besucht&#8220; bezeichnen zu k&#246;nnen, nickten zwischendurch, brummelten manchmal, kicherten an den richtigen Stellen, und f&#252;hlten sich &#8211; sowohl von Niggemeier als auch von Seidl &#8211; meistens best&#228;tigt. Also best&#228;tigten sie brav zur&#252;ck, mit netten Blicken und respektvoll kurzem Schlussapplaus und guter K&#246;rperhaltung, obwohl sie wahrscheinlich auch zu denen geh&#246;r(t)en, die &#8222;das Internet&#8220; in Anf&#252;hrungszeichen schreiben, die &#8222;ins Internet gehen&#8220; (und nach ein paar Stunden wieder raus), die Begriffe wie &#8222;Datenautobahn&#8220; und &#8222;Cyberspace&#8220; noch futuristisch anstatt ironisch meinen.</p>
<p>Nur am Ende, als zu Diskussion und R&#252;ckfragen aufgerufen wurde, merkte dann eine dieser Damen &#8211; sehr wahr, sehr korrekt, sehr angebracht und sehr konsequent &#8211; an, dass es doch nett gewesen w&#228;re, h&#228;tte man das Publikum in die vorangegangenen 45 Minuten einbezogen. H&#228;tte man die Kommentarfunktion eingeschaltet, h&#228;tte man mitdiskutieren lassen &#8211; wenn man schon dar&#252;ber spricht, dass die Entwicklung der Medien basisdemokratische Z&#252;ge tr&#228;gt und man &#8222;auf den Leser h&#246;ren&#8220; m&#252;sse. Und auch da konnten dann nur alle zustimmen. Sch&#246;n, wenn man so einer Meinung ist.</p>
<p>Flanierte man danach beim sch&#246;nen Wetter noch auf Unter den Linden herum und sah Marathonl&#228;ufer an sich vorbeirennen und h&#246;rte man das Publikum jubeln und sp&#252;rte man den &#8222;Eventcharakter&#8220; dieser Leichtathletik-WM, die da vor den T&#252;ren des &#8222;FAZ&#8220;-Geb&#228;udes gerade stattfand &#8211; anhand eines eher klassischen Sportereignisses also &#8211;, wurde einem all das erst richtig bewusst: dass es, 2009, &#252;berhaupt keinen Sinn (mehr) ergibt, Sportergebnisse einen Tag nach der Veranstaltung auf Papier gedruckt zu lesen. Dass es nicht einmal mehr Sinn ergibt, &#8222;so lange&#8220; damit zu warten, warten zu wollen, ein Ergebnis zu erfahren &#8211; wie man ja auch fr&#252;her schon im Unterschied zwischen denen, die Samstagabends &#8222;auf die Sportschau warten&#8220; wollten, und denen, die das Spiel schon live gesehen (respektive im Radio geh&#246;rt oder auf Teleclub/DF1/PremiereWorld/usw. gesehen) hatten, feststellte. Dass es hingegen nicht nur konsequent, sondern geradezu angebracht und fast schon <em>nat&#252;rlich</em> erscheint, innerhalb weniger Sekunden in den &#8222;daf&#252;r angebrachten&#8220; Medien Ergebnisse zu verbreiten. Und dass man dann aber auch im Printjournalismus nicht das Foto irgendeiner L&#228;ufergruppe erwartet oder Aufstellungen genauer Hundertstelsekundenlisten aller L&#228;ufer, sondern: den perfekt geknipsten Zieleinlauf eines Weltrekords, in Verbindung mit einem mehrseitigen, gut recherchierten, interessanten, tollen Text &#252;ber die gesellschaftliche Bedeutung dieser (einer) Sportart in Kenia oder Wei&#223;russland, &#252;ber Selbstwahrnehmung und Gef&#252;hl eines L&#228;ufers zwischen Kilometer 30 und 40, &#252;ber &#8222;Organisation am Rande&#8220; oder wie ein Streckenposten einen Marathonlauf wahrnimmt, &#252;ber politische oder wirtschaftliche Hintergr&#252;nde zu Sport und Sponsoring in anderen L&#228;ndern und unterschiedlichen sozialen Kreisen. &#220;ber Publikum, oder wie man sich als Fan von Curling oder Snooker f&#252;hlt. Texte eben, die durchaus stellenweise auch schon in der Sonntagszeitung zu finden sind; Texte, f&#252;r die in Blogs (oder anderswo online) noch sowohl die Mittel fehlen als auch das Durchhalteverm&#246;gen beim Lesen am Bildschirm.</p>
<p>Um mal die Radiometapher zu strapazieren: Onlinemedien wie byte.fm, Printmedien wie Deutschlandfunk beziehungsweise Deutschlandradio Kultur &#8211; das w&#228;re, nun ja, nett. Und das ist dann, hoffentlich, unter anderem auch die Zukunft der Zeitung</p>




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		<title>Rettet die Sehnsuchtskultur!</title>
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		<pubDate>Tue, 18 Aug 2009 22:26:20 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frank Lachmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sachen]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Potential]]></category>
		<category><![CDATA[Prestige]]></category>
		<category><![CDATA[Sehnsucht]]></category>
		<category><![CDATA[Statussymbole]]></category>

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		<description><![CDATA[Ein kurzes Pl&#228;doyer f&#252;r einen sehr tollen Begriff -- einen viel zu tollen jedenfalls, um ihn ausschlie&#223;lich den Schlipstr&#228;gern und Marketinghohlk&#246;pfen zu &#252;berlassen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Sache ist aber doch jene: da taucht pl&#246;tzlich ein sch&#246;ner Begriff auf, aus dem Nichts, oder besser gesagt, das Nichts hatte pl&#246;tzlich ausreichend Potential, ihn an die Oberfl&#228;che kommen zu lassen, die Zeit war reif, der Begriff wollte erdacht, ausgedacht, ausgesprochen, aufgeschrieben werden. Der tolle Begriff in diesem Fall war und ist &#8222;Sehnsuchtskultur&#8220;, den eine gewisse <a href="http://www.econ-referenten.de/index.php?id=373&amp;name=Davis&amp;vorname=Melinda">Melinda Davis</a> f&#252;r sich entdeckte, oder vermutlich ihr Agent. Jedenfalls ist Melinda Davis beruflicherdings von ihrem deutschen Verlag sogenanntwerdenwollende &#8222;Trendforscherin&#8220; (was ist aus dem schn&#246;den Wort &#8222;Mode&#8220; geworden? Wieso assoziiere ich &#8222;Forschung&#8220; nicht sofort mit gro&#223;en Sonnenbrillen und bunten Hosen? Wieso verkneife ich mir, auf die Bezeichnung &#8222;Futurist&#8220; n&#228;her einzugehen? Was unterscheidet einen &#8222;Trendforscher&#8220; von einem Marketingschn&#246;sel? Ist &#8222;Trendforschung&#8220; eine BWL-Disziplin oder eher eine der Soziologie? Wieso hab&#8216; ich einen gallenartigen Geschmack im Mund beim Lesen des Begriffs? Wie komme ich aus der Nummer mit der Frageaufz&#228;hlung in dieser Klammer jetzt zeichensetzerisch korrekt wieder raus? &#8230;) &#8211; Melinda Davis also jedenfalls, die Trendforscherin ist, hat dar&#252;ber ein Buch geschrieben, in dem sie die Sehnsuchtskultur &#8211; stark verk&#252;rzt und vermutlich b&#246;se f&#252;r meine argumentativen Zwecke umformuliert, aber sei&#8217;s drum &#8211; ungef&#228;hr folgenderma&#223;en beschreibt und erkl&#228;rt:</p>
<blockquote><p>Wir leben in einer Sehnsuchtskultur und haben mittlerweile mehr geistige als materielle W&#252;nsche. Deshalb sind wir rastlos auf der Suche nach Dingen, die unsere Identit&#228;t unterf&#252;ttern, unser Selbstwertgef&#252;hl anheben und unserem Leben Sinn verleihen. Dabei bedienen wir uns immer weniger bei klassischen geistigen Sinnofferten wie Religion und Philosophie, sondern entdecken Luxus als Prinzip der transzendenten Selbsterhaltung.</p>
<p>(&#8211; <a href="http://www.cicero.de/97.php?ress_id=6&amp;item=1711">Christine Eichel in Cicero</a>)</p></blockquote>
<p>Liebe Frau Davis, mit Verlaub: das ist K&#228;se.</p>
<p>Zugegebenerma&#223;en: erwartbarer K&#228;se, immerhin ist der Untertitel des Buchs &#8222;Was wir wirklich kaufen wollen&#8220; nicht unbedingt ein tiefenpsychologischer oder gar interessant klingender. Kein konkreter Vorwurf also. Trotzdem: auch materielle W&#252;nsche lassen sich doch schlie&#223;lich auf &#8211; im allerweitesten semantischen Sinn &#8211; geistige abbilden. Status, Anerkennung, Ansehen, Liebe, all dieses Zeug von dem auch Frau Davis m&#246;glicherweise schonmal geh&#246;rt hat. Triebkr&#228;fte des Lebens (also &#8222;Love &amp; Death&#8220;, laut Woody Allen). Ich stelle mal so in den Raum (und bin zu faul, das argumentativ mit mehr als dem gesunden Menschenverstand zu unterf&#252;ttern, hin und wieder aber reicht das ja locker aus): auch den Porsche will man nicht haben, weil man Porsche so super findet (mal von Autoschraubernerds abgesehen), sondern in der Hoffnung auf mittelfristig besseren Sex.</p>
<p>Anders, nochmal: Davis behauptet, dieser von ihr so genannte &#8222;virtuelle Produktnutzen&#8220; w&#228;re finaler Zweck solcher Sehnsuchtsobjekte. Was, klar, an ihrem Job liegen mag &#8211; also, dass Trend und Mode nun mal zuerst und relativ offensichtlich in Produkten sichtbar wird. In BWL-Deutsch gesprochen: an der Nachfrage nach bestimmten Produkttypen und der entsprechenden Marktentwicklung l&#228;sst sich bestimmt etwas &#252;ber die Volksseele ablesen. Aber, und <em>jetzt</em> komm&#8216; ich: nicht nur &#252;ber die Volksseele, die Glitzerzeug kaufen m&#246;chte und die sich einbildet, &#8222;Gl&#252;ck&#8220; w&#228;re das, was RTL als bunte Wohnungs-Umgestaltung verkauft. Der Porsche unterscheidet sich kaum von einer schicken Krawatte, was den Zweck, sogar was den Grund angeht. Beides ist Kulisse, nicht Ausdruck eines Wollens, sondern eines Inszenierens, eines Spieles, meinetwegen. &#8222;Kundensehns&#252;chte&#8220; my ass, nachts in Kopfkissen weinende arme W&#252;rstchen schon eher.</p>
<p><div id="attachment_1397" class="wp-caption alignright" style="width: 260px"><a href="http://www.flickr.com/photos/frostnova/369467110/"><img class="size-medium wp-image-1397" title="Bild: (cc) frostnova @ flickr.com" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/waveforms-250x250.jpg" alt="Vielleicht Musik." width="250" height="250" /></a><p class="wp-caption-text">Vielleicht Musik.</p></div> Der Begriff Sehnsuchtskultur ist doch viel zu wunderbar und hat viel zu viel potentielle Tiefe, um ihn den sogenannten Schlipstr&#228;gern zu &#252;berlassen &#8211; so viel Idealismus darf dann doch bittesch&#246;n schon noch sein. Also: Fantasie, Mythos, Imagination &#8211; wie w&#228;re es damit? Artefakte von Potential und M&#246;glichkeit, Ausdruck von Chance und Differenz. Konkreter, und nur beispielsweise: Musik. Als Sehnsuchtskultur. Wie keine andere Kultur l&#228;sst die n&#228;mlich <em>Raum</em> f&#252;r Imagination, oder zweckbezogener gesprochen: f&#252;r Projektion. Oder um es mit Frau Davis&#8216; Worten zu sagen: f&#252;r Sehnsucht.</p>
<p>Musik ist das Ausmalen von Vorstellungen, nicht nur das Ausmalen der Unsichtbaren (potentiellen) Aspekte, sondern auch das Ausmalen und Vorstellen des Haptischen (auch eine Form von Sex, &#252;brigens). Augenblicke, die etwas versprechen, die noch nichts preisgeben, sondern w&#228;hrend denen man nur ahnt und vermutet. Sich n&#228;hern und Verstehenwollen. Music was my first love, und nicht mal ich w&#252;rde &#8222;Sehnsuchtskultur&#8220; <em>ausschlie&#223;lich</em> darauf reduzieren wollen: aber doch auch nicht nur auf Goldkettchen und Benzinfresser.</p>
<p>Naja. Nur ein Vorschlag.</p>




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		<title>Vier Minuten Hass, gleich nach der Werbung</title>
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		<pubDate>Sat, 15 Aug 2009 19:40:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frank Lachmann</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Samstags fernsehen macht -- offensichtlich -- schlechte Laune.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine alte Nerd-Weisheit lautet &#8222;Alles wird besser mit Bluetooth&#8220;, und befasst man sich nach l&#228;ngerer Rezipienten-Abwesenheit mal wieder mit dem deutschen Fernsehen, so kann man den Rest des Tages an nichts anderes mehr denken als &#8222;wenn es wenigstens USB h&#228;tte&#8220;. Das Fernsehprogramm an einem durchschnittlichen Wochenendnachmittag ist so grauenhaft intelligenzbeleidigend, dass einem der eigene &#8211; bereits im Kopf entstehende &#8211; Text dar&#252;ber schon wie ein einziges Klischee vorkommt (zumal sich Verrisse aller Art ja sowieso immer recht einfach schreiben lassen).</p>
<p>Nach nur einer Stunde Zapping durch &#8222;finanzierbare&#8220; (&#8222;Finanzierung&#8220;, &#252;brigens, ist neuerdings ein Synonym f&#252;r &#8222;abstottern&#8220;, wenn sich bitte ein Sprachforscher mal damit befassen k&#246;nnte?) Deko-Klunker zum &#8222;Modepreis des Tages&#8220; in einem der zahlreichen Resterampe-Verkaufssender; w&#228;hrend im Studio nebenan die Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft sowie ein paar weitere erfundene Zeitformen aus den Furzger&#228;uschen des Kabeltr&#228;gers gelesen werden (nur nennt man es bei Astro-TV nat&#252;rlich anders); derweil auf MTV und Viva (beim einen untertitelt, beim anderen &#8211; leider &#8211; nicht, denn deutsche M&#246;chtegern-Hip-Hopper sind nur einen Hauch besser verst&#228;ndlich als englischsprachige Nicht-Hip-hopper) eine 15-j&#228;hrige mit drei Boys (wer &#8222;Jungs&#8220; sagt, outet sich als jemand, der das Fernsehen noch zu Zeiten kannte, als Ilona Christen noch lebte) einen &#8222;Kuscheltest&#8220; macht und danach Bewertungspunkte abgibt; w&#228;hrend sich auf Eurosport der Sprecher der Leichtathletik-WM an Rechtfertigungen versucht, wieso &#8222;Gehen&#8220; als Sport noch immer im Fernsehen &#252;bertragen wird; wenn Kabel1 gef&#252;hlte 90 Prozent seiner Sendezeit mit Dokumentationen &#252;ber Familien bestreitet, die ohne Englischkenntnisse in die USA auswandern m&#246;chten, weil die Leute/Autos/Hamburger/Fernseher dort viel besser aussehen; und w&#228;hrend 90 Prozent der restlichen Sender mit Zoo-Casting-Verarschgewinnspielen (beziehungsweise Kombinationen daraus) offenbar nicht nur Umsatz, sondern Gewinn machen &#8230;</p>
<p>&#8230; hat man pl&#246;tzlich dieses Gef&#252;hl wie beim Lesen einer Ausgabe der &#8222;Bild&#8220;-Zeitung: n&#228;mlich, dass eine pl&#246;tzliche explosionsartige Aufl&#246;sung der Zeitung, respektive also jener Sender, rein gar nichts zur Volksgesundheit beitragen k&#246;nnte, denn es w&#228;chst ja sofort wieder einer nach (und wer nur drei Minuten &#8222;Alex&#8220;, wie der Offene Kanal Berlin mittlerweile hei&#223;t, &#252;ber sich ergehen l&#228;&#223;t, mu&#223; danach nicht mal mehr weiterschalten auf DSF, wo Ralf Richter mit Fiona Erdmann gegen zwei unbekannte Moderatoren im Kicker gewinnt &#8211; oder verliert, ganz egal), wo war ich? Genau: l&#246;scht man einen Sender aus der pers&#246;nlichen Kanalbelegung, rutscht ja der n&#228;chste Deppenverein direkt hinterher, und das Volk lechzt ja offenbar dann doch nach Wohnungseinrichtungs-Shows, nach von Kerner moderierten Panel-Koch-Verkaufs-Superstar-Shows, nach Brennpunkten und Frauke Ludowig, nach Fu&#223;ball und Titten und Formel 1 und F&#228;kalwitzen, nach Fips Asmussen und Mario Barth. Es nimmt kein Ende, es gibt kein Entkommen.</p>
<p>Nat&#252;rlich: die Gutmenschen-Ausreden arte, 3sat und Phoenix existieren, Alexander &#8222;dctp&#8220; Kluge als letzter meuternder mit einem Bounty auf RTL und Sat1, und manchmal zeigt auch der RBB nachts um halb zwei eine Filmperle in deutscher Synchronisation, falschem Bildformat, mit Senderlogo im Bild und zuerst beschleunigtem, dann ganz gekapptem Abspann. Aber: das bringt ja doch alles nichts. Das Volk verdummt, weil es verdummen m&#246;chte, und es m&#246;chte weiter verdummen, weil es verdummend angesprochen wird. Die Schweigespirale ist eine br&#252;llend laute, und die kommunikative Augenh&#246;he sinkt stetig stiefer, aus Angst vor &#220;berforderung. Auf beiden Seiten der Kommunikationspartner. Parallelen zur deutschen Politik, &#252;brigens, sind so offensichtlich, dass sie jemand anders herausarbeiten darf, wenn er m&#246;chte.</p>
<p>Worauf also wollte ich noch gleich hinaus? Ach ja: umschalten hilft nur bedingt und die Volksseele leidet so oder so. Genau genommen hilft nur abschalten, und noch genauer genommen nicht einmal das, sondern h&#246;chstens (also: mindestens) das Aus-dem-Fenster-Werfen der &#8222;Glotze&#8220;, die Entsorgung des Problems als ritueller Akt. Irgendwer muss ja mal anfangen mit dem Zeichensetzen. Das wird RTL2 zwar nicht beeindrucken, aber der R&#252;cken wird ein gutes St&#252;ck gerader und der Blick ein l&#228;chelnderer, wenn man danach in den Spiegel sieht. Versprochen.</p>




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		<title>Der perfektionierte Kindergeburtstag</title>
		<link>http://www.solokarpfen.de/kultur/1295-kindergeburtstag/</link>
		<comments>http://www.solokarpfen.de/kultur/1295-kindergeburtstag/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 11 Aug 2009 19:06:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frank Lachmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Festival]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

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		<description><![CDATA[Zwei Tage Festival, aber ohne dieses Festivalgef&#252;hl, wie man es von anderen Gro&#223;veranstaltungen kennt? Das mu&#223; das Berlinfestival sein. Und das ist noch nicht mal vorwurfsvoll gemeint.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Festival, das mitten in einer Stadt passiert &#8211; und noch dazu in einer Stadt wie Berlin, deren Einwohner t&#228;glich aus gef&#252;hlt einigen hundert kulturellen Angeboten w&#228;hlen k&#246;nnen –, f&#252;hlt sich zwangsl&#228;ufig anders an als &#8222;drei Tage Staubfressen&#8220;. Und beim <a href="http://www.berlinfestival.de/">Berlinfestival</a> ist die Sache sogar noch spezieller: nicht nur kommen die Besucher hier gr&#246;&#223;tenteils von zu Hause anstatt aus einem Zelt und sind daher einigerma&#223;en gestylt und frisch geschminkt, auch aber ist die Veranstaltung wiederum keine &#8222;Silvesterparty am Brandenburger Tor&#8220; mit mainstreamig-breiter Zielgruppe, sondern eigentlich nur eine sehr gro&#223;e Freiluft-Version einer gewissen in Berlin-Mitte ans&#228;ssigen <a href="http://gonzocircus.co.uk/2009/04/hipsters-guide-to-berlin-part-1-pics/">Urban-Hipster-Indie-Szene</a>, die sich in den letzten Jahren um Clubs wie &#8222;Rio&#8220; oder &#8222;Scala&#8220; bildete. Wer also schon beim <a href="http://www.solokarpfen.de/kultur/1066-art-of-gratwanderung/">Melt!-Festival</a> irritiert war angesichts &#252;berdimensionaler Sonnenbrillen, Gesichtsbemalung in Neonfarben oder Jungs mit d&#252;nnen Beinchen und noch engeren Jeans, der d&#252;rfte beim Berlinfestival jeglichen Rest an kognitivem Widerstand aufgegeben haben: It&#8217;s Kindergeburtstag all over again.</p>
<p>Vor- und Urteile beiseite: das Berlinfestival fand zum vierten Mal insgesamt, zum ersten Mal auf dem Gel&#228;nde des <a href="http://www.stadtentwicklung.berlin.de/cgi-bin/hidaweb/getdoc.pl?LIST_TPL=lda_list.tpl;DOK_TPL=lda_doc.tpl;&#038;KEY=obj%2009055092">ehemaligen Flughafens in Tempelhof</a>, und &#8211; nach organisatorischen Fehlgriffen bei der Wahl der Location 2005 &#038; 2006, unerkl&#228;rlichem Besuchermangel 2007 und einer Kreativpause 2008 &#8211; dieses Jahr vermutlich zum ersten Mal ordentlich besucht statt. Und nat&#252;rlich war die Formulierung &#8222;auf dem Gel&#228;nde des ehemaligen Flughafens&#8220; zwar <a href="http://www.jedelsky.de/flughafen_tempelhof/">faktisch korrekt</a>, aber durchaus mitgetragen von latentem Gr&#246;&#223;enwahn, passen doch auf besagtes Gel&#228;nde insgesamt locker 100 Festivals dieser Gr&#246;&#223;enordnung gleichzeitig. Das Berlinfestival 2009 fand eigentlich &#8222;nur im Eingangsbereich&#8220; statt, einem klar umz&#228;unten und gr&#246;&#223;tenteils &#252;berdachten (lies: regengesch&#252;tzten) Teil (&#8211; die rhetorische Kurve zum &#8222;Kindergeburtstag&#8220; wird hier dem Leser zur &#220;bung &#252;berlassen &#8211;) im nordwestlichen Bereich des Gel&#228;ndes. Was zwar einen weiteren Teil Festivalgef&#252;hl zugunsten eines praktischen Betonbodens zunichte machte, aber keineswegs unannehmlich war, hatte man erst einmal seine Erwartungshaltung korrigiert.</p>
<p><a href="http://www.berlinfestival.de/presse/"><img src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/08/berlinfestival09_Thomas_Victor-450x225.jpg" alt="Bild: (c) Thomas Victor / Berlinfestival" title="Bild: (c) Thomas Victor / Berlinfestival" width="450" height="225" class="aligncenter size-large wp-image-1297" /></a></p>
<p>Immerhin: Musik gab es auch, und diese war ebenfalls szene- und zielgruppengerecht au&#223;erordentlich sophisticated und mit erstaunlich gutem H&#228;ndchen f&#252;r Varianz ausgew&#228;hlt. Auf den Spuren des <a href="http://www.haldern-pop.de/de/festival/">Haldern Pop Festivals</a> (seit einigen Jahren eine feste Gr&#246;&#223;e im Bereich musikalischer Innovation, Talentf&#246;rderung &#8211; also, der Verpflichtung von Acts, die hierzulande erst immer 1-2 Jahre sp&#228;ter eine &#8222;gro&#223;e Nummer&#8220; wurden bzw. werden) wandelte man selbstverst&#228;ndlich noch nicht, aber bereits mit Namen wie <a href="http://frankmusik.com/">Frankmusik</a>, <a href="http://www.healthnoise.com/">HEALTH</a>, <a href="http://telepathemusic.com/">Telepathe</a> oder <a href="http://www.enemyhogs.com/">Oneida</a> bewies man doch, da&#223; man vor der Auswahl der Bands seine Nase nicht nur in den Musikexpress, sondern eben auch in den NME und vor allem in Weblogs gesteckt hatte. Selbst die Headliner kamen aus der Reihe der guten, ungew&#246;hnlichen, interessanten: <a href="http://moderat.fm/">Moderat</a> (die beim Melt!-Festival wegen Sturmwarnung ausgefallene Kollaboration zwischen Modeselektor und Apparat), <a href="http://jarviscocker.net/">Jarvis Cocker</a> (als Pulp-Chef die grande dame des Britpop, &#8222;solo&#8220; mit Band auf der B&#252;hne eine Ausgeburt an Coolness und absoluter Sympathietr&#228;ger des zweiten Abends), selbst das Erscheinen &#8211; oder besser &#8222;die Erscheinung&#8220; &#8211; <a href="http://www.frenchdogblues.com/">Pete(r) Dohertys</a> (Ex-Libertines und seit einigen Jahren prim&#228;r durch Absagen und Ausf&#228;lle der einen oder anderen Art bekanntgeworden) an sich war schon ein kleines Highlight und, wenn dann auch nicht gerade musikalisch, f&#252;r die sogenannte <a href="http://www.am-ende-des-tages.de/photos/090807-pete-doherty-berlin-festival/">Klatschpresse</a> ein Grund zur Berichterstattung. Kindergeburtstag mal ganz positiv: Innovationsf&#246;rderung und Progressivit&#228;t. Oder zumindest Originalit&#228;t.</p>
<p>Der H&#246;hepunkt eines Kindergeburtstags ist aber nat&#252;rlich erst erreicht, wenn alle Beteiligten durchgeschwitzt und mit knallroten K&#246;pfen vom Kicken oder einer Kissenschlacht kommen und l&#228;cheln. Zu diesem Zweck waren <a href="http://www.deichkind.de/">Deichkind</a> da. Was vor ein paar Jahren mal Hip-Hop war und dann zu einer &#8222;gro&#223;en Party&#8220; mutierte (vermutlich in der Tat <a href="http://www.youtube.com/watch?v=mOGbYTvljy8&#038;fmt=18">beim Melt!-Festival 2006</a>, als die Band zum Sonnenaufgang die Tragf&#228;higkeit der Hauptb&#252;hne testete, indem sie nicht vor, sondern –dort– erstmals gemeinsam mit Besuchermassen feierten), war beim Berlinfestival 2009 der passendste aller denkbaren Abschl&#252;sse: der perfekt durchchoreographierte <a href="http://www.youtube.com/watch?v=XmDo0OeSjJs">Kindergeburtstag am Samstagabend</a> auf der Hauptb&#252;hne, der alle bis dahin noch schr&#228;g im Hinterkopf sitzenden Soundprobleme mit dem Hallenecho, &#252;berhaupt alle kleinen Macken und St&#246;rungen, die auch ein kleines Festival wie dieses nun mal erlebt, in Vergessenheit geraten lie&#223;. Ein Deichkind-Auftritt ist die konsequente Fortsetzung eines auch an anderer Stelle in der Musikindustrie aufkommenden neuen basisdemokratischen Prinzips: Deichkind (deren Logo mittlerweile &#252;brigens frappierende &#196;hnlichkeit mit dem der Dead Kennedys hat) sind aber wahrscheinlich die ersten, die dieses basisdemokratische Prinzip &#8222;zum Wohle aller Beteiligten&#8220; auch live durchziehen. Da wird nicht mehr crowdgesurft, da wird mit Schlauchbooten und H&#252;pfburgen durch&#8217;s Publikum gefahren. Da wird Knallfolie rollenweise ins Publikum geworfen, da wird mit Liegest&#252;hlen und Heimtrainern auf Trampolinen herumgesprungen, das Prinzip &#8222;Bierdusche&#8220; neu definiert, und zuguterletzt &#8211; wie erw&#228;hnt &#8211; eine Kissenschlacht gegen, nein, mit dem Publikum gefeiert, da&#223; man beim Staunen mehrere Stufen &#8222;WTF!?&#8220; &#252;berspringt, andererseits aber vor lauter H&#252;pfen und Br&#252;llen ja sowieso das Hirn leer macht.</p>
<p>Nat&#252;rlich ist das schlimmes Kindergeburtstagsniveau, nat&#252;rlich ist das schwer prollig, nat&#252;rlich mu&#223; man sich nicht zwangsl&#228;ufig f&#252;r so etwas begeistern k&#246;nnen &#8211; im Rahmen dieses Festivals aber war es passend, angebracht, konnte mit viel Fantasie sogar ein kleines bisschen ironisch gemeint interpretiert werden, und selbst wenn nicht: man kann den paartausend Menschen in der Mainstage-Halle auch einfach glauben, dass es riesigen Spa&#223; gemacht hat. Plumpen, guten Spa&#223;. Wie so ein Kindergeburtstag nun mal ist.</p>




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		<title>Liebe Piraten.</title>
		<link>http://www.solokarpfen.de/gesellschaft/1113-liebe-piraten/</link>
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		<pubDate>Sun, 02 Aug 2009 23:54:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frank Lachmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Piraten]]></category>
		<category><![CDATA[Wahl]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlkampf]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Piratenpartei tritt zur Bundestagswahl an. Ein kleiner Ratschlag zum Wahlkampf von einem, der glaubt, immer vieles besser zu wissen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich verstehe mich ja als meist eher unpolitischen Klugschei&#223;er &#8211; also als jemand, der von vielen Dingen ein bisschen Ahnung hat, von einigen wenigen Dingen auch ein bisschen mehr, der aber viele seiner Entscheidungen im Leben nach Bauchgef&#252;hl trifft. So auch die Stelle, wo das Kreuzchen landet, bei den immer mal wieder anstehenden Wahlen. Die richtige Ausgangslage also, um euch ein paar Ratschl&#228;ge zu geben.</p>
<p>Das Lob vorneweg: ihr seid der erste Haufen, bei denen ich in meiner ca. 15j&#228;hrigen Karriere als Wahlberechtigter nicht das Gef&#252;hl habe, mein Kreuzchen w&#228;re hei&#223;e Luft. Wie schon an unz&#228;hlbaren anderen Stellen angemerkt: offenbar sind die Piraten diejenigen (und offensichtlich die einzigen), die &#8211; meinem Bauchgef&#252;hl nach, und dem Bauchgef&#252;hl vieler <a href="http://aggregat7.ath.cx/2009/07/31/die-internetfeinde">Internetfreunde</a> ebenso &#8211; f&#252;r eine Sache stehen, die alle anderen noch nicht einmal als wichtig erkannt haben. Zum ersten Mal vermute, glaube, hoffe ich, dass da gerade eine Partei entsteht, die mit mir so eine Art Seelenverwandtschaft hat &#8211; mit Menschen, denen man nicht erst erkl&#228;ren muss, wieso Datenschutz gut und &#220;berwachungskameras schlecht sind. Mit Menschen, die wissen, was ein Browser ist, und die instinktiv &#8222;WTF!?&#8220; denken, wenn eine Frau von der Leyen kognitiv durchdreht. (Und wegen denen ich mir das exzessive Verlinken dieses Artikel auch spare &#8211; wer mit halbwegs offenen Augen durch das Netz geht, kennt das piratische Repertoire an &#214;ffentlichkeitsarbeit ja bereits.)</p>
<p>Eure Aufgabe wird sein, und auch mit dieser Feststellung bin ich nicht der erste, den Menschen, denen man erkl&#228;ren muss, wieso Datenschutz gut und &#220;berwachungskameras schlecht sind, nahezubringen, wieso das so ist. Auf einer ihnen &#8211; denen, die den Begriff &#8222;Browser&#8220; nicht kennen und f&#252;r die Frau von der Leyen nur &#8222;irgendsoeine Ministerin&#8220; ist &#8211; auf Augenh&#246;he erscheinenden Art. Ihr solltet (und gerade f&#252;hle ich mich ein bisschen wie der wei&#223;b&#228;rtige Opa, der kurz vor dem Tod Ratschl&#228;ge und Lebensgeheimnisse weitergibt) nicht nur ein wenig von eurer/unserer Meinung klarmachen &#8211; sondern ein bisschen von dem, was ich schon fast als Lebensgef&#252;hl bezeichnen wollen w&#252;rde, was ich gern &#8222;gesunden Menschenverstand&#8220; nenne, der leider so vielen verloren gegangen ist &#8211; nicht nur Schlipstr&#228;gern.</p>
<p>Ich halte es f&#252;r ungesund, nicht skeptisch zu sein. Ich halte es f&#252;r fragw&#252;rdig, keine Fragen zu stellen. Und ich halte es f&#252;r eigenartig, Dinge nicht verstehen oder nachvollziehen zu wollen. Anders formuliert: ich glaube, es geht nicht darum, minuti&#246;s f&#252;r den durchschnittlichen SPD-W&#228;hler aufzuschl&#252;sseln, was in der heutigen Bundespolitik falsch l&#228;uft, was der Begriff &#8222;Zugangserschwerungsgesetz&#8220; genau bedeutet, welche Grundgesetze dabei umgangen werden. Oder vielmehr: nat&#252;rlich geht es darum, um all das, aber eben erst sp&#228;ter. Vorher muss die Begeisterung f&#252;r eine Lebenseinstellung kommen. F&#252;r die dann im Verwandten- und Bekanntenkreis &#8222;geworben&#8220; werden muss. Menschen, die nicht ganz so, sagenwirmal, progressiv leben wie ihr/wir, m&#252;ssen &#8211; w&#228;hrend ihr ihnen sagt, warum die Piraten so einen seltsamen Namen haben &#8211; sp&#252;ren, dass es euch ein Anliegen ist, eine Herzenssache, das Leuchten in euren Augen sehen, wenn es um Grundrechte geht. Nicht das Gef&#252;hl haben, dass ein Parteiprogramm vorgestellt werden soll, wie es all die anderen Spinner im Bundestag jahrelang gemacht haben, wenn sie auf Interviewfragen antworten sollten.</p>
<p>Daher, &#252;brigens, ist &#8222;Klar zum &#196;ndern!&#8220; &#8211; was offenbar der Claim eures Wahlwerbespot werden soll &#8211; in meinen Ohren aber auch nur so eher mittelgut: es erinnert in seiner Wortspielhaftigkeit und der zugrundeliegenden Einstellung (&#8222;es soll anders werden!&#8220;) an den Anfangs-80er-Claim &#8222;Sonne statt Reagan!&#8220; der Gr&#252;nen, auch irgendwo zwischen Unbeholfenheit und Weltverbesserungsgedanken getragen und mit relativer Nullaussage au&#223;er dem Klammern an ein irgendwo vorhandenes Oppositionspotential. Das wird nicht ausreichen, auch nicht, wenn Onkel Frieda kurz vor der Tagesschau in knapp 2 Minuten den Begriff &#8222;geistiges Eigentum&#8220; erkl&#228;rt bekommt, denn f&#252;r Onkel Frieda ist das eben auch nur wieder &#8222;irgendsoeine Partei&#8220;, die da rumwirbt.</p>
<p>R&#252;bergebracht werden sollte (und jetzt spricht wieder der wei&#223;b&#228;rtige Opa:) das Gef&#252;hl, dass es wichtig ist, wof&#252;r die Piratenpartei steht &#8211; und zwar nicht wichtig, um in den Bundestag zu kommen, sondern wichtig f&#252;r &#8211; Achtung, Pathos: &#8211; die Menschheit und deren Grundrechte. Erkl&#228;rt das doch mal <em>so</em>, denen, die sich daf&#252;r interessieren: dass es keine Sache der Argumente ist, sondern eigentlich nur naheliegende, logische, konsequente Folge ist von <em>allem</em>, was so passiert und uns umgibt, in den letzten Jahren.</p>
<p>Also, so w&#252;rde ich das jedenfalls machen, an eurer Stelle.</p>




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		<title>The Art Of Gratwanderung</title>
		<link>http://www.solokarpfen.de/kultur/1066-art-of-gratwanderung/</link>
		<comments>http://www.solokarpfen.de/kultur/1066-art-of-gratwanderung/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 28 Jul 2009 10:21:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frank Lachmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Ferropolis]]></category>
		<category><![CDATA[Melt]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.solokarpfen.de/?p=1066</guid>
		<description><![CDATA[Das Melt!-Festival in Gr&#228;fenhainichen demonstrierte zum zw&#246;lften Mal, wie man sich von Genregrenzen befreit: indem man sie einfach sehr, sehr weit steckt. Vom Pech mit Headlinern und Gl&#252;ck mit allem anderen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>An einer sogenannten &#8222;Konsensband&#8220; g&#228;be es nichts auszusetzen, w&#252;rde man den Begriff w&#246;rtlich verwenden &#8211; &#8222;Konsens&#8220; als kleinster gemeinsamer Nenner, auf den sich alle Beteiligten irgendwie einigen k&#246;nnen: jeglicher Diskurs w&#228;re dann unn&#246;tig, wahrscheinlich sogar unm&#246;glich. Coldplay ist das Vorzeigebeispiel eines solchen Konsensk&#252;nstlers, eine Band, die irgendwo zwischen Werbecliptauglichkeit und Fahrstuhlmusik das macht, was &#8222;alle&#8220; h&#246;ren wollen, dabei nach M&#246;glichkeit vor allem nicht anecken m&#246;chte, sondern eher breitentaugliche &#8222;Unterhaltung herstellt&#8220;. Woran es per se ja noch nichts zu kritisieren gibt, au&#223;er von denen, die Popmusik f&#252;r eine Art k&#252;nstlerischer Artikulation halten, die eben genau jenes <em>nicht</em> in den Vordergrund stellen sollte &#8211; sondern auf Unverwechselbarkeit, Unterschied und Aussage setzen sollte. Vermutlich deswegen funktioniert der Begriff &#8222;Konsens&#8220; in der Popkultur also ein bisschen anders, n&#228;mlich mit dem durchaus vorwurfsvoll gemeinten Subtext einer fehlenden Distinktion.</p>
<p>Der langen Einleitung endlicher Sinn: seit letztem Wochenende m&#252;ssen sich Oasis, als Headliner am dritten Tag des <a href="http://www.meltfestival.de/">Melt!-Festivals</a> in Gr&#228;fenhainichen bei Dessau das Wochenende beschlie&#223;end, wohl in die gleiche Kategorie jener Konsensbands einordnen lassen.</p>
<p><strong>Null</strong></p>
<p>Dabei lief in den drei Tagen zuvor fast alles prima. Der Veranstalter hatte offenbar aus der organisatorischen Schlappe des Festivals im Vorjahr gelernt und dieses Jahr eine ganze Menge richtig gemacht, von der Begrenzung der Besucherzahlen (erstmals war das Melt! ausverkauft) &#252;ber die klassische Platzierung der verschiedenen B&#252;hnen (wie in den Jahren bis 2007 &#8211; die Wege zwischen den B&#252;hnen/Acts wurden also wieder k&#252;rzer) bis hin zu offensichtlich besser vorbereiteten und freundlicheren Security-Repr&#228;sentanten als noch 2008. Das Melt! als Gratwanderung zwischen Baggersee-Improvisation und Monster-Event einerseits und zwischen Indie-Rock und Elektronik andererseits hatte es da schon immer ein bisschen schwerer, nicht nur wegen der vergleichsweise heterogenen Zielgruppe, sondern auch, weil es immer irgendwie etwas &#8222;besonderes&#8220; sein wollte: inhaltlich/musikalisch nat&#252;rlich, aber auch von der Atmosph&#228;re, erzeugt durch diese Sorte Kids, die sich nur noch selten darum schert, ob ein K&#252;nstler nun ein DJ-Set oder einen Live-Auftritt bringt (an Notebooks stehen sie eh alle), und bei der eben vor allem die eigene Wahrnehmung, der Spa&#223; am Wochenende, die Begeisterungsf&#228;higkeit an der Musik z&#228;hlt, und nicht die mitgeschleppten Bierk&#228;sten und das viert&#228;gige Komakotzen. Das Melt! war schon immer ein Festival, das so gerade noch als kuschelig durchging, bei dem man mit den meisten Leuten nicht nur gut klar kam sondern auch schnell ins Gespr&#228;ch, bei dem es kein Lagerfeuer (sondern <a href="http://www.ferropolis.de/">&#252;berdimensional gro&#223;e Bagger und &#228;hnliche Alt-Industrie-Artefakte</a>) brauchte, um sich wohl zu f&#252;hlen.</p>
<p><strong>Eins</strong></p>
<p><a href="http://www.melt-festival.de/de/presse/pressebilder.html"><img class="aligncenter size-large wp-image-1069" title="Bild: (c) Stephan Flad" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/07/melt-450x225.jpg" alt="Bild: (c) Stephan Flad" width="450" height="225" /></a></p>
<p>Und so ein Festivalwochenende l&#228;uft dann eben doch immer vergleichbar ab: zu Beginn der Freitag voller Euphorie und Neugierde, bei dem die ersten Stunden noch mit dem Beschnuppern des Gel&#228;ndes, dem Treffen von Bekannten, dem Zurechtfinden und Rumtelefonieren verbracht werden. Der Nachmittag und der fr&#252;he Abend, der dann &#252;bergeht, ganz behutsam, in die eigentliche Festivalstimmung &#8211; so auch dieses Jahr. Gisbert zu Knyphausen und This Will Destroy You im Zelt, kurz danach Rex The Dog am anderen Ende des Gel&#228;ndes auf der so genannten &#8222;Big-Wheel-Stage&#8220; (eine von immerhin zwei der f&#252;nf B&#252;hnen, die noch ohne Sponsorennamen auskommen &#8211; die drei anderen geh&#246;ren zu den Momenten, die man zwar als ordentlich unkommerziell sozialisierter Musikfan schon ambivalent betrachtet, aber wenn einem dann andererseits Schuhhersteller und Softdrinkpl&#246;rre dieses Festival und dieses ganze Angebot an Tolligkeit erst m&#246;glich machen, ganz zu schweigen von den f&#252;r Festivalverh&#228;ltnisse mehr als ordentlichen Getr&#228;nkepreisen auf dem ganzen Gel&#228;nde, verschiebt man den Diskurs eben gerne mal im Kopf auf die Tage danach) &#8211; wahrscheinlich nirgendwo anders gelangt man so schnell von beeindruckendem Liedermacher- zu Post-Rock und danach zu einem Electro-Set, das &#8222;sich gewaschen hat&#8220;, wie es meine Oma ausdr&#252;cken w&#252;rde, wenn sie noch leben (und au&#223;erdem Ahnung von elektronischer Tanzmusik haben) w&#252;rde. Bodi Bill, Klaxons, La Roux, R&#246;yksopp, Aphex Twin (letzterer als einziger &#8222;Griff ins Klo&#8220; des ersten Abends mit einem verspult-frickeligen Kunstgalerie-Show-Off und schlechten Backgroundvideos, vor allem jedenfalls nicht mit einer einem Headliner w&#252;rdigen &#8222;Gr&#246;&#223;e&#8220;) &#8211; eine nackte Aufz&#228;hlung nat&#252;rlich, die wie &#252;blich den Nichtdagewesenen vermutlich auch nichts bringen wird, den Mitfeiernden aber eventuell ein L&#228;cheln auf’s Gesicht &#8211; Rezensionen funktionieren ja oft nur &#252;ber Ankn&#252;pfungen und Gemeinsamkeiten. Sogar der nach drei Uhr nachts einsetzende Sturm, der zur Schlie&#223;ung des Gel&#228;ndes und &#8211; gelinde gesagt &#8211; leichtem Chaos f&#252;hren sollte bei den Bussen, die zwischen Festival-Halbinsel und Zelt- beziehungsweise Parkplatz pendelten, konnte da nur anfangs f&#252;r schlechte Laune sorgen. F&#252;r das Wetter konnte der Veranstalter nunmal nichts, und war man erstmal ein paar Kilometer gelaufen, war einem der Regen auch irgendwie egal.</p>
<p><strong>Zwei</strong></p>
<p><a href="http://www.melt-festival.de/de/presse/pressebilder.html"><img class="aligncenter size-large wp-image-1072" title="Bild: (c) Stephan Flad" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/07/melttag2-450x225.jpg" alt="Bild: (c) Stephan Flad" width="450" height="225" /></a></p>
<p>Auch ein zweiter Festivaltag beginnt normalerweise mit Erk&#228;ltung, Kater oder lauten Nachbarn und dementsprechend eher mittelm&#228;&#223;iger Laune.  Da passt es ganz wunderbar ins Konzept, dass das Melt! ein Nachtfestival ist, bei dem &#8222;from dusk til dawn&#8220; gefeiert wird, man also fast den ganzen Sams-Tag zur Regeneration hatte, bevor man sich von den Filthy Dukes wachr&#252;tteln lie&#223;, bei Caribou die Eleganz parallel drummender &#8211; &#228;hm &#8211; Drummer bestaunen konnte und bei Animal Collective immer nur denken musste, dass sich Richard Aphex D. Twin James am Vorabend hier vielleicht mal h&#228;tte abschauen k&#246;nnen, wie man verst&#246;rend-eigenartig und dennoch nicht zu speziell mit elektronischer Musik auf einer Hauptb&#252;hne auftritt. Die restlichen eher m&#252;den Durchh&#228;nger des Samstags (n&#228;mlich: Fever Ray mit sehr viel Show und null Dramaturgie beziehungsweise einem Auftritt, bei dem man sich 55 von 60 Minuten lang fragte, wann es denn nun endlich losgeht; MSTRKRFT auf der B&#252;hne an der &#8222;kleinen Strandbar am See&#8220; mit einem zugegebenerma&#223;en gewohnt prollig-lustigen &#8222;auffe Zw&#246;lf&#8220;-Auftritt; DJ Hell mit einem Set, das sich nicht zwischen &#8222;gleich geht’s los&#8220; und &#8222;guckt mal, ich kann auch Breaks&#8220; entscheiden konnte; und Digitalism auf der Hauptb&#252;hne, gegen deren &#8222;Bratzen-Electro&#8220; beispielsweise im Vergleich Boys Noize hochintellektuelle Kunststudentenmusik gewesen w&#228;re &#8211; und nat&#252;rlich gef&#252;hlt zirka tausend anderen Acts, die man auf so einem Jahrmarkt nicht aktiv wahrnimmt, eventuell am Rande sp&#252;rt, die Anwesenheit f&#252;hlt, im Programmheftchen liest, sie aber dann leider doch verpasst) &#8211; diese genannten m&#252;den Durchh&#228;nger jedenfalls wurden gegen vier Uhr fr&#252;h von Bonaparte so sehr in den Schatten gestellt, dass der parallel stattfindende Sonnenaufgang nur noch als Gimmick am Rande wahrgenommen wurde. &#8222;Menschen, Tiere, Sensationen&#8220; mag wie eine Floskel klingen, ist aber das einzige, woran man noch denken kann, w&#228;hrend man einen Auftritt von Bonaparte sieht. Erwartungsgem&#228;&#223; also auch am Sonntag fr&#252;h: verschwitzte T-Shirts, gl&#252;cklich guckende Menschen, und die Sonne, die gelbe Sau, aufgehend hinter, nein, <em>in</em> dieser unfassbar grandios wirkenden Kulisse. (Denn, nur f&#252;r den Fall, dass es immer noch nicht oft genug erw&#228;hnt wurde: das Melt! ist eines der sch&#246;nsten.)</p>
<p><strong>Drei</strong></p>
<p><a href="http://www.melt-festival.de/de/presse/pressebilder.html"><img class="aligncenter size-large wp-image-1073" title="Bild: (c) Stephan Flad" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/07/melttag3-450x225.jpg" alt="Bild: (c) Stephan Flad" width="450" height="225" /></a></p>
<p>Der Sonntag als dritter Festivaltag wurde erst im letzten Jahr beim Melt! eingef&#252;hrt, denn just zu jenem Zeitpunkt war Bj&#246;rk in der Gegend, die man nicht innerhalb des normalen Festival-Lineups verheizen wollte (und deren Gagenforderung das wahrscheinlich auch nicht gerechtfertigt h&#228;tte) &#8211; so wurde ein Anh&#228;ngsel daraus. Ein dritter Tag, f&#252;r den auch Einzeltickets verkauft wurden, an dem sich einige schon wieder auf den Heimweg machten und andere nur deswegen nach Gr&#228;fenhainichen kamen. Ein dritter Tag, an dem nicht mehr alle B&#252;hnen ge&#246;ffnet hatten, ein &#8222;kleines Festival&#8220; nach dem gro&#223;en, f&#252;r das jemand wie Bj&#246;rk perfekt geeignet war.</p>
<p>Vielleicht h&#228;tte man ja wenigstens Blur anfragen k&#246;nnen, die sich zwar musikalisch auch irgendwo im Konsensabteil aufhalten, deren Reunion-Gigs aber kurz zuvor in London f&#252;r weitaus mehr Aufsehen gesorgt haben, als es ein Oasis-Konzert je erreichen w&#252;rde &#8211; schlie&#223;t man einmal vorsichtig von der Resonanz des Publikums an diesem Sonntagabend auf den &#8222;Impact&#8220;, den eine Band wie Oasis offenbar nur noch hat. Dass keine Zugabe gespielt wurde, mag bei anderen Bands ein origineller Bruch mit festen Live-Ritualen sein, bei Oasis war es nur konsequent und nicht anders zu erwarten, staunte man doch fast eineinhalb Stunden lang &#252;ber das Nicht-Ausflippen einer Menschenschar, &#252;ber das Ausbleiben jeglicher Euphorie, &#252;ber das Qu&#228;len durch eine Setlist, die noch nicht einmal Tiefen hatte &#8211; neunzig Minuten ohne H&#246;hen h&#228;tte man wenigstens noch als Inspiration f&#252;r einen originell formulierten Verriss nutzen k&#246;nnen, aber neunzig Minuten ohne Tiefen lie&#223;en einen dann leider auch nur noch permanent auf die Uhr sehen. Oder auf die Kulisse, denn die war &#8211; ich wiederhole mich.</p>
<p>Der dritte Festivaltag als solcher mag funktionieren (und er hat es auch dieses Jahr, obwohl die gro&#223;artigen Glasvegas ihren Auftritt schon bei Sonnenlicht spielen mussten, obwohl Polarkreis 18 im Lineup standen, obwohl eines der Festivalhighlights &#8211; Yuksek &#8211; fast unbemerkt auf der Gemini-Stage versteckt wurde, und obwohl &#8211; nein, gerade <em>weil</em> Kasabian kurz vor dem sogenannten Headliner Oasis deren Job &#252;bernommen und die Massen zum Ausrasten gebracht haben). Vielleicht findet sich ja n&#228;chstes wieder ein w&#252;rdigerer Abschluss.</p>
<p>Abgesehen davon n&#228;mlich war alles sehr prima, dort auf der Halbinsel, zwischen den Baggern.</p>
<p><strong>Dreizehn</strong></p>
<p>2010.</p>




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		<title>Never been closer to heaven, never been further away</title>
		<link>http://www.solokarpfen.de/kultur/921-closer-to-heaven-further-away/</link>
		<comments>http://www.solokarpfen.de/kultur/921-closer-to-heaven-further-away/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 03 Jul 2009 15:29:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frank Lachmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Moby]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Pet Shop Boys]]></category>

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		<description><![CDATA[Moby im Heimathafen Neuk&#246;lln und die Pet Shop Boys im Tempodrom: die Neunziger Jahre waren zu Gast in Berlin, einmal auf die tragische Art und einmal auf die beeindruckende. Zwei Konzertkritiken zum Preis von einer.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Schwarzmarkth&#228;ndler sind bei den gr&#246;&#223;eren ausverkauften Konzerten ja meistens die gleichen, und man durchschaut sie auch recht schnell: gut organisiert &#228;hnlich der H&#252;tchenspieler-Mafia, meist zu dritt oder viert unterwegs &#8211; einer (Typ: Fan der Band, zwischen studentisch und pleite) sucht mit handgeschriebenem Schild ein Ticket, das er im Erfolgsfall (Kauf zum Originalpreis) seinem Kollegen (Typ: Sakko und Umh&#228;ngetasche, Jeans) weitergibt (manchmal &#252;ber den dazwischen aufgebauten Brezel-Verkaufsstand), der es wiederum weiter vorn &#252;ber die Mitleidsmasche (&#8222;selbst zu teuer bei ebay gekauft, Kumpel hat abgesagt&#8220;) zum ungef&#228;hr doppelten Preis an verzweifelte echte Fans der Band verkauft. Beim Konzert von Moby letzte Woche standen sie, genau wie zwei Tage sp&#228;ter beim Konzert der Pet Shop Boys, und ging man mit halbwegs offenen Augen zu diesen beiden Konzerten, sah man das nicht als einzige Gemeinsamkeit.</p>
<p>Moby im Neuk&#246;llner Heimathafen, einer &#8211; gemessen am ehemaligen Starkult rund um den Amerikaner &#8211; mit zirka 600 Personen Fassungsverm&#246;gen eher kleinen und in Berlin auch un&#252;blichen Konzertlocation, die entsprechend schnell ausverkauft war, nicht nur weil es eines von nur drei Solokonzerten in Europa f&#252;r Moby sein sollte. Das neue Album &#8222;Wait for me&#8220; im Gep&#228;ck, man kennt das, ganz klassisch &#8211; Live als Unterst&#252;tzung f&#252;r den Plattenverkauf, im Jahr 2009 schon fast eine anachronistische Geste, l&#228;uft es mittlerweile doch meist umgekehrt. &#220;berhaupt, der 90er-Flashback: das Publikum im Schnitt Mitte 30, der Saal durchaus nicht komplett gef&#252;llt, daher fast &#252;berall gute Sicht und guter Sound. Selten genug. Und auch &#252;berall drumherum permanent das Gef&#252;hl, beim Einlass durch eine Zeitmaschine gegangen zu sein: Getr&#228;nkepreise auf ordentlich-angenehmem Neuk&#246;lln-Niveau, als Security keine kurzhaarigen Anabolika-Kampfmaschinen, sondern &#228;ltere Herren im Anzug mit Namensschildchen, urspr&#252;nglich vermutlich als Platzanweiser gecastet. Schick.</p>
<p><div id="attachment_924" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><a href="http://www.flickr.com/photos/ianduffy/3633291641/"><img class="size-medium wp-image-924" title="Bild: (cc) ianduffy @ flickr.com" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/07/moby-250x187.jpg" alt="Moby 2009" width="250" height="124" /></a><p class="wp-caption-text">Moby 2009</p></div> Das Problem nur: der 90er-Flashback blieb auch w&#228;hrend des Konzerts bestehen. Ein Moby-Konzert ist Chefsache, jener Chef dirigiert also die restlichen sechs Bandmitglieder mit sichtbar verkniffenem Gesichtsausdruck, fast m&#246;chte man sagen &#8222;neurotisch&#8220;, und w&#228;re da nicht noch Joy Malcolm mit ihrer erwartungsgem&#228;&#223; beeindruckenden (aber dadurch eben auch nicht wirklich &#252;berraschenden) Soulstimme, w&#228;re das Treiben auf der B&#252;hne ein ziemlich manisch-m&#228;nnliches geblieben &#8211; Muckertum, dem man eigentlich auch noch Gitarren- und Drum-Solos zugetraut h&#228;tte. So aber gab es immerhin eine Band zu sehen, die &#8211; ja, was denn, eigentlich? Eine Band, die die Moby-Hits und Songs vom neuen Album nachspielte. &#8222;Natural Blues&#8220; und &#8222;Go&#8220; waren dabei, &#8222;We&#8216;re All Made Of Stars&#8220; nat&#252;rlich auch, die eine oder andere Coverversion selbstverst&#228;ndlich. Fast w&#252;nscht man sich einen Affront des Publikums, um wenigstens ein bisschen &#252;berrascht zu werden. Als &#8222;Wohlf&#252;hlsoundtrack zur Dotcom-Blase&#8220; beschreibt <a href="http://www.tagesspiegel.de/kultur/pop/Moby-Heimathafen-Neukoelln;art971,2831492">J&#246;rg Wunder im Tagesspiegel</a> die bekannten Hits, und genau so wirkt dann leider auch jedes Detail: als &#8222;damals war&#8217;s nett, aber heute k&#246;nnten das andere besser&#8220;. Ein bisschen Soul, ein bisschen Elektronik, ein bisschen Ambient-/Klangteppich, ein bisschen Ohrwurm &#8211; klar, angenehm, sch&#246;n, aber dann eben doch irgendwie ohne Relevanz f&#252;r das, was Musik im Jahr 2009 stehen sollte. F&#252;r das, wof&#252;r ein K&#252;nstler wie Moby mit all seinen <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Moby#Charity">Weltverbesserungsabsichten</a> im Jahr 2009 eigentlich stehen m&#252;sste.</p>
<p>Nichts davon war schlecht, nichts davon war so, dass man das ausgegebene Geld bereut h&#228;tte, aber ich war auch nicht der einzige, der sich oft eher ratlos umgesehen hat: da h&#228;tte eine Moby-Coverband auf der B&#252;hne stehen k&#246;nnen, es h&#228;tte keinen Unterschied gemacht. Und die Belanglosigkeit im Auftritt passte dann doch wieder zum Setting und Publikum: bei den Hits im Takt mitklatschend als w&#228;re man bei &#8222;Wetten, dass..?&#8220;, und auch sonst eher &#8222;dancend&#8220; als tanzend, als w&#228;re man auf einer &#220;30- oder Afterwork-Party und nicht auf einem Konzert. Ist es anma&#223;end, wenigstens ein kleines bisschen Innovation zu erwarten? Auf ein kleines bisschen &#8222;Wow!&#8220; oder wenigstens &#8222;Uff!&#8220; zu hoffen? Es blieb bei einem &#252;berfl&#252;ssigen &#8211; nein, nicht mal &#252;berfl&#252;ssig, sondern: es wurde ein egaler Abend, der dem Albumtitel &#8222;Wait for me&#8220; einen eigenartigen Subtext verlieh. Moby rennt den Nuller Jahren hinterher.</p>
<p>Mit schlimmsten Bef&#252;rchtungen also zwei Tage sp&#228;ter auf dem Weg zu den Pet Shop Boys ins Tempodrom, denn das Argument &#8222;es kann eigentlich nur besser werden&#8220; war ja noch nie ein haltbares. Jedenfalls nicht, wenn eine Band f&#252;r einen so betr&#228;chtlichen Teil der eigenen musikalischen Sozialisation verantwortlich ist wie das bei den Pet Shop Boys der Fall ist. 4000 Leute im ausverkauften Tempodrom, nicht ganz so kuschelig wie bei Moby also, aber kein Hallen-Monster wie die Treptower Arena oder, Gott bewahre, eines dieser seelenlosen Sponsorennamen-Mehrzweckhallen-Unget&#252;me. Aber auch Gemeinsamkeiten: gleiche Zielgruppe und &#228;hnlicher Altersschnitt wie zwei Tage zuvor. Und dass f&#252;r ein Konzert -teilweise- Sitzplatztickets verkauft wurden, dass ein Konzert von Antenne Brandenburg pr&#228;sentiert wird, und dass die Vorband unertr&#228;glich schmalzigen Deutschpop-Chansonschlager (think &#8222;bastard child of <a href="http://www.telemusic.de/magazine/">Tele</a> &amp; <a href="http://www.anajo.de/">Anajo</a>&#8220;) macht, so dass man ihren Namen sofort wieder vergisst &#8211; all das verhei&#223;t normalerweise auch nichts unbedingt gutes.</p>
<p>Aber!</p>
<p>Da waren ja schlie&#223;lich noch die Pet Shop Boys. Neil Tennant und Chris Lowe, deren Bild beim Stichwort &#8222;perfektionierte musikalische Kulissenschieberei&#8220; vor dem geistigen Auge auftaucht (und das vermutlich sogar im 90er-Jahre-Styling mit &#8222;Boy&#8220;-Cap).</p>
<blockquote><p>(&#8230;) k&#246;nnten wahnsinnig viel falsch machen, fast wartet man auf eine geschmackliche Entgleisung. Sie k&#246;nnten zum Beispiel Pyrotechnik einsetzen. Sie k&#246;nnten nackte T&#228;nzer mit Engelsfl&#252;geln sich abseilen lassen. Sie k&#246;nnten auch &#252;ber schmale Laufstege ins Publikum schreiten oder einfach zu viel sprechen. Aber sie tun das alles nicht. Nach 14 Platten und 23 Jahren Bandgeschichte hat man hat schlie&#223;lich einen Ruf zu verlieren.<br />
<em>(&#8211; <a href="http://www.tagesspiegel.de/kultur/pop/Pet-Shop-Boys-Tempodrom-Kreuzberg;art971,2833455">Esther Kogelboom im Tagesspiegel</a>)</em></p></blockquote>
<p>Nicht, dass dieser Vergleich notwendig w&#228;re, aber: Alles, was man Moby anlasten k&#246;nnte, haben die Pet Shop Boys an diesem Abend n&#228;mlich richtig gemacht. Auch sie sind eine 90er-Band, auch sie spielen zu einem Gro&#223;teil Best-Of-Shows (wie man das in der Depeche-Mode- oder eben Moby-Gr&#246;&#223;enordnung nun mal so macht), also neben den durchaus vorhandenen aktuellen Songs und Single-Auskopplungen (sagt man dazu eigentlich wirklich noch &#8222;Auskopplungen&#8220;?) eben die Tracks der eigenen musikalischen Geschichte, die von Tracks zu Songs und von Songs zu Hymnen wurden (und von Hymnen wieder zu Kult, von &#8222;Go West&#8220; mal abgesehen, das von der Hymne zum Kitsch wurde).</p>
<p><div id="attachment_923" class="wp-caption alignleft" style="width: 259px"><a href="http://www.flickr.com/photos/saskiaspang/3631351849/"><img class="size-medium wp-image-923" title="Bild: (cc) Siegrid_Ur_Pils @ flickr.com" src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/07/petshopboys-249x187.jpg" alt="Pet Shop Boys 2009" width="249" height="124" /></a><p class="wp-caption-text">Pet Shop Boys 2009</p></div> Aber die Pet Shop Boys machen dann eben auch nicht jenen Fehler, sich auf die Greatest Hits zu verlassen: der schmale Grat zwischen &#8222;dem Sitzplatzpublikum die neue Single abspielen&#8220; und &#8222;den seit-20-Jahren-Fan-Fans eine Freude machen&#8220; wurde nie verlassen &#8211; und wenn, dann h&#246;chstens so, dass jede der beteiligten Zielgruppen ihren Spa&#223; daran hatte, etwa wenn aus der (neuen) Single &#8222;Pandemonium&#8220; und dem Klassiker &#8222;Can You Forgive Her&#8220; mal eben ein Mashup gemacht wurde, genau wie aus &#8222;Closer To Heaven&#8220; und &#8222;Left To My Own Devices&#8220;. Oder dass die Show mit &#8222;Heart&#8220; er&#246;ffnet wurde und nicht mit &#8222;Love Etc.&#8220;, &#8211; oder dass in einem anderen Track ein Sample aus &#8222;Paninaro&#8220; (kurz angespielt) versteckt wurde.</p>
<p>F&#252;r die Antenne-Brandenburg-H&#246;rer &#8222;Go West&#8220;, f&#252;r die <a href="http://www.geowayne.com/master.html?http://www.geowayne.com/setlisttable.htm">Setlist-Nerds</a> das zuletzt auf der 1991er-Tour gespielte &#8222;Jealousy&#8220;. F&#252;r alle im Saal &#8222;Being Boring&#8220; (einen der wenigen mir bekannten Songs, dem eine <a href="http://www.10yearsofbeingboring.com/">vollst&#228;ndige Website</a> gewidmet ist), f&#252;r mich &#8222;King&#8217;s Cross&#8220;. Und all das zu einem Stagedesign und w&#228;hrend einer Choreographie, die ebenso scharf auf der Grenze zwischen &#8222;Clubkonzert&#8220; und &#8222;Mega-Event&#8220; balancierten: technisch perfekt, und trotzdem mit Seele. &#8222;West End Girls&#8220; zum Abschluss und das Versprechen, im <a href="http://www.koka36.de/pet%20shop%20boys_veranstaltung_31420.html">Dezember wieder nach Berlin</a> zu kommen, und ein Gro&#223;teil der Anwesenden w&#228;re noch am gleichen Abend Karten kaufen gegangen, h&#228;tte es schon welche gegeben.</p>
<p>Sogar aus den hinteren Reihen konnte man an einigen Stellen w&#228;hrend des Konzerts das ganz subtil angedeutete L&#228;cheln im Gesicht Neil Tennants erkennen, eines dieser L&#228;cheln, das man aus M&#228;nnerfreundschaften kennt, wenn man nicht viel miteinander reden muss, aber sich eben auch ohne gro&#223;e Worte versteht. Das Publikum wusste, da&#223; die Pet Shop Boys wissen, dass es (das Publikum) sich &#252;ber bestimmte Songs freuen w&#252;rde, und das wiederum wussten die Pet Shop Boys &#8211; und das ist im echten Leben gar nicht so kompliziert, wie es sich jetzt liest. So war das jedenfalls zwischen den Jungs auf der B&#252;hne und dem Publikum an diesem Abend: Verbundenheit. Sowas bekommt ein Moby einfach nicht hin.</p>
<p><img src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/07/mobypsb-450x225.jpg" alt="Bilder: (cc) PinkFunhouse13&amp; Beaucoupkevin @ wikipedia.org / Bildmontage: Solokarpfen" title="Bilder: (cc) PinkFunhouse13&amp; Beaucoupkevin @ wikipedia.org / Bildmontage: Solokarpfen" width="450" height="225" class="alignnone size-large wp-image-935" /></p>
<p><em>[Bildquellen: (cc) <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/File:Mobydj.jpg">PinkFunhouse13</a> &#038; <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/File:Pet_shop_boys_boston_concert.jpg">Beaucoupkevin</a> @ wikipedia.org]</em></p>




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		<title>Es sind die kleinen Dinge, die z&#228;hlen</title>
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		<pubDate>Wed, 10 Jun 2009 22:02:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Frank Lachmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Fernsehen]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturpessimismus]]></category>
		<category><![CDATA[MTV]]></category>
		<category><![CDATA[Musikfernsehen]]></category>

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		<description><![CDATA[Ab heute existiert mit "MTV Home" der zaghafte (und seit l&#228;ngerer Zeit erste) Versuch des einstigen Musiksenders, zu einem eigenen Profil zur&#252;ckzufinden, das nicht vom US-Mutterkonzern diktiert wird.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Viel wurde geschrieben &#252;ber die Geschichte des Musikfernsehens in Deutschland. &#220;ber die Anf&#228;nge von MTV, &#252;ber den Zusammenschluss mit VIVA, &#252;ber die Abschaltung von VIVA2, &#252;ber die Parallelen zu den Schwierigkeiten der orientierungslosen Musikindustrie insgesamt. Und vor allem auch &#252;ber die schleichende &#196;nderung im Programm der urspr&#252;nglich als Musikfernsehen gedachten Kan&#228;le hin zu einem Klingelton-Werbeprogrammplatz oder der Abspielstelle f&#252;r amerikanische Teenie-Massenformate, in denen Cribs gepimpt und Dates ge-reallifesoap-inszeniert werden. Aber dass das, was sich mal Musikfernsehen nannte, irgendwann einen tragischen Verlauf genommen und sich seit ein paar Jahren offenbar eine Zielgruppe im unteren einstelligen IQ-Bereich ausgeguckt hatte: geschenkt. Das mag wirtschaftliche Gr&#252;nde mit einer Mischung aus Zielgruppenforschung und Zeitgeist zu tun gehabt haben, und ein erneutes Wiederaufbereiten und Analysieren mit klassisch kulturwissenschaftlichem Pessimismus soll jetzt auch nur kurz, im Subtext dieses Absatzes, stattfinden.</p>
<p><div id="attachment_551" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><a href="http://presse.mtv.de/"><img src="http://www.solokarpfen.de/wp-content/uploads/2009/06/mtvhome-small.jpg" alt="MTV Home - Die Moderatoren" title="Bild: (c) MTV / Montage: Wolfram Arntzen" width="250" height="125" class="size-full wp-image-551" /></a><p class="wp-caption-text">MTV Home - Die Moderatoren</p></div>Aber gerade deswegen, vielleicht, sollte auf &#8222;<a href="http://mtvhome.de/">MTV Home</a>&#8220; hingewiesen werden. Das Format &#8222;drei Moderatoren sitzen in einem Studio, reden bl&#246;des Zeug und zeigen Einspieler&#8220; mag jetzt allzu spektakul&#228;r nicht klingen und ist es wohl auch nicht. Aber als Oase inmitten des oben genannten Quatschs: eine Wohltat. Und wom&#246;glich durchaus auch ein erstes Anzeichen der Genesung des Senderprofils, seit dem Weggang von Catherine M&#252;hlemann als Senderchefin beziehungsweise dem darauf folgenden Wechsel zu Dan Ligtvoet im Sommer letzten Jahres.</p>
<p>Die drei Moderatoren von &#8222;MTV Home&#8220; sind <a href="http://mtvhome.de/characters/10">Klaas Heufer-Umlauf</a>, <a href="http://mtvhome.de/characters/14">Joko Winterscheidt</a> und <a href="http://mtvhome.de/characters/6">Palina Rojinski</a>; das Studio ist wie in einer amerikanischen Sitcom als Wohnung beziehungsweise WG inszeniert; die Rubriken und Einspieler scheinen irgendwo zwischen &#8222;nett gemeint&#8220; und &#8222;h&#228;tte man MTV gar nicht zugetraut, jedenfalls nicht nachmittags&#8220; zu oszillieren; der Humor ist vermutlich bekannt, wenn man die Hauptpersonen Heufer-Umlauf oder Winterscheidt schon mal in einem anderen Format erlebt hat. Das ist alles nichts au&#223;ergew&#246;hnliches oder besonderes, und trotzdem hat man den Eindruck, dass es ein erster kleiner Schritt zur&#252;ck zu brauchbarem Fernsehen sein k&#246;nnte – nicht nur im Vergleich mit dem Mist, der sonst auf den hinteren Programmpl&#228;tzen gezeigt wird.</p>
<p>In der ersten Sendung beispielsweise soll es eine Live-Schaltung nach St. Moritz zum &#8222;Society-Event des Monats&#8220; geben, zur soundsovielten Borisbeckerschen Hochzeit – allerdings nicht, um hinter Frauke Ludowig her zu filmen, sondern um Beckers Ex-Freundinnen exklusiv (jedenfalls: exklusiv um 16:30 Uhr) zu interviewen. Daneben werden nachts (dem Anschein nach: Friedrichshainer) Studenten aus dem Schlaf geklingelt, Oliver Pocher in eine (leider nicht zugenagelte) Kiste gesteckt, weiterhin gibt es Einspieler mit geradezu erstaunlicher political incorrectness (f&#252;r Mainstream-TV-Inhalte) sowie – man sehe und staune – Live-Musik, im Studio. Auch wenn das in der ersten Sendung nur &#8222;<a href="http://mtvhome.de/posts/30">die Atzen Manny Marc und Frauenarzt</a>&#8220; sein werden – selten genug.</p>
<p>Nat&#252;rlich: das klingt alles immer noch nach Quatsch anstatt nach Musikfernsehen, wie es Mittdrei&#223;iger von VIVA2 gewohnt waren. Aber wenigstens nach am&#252;santem Quatsch: nach einer &#8222;netten&#8220; Show, die niemandem weh tut. Weil sie niemandem weh tun will, einerseits, aber auch weil sie nicht ganz so sehr die Intelligenz der Zuschauer beleidigt wie man bei MTV bisher bef&#252;rchten musste, andererseits.</p>
<p>&#8222;MTV Home&#8220;, w&#246;chentlich ab 12.6., freitags 16:30 Uhr.</p>




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